Eine Leiterprüfung nach dieser Anleitung läuft in sieben Schritten ab: Leiter identifizieren, Holme prüfen, Sprossen und Stufen prüfen, Gelenke und Spreizsicherung prüfen, Füße und Zubehör prüfen, Funktionsprobe machen und das Ergebnis bewerten. Pro Leiter dauert das mit etwas Übung rund zehn Minuten. Durchführen darf die dokumentierte Prüfung nur eine befähigte Person. Wichtig ist eine feste Reihenfolge, damit auch bei 50 Leitern kein Prüfpunkt vergessen wird. Am Ende stehen eine klare Entscheidung, ein Eintrag im Kontrollbuch und eine Plakette.
Wer darf die Leiterprüfung durchführen?
Die Sichtkontrolle vor der Benutzung erledigt jeder, der eine Leiter besteigt. Die regelmäßige, dokumentierte Leiterprüfung dagegen hat nur dann Gewicht, wenn eine befähigte Person sie durchführt. Prüft jemand ohne diese Qualifikation, ist der Eintrag im Kontrollbuch bei einer Kontrolle oder nach einem Unfall wertlos, auch wenn er fachlich richtig war. Befähigt ist nach TRBS 1203, wer eine passende Berufsausbildung, Erfahrung mit Leitern und eine aktuelle Tätigkeit in diesem Bereich mitbringt und vom Arbeitgeber beauftragt wurde.
Diese Anleitung zeigt den Ablauf. Das Wissen, um Befunde sicher zu bewerten, vermittelt der Online-Kurs zur befähigten Person für Leitern in rund drei Stunden. Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, klärt der Selbstcheck unter Voraussetzungen für befähigte Personen. Die schriftliche Beauftragung sollte vor dem ersten Prüftag vorliegen.
Vorbereitung: Bestand, Unterlagen und Werkzeug
Eine gute Vorbereitung halbiert die Zeit, die Sie später an der einzelnen Leiter brauchen. Vor dem ersten Prüftag sollten Sie Folgendes erledigen:
- Bestand erfassen: Alle Leitern, Tritte und Podestleitern auflisten, mit Standort und Bauart. Private Leitern, die im Betrieb genutzt werden, gehören dazu.
- Leitern sammeln: Wenn möglich an einem gut beleuchteten Platz mit ebenem Boden zusammenstellen. Das spart Wege und erlaubt die Funktionsprobe.
- Unterlagen bereitlegen: letztes Kontrollbuch, Gebrauchsanleitungen der Hersteller, Prüfliste, Plaketten für den nächsten Termin, Sperranhänger.
- Werkzeug: Taschenlampe, Zollstock, Arbeitshandschuhe, Stift und Klebeband oder Kabelbinder für Sperrvermerke.
- Nutzer informieren: Kollegen wissen lassen, dass Leitern für einige Stunden nicht verfügbar sind, und Ersatz für dringende Arbeiten einplanen.
Stark verschmutzte Leitern vorher reinigen lassen. Farbe, Mörtel oder Öl auf Holmen und Sprossen verdecken Risse und Verformungen.
Die Leiterprüfung Schritt für Schritt
Die folgenden sieben Schritte gelten für jede Bauart. Bei Stehleitern, Anlegeleitern oder Tritten kommen einzelne Prüfpunkte hinzu, die auf den Bauart-Seiten beschrieben sind. Arbeiten Sie jede Leiter immer in derselben Reihenfolge von oben nach unten ab.
Schritt 1: Leiter identifizieren und Kennzeichnung lesen
Suchen Sie die Inventarnummer und gleichen Sie sie mit dem Kontrollbuch ab. Fehlt sie, vergeben Sie eine neue. Lesen Sie das Typenschild: Hersteller, Typ, maximale Belastung, Norm und Benutzungshinweise müssen vorhanden und lesbar sein. Eine Leiter ohne erkennbare Kennzeichnung lässt sich nicht sicher bewerten, weil Belastbarkeit und bestimmungsgemäße Verwendung unklar sind.
Schritt 2: Holme prüfen
Stellen Sie sich an das Ende der liegenden oder angelehnten Leiter und peilen Sie an jedem Holm entlang. So erkennen Sie Durchbiegungen und seitliche Verformungen, die beim Draufsehen verborgen bleiben. Fahren Sie anschließend mit der behandschuhten Hand die Holme ab und achten Sie auf Beulen, Knicke, Risse, scharfe Kanten und bei Holz auf Splitter oder morsche Stellen.
Schritt 3: Sprossen, Stufen und Plattform prüfen
Greifen Sie jede Sprosse und versuchen Sie, sie zu drehen und zu verschieben. Sie darf sich nicht bewegen. Prüfen Sie die Trittflächen auf Abnutzung der Riffelung oder der rutschhemmenden Beläge und auf Verformungen, etwa durchgetretene Stufen. Bei Plattformen kontrollieren Sie den festen Sitz und, falls vorhanden, Haltebügel oder Geländer.
Schritt 4: Gelenke, Beschläge und Spreizsicherung prüfen
Öffnen und schließen Sie Gelenke und Verriegelungen mehrmals. Sie müssen leichtgängig sein und in jeder Stellung sicher einrasten. Nieten und Schrauben dürfen nicht locker oder korrodiert sein. Die Spreizsicherung, ob Gurt, Kette oder Metallstrebe, muss vollständig sein und die Leiter bei voller Öffnung sicher halten. Ein ausgefranster Gurt oder eine aufgebogene Kette ist ein klarer Mangel.
Schritt 5: Leiterfüße, Rollen und Zubehör prüfen
Kontrollieren Sie, ob alle Füße oder Fußkappen vorhanden sind und noch Profil haben. Abgelaufene Kappen lassen blankes Metall auf den Boden kommen und die Leiter rutscht. Rollen müssen sich drehen, Bremsen feststellen. Traversen, Holmverlängerungen und Wandabstützungen prüfen Sie auf festen Sitz und Verformung.
Schritt 6: Funktionsprobe im aufgestellten Zustand
Stellen Sie die Leiter auf ebenem Boden auf, wie sie benutzt wird. Sie darf nicht kippeln, verwinden oder einseitig aufsitzen. Belasten Sie die unterste Sprosse oder Stufe und achten Sie auf Geräusche, Nachgeben oder Schiefstand. Bei federnden Rollen an Stehleitern prüfen Sie, dass sie unter Last einfedern und die Leiter dann fest steht.
Schritt 7: Bewerten, entscheiden, kennzeichnen
Entscheiden Sie für jede Leiter eindeutig: freigegeben, instand setzen oder aussondern. Freigegebene Leitern erhalten die Plakette mit dem nächsten Termin. Mangelhafte Leitern werden sofort sichtbar gesperrt und aus dem Verkehr gezogen. Wie Sie im Grenzfall entscheiden, zeigt die Seite Leiter aussondern.
Welche Mängel finden Sie am häufigsten?
Die meisten Befunde bei der Leiterprüfung wiederholen sich. Die Tabelle zeigt die häufigsten, woran Sie sie erkennen und welche Maßnahme angemessen ist. Maßgeblich ist immer auch die Gebrauchsanleitung des Herstellers.
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Maßnahme |
|---|---|---|
| Verbogener Holm | beim Peilen sichtbare Krümmung, Knick oder Beule | aussondern, Richten ist nicht zulässig |
| Lockere Sprosse | Sprosse lässt sich drehen oder verschieben | sperren, Instandsetzung nur durch Hersteller oder Fachbetrieb |
| Abgenutzte Leiterfüße | kein Profil, Metall sichtbar, Kappe fehlt | sperren, Originalfüße ersetzen, danach erneut prüfen |
| Beschädigte Spreizsicherung | Gurt ausgefranst, Kette aufgebogen, Strebe verformt | sperren, Originalteil einbauen |
| Gelenk rastet nicht ein | Verriegelung springt auf, starkes Spiel | sperren, Hersteller fragen, sonst aussondern |
| Riss im Holz oder Kunststoff | Haarriss, Splitter, ausfasernde Oberfläche | aussondern |
| Kennzeichnung unleserlich | Typenschild fehlt oder ist abgerieben | Herstellerangaben beschaffen, sonst aussondern |
Provisorien wie Klebeband, Draht oder Bandagen um Holme sind nie eine Reparatur. Findet die befähigte Person solche Spuren, ist das ein Hinweis, dass Beschäftigte Mängel nicht gemeldet, sondern selbst „repariert“ haben. Dann lohnt sich eine kurze Unterweisung im Team.
Eine Faustregel für die Bewertung: Mängel an tragenden Teilen wie Holmen, Sprossen, Stufen und Gelenken führen fast immer zur Sperrung. Mängel an Verschleißteilen wie Füßen, Kappen oder Spreizgurten lassen sich oft mit Originalteilen beheben. Im Zweifel entscheidet die befähigte Person für die Sicherheit und gegen die Leiter, denn eine neue Stehleiter kostet weniger als ein einziger Arbeitsunfall.
Checkliste für die Prüfung zum Mitnehmen
Für den Prüftag reicht eine einseitige Liste, die die sieben Schritte abbildet: Inventarnummer und Kennzeichnung, Holme, Sprossen und Stufen, Gelenke und Spreizsicherung, Füße und Zubehör, Funktionsprobe, Ergebnis mit Unterschrift. Drucken Sie diese Seite aus oder speichern Sie sie als PDF und nehmen Sie sie mit an die Leitern. Eine ausführliche Liste mit Prüfpunkten je Bauart, von der Stehleiter bis zur Podestleiter, finden Sie in der Checkliste zur Leiterprüfung. Tipp: Notieren Sie Auffälligkeiten sofort auf der Liste, auch wenn sie noch kein Mangel sind, etwa leichten Abrieb an den Füßen. So sehen Sie bei der nächsten Prüfung, ob sich etwas verschlechtert hat.
Externer Prüfdienst
- 25 Leitern und Tritte zu 15 €
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- jedes Jahr erneut
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs, ca. 3 Stunden
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- Prüfung nach eigenem Plan
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Was gehört in Dokumentation und Plakette?
Direkt nach der Prüfung jeder Leiter wird das Ergebnis festgehalten, nicht erst am Ende des Tages. Ins Kontrollbuch gehören die Inventarnummer, das Datum, die Art der Prüfung, der geprüfte Umfang, festgestellte Mängel, die Entscheidung und Name und Unterschrift der befähigten Person. Eine Vorlage für den einzelnen Prüfbericht bietet die Seite Prüfprotokoll Leiter.
Die Plakette kommt an eine gut sichtbare Stelle am Holm, etwa in Augenhöhe, aber nicht auf eine Trittfläche. Sie zeigt Monat und Jahr der nächsten Prüfung. Alte Plaketten entfernen Sie, damit keine widersprüchlichen Angaben entstehen. Gesperrte Leitern erhalten statt der Plakette einen deutlichen Sperranhänger mit Datum und Grund. Wird eine gesperrte Leiter später instand gesetzt und erneut geprüft, entsteht ein neuer Eintrag. So bleibt die Geschichte jeder Leiter lückenlos nachvollziehbar.
Häufige Fehler bei der Leiterprüfung
- Nur ansehen, nicht anfassen: Lockere Sprossen und ausgeschlagene Gelenke zeigen sich erst, wenn man daran rüttelt oder die Leiter aufstellt.
- Tritte vergessen: Klapptritte und Stufenhocker stehen in Büros und Lagern verteilt und fehlen oft in der Bestandsliste.
- Plakette ohne Eintrag: Eine Plakette ersetzt nicht die Aufzeichnung. Ohne Kontrollbuch lässt sich die Prüfung nicht nachweisen.
- Gesperrte Leiter bleibt stehen: Eine gesperrte Leiter, die am Einsatzort verbleibt, wird früher oder später doch benutzt. Sie gehört weggeschlossen oder sofort entsorgt.
- Falsche Ersatzteile: Füße oder Spreizgurte aus dem Baumarkt passen oft nicht. Nur Originalteile oder vom Hersteller freigegebene Teile verwenden.
Ein letzter Punkt betrifft die Haltung: Wer jedes Jahr dieselben Leitern prüft, gewöhnt sich an kleine Schäden. Prüfen Sie jede Leiter so, als sähen Sie sie zum ersten Mal. Weitere Hintergründe zu Pflicht und Fristen stehen auf der Übersichtsseite zur Leiterprüfung.
Häufige Fragen zur Anleitung der Leiterprüfung
Wie lange dauert die Prüfung einer Leiter?
Mit Routine rechnen Sie mit etwa zehn Minuten pro Leiter, einschließlich Funktionsprobe, Plakette und Eintrag ins Kontrollbuch. Einfache Tritte gehen schneller, Podestleitern mit Rollen, Bremsen und Geländer dauern länger. Die allererste Prüfrunde braucht mehr Zeit, weil jede Leiter eine Nummer bekommt und der Bestand erfasst werden muss. Planen Sie dafür etwa die doppelte Zeit ein.
Muss ich die Leiter bei der Prüfung besteigen?
Ein vollständiges Besteigen ist nicht nötig und bei einer möglicherweise mangelhaften Leiter auch nicht ratsam. Sinnvoll ist eine Funktionsprobe im aufgestellten Zustand: Die Leiter steht auf ebenem Boden, Sie belasten die unterste Sprosse oder Stufe und achten auf Wackeln, Nachgeben oder Geräusche. So zeigen sich Mängel an Gelenken, Füßen und Spreizsicherung, ohne dass jemand in der Höhe gefährdet ist.
Darf ich kleine Mängel direkt bei der Prüfung beheben?
Kleine Instandsetzungen wie das Ersetzen eines Leiterfußes durch ein Originalteil sind durch handwerklich geschulte Personen möglich, wenn der Hersteller das vorsieht. Wichtig ist die Reihenfolge: Mangel dokumentieren, instand setzen, dann die Leiter erneut prüfen und das Ergebnis eintragen. Verbogene Holme, lose Sprossen oder Risse gehören nicht in diese Kategorie, hier wird ausgesondert oder der Hersteller gefragt.
Welche Leitern prüfe ich zuerst?
Beginnen Sie mit den Leitern, die am stärksten beansprucht werden, etwa in der Instandhaltung, auf Baustellen oder im Lager. Dort ist die Wahrscheinlichkeit von Mängeln am größten, und ein Ausfall wird schnell bemerkt. Leitern mit abgelaufener Plakette oder ohne Eintrag im Kontrollbuch haben ebenfalls Vorrang. Selten genutzte Tritte in Büros können Sie am Ende der Runde prüfen.
Was tun, wenn die Gebrauchsanleitung fehlt?
Viele Hersteller stellen Gebrauchsanleitungen online bereit. Suchen Sie mit Hersteller und Typ vom Typenschild danach und legen Sie eine Kopie zum Kontrollbuch. Ist weder Hersteller noch Typ erkennbar, fehlen Angaben zu Belastbarkeit und bestimmungsgemäßer Verwendung. Eine solche Leiter lässt sich nicht sicher bewerten und sollte ersetzt werden. Das gilt besonders für sehr alte Holzleitern ohne jede Kennzeichnung.