Anschlagkette prüfen: So messen Sie Glieddicke, Längung und Haken richtig

Die Anschlagkette ist das robusteste Anschlagmittel im Betrieb und gerade deshalb das, dessen Verschleiß am häufigsten unterschätzt wird. Diese Anleitung zeigt, wo Sie messen, wie Sie die Werte bewerten und welche Bauteile oft übersehen werden.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 10 Min.
Kurz beantwortet

Eine Anschlagkette prüfen Sie Glied für Glied: Kennzeichnungsanhänger kontrollieren, jedes Glied auf Risse, Kerben und Verformungen ansehen, Glieddicke und Längung messen und alle Beschlagteile wie Aufhängeglied, Verbindungsglieder, Verkürzungselemente und Haken prüfen. Ablegereif ist die Kette unter anderem, wenn die Glieddicke um mehr als 10 Prozent abgenommen hat, bei unzulässiger Längung, Rissen, Hitzeschäden oder fehlendem Anhänger. Die Prüfung ist mindestens jährlich fällig, dazu kommt längstens alle drei Jahre eine Rissprüfung.

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Wer darf eine Anschlagkette prüfen?

Die jährliche Prüfung führt eine zur Prüfung befähigte Person durch. Bei Ketten ist es besonders wichtig, dass sie die Messverfahren beherrscht, denn Verschleiß und Längung sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Typisch sind Industriemechaniker, Metallbauer oder Instandhalter, die täglich mit Hebezeugen arbeiten. Das Prüfwissen zu Grenzwerten, Güteklassen und Dokumentation vermittelt der Online-Kurs zur befähigten Person für Anschlagmittel.

Zwei Aufgaben rund um die Kette liegen bei Spezialisten. Die Rissprüfung der Rundstahlketten ist längstens alle drei Jahre fällig und erfordert ein zerstörungsfreies Verfahren wie die Magnetpulverprüfung. Die Instandsetzung, etwa der Tausch eines Kettenstrangs oder eines Hakens, erfolgt nur mit Originalteilen und nach Herstellerangabe, am besten durch den Hersteller oder einen Fachbetrieb. Nicht verwechseln sollten Sie die Anschlagkette mit der Lastkette eines Kettenzugs. Diese gehört zum Hebezeug und wird mit ihm geprüft, wie unter Kettenzug prüfen beschrieben.

Vorbereitung: Was brauchen Sie für die Kettenprüfung?

Die Kettenprüfung ist die zeitaufwendigste unter den Anschlagmitteln. Mit guter Vorbereitung dauert eine zweisträngige Kette trotzdem nur wenige Minuten.

  • Nennmaße: Nenndicke, Nennteilung und Güteklasse aus dem Verzeichnis oder dem Anhänger, dazu die Gebrauchsanleitung des Herstellers mit den Grenzwerten.
  • Messschieber: für die Glieddicke, möglichst mit schmalen Messschnäbeln, damit Sie auch an der Berührungsstelle der Glieder ansetzen können.
  • Kettenlehre: viele Hersteller bieten Lehren je Nenngröße an, mit denen sich Verschleiß und Längung schnell beurteilen lassen.
  • Reinigung: Drahtbürste und Reiniger, denn unter Zunder, Beton oder Fett bleiben Kerben unsichtbar.
  • Platz: eine Werkbank oder ein sauberer Boden, auf dem jeder Strang gestreckt ausgelegt werden kann.

Legen Sie die Kette so aus, dass alle Stränge nebeneinander liegen. Ein Strang, der deutlich länger ist als die anderen, fällt so sofort auf.

Anschlagkette prüfen: Schritt für Schritt

Die Reihenfolge führt vom Aufhängeglied bis zum Haken, also so, wie die Last durch die Kette fließt. Die Grafik zeigt, wo an einem Kettenglied gemessen wird.

Wo an der Anschlagkette gemessen wird d: Glieddicke an der Berührungsstelle t: Innenlänge für die Längung Glieddicke zwei Werte rechtwinklig zueinander, Mittelwert mit Nenndicke vergleichen Längung mit Nennteilung vergleichen
Verschleiß entsteht dort, wo zwei Glieder aneinander reiben. An dieser Stelle messen Sie die Glieddicke, die Längung über die Innenlänge.

1. Kennzeichnungsanhänger kontrollieren

Der Anhänger nennt Tragfähigkeit, meist gestaffelt nach Neigungswinkel, dazu Strangzahl, Nenndicke, Güteklasse und Hersteller. Prüfen Sie, ob die Angaben lesbar sind und zum Verzeichnis passen. Fehlt der Anhänger, ist die Kette ablegereif, sofern der Hersteller die Kennzeichnung nicht nachweisbar erneuern kann.

2. Aufhängeglied und Verbindungsglieder prüfen

Das Aufhängeglied liegt im Kranhaken und trägt die gesamte Last. Suchen Sie nach Verformung, Verschleiß an der Auflagefläche und Rissen. An den Verbindungsgliedern prüfen Sie, ob Bolzen und Sicherungselemente vollständig vorhanden sind und die beiden Hälften nicht auseinanderklaffen.

3. Jedes Kettenglied ansehen

Nehmen Sie jeden Strang durch die Hände und drehen Sie jedes Glied einmal. Gesucht sind Risse, Kerben, Riefen, Schweißperlen, Anlauffarben, Korrosionsnarben und verbogene oder verdrehte Glieder. Glieder, die sich nicht frei gegeneinander bewegen lassen, sind ein Hinweis auf Verformung.

4. Glieddicke messen

Messen Sie an den Gliedern mit dem stärksten sichtbaren Verschleiß, meist nahe dem Haken und dem Aufhängeglied. Setzen Sie den Messschieber an der Berührungsstelle an, messen Sie zweimal rechtwinklig zueinander und bilden Sie den Mittelwert. Liegt er mehr als 10 Prozent unter der Nenndicke, ist die Kette ablegereif.

5. Längung prüfen

Messen Sie die Innenlänge einzelner Glieder oder die Länge über eine festgelegte Anzahl von Gliedern und vergleichen Sie mit der Nennteilung. Bei Anschlagketten beträgt die Nennteilung in der Regel das Dreifache der Nenndicke. Die zulässige Längung entnehmen Sie der DGUV Regel 109-017 und der Gebrauchsanleitung. Vergleichen Sie bei mehrsträngigen Ketten auch die Stränge untereinander.

6. Verkürzungselemente prüfen

Verkürzungsklauen und Verkürzungshaken müssen die Kette sicher aufnehmen und ihre Sicherung muss funktionieren. Prüfen Sie den Verschleiß an der Auflage und ob die Kette sauber einrastet, ohne dass Glieder auf Biegung belastet werden.

7. Haken prüfen

Kontrollieren Sie die Maulweite mit Lehre oder den Messmarken des Herstellers, den Verschleiß im Hakengrund und die Sicherungsfalle. Sie muss selbsttätig schließen und am Hakenmaul anliegen. Ein aufgeweiteter oder verdrehter Haken zeigt, dass Last auf die Spitze gesetzt oder der Haken überlastet wurde.

8. Ergebnis festlegen

Erst wenn alle Stränge und Beschlagteile geprüft sind, entscheiden Sie über die ganze Kette. Ist nur ein Strang betroffen, bleibt die Kette gesperrt, bis der Hersteller oder ein Fachbetrieb ihn ersetzt hat. Danach wird die Kette erneut geprüft, bevor sie die neue Plakette bekommt.

Typische Mängel an Anschlagketten

Die Tabelle zeigt die Mängel, die bei Anschlagketten in der Jahresprüfung am häufigsten auffallen, mit Erkennungsmerkmal und üblicher Maßnahme. Die Einstufung als ablegereif folgt den Kriterien der DGUV Regel 109-017 und den Herstellerangaben. Wo die Tabelle eine Instandsetzung nennt, darf sie nur mit Originalteilen und nach Herstellerangabe erfolgen.

MangelErkennungsmerkmalMaßnahme
Verschleißblanke, abgeflachte Berührungsstellen, Messwert unter Nenndickebei mehr als 10 % Abnahme ablegen, sonst Wert notieren
LängungStrang länger als die anderen, Glieder klemmenmessen, bei Überschreiten des Grenzwerts ablegen
Verbogenes GliedGlied steht schief, lässt sich nicht frei bewegenStrang ablegen oder durch Hersteller ersetzen lassen
Kerbe, Riefescharfkantige Vertiefung, oft nach Einsatz über Kantenablegen, Kantenschutz einführen
Anlauffarbenbläuliche oder bräunliche Verfärbungablegen, Hitzeeinwirkung klären
Gemischte GüteklassenHaken oder Verbindungsglied ohne passende Kennzeichnungsperren, Bauteil nach Herstellerangabe tauschen
Verbindungsglied ungesichertSicherungsstift oder Hülse fehltsperren, mit Originalteil sichern
Sicherungsfalle defektschließt nicht, verbogen oder fehltsperren, Falle ersetzen

Ein besonderer Hinweis zu hochfesten Ketten: Nach Angaben der Hersteller dürfen sie weder nachträglich verzinkt noch gebeizt oder geschweißt werden, weil das den Werkstoff verspröden kann. Ketten, bei denen das geschehen ist, gehören nicht mehr in den Einsatz. Weitere Kriterien finden Sie auf der Seite Ablegereife von Anschlagmitteln.

Checkliste Anschlagkette zum Ausdrucken

Die Kurzfassung für jede Kette. Hängen Sie sie an die Werkbank, an der Sie prüfen:

  • Anhänger lesbar, Angaben passen zum Verzeichnis
  • Aufhängeglied und Verbindungsglieder ohne Verformung, gesichert
  • jedes Glied gedreht und angesehen
  • kleinste Glieddicke gemessen und notiert
  • Längung geprüft, Stränge untereinander verglichen
  • Verkürzungselemente und Haken mit Sicherung geprüft
  • Termin der letzten Rissprüfung kontrolliert

Tragen Sie neben jedem Haken auf dem Blatt die Kettennummer ein und schreiben Sie die gemessene Glieddicke direkt dazu. So entsteht das Protokoll schon während der Prüfung, und nichts muss aus dem Gedächtnis ergänzt werden. Die ausführliche Liste für alle Arten steht unter Checkliste Anschlagmittel.

Dokumentation und Prüfplakette an der Kette

Für jede Kette gehören ins Protokoll: Nummer, Strangzahl, Nenndicke, Güteklasse, Tragfähigkeit, die kleinste gemessene Glieddicke, das Ergebnis der Längenmessung, Befund, Ergebnis und Datum. Die Messwerte sind bei Ketten besonders wertvoll: Wer sie jedes Jahr notiert, sieht, wie schnell der Verschleiß fortschreitet, und kann Ersatz rechtzeitig einplanen. Eine eigene Spalte bekommt der Termin der Rissprüfung, damit Sie bei jeder Jahresprüfung sehen, ob sie im kommenden Jahr fällig wird.

Als Prüfkennzeichnung eignet sich ein farbiger Prüfring am Aufhängeglied oder eine Plakette am Anhänger. Achten Sie darauf, dass die Kennzeichnung die Beweglichkeit der Glieder nicht einschränkt und nicht zwischen Kette und Last geraten kann. Nach einer Instandsetzung durch den Hersteller legen Sie dessen Bescheinigung zum Protokoll. Eine Vorlage finden Sie unter Prüfprotokoll Anschlagmittel.

Welche Fehler passieren bei der Kettenprüfung?

  • Nur schauen, nicht messen: Zehn Prozent Verschleiß sieht man einer Kette nicht an. Ohne Messung bleibt die Prüfung unvollständig.
  • An der falschen Stelle messen: Gemessen wird an der Berührungsstelle der Glieder, nicht in der Mitte des Glieds, wo kaum Abrieb entsteht.
  • Nur einen Strang prüfen: Bei mehrsträngigen Ketten kann ein einzelner Strang überlastet sein, weil er beim Anschlagen allein getragen hat.
  • Beschlagteile übergehen: Viele Befunde betreffen nicht die Kette, sondern Haken, Sicherungen und Verbindungsglieder.
  • Rissprüfung vergessen: Sie ist ein eigener Termin und wird ohne Eintrag im Verzeichnis leicht übersehen.

Alle Anschlagmittel im Überblick, mit Pflichten und Fristen, finden Sie unter Anschlagmittel prüfen. Wer auch Seilanschlagmittel im Bestand hat, liest weiter unter Drahtseil prüfen.

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Häufige Fragen zur Prüfung von Anschlagketten

Wie oft muss eine Anschlagkette geprüft werden?

Mindestens einmal im Jahr durch eine befähigte Person, bei starker Beanspruchung in kürzeren Abständen, die der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung festlegt. Rundstahlketten brauchen zusätzlich längstens alle drei Jahre eine besondere Prüfung auf Rissfreiheit. Vor jedem Einsatz kontrolliert der Anschläger die Kette auf sichtbare Mängel. Nach Überlast oder Hitzeeinwirkung ist eine außerordentliche Prüfung fällig.

Was bedeutet die Güteklasse auf der Kette?

Die Güteklasse gibt die Festigkeit des Kettenwerkstoffs an. Verbreitet sind Güteklasse 8 und die höherfesten Güteklassen 10 und 12. Bei gleicher Nenndicke trägt eine Kette höherer Güteklasse mehr. Alle Bauteile einer Anschlagkette müssen zueinander passen, also in der Regel dieselbe Güteklasse haben oder vom Hersteller ausdrücklich für die Kombination zugelassen sein. Mischungen gehören zu den häufigen Befunden.

Warum sinkt die Tragfähigkeit bei großem Neigungswinkel?

Je weiter die Stränge einer mehrsträngigen Kette gespreizt sind, desto größer ist die Kraft in jedem Strang bei gleicher Last. Deshalb nennt der Anhänger die Tragfähigkeit gestaffelt nach Neigungswinkel, üblich sind die Bereiche bis 45 Grad und von 45 bis 60 Grad. Über 60 Grad darf nicht angeschlagen werden. Das ist bei der Prüfung wichtig, weil Überlast durch falschen Winkel eine häufige Ursache für Längung ist.

Kann ich einen verschlissenen Haken selbst austauschen?

Mit einem Originalteil derselben Güteklasse und nach der Montageanleitung des Herstellers ist der Tausch von Haken oder Verbindungsgliedern bei vielen Systemen vorgesehen. Wichtig sind die richtige Größe, die vollständige Sicherung des Verbindungsbolzens und eine Prüfung der Kette nach dem Tausch. Schweißen, Erwärmen oder Richten ist dagegen nie zulässig. Im Zweifel übernimmt der Hersteller die Instandsetzung.

Welche Kettenlehre brauche ich?

Viele Kettenhersteller bieten Lehren passend zu ihren Nenngrößen an, auf denen Verschleiß- und Längungsgrenzen markiert sind. Damit geht die Prüfung schneller als mit dem Messschieber allein. Achten Sie darauf, dass die Lehre zu Hersteller und Güteklasse Ihrer Ketten passt. Einen Messschieber sollten Sie trotzdem haben, um Werte für das Protokoll zu notieren und Ergebnisse im Grenzbereich nachzumessen.

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
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