Stehleiter prüfen: So kontrollieren Sie Spreizsicherung, Holme, Stufen und Standsicherheit

Stehleitern sind die häufigste Leiterbauart im Betrieb. Ihre Schwachstellen liegen an anderen Stellen als bei Anlegeleitern: am Kopfbeschlag, an der Spreizsicherung und an den vier Füßen. So prüfen Sie Sprossen- und Stufenstehleitern gezielt.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 10 Min.
Kurz beantwortet

Wer eine Stehleiter prüfen will, kontrolliert neben Holmen, Stufen und Füßen vor allem die Spreizsicherung und den Kopfbeschlag, denn an diesen beiden Stellen hängt die Standsicherheit. Die Spreizsicherung muss vollständig sein und die Leiter bei voller Öffnung sicher halten, der Kopfbeschlag darf kein Spiel und keine Risse haben. Den Abschluss bildet eine Standprobe auf ebenem Boden: Alle vier Füße liegen auf, nichts kippelt oder verwindet sich. Die dokumentierte Prüfung führt eine befähigte Person durch, in der Regel mindestens einmal im Jahr.

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Wer darf Stehleitern prüfen?

Für Stehleitern gilt dasselbe wie für alle Leitern: Vor jeder Benutzung prüft der Benutzer mit einem kurzen Blick, ob die Leiter offensichtliche Schäden hat. Die regelmäßige, dokumentierte Prüfung führt eine befähigte Person nach TRBS 1203 durch, also jemand mit passender Berufsausbildung, Erfahrung mit Leitern und aktueller Tätigkeit, der vom Arbeitgeber beauftragt ist. Nur deren Prüfeintrag zählt als Nachweis im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung.

Gerade bei Stehleitern ist Erfahrung wichtig, denn ihre typischen Schäden sind unscheinbar: ein leicht aufgebogenes Scharnier, ein Spreizgurt, der erst unter Last nachgibt, ein Fuß, der auf ebenem Boden in der Luft hängt. Das Prüfwissen für diese Befunde vermittelt der Online-Kurs zur befähigten Person für Leitern und Tritte. Ob Ihre Ausbildung und Erfahrung passen, zeigt der Selbstcheck unter Voraussetzungen für befähigte Personen.

Vorbereitung: Bauart bestimmen und Prüfplatz einrichten

Stehleiter ist nicht gleich Stehleiter. Bevor Sie prüfen, ordnen Sie jede Leiter einer Bauart zu, denn davon hängen einzelne Prüfpunkte ab:

  • Sprossenstehleiter: schmale runde oder eckige Sprossen, meist einseitig begehbar, häufig in Werkstätten.
  • Stufenstehleiter: breite Stufen, angenehmer für längeres Stehen, einseitig oder beidseitig begehbar.
  • Stehleiter mit Plattform: oben eine Standfläche mit Haltebügel, oft als Podest- oder Plattformleiter bezeichnet.
  • Stehleiter mit Rollen: an einem Leiterteil federnde Rollen, die unter Last einfedern und die Leiter feststellen.

Für die Standprobe brauchen Sie einen ebenen, festen und trockenen Boden, idealerweise einen Hallenboden ohne Gefälle. Legen Sie Taschenlampe, Checkliste, Plaketten und Sperranhänger bereit. Halten Sie die Gebrauchsanleitung bereit, falls unklar ist, ob die oberste Stufe betreten werden darf oder welche Spreizsicherung verbaut sein muss.

Stehleiter prüfen in sieben Schritten

Die Schritte folgen der Leiter von oben nach unten und enden mit der Standprobe. Arbeiten Sie jedes Leiterteil einzeln ab, bei beidseitig begehbaren Leitern also beide Seiten vollständig.

Schritt 1: Kennzeichnung und Benutzungshinweise

Prüfen Sie Typenschild und Aufkleber: Hersteller, Typ, maximale Belastung und die Angabe, ob die Leiter einseitig oder beidseitig begehbar ist. Achten Sie auf den Hinweis, welche obersten Sprossen oder Stufen nicht betreten werden dürfen. Fehlt er, fehlt Benutzern eine wichtige Information.

Schritt 2: Kopfbeschlag und Scharniere

Der Kopfbeschlag verbindet beide Leiterteile und nimmt bei jeder Benutzung Last auf. Suchen Sie nach Rissen, aufgebogenen Laschen, lockeren Nieten und ausgeschlagenen Bohrungen. Bewegen Sie beide Leiterteile gegeneinander: Starkes Spiel quer zur Öffnungsrichtung ist ein Mangel.

Schritt 3: Holme beider Leiterteile

Peilen Sie jeden der vier Holme entlang. Stehleitern werden oft beim Transport gegen Kanten gestoßen, deshalb finden sich Beulen und Knicke häufig im mittleren Bereich. Bei Holzleitern achten Sie auf Längsrisse an den Beschlägen, bei Kunststoffholmen auf helle Bruchlinien.

Schritt 4: Sprossen, Stufen und Plattform

Jede Sprosse und Stufe muss fest sitzen und darf sich nicht drehen oder verschieben. Bei Stufen prüfen Sie zusätzlich die Verbindung zum Holm an beiden Enden und die rutschhemmende Oberfläche. Plattformen müssen fest einrasten, Haltebügel dürfen nicht verbogen oder locker sein.

Schritt 5: Spreizsicherung

Öffnen Sie die Leiter vollständig. Die Spreizsicherung, ob Gurt, Kette oder Gelenkstrebe, muss straff sein und beide Leiterteile im vorgesehenen Winkel halten. Gurte dürfen nicht ausgefranst, eingerissen oder spröde sein, Ketten nicht aufgebogen, Streben nicht verformt. Prüfen Sie auch die Befestigungspunkte an den Holmen.

Schritt 6: Füße und Rollen

Alle vier Füße oder Fußkappen müssen vorhanden sein und Profil haben. Bei Stehleitern mit Rollen prüfen Sie, ob die Rollen frei laufen, unter Last einfedern und die Leiter dann auf den Füßen steht und nicht mehr rollt.

Schritt 7: Standprobe auf ebenem Boden

Stellen Sie die Leiter auf und drücken Sie nacheinander auf jede Ecke. Liegt ein Fuß nicht auf, kippelt die Leiter. Belasten Sie die unterste Stufe und achten Sie darauf, ob sich die Leiter verwindet oder die Spreizsicherung nachgibt. Eine Stehleiter, die sich auf ebenem Boden bewegt, wird auf unebenem Untergrund gefährlich.

Klappen Sie die Leiter zum Schluss wieder zusammen und öffnen Sie sie ein zweites Mal. Sie muss sich ohne Klemmen öffnen lassen, und die Spreizsicherung muss sich dabei jedes Mal gleich straffen. Hakt der Mechanismus, sind Beschläge verzogen oder verschmutzt. Bei Leitern mit Plattform prüfen Sie außerdem, ob die Plattform beim Öffnen selbsttätig oder von Hand sicher einrastet.

Welche Mängel sind typisch für Stehleitern?

Die Grafik zeigt die fünf Stellen, an denen Stehleitern am häufigsten Schäden haben. Die Tabelle darunter nennt die Mängel und die Maßnahme.

1 2 3 4 5 1 Kopfbeschlag: Risse, Spiel 2 Holme: Beulen, Knicke 3 Stufen: lose, verformt 4 Spreizsicherung: Gurt, Kette 5 Füße: abgenutzt, fehlend
Fünf Prüfstellen einer Stehleiter. Kopfbeschlag und Spreizsicherung sind die Punkte, die es bei Anlegeleitern nicht gibt.
MangelErkennungsmerkmalMaßnahme
Kopfbeschlag gerissen oder ausgeschlagenHaarriss an der Lasche, Spiel zwischen den Leiterteilenaussondern
Spreizgurt beschädigtausgefranst, eingerissen, spröde, Niet gelöstsperren, Originalgurt einbauen, erneut prüfen
Spreizkette aufgebogenKettenglied offen, Kette zu langsperren, Originalteil einbauen
Leiter kippeltein Fuß liegt auf ebenem Boden nicht aufUrsache suchen: fehlende Kappe oder verzogener Holm, sonst aussondern
Stufe loseStufe bewegt sich am Holm, Niet lockeraussondern, außer der Hersteller sieht Instandsetzung vor
Rollen federn nicht einLeiter rollt unter Last wegsperren, Rollen nach Herstellervorgabe tauschen
Haltebügel verbogenBügel wackelt oder steht schiefsperren, Hersteller fragen

Viele dieser Mängel entstehen nicht durch Alterung, sondern durch falsche Benutzung. Wer eine Stehleiter zusammengeklappt an die Wand lehnt und besteigt, belastet Kopfbeschlag und Holme in einer Richtung, für die sie nicht gebaut sind. Wer von der Leiter seitlich auf ein Regal übersteigt, verzieht die Scharniere. Häufen sich solche Schäden, ist eine Unterweisung der Benutzer wirksamer als jede Reparatur. Wie Sie mit gesperrten Leitern weiter verfahren, zeigt die Seite Leiter aussondern.

Checkliste Stehleiter zum Ausdrucken

Für den Prüftag fassen Sie die sieben Schritte als Kurzliste zusammen: Kennzeichnung mit Belastbarkeit und Hinweis zur obersten Stufe, Kopfbeschlag ohne Riss und Spiel, vier Holme gerade, Sprossen oder Stufen fest, Plattform und Haltebügel fest, Spreizsicherung vollständig und straff, vier Füße mit Profil, Rollen federn ein, Standprobe ohne Kippeln. Drucken Sie diese Seite aus oder speichern Sie sie als PDF. Die Liste für alle Bauarten im Bestand enthält die Checkliste zur Leiterprüfung. Streichen Sie Punkte, die für Ihre Bauart nicht zutreffen.

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Dokumentation und Plakette bei Stehleitern

Tragen Sie das Ergebnis mit Inventarnummer, Datum, Prüfumfang, Befund, Entscheidung, Name und Unterschrift ins Kontrollbuch ein. Bei Stehleitern lohnt es sich, im Befund die Art der Spreizsicherung und die Bauart festzuhalten, denn bei einer Ersatzbeschaffung von Gurten oder Ketten muss das Teil genau passen.

Die Plakette kommt an einen Holm des Steigteils in Augenhöhe, bei beidseitig begehbaren Leitern an die Seite, die üblicherweise benutzt wird. Sie darf nicht auf Stufen, im Bereich des Kopfbeschlags oder dort kleben, wo die Hand beim Aufsteigen greift, sonst ist sie schnell abgerieben. Den Aufbau des Nachweises über alle Leitern beschreibt die Seite zum Leiterkontrollbuch. Gesperrte Stehleitern werden zusammengeklappt und mit Sperranhänger am Kopfbeschlag versehen, damit niemand sie versehentlich öffnet. Der Anhänger nennt Datum, Grund und Ihren Namen.

Häufige Fehler bei der Prüfung von Stehleitern

  • Leiter nur zusammengeklappt ansehen: Spreizsicherung, Kippeln und Spiel am Kopfbeschlag zeigen sich nur im aufgestellten Zustand.
  • Plattform nicht belastet: Ob eine Plattform sicher einrastet, zeigt sich erst, wenn Sie mit der Hand kräftig darauf drücken.
  • Nur das Steigteil prüfen: Das hintere Leiterteil trägt genauso Last und wird bei einseitig begehbaren Leitern oft übersehen.
  • Standprobe auf unebenem Boden: Dann lässt sich nicht unterscheiden, ob die Leiter oder der Boden kippelt.
  • Spreizgurt nur ansehen: Ein spröder Gurt sieht oft intakt aus und reißt erst unter Last. Ziehen Sie kräftig daran.
  • Benutzungsfehler übersehen: Abrieb an der obersten Stufe oder am Kopfbeschlag zeigt, dass die Leiter als Anlegeleiter benutzt oder zu hoch bestiegen wird. Das gehört als Hinweis an die Vorgesetzten.

Den allgemeinen Ablauf einer Leiterprüfung erklärt die Anleitung zur Leiterprüfung, Pflicht und Fristen die Übersicht zur Leiterprüfung.

Häufige Fragen zur Prüfung von Stehleitern

Wie oft muss eine Stehleiter geprüft werden?

Die Frist legt der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung fest. Die DGUV Information 208-016 und die Unfallversicherungsträger empfehlen mindestens eine Prüfung pro Jahr durch eine befähigte Person. Stehleitern, die täglich auf Baustellen oder in der Instandhaltung genutzt und häufig transportiert werden, sollten öfter geprüft werden, etwa halbjährlich. Nach einem Umsturz ist immer eine außerordentliche Prüfung nötig.

Darf ich einen gerissenen Spreizgurt selbst ersetzen?

Ein Spreizgurt ist ein Verschleißteil und kann in vielen Fällen ersetzt werden, wenn der Hersteller ein Originalteil anbietet und den Tausch vorsieht. Ein Gurt anderer Länge verändert den Öffnungswinkel und damit die Standsicherheit, deshalb sind Ersatzgurte aus dem Baumarkt keine Lösung. Nach dem Tausch prüft die befähigte Person die Leiter erneut und gibt sie frei.

Darf man auf der obersten Stufe einer Stehleiter stehen?

Das hängt von der Bauart ab. Bei vielen Stehleitern dürfen die obersten Sprossen oder Stufen nicht betreten werden, ein Hinweis auf der Leiter zeigt, ab welcher Höhe. Stehleitern mit Plattform und Haltebügel sind dagegen so gebaut, dass die Plattform als Standfläche dient. Bei der Prüfung kontrolliert die befähigte Person, ob der Hinweis vorhanden und lesbar ist.

Muss ich beide Seiten einer beidseitig begehbaren Stehleiter prüfen?

Ja. Bei beidseitig begehbaren Leitern sind beide Leiterteile Steigteile mit Stufen oder Sprossen, die Last aufnehmen. Jede Seite wird vollständig geprüft: Holme, Stufen, Verbindungen und Füße. Auch bei einseitig begehbaren Leitern gehört das hintere Leiterteil zur Prüfung, denn es trägt die Last mit und hält über die Spreizsicherung die Standsicherheit der ganzen Leiter.

Was ist der Unterschied zwischen Stehleiter und Tritt?

Tritte sind niedrige Aufstiegshilfen mit wenigen Stufen, etwa Klapptritte oder Stufenhocker, und werden nach einer eigenen Norm gebaut. Stehleitern sind höher und haben meist eine Spreizsicherung zwischen zwei Leiterteilen. Geprüft werden beide nach denselben Grundsätzen der DGUV Information 208-016, die Prüfpunkte unterscheiden sich aber. Details zu Tritten stehen auf unserer Seite zur Prüfung von Tritten.

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
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