Hebebühnenprüfer werden Sie, wenn Sie eine technische Berufsausbildung, praktische Erfahrung mit Hebebühnen und eine aktuelle Tätigkeit in diesem Bereich mitbringen und das Prüfwissen nach DGUV Grundsatz 308-002 erwerben. Danach beauftragt Sie Ihr Arbeitgeber schriftlich als befähigte Person, bei Hebebühnen Sachkundiger genannt. Typische Ausgangsberufe sind Kfz-Mechatroniker, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Industriemechaniker und Servicetechniker. Das Prüfwissen vermittelt ein Online-Kurs für 550 € in rund drei Stunden. Ein eigener Ausbildungsberuf „Hebebühnenprüfer“ existiert nicht.
Was macht ein Hebebühnenprüfer im Alltag?
Ein Hebebühnenprüfer prüft Hebebühnen und Hubarbeitsbühnen mindestens einmal im Jahr auf ihren sicheren Zustand, bewertet Mängel, entscheidet über Weiterbetrieb oder Sperre und dokumentiert das Ergebnis im Prüfbuch. In den wenigsten Fällen ist das ein Vollzeitjob. Die meisten Prüfer sind Werkstattmeister, Mechatroniker oder Servicetechniker, für die das Prüfen ein Teil ihrer Aufgaben ist. Gerade das macht die Rolle attraktiv: Sie erweitert den bisherigen Beruf, statt ihn zu ersetzen, und bringt mehr Verantwortung mit sich.
Im eigenen Betrieb
In einer Werkstatt mit mehreren Bühnen bündelt der Prüfer die Jahresprüfungen meist auf ein oder zwei Tage außerhalb der Reifensaison. Zwischendurch prüft er nach Reparaturen, gibt Bühnen nach dem Tausch eines Schlauchs oder einer Tragmutter wieder frei und ist Ansprechpartner, wenn Kollegen etwas Auffälliges melden. Er kennt jede Bühne und ihre Vorgeschichte, was die Bewertung von Verschleiß deutlich erleichtert.
Im Service oder Mietpark
Bei Vermietern und Serviceunternehmen ist die Prüfung Teil des Tagesgeschäfts. Ein typischer Tag: morgens drei Scherenbühnen, die aus der Miete zurückgekommen sind, prüfen und für die nächste Vermietung freigeben, mittags zu einem Kunden fahren und dort zwei Gelenkteleskopbühnen prüfen, am Nachmittag Prüfbücher nachtragen und Ersatzteile für eine gesperrte Bühne bestellen. Hier kommt es neben dem technischen Wissen auf saubere Dokumentation an, denn jeder Prüfeintrag wird von Kunden und Berufsgenossenschaft gelesen.
Welche Voraussetzungen brauchen Sie?
Die Anforderungen ergeben sich aus der Betriebssicherheitsverordnung und der TRBS 1203. Es gibt keine Abkürzung, und ein Kurs allein reicht nicht. Gefordert sind drei Dinge:
- Berufsausbildung: eine abgeschlossene technische Ausbildung, etwa als Kfz-Mechatroniker, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker oder ein technisches Studium.
- Berufserfahrung: praktische Arbeit mit Hebebühnen, ihrer Mechanik, Hydraulik und Steuerung, nicht nur als Bediener.
- Zeitnahe Tätigkeit: Sie arbeiten aktuell an oder mit Hebebühnen und bilden sich regelmäßig fort.
Ehrlich gesagt: Wer Hebebühnen bisher nur bedient hat, etwa mit einem Bedienerschein für Hubarbeitsbühnen, ist noch kein geeigneter Prüfer, auch nicht nach einem Kurs. Wer dagegen seit Jahren Bühnen repariert und wartet, bringt die Praxis mit und braucht vor allem das systematische Prüfwissen. Die Beurteilung, ob Sie geeignet sind, trifft am Ende Ihr Arbeitgeber, der Sie beauftragt. Legen Sie ihm deshalb Ausbildungsnachweis, eine kurze Beschreibung Ihrer Erfahrung mit Hebebühnen und das Kurszertifikat vor. Einen Selbstcheck finden Sie unter Voraussetzungen für befähigte Personen.
Was verdient ein Hebebühnenprüfer?
Einen eigenen Tarif für Hebebühnenprüfer gibt es nicht, weil die Tätigkeit fast immer Teil eines anderen Berufs ist. Die folgenden Angaben sind deshalb Richtwerte und keine verbindlichen Zahlen.
Als Angestellter
Die Prüfqualifikation erhöht das Gehalt selten automatisch. Sie macht Sie aber zu dem Mitarbeiter, der dem Betrieb jedes Jahr Geld spart: Bei einem Richtwert von rund 280 € pro Bühne für einen externen Prüfdienst und etwa einer Stunde eigener Prüfzeit bleiben pro Bühne und Jahr gut 200 € im Betrieb. Bei zehn Bühnen sind das über 2.000 € jährlich. Das ist ein gutes Argument für eine Zulage, für mehr Verantwortung oder für den Schritt zum Servicetechniker oder Werkstattleiter. Mehr dazu unter Gehalt als UVV-Prüfer.
Als Selbstständiger
Externe Prüfdienste berechnen als Richtwert 150 bis 500 € pro Bühne. Davon gehen Fahrzeit, Fahrzeugkosten, Versicherung, Verwaltung und Zeit für die Kundengewinnung ab. Realistisch ist ein Zusatzverdienst neben einer Haupttätigkeit oder ein Prüfangebot als Teil eines breiteren Serviceangebots, etwa zusammen mit Wartung und Reparatur.
Der Weg zum Hebebühnenprüfer in fünf Schritten
Der Weg ist kürzer, als viele denken, wenn die berufliche Grundlage stimmt:
- Voraussetzungen prüfen: Passen Ausbildung, Erfahrung und aktuelle Tätigkeit zu Hebebühnen?
- Prüfwissen erwerben: Im Online-Kurs lernen Sie Rechtsgrundlagen, Prüfarten, Prüfstellen, die Bewertung von Hydraulikschläuchen und Kriterien zur Ablegereife.
- Abschlusstest bestehen: 35 Fragen in 45 Minuten, danach erhalten Sie Ihr Zertifikat.
- Beauftragung einholen: Ihr Arbeitgeber bestimmt Sie schriftlich als befähigte Person für Hebe- und Hubarbeitsbühnen.
- Erste Prüfungen durchführen: am besten mit der Anleitung zur Hebebühnen-Prüfung und der Checkliste, sauber dokumentiert im Prüfbuch.
Danach halten Sie Ihre Fachkunde aktuell: regelmäßig prüfen, Änderungen in den Regelwerken verfolgen und bei neuen Bühnentypen nachschulen. Für die ersten Prüfungen empfiehlt es sich, mit einer Bühne zu beginnen, die Sie gut kennen, und sich Zeit zu nehmen. Wer vorher einmal einen externen Prüfer begleitet hat, weiß zudem, worauf in der Praxis besonders geachtet wird. Die Grundlagen zur Prüfpflicht fasst die Seite zur UVV-Prüfung von Hebebühnen zusammen.
Welche Qualifikation passt zu Ihrem Beruf?
Hebebühnen stehen selten allein. Je nach Beruf lohnt es sich, gleich weitere Prüfbereiche mitzunehmen, die im selben Betrieb vorkommen:
| Beruf oder Tätigkeit | Empfohlene Kurse | Preis |
|---|---|---|
| Kfz-Mechatroniker, Werkstattmeister | Hebebühnen + Fahrzeuge | 550 € + 420 € |
| Land- und Baumaschinenmechatroniker | Hebebühnen + Flurförderzeuge | 550 € + 525 € |
| Servicetechniker Arbeitsbühnenvermietung | Hebebühnen, bei Lkw-Bühnen + Fahrzeuge | 550 € (+ 420 €) |
| Industriemechaniker in der Instandhaltung | Hebebühnen + Krane | 550 € + 620 € |
| Haustechniker im Facility Management | Hebebühnen + Leitern | 550 € + 275 € |
Wichtig bei jeder Kombination: Die Voraussetzungen der TRBS 1203 gelten für jeden Prüfbereich einzeln. Wer Krane mitprüfen will, braucht auch Erfahrung mit Kranen, ein zweiter Kurs allein genügt nicht. Die Preise gelten pro Teilnehmer und Kurs, jeder Kurs endet mit eigenem Abschlusstest und Zertifikat. Die Kombination mit dem Kurs zur befähigten Person für Fahrzeuge ist in Werkstätten besonders verbreitet, weil Firmenwagen und Transporter dort ohnehin gewartet werden. Für Industriemechaniker liegt der Kurs zur befähigten Person für Krane nahe, weil Hallenkrane und Hebebühnen in der Instandhaltung oft in einer Hand liegen. Welche Kombination zu Ihrem Betrieb passt, zeigt der Kurs-Finder. Einen Überblick über alle Prüfbereiche gibt die Seite UVV-Prüfer werden.
Beispiel-Werdegang: vom Mechatroniker zum Prüfer
Das folgende Beispiel ist ausgedacht und dient der Veranschaulichung. Ein Kfz-Mechatroniker, 34 Jahre, arbeitet seit zwölf Jahren in einer freien Werkstatt mit fünf Hebebühnen. Er wechselt regelmäßig Tragmuttern und Hydraulikschläuche und wird von Kollegen gerufen, wenn eine Bühne Probleme macht. Die jährliche Prüfung übernahm bisher ein Prüfdienst, der zuletzt im Oktober kam, mitten in der Reifensaison.
Er schlägt seinem Chef vor, die Prüfung selbst zu übernehmen, und legt die Rechnung vor: fünf Bühnen zu je rund 280 € ergeben 1.400 € im Jahr, der Kurs kostet einmalig 550 €. Der Chef stimmt zu. Der Mechatroniker arbeitet den Kurs an zwei Abenden durch, besteht den Abschlusstest und wird schriftlich beauftragt. Im Juni prüft er alle fünf Bühnen an einem Tag, findet eine abgenutzte Tragarmarretierung und lässt sie noch vor der Saison tauschen. Ein Jahr später übernimmt er zusätzlich die Prüfung der Firmenfahrzeuge und ist im Betrieb der Ansprechpartner für alle Prüfthemen.
Wie lässt sich die Weiterbildung finanzieren?
In den meisten Fällen zahlt der Arbeitgeber, denn er profitiert direkt von der Ersparnis. Bezahlt wird per Rechnung, die Rechnungsadresse geben Sie bei der Anmeldung an. Für Betriebe ist eine berufliche Weiterbildung in der Regel als Betriebsausgabe absetzbar. Zahlen Sie den Kurs selbst, etwa weil Sie sich beruflich verändern möchten, kommen Werbungskosten in Betracht, die verbindliche Auskunft gibt Ihr Steuerberater.
Öffentliche Förderprogramme setzen oft bestimmte Zulassungen oder Mindeststundenzahlen voraus, die ein kompakter Online-Kurs nicht immer erfüllt. Fragen Sie im Einzelfall bei der zuständigen Stelle nach, bevor Sie sich darauf verlassen. Tipps für das Gespräch mit dem Chef finden Sie unter Arbeitgeber von der Weiterbildung überzeugen, weitere Wege unter Weiterbildung finanzieren.
Externer Prüfdienst
- 5 Hebebühnen × ca. 280 €
- jedes Jahr erneut
- Termin oft in der Saison
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs, ca. 3 Stunden
- plus ca. 200 € Arbeitszeit pro Jahr
- Prüfung außerhalb der Saison
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Häufige Fragen zum Hebebühnenprüfer
Gibt es eine Ausbildung zum Hebebühnenprüfer?
Einen eigenen Ausbildungsberuf gibt es nicht. Hebebühnenprüfer ist eine Zusatzqualifikation, die auf einer technischen Berufsausbildung aufbaut. Rechtlich spricht man von der befähigten Person im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung, im DGUV Grundsatz 308-002 vom Sachkundigen. Wer die Voraussetzungen der TRBS 1203 erfüllt, erwirbt das Prüfwissen in einem Kurs und wird vom Arbeitgeber schriftlich beauftragt. Erst dann darf er rechtswirksam prüfen.
Wie lange dauert es, Hebebühnenprüfer zu werden?
Wenn Ausbildung und Erfahrung vorhanden sind, geht es schnell. Der Online-Kurs hat eine Lernzeit von etwa drei Stunden, der Zugang bleibt 52 Wochen bestehen. Danach folgen der Abschlusstest mit 35 Fragen in 45 Minuten und die schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber. Vom Kursstart bis zur ersten eigenen Prüfung vergehen deshalb oft nur wenige Wochen, abhängig davon, wann Sie Zeit zum Lernen finden.
Darf ich als Hebebühnenprüfer auch für andere Betriebe prüfen?
Grundsätzlich ja, die befähigte Person ist nicht an einen Arbeitgeber gebunden. Als Selbstständiger oder für einen Prüfdienst brauchen Sie aber eine passende Absicherung, etwa eine Berufshaftpflichtversicherung, und der jeweilige Auftraggeber muss Sie als geeignet ansehen. Außerdem müssen Sie die zeitnahe Tätigkeit nachweisen können. Mehr zum Thema lesen Sie auf der Seite zur Selbstständigkeit als UVV-Prüfer.
Muss ich die Qualifikation regelmäßig auffrischen?
Eine feste Frist schreibt die TRBS 1203 nicht vor, sie verlangt aber eine zeitnahe berufliche Tätigkeit einschließlich Fortbildung. Wer regelmäßig Hebebühnen prüft und die Entwicklung der Regelwerke verfolgt, erfüllt das weitgehend. Sinnvoll ist eine gezielte Auffrischung, wenn sich Regelwerke ändern, neue Bühnentypen in den Betrieb kommen oder Sie längere Zeit nicht geprüft haben. Der Kurszugang bleibt 52 Wochen bestehen.
Kann ich mit dem Kurs auch Sachverständiger werden?
Nein. Sachverständige für Hebebühnen haben besondere Kenntnisse und prüfen nach Konstruktionsänderungen oder wesentlichen Reparaturen tragender Teile. Dafür sind in der Regel eine höhere Qualifikation und umfangreiche Erfahrung nötig. Der Kurs qualifiziert für die Prüfungen durch den Sachkundigen, also für die Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme und die jährliche Prüfung, die den größten Teil der Arbeit ausmachen.