Anschlagmittelprüfer werden: Voraussetzungen, Weg und Verdienst als befähigte Person

Wer täglich mit Ketten, Seilen und Hebebändern arbeitet, bringt oft schon das meiste mit, um sie auch prüfen zu dürfen. Hier lesen Sie, wie der Arbeitsalltag aussieht, welche Voraussetzungen gelten, was die Tätigkeit wert ist und wie Sie dorthin kommen.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 11 Min.
Kurz beantwortet

Anschlagmittelprüfer werden Sie als befähigte Person nach TRBS 1203: mit einer technischen Berufsausbildung, Erfahrung mit Hebezeugen und Anschlagmitteln, einer aktuellen Tätigkeit in diesem Bereich, der Fachkunde für die Prüfung und der schriftlichen Beauftragung durch den Arbeitgeber. Eine staatliche Prüfung oder einen geschützten Titel gibt es nicht. Die Fachkunde vermittelt ein Kurs zur DGUV Regel 109-017, online zum Beispiel für 345 €. Die meisten Anschlagmittelprüfer sind angestellte Instandhalter oder Meister, die diese Aufgabe zusätzlich übernehmen.

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Was macht ein Anschlagmittelprüfer im Alltag?

Ein Anschlagmittelprüfer ist in der Regel kein Vollzeitprüfer. Die Aufgabe gehört meist zu einer anderen Stelle, etwa in der Instandhaltung, der Montageleitung oder der Arbeitsvorbereitung. Im Jahresverlauf gibt es zwei Arten von Arbeit: die geplante Jahresprüfung des gesamten Bestands und die spontanen Entscheidungen zwischendurch.

Die Jahresprüfung

Einmal im Jahr, in stark beanspruchten Betrieben auch öfter, prüft die befähigte Person jedes Anschlagmittel einzeln. Das heißt konkret: Bestand einsammeln und mit dem Verzeichnis abgleichen, reinigen, jedes Stück ansehen und abtasten, Ketten und Seile messen, Beschlagteile bewegen, über Weiterverwendung oder Ablegen entscheiden und alles dokumentieren. In einem Betrieb mit 100 Anschlagmitteln sind das ein bis zwei Arbeitstage. Wie das im Detail abläuft, beschreibt die Anleitung zur Anschlagmittel-Prüfung.

Entscheidungen zwischendurch

Mindestens genauso wichtig ist die Rolle als Ansprechpartner. Ein Anschläger bringt ein Hebeband, das über eine Kante gezogen wurde. Eine Kette hat eine Last gehalten, die schwerer war als gedacht. Ein neuer Posten Rundschlingen wird geliefert und muss erfasst werden. In all diesen Fällen entscheidet die befähigte Person, oft innerhalb von Minuten, ob das Teil weiter verwendet werden darf. Dazu kommen Aufgaben rund um das Verzeichnis, die Abstimmung des Termins für die Rissprüfung der Ketten mit dem Spezialisten, die Bestellung von Ersatz und Hinweise an die Anschläger, wenn sich Schäden durch falsches Anschlagen häufen.

Welche Voraussetzungen brauchen Sie?

Die Anforderungen ergeben sich aus § 2 Abs. 6 BetrSichV und der TRBS 1203. Sie gelten für jeden Prüfer, egal ob angestellt oder selbstständig:

  • Berufsausbildung: eine abgeschlossene technische Ausbildung, typischerweise Industriemechaniker, Metallbauer, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker, Schlosser oder ein vergleichbarer Beruf, auch Meister oder Techniker.
  • Berufserfahrung: praktische Arbeit mit Hebezeugen und Anschlagmitteln, etwa aus Montage, Instandhaltung, Kranbetrieb oder Veranstaltungstechnik.
  • Zeitnahe Tätigkeit: Sie arbeiten aktuell in diesem Umfeld und halten Ihr Wissen durch Fortbildung auf dem Stand.
  • Fachkunde für die Prüfung: Regelwerk, Ablegekriterien, Messverfahren, Dokumentation.
  • Beauftragung: Der Arbeitgeber beauftragt Sie schriftlich.

Ehrlich gesagt: Ohne Praxis mit Anschlagmitteln reicht kein Kurs. Wer noch nie eine Kette angeschlagen hat, sollte zuerst Erfahrung sammeln. Umgekehrt gilt: Wer seit Jahren in der Montage Lasten anschlägt, bringt genau die Erfahrung mit, die die TRBS 1203 meint. Ihm fehlt meist nur das systematische Prüfwissen, also Grenzwerte, Prüfablauf und Dokumentation. Die Anforderungen gelten übrigens nicht nur für Einsteiger: Auch wer schon lange prüft, muss seine Eignung belegen können. Einen Selbstcheck bietet die Seite Voraussetzungen für befähigte Personen.

Was verdient ein Anschlagmittelprüfer?

Ein eigenes Gehalt für die Prüfung von Anschlagmitteln gibt es selten, weil die Aufgabe fast immer zu einer bestehenden Stelle hinzukommt. Der Wert zeigt sich anders: Wer prüfen darf, übernimmt Verantwortung, wird im Betrieb schwerer ersetzbar und hat ein gutes Argument in Gehaltsgesprächen oder für eine Zulage. Wie hoch das ausfällt, hängt von Betrieb, Tarifbindung und Region ab. Belastbare Zahlen speziell für diese Zusatzaufgabe gibt es nicht.

Für Selbstständige lässt sich ein Richtwert aus den Marktpreisen ableiten: Prüfdienste berechnen rund 10 € je Anschlagmittel im Mittel und rund 25 € je Kette. Wer vor Ort acht bis zwölf Anschlagmittel pro Stunde einschließlich Dokumentation schafft, kommt rechnerisch auf etwa 80 bis 120 € Umsatz pro Stunde. Davon gehen Anfahrt, Versicherung, Ausrüstung, Akquise und Leerzeiten ab. Dieser Richtwert ist keine Verdienstzusage.

Allein mit Anschlagmitteln selbstständig?

Kaum. Die Stückpreise sind niedrig und die Termine kurz. Selbstständige Prüfer bieten Anschlagmittel deshalb meist zusammen mit Kranen, Kettenzügen und weiteren Arbeitsmitteln an. Mehr dazu unter Selbstständig als UVV-Prüfer und Gehalt als UVV-Prüfer.

Der Weg zum Anschlagmittelprüfer in vier Schritten

Der Weg ist kürzer, als viele erwarten, wenn Ausbildung und Praxis schon vorhanden sind:

  1. Voraussetzungen prüfen: Passen Ausbildung, Erfahrung und aktuelle Tätigkeit? Sprechen Sie das mit Ihrem Vorgesetzten ab.
  2. Fachkunde erwerben: Ein Kurs zur DGUV Regel 109-017 vermittelt Ablegekriterien, Messverfahren und Dokumentation. Online dauert das rund drei Stunden, mit Abschlusstest aus 20 Fragen in 20 Minuten.
  3. Beauftragt werden: Der Arbeitgeber beauftragt Sie schriftlich für die Prüfung von Anschlag- und Lastaufnahmemitteln. Eine Vorlage gibt es unter Beauftragung der befähigten Person.
  4. Erste Prüfung vorbereiten: Nummernsystem und Verzeichnis anlegen, Messmittel beschaffen, dann die erste Jahresprüfung durchführen.

Was sich nach der Beauftragung ändert

Mit der Beauftragung werden Sie für die Bewertung verantwortlich, und Ihre Entscheidungen sind bei der Prüfung fachlich nicht weisungsgebunden. Legen Sie mit dem Arbeitgeber fest, für welche Bereiche Sie zuständig sind und wer Sie im Urlaub vertritt.

In vier Schritten zum Anschlagmittelprüfer 1VoraussetzungenAusbildung, Praxis 2FachkundeKurs, ca. 3 Std. 3Beauftragungschriftlich 4Erste Prüfungmit Verzeichnis Schritt 1 bringen Sie mit, Schritt 2 liefert der Kurs, Schritt 3 der Arbeitgeber.
Der Kurs ist ein Baustein von vieren: Ausbildung, Praxis und Beauftragung kommen hinzu.

Den zweiten Schritt übernimmt unser Online-Kurs zur befähigten Person für Anschlagmittel für 345 €. Der Zugang gilt 52 Wochen, sodass Sie vor der ersten eigenen Prüfung noch einmal nachschlagen können. Wer den Überblick über alle Prüfbereiche sucht, findet ihn unter UVV-Prüfer werden.

Welche Qualifikation passt zu Ihrem Beruf?

Anschlagmittel kommen selten allein. Wer sie prüft, ist oft auch für das Hebezeug zuständig, an dem sie hängen. Die Tabelle zeigt typische Kombinationen je Beruf, abgeleitet aus den Arbeitsmitteln, die in diesen Tätigkeiten üblich sind. Die Preise gelten pro Teilnehmer und Kurs.

Beruf und TätigkeitEmpfohlene KursePreis
Instandhalter im Stahl- oder MaschinenbauAnschlagmittel, Krane, Winden345 € + 620 € + 330 € = 1.295 €
Monteur mit Kettenzügen auf BaustellenAnschlagmittel, Winden345 € + 330 € = 675 €
Veranstaltungstechniker, RiggerAnschlagmittel, Winden675 €
Meister im BetonfertigteilwerkAnschlagmittel, Krane345 € + 620 € = 965 €
Lagerverantwortlicher mit Stapler und AnbaugerätenAnschlagmittel, Flurförderzeuge345 € + 525 € = 870 €
Schlosser in kleinem Betrieb, nur AnschlagmittelAnschlagmittel345 €

Die Kurse für Krane und Winden und Hubgeräte werden am häufigsten mit dem Anschlagmittelkurs kombiniert. Welche Kombination zu Ihrem Betrieb passt, zeigt der Kurs-Finder.

Warum Kombinationen sinnvoll sind

Anschlagmittel, Kran und Kettenzug bilden bei jedem Hub eine Kette: Versagt ein Glied, stürzt die Last ab. Wer alle drei prüft, erkennt Zusammenhänge, etwa wenn ein zu kleiner Kranhaken die Aufhängeglieder der Ketten verformt. Zudem bündeln sich die Prüftermine, und der Betrieb hat für das ganze Heben einen Ansprechpartner. Jeder Kurs ist trotzdem einzeln buchbar, Sie können also mit Anschlagmitteln beginnen und später ergänzen.

Beispiel: Vom Monteur zum Prüfer im eigenen Betrieb

Das folgende Beispiel ist erfunden und zeigt einen typischen Weg, es ist kein Erfahrungsbericht. Ein Konstruktionsmechaniker arbeitet seit sieben Jahren in der Montage eines Stahlbaubetriebs mit 60 Beschäftigten. Er schlägt täglich Träger an, kennt Ketten und Hebebänder aus der Praxis und hat die Anschlägerausbildung. Bisher schickte der Betrieb seine rund 120 Anschlagmittel einmal im Jahr zum Händler, drei Wochen lang fehlten dann Ketten auf den Baustellen.

Der Montageleiter schlägt vor, dass der Mechaniker die Prüfung übernimmt. Er bucht den Online-Kurs, arbeitet ihn an zwei Nachmittagen durch und besteht den Abschlusstest. Die Geschäftsführung beauftragt ihn schriftlich. Gemeinsam mit einem Kollegen nummeriert er den Bestand, legt ein Verzeichnis an und prüft im ersten Jahr an zwei Tagen alle Teile. Elf Hebebänder und zwei Ketten legt er ab, die meisten wegen Schnitten an Trägerkanten. Seitdem gibt es Kantenschutz auf jeder Baustelle. Ein Jahr später kommt der Kurs für Winden und Hubgeräte dazu, weil er auch die Kettenzüge prüfen soll.

Wie lässt sich die Qualifikation finanzieren?

Im Normalfall bezahlt der Arbeitgeber, denn er profitiert direkt: Die externe Prüfung entfällt, und Entscheidungen nach Schäden fallen sofort. Bei 120 Anschlagmitteln kostet der Prüfdienst mit den Richtwerten rund 1.240 € pro Jahr, der Kurs einmalig 345 €. Bezahlt wird per Rechnung, für den Betrieb ist die Weiterbildung in der Regel eine Betriebsausgabe. Für das Gespräch mit dem Chef hilft eine Seite mit Bestand, letzter Rechnung des Prüfdienstes und geschätzter Prüfzeit. Oft überzeugt auch der Hinweis, dass Ketten nicht mehr wochenlang auf den Baustellen fehlen. Zahlen Sie selbst, kommen Werbungskosten in Betracht, die Einzelheiten klären Sie mit Ihrer Steuerberatung. Die ausführliche Rechnung steht unter Kosten der Anschlagmittel-Prüfung, weitere Wege unter Weiterbildung finanzieren. Sollen mehrere Mitarbeiter qualifiziert werden, bucht jeder einen eigenen Zugang, damit jedes Zertifikat auf den richtigen Namen lautet.

Externer Prüfdienst

ca. 1.240 € / Jahr
  • 120 Anschlagmittel zu ca. 10 €
  • plus 40 € Anfahrt und Bericht
  • Teile fehlen während der Prüfung

Eigene befähigte Person

345 € einmalig
  • Online-Kurs, ca. 3 Stunden
  • ca. 10 Std. Prüfzeit im Jahr
  • Prüfer im eigenen Betrieb

Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.

Häufige Fragen: Anschlagmittelprüfer werden

Ist Anschlagmittelprüfer ein geschützter Beruf?

Nein. Anschlagmittelprüfer ist eine gebräuchliche Bezeichnung, aber kein Ausbildungsberuf und kein geschützter Titel. Rechtlich maßgeblich ist, ob Sie die Anforderungen an eine befähigte Person nach Betriebssicherheitsverordnung und TRBS 1203 erfüllen und vom Arbeitgeber beauftragt sind. Ein Zertifikat über einen Kurs zur DGUV Regel 109-017 ist dabei ein wichtiger Nachweis der Fachkunde, ersetzt aber nicht Ausbildung und Erfahrung.

Brauche ich einen Anschlägerschein, um Prüfer zu werden?

Vorgeschrieben ist er für die Prüftätigkeit nicht. Eine Anschlägerausbildung nach DGUV Information 209-013 ist aber eine sehr gute Grundlage, weil sie das sichere Anschlagen, die Auswahl der Anschlagmittel und die Kontrolle vor der Benutzung vermittelt. Wer als Prüfer die Schäden bewertet, sollte verstehen, wie sie beim Anschlagen entstehen. Die Praxis als Anschläger zählt außerdem als Berufserfahrung im Sinne der TRBS 1203.

Wie lange dauert es, Anschlagmittelprüfer zu werden?

Wenn Ausbildung und Erfahrung vorhanden sind, geht es schnell. Der Online-Kurs dauert rund drei Stunden, der Abschlusstest 20 Minuten. Danach folgt die schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber. Realistisch sind wenige Tage bis zwei Wochen, je nachdem, wie schnell die Beauftragung erfolgt. Mehr Zeit kostet meist die Vorbereitung der ersten Prüfung, also Nummernsystem und Verzeichnis.

Muss ich die Qualifikation auffrischen?

Eine feste Frist für eine Wiederholung schreibt die TRBS 1203 nicht vor. Sie verlangt aber eine zeitnahe berufliche Tätigkeit und Fortbildung zum Stand der Technik. Wer regelmäßig prüft und Änderungen im Regelwerk verfolgt, erfüllt das. Eine Auffrischung in sinnvollen Abständen ist trotzdem empfehlenswert, vor allem wenn sich Regelwerke ändern oder längere Pausen in der Prüftätigkeit lagen.

Darf ich nach dem Kurs auch für andere Firmen prüfen?

Grundsätzlich ja, wenn Sie die Anforderungen der TRBS 1203 erfüllen und vom jeweiligen Auftraggeber beauftragt werden. Als Selbstständiger brauchen Sie zusätzlich eine Berufshaftpflichtversicherung, ein Gewerbe und eine saubere Dokumentation. Prüfen Sie außerdem Ihren Arbeitsvertrag, falls Sie nebenberuflich tätig werden wollen. Allein von Anschlagmitteln zu leben ist schwierig, üblich ist die Kombination mit weiteren Prüfbereichen.

Jetzt Anschlagmittelprüfer werden

Der Online-Kurs vermittelt die Fachkunde für die jährliche Prüfung nach DGUV Regel 109-017: Ablegekriterien, Messen an Ketten und Seilen, textile Anschlagmittel und Dokumentation. Sofort starten, Zertifikat nach bestandenem Test.

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
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