Hubwagen prüfen Sie jährlich wie jedes andere Flurförderzeug: Die Prüfpunkte sind Gabeln, Hydraulikpumpe, Absenkung, Lenk- und Gabelrollen, Deichsel und Kennzeichnung, der Ablauf dauert rund 15 Minuten. Auch der Handgabelhubwagen ohne Motor fällt unter § 37 DGUV Vorschrift 68. Typische Mängel sind verschlissene Rollen, undichte Pumpen, eine unkontrolliert schnelle Absenkung und verbogene Gabeln. Weil Betriebe oft Dutzende Hubwagen haben, lohnt eine feste Nummerierung und eine Prüfung am Stück. Prüfen darf eine befähigte Person, die der Arbeitgeber beauftragt hat.
Wer darf Hubwagen prüfen?
Für den Hubwagen gilt dieselbe Regel wie für den Gabelstapler: Die jährliche Prüfung nach § 37 DGUV Vorschrift 68 führt ein Sachkundiger durch, heute als befähigte Person nach TRBS 1203 bezeichnet. Der geringere Aufwand ändert nichts an den Anforderungen. Auch wer nur Handhubwagen prüft, braucht eine passende technische Ausbildung, Erfahrung mit Flurförderzeugen und das Prüfwissen zu Hydraulik, Rollen und Gabeln. In den meisten Betrieben prüft deshalb dieselbe Person Stapler und Hubwagen zusammen. Die Fachkunde für beide vermittelt der Online-Kurs zur befähigten Person für Flurförderzeuge. Ein Lagerarbeiter, der täglich mit dem Hubwagen fährt, darf ihn vor Gebrauch kontrollieren und Mängel melden, die jährliche Prüfung ersetzt das aber nicht. Wer die Voraussetzungen im Einzelnen erfüllt, klärt der Beitrag zu den Voraussetzungen für befähigte Personen.
Vorbereitung: Bestand erfassen und nummerieren
Bei Hubwagen liegt die eigentliche Arbeit oft vor der Prüfung. Viele Betriebe wissen nicht genau, wie viele Geräte sie haben, denn Hubwagen wandern zwischen Hallen, Rampen und Filialen. So bereiten Sie die Prüfung vor:
- Bestand zählen: alle Hand- und Elektro-Hubwagen erfassen, auch die in Außenlagern und Lkw
- Nummerieren: jedem Gerät eine dauerhafte Nummer geben, etwa per Gravur oder Aufkleber am Deichselkopf
- Sammelplatz: alle Geräte an einem Tag an einer ebenen, hellen Stelle zusammenziehen
- Werkzeug: Lampe, Messschieber, Hydrauliköl nach Herstellerangabe, Prüflast, Schraubenschlüssel, Sperrschilder
- Liste: eine Zeile pro Gerät mit Nummer, Hersteller, Tragfähigkeit und Prüfergebnis
Aufwendige Schutzmaßnahmen wie beim Stapler sind beim Handhubwagen nicht nötig. Sichern Sie das Gerät aber gegen Wegrollen, wenn Sie Rollen oder Gabelunterseite prüfen, und legen Sie es dafür nur auf die Seite, wenn der Hersteller das zulässt.
Hubwagen prüfen Schritt für Schritt
Ein Handhubwagen hat wenige Baugruppen. Umso wichtiger ist es, jede davon tatsächlich zu prüfen, statt nach einem Blick auf das Gerät den Haken zu setzen.
Schritt 1: Kennzeichnung und Zustand von außen
Suchen Sie das Typenschild mit Hersteller, Seriennummer und Tragfähigkeit. Fehlt es, ist die zulässige Last nicht erkennbar, und das ist ein Mangel. Prüfen Sie den Rahmen auf Risse, vor allem an den Schweißnähten zwischen Gabeln und Pumpengehäuse, und achten Sie auf Ölspuren am Boden des Stellplatzes.
Schritt 2: Deichsel und Bedienhebel
Die Deichsel muss sich spielfrei bewegen und nach dem Loslassen selbstständig in die senkrechte Stellung zurückkehren, sonst schlägt sie beim Abstellen um und wird zur Stolperfalle. Der Bedienhebel muss die drei Stellungen Heben, Neutral und Senken sauber einnehmen. Prüfen Sie Griff und Gelenkbolzen auf Verschleiß.
Schritt 3: Hydraulikpumpe und Lasthaltung
Heben Sie mit einigen Pumpenhüben bis zur Endstellung. Die Pumpe muss gleichmäßig fördern, ohne Leerhübe. Belasten Sie den Hubwagen mit einer Prüflast und lassen Sie ihn einige Minuten angehoben stehen: Die Gabel darf dabei nicht merklich absinken. Ölspuren an Kolben oder Pumpengehäuse deuten auf verschlissene Dichtungen.
Schritt 4: Absenkung
Senken Sie die Prüflast ab. Die Absenkung muss sich dosieren lassen und darf nicht ruckartig durchfallen. Ein unkontrolliert schnelles Absenken kann Füße quetschen und empfindliche Waren beschädigen. Das Absenkventil ist ein sicherheitsrelevantes Teil, auch wenn es unscheinbar ist.
Schritt 5: Lenkrollen und Gabelrollen
Prüfen Sie die Lenkrollen am Pumpenkopf und die Gabelrollen unter den Gabelspitzen auf Verschleiß, Ausbrüche, Abplattungen und aufgewickelte Folienreste. Die Rollen müssen frei drehen, ihre Achsen sicher befestigt sein. Bei Tandemrollen prüfen Sie beide Rollen jedes Paars, denn eine blockierte Rolle beschädigt schnell den Boden und die zweite Rolle.
Schritt 6: Gabeln und Schubstangen
Die Gabeln dürfen weder verbogen noch verdreht sein. Legen Sie eine Richtlatte an oder vergleichen Sie beide Gabeln miteinander. Die Schub- oder Zugstangen im Inneren der Gabeln übertragen die Hubbewegung auf die Gabelrollen. Sind sie verbogen oder ihre Bolzen ausgeschlagen, hebt eine Gabelseite weniger als die andere und die Last kann kippen.
Schritt 7: Bewertung und Kennzeichnung
Tragen Sie das Ergebnis in die Liste ein und kleben Sie die Plakette auf, wenn kein Mangel offen ist. Hubwagen mit gefährlichen Mängeln sperren Sie sofort und stellen sie getrennt ab. Oft ist bei alten Geräten die Reparatur teurer als ein neuer Hubwagen. Diese Abwägung trifft der Betrieb, Sie liefern mit dem Befund die Grundlage dafür.
Typische Mängel an Hubwagen
Die folgenden Befunde tauchen bei fast jeder Hubwagenflotte auf. Die meisten sind schnell zu beheben, einige machen das Gerät sofort unbrauchbar. Weil Hubwagen günstig sind, stellt sich bei gefährlichen Mängeln oft die Frage, ob sich eine Reparatur überhaupt lohnt.
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Bewertung / Maßnahme |
|---|---|---|
| Rollen verschlissen | Abplattungen, Ausbrüche, schwergängig, Folie aufgewickelt | Mangel mit Frist, Rollen tauschen |
| Pumpe undicht | Ölspuren, Gabel sinkt unter Last ab | gefährlich bei Absinken, sonst Frist |
| Absenkung unkontrolliert | Last fällt ruckartig, nicht dosierbar | gefährlich: sperren bis zur Reparatur |
| Gabel verbogen | Gabeln nicht parallel, einseitiges Heben | gefährlich: sperren, meist Austausch |
| Deichsel ohne Rückstellung | Deichsel bleibt schräg stehen oder fällt um | Mangel mit Frist, Feder erneuern |
| Typenschild fehlt | Tragfähigkeit nicht erkennbar | Mangel: Schild ersetzen oder Gerät aussondern |
| Riss am Rahmen | Riss an Schweißnaht zwischen Gabel und Kopf | gefährlich: aussondern |
Ein wiederkehrendes Muster: Rollen verschleißen dort besonders schnell, wo Hubwagen über Dehnungsfugen, Überladebrücken oder Außenflächen fahren. Wenn in einem Bereich immer dieselben Mängel auftreten, lohnt ein Gespräch über Böden und Wege, nicht nur ein Rollentausch. Verbogene Gabeln wiederum entstehen fast immer durch Überlast oder durch Hebeln unter schief stehenden Paletten, das gehört in die Unterweisung der Nutzer. Notieren Sie solche Muster im Protokoll, damit der Betrieb die Ursache abstellen kann und nicht nur Teile tauscht. Wie Sie die Befunde einstufen, erklärt die Seite Stapler-Mängel bewerten.
Kurz-Checkliste für Hubwagen
Für Hubwagen genügt eine kompakte Liste, die Sie für viele Geräte hintereinander abarbeiten. Eine Zeile pro Gerät, sieben Spalten. Wer die Geräte in fester Reihenfolge prüft, schafft mit etwas Übung vier Hubwagen pro Stunde:
- Typenschild und Tragfähigkeit vorhanden
- Rahmen ohne Risse, keine Ölspuren
- Deichsel spielfrei, Rückstellung wirkt, Hebel rastet
- Pumpe fördert, Lasthaltung ohne Absinken
- Absenkung dosierbar
- Lenk- und Gabelrollen frei, ohne Ausbrüche
- Gabeln gerade, Schubstangen und Bolzen in Ordnung
Notieren Sie bei jedem Mangel die Gerätenummer und die Frist direkt in der Zeile. Für Stapler mit Fahrerplatz nutzen Sie die ausführliche Checkliste zur UVV-Prüfung Stapler.
Dokumentation und Plakette für viele Geräte
Bei Hubwagen ist eine Sammelliste praktischer als ein Einzelprotokoll je Gerät. Jede Zeile enthält die Gerätenummer, Hersteller, Seriennummer, Tragfähigkeit, das Ergebnis der sieben Prüfpunkte, festgestellte Mängel mit Frist und die Bestätigung der Beseitigung. Kopf und Fuß der Liste tragen Prüfdatum, Prüfumfang, Name und Unterschrift der befähigten Person. Damit sind alle Pflichtangaben erfüllt, und die Liste bleibt trotzdem übersichtlich.
Die Plakette kleben Sie gut sichtbar an den Deichselkopf, wo der Nutzer sie beim Greifen sieht. Ausgesonderte Hubwagen kennzeichnen Sie deutlich und entfernen sie aus dem Arbeitsbereich, damit sie nicht aus Gewohnheit wieder benutzt werden. Die Vorlage für Einzelgeräte finden Sie unter Prüfprotokoll Stapler als Vorlage.
Externer Prüfdienst
- 20 Hubwagen à 15 €
- 4 Stapler à 100 €
- jedes Jahr erneut
Eigene befähigte Person
- plus 360 € Arbeitszeit pro Jahr
- Ersparnis 340 € pro Jahr
- Kurs nach ca. 19 Monaten bezahlt
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Welche Fehler passieren bei der Hubwagenprüfung?
- Prüfung ohne Last: Eine undichte Pumpe zeigt sich erst, wenn Gewicht auf der Gabel liegt.
- Geräte vergessen: Hubwagen im Lkw, im Außenlager oder in der Filiale fehlen in der Liste.
- Keine Nummern: Ohne dauerhafte Kennzeichnung ist nicht nachvollziehbar, welches Gerät geprüft wurde.
- Reparieren statt aussondern: Ein Hubwagen mit Rahmenriss wird geschweißt, obwohl der Hersteller das nicht vorsieht.
- Plakette auf dem gesperrten Gerät: Aus Routine bekommt auch das Gerät mit Mangel die neue Plakette.
- Gabelunterseite nicht angesehen: Schubstangen und Gabelrollen liegen verdeckt und werden deshalb gern übersprungen.
Elektrisch angetriebene Hubwagen mit Deichselsteuerung haben zusätzliche Sicherheitseinrichtungen. Worauf es bei ihnen ankommt, erklärt die Seite Mitgänger-Flurförderzeug prüfen. Die Pflichten im Überblick stehen im Ratgeber zur UVV-Prüfung von Staplern.
Häufige Fragen zur Prüfung von Hubwagen
Muss ein Handhubwagen wirklich jährlich geprüft werden?
Ja. Der Handgabelhubwagen ist ein Flurförderzeug im Sinne der DGUV Vorschrift 68, auch ohne Motor und ohne Fahrerplatz. Deshalb gilt die Prüfung in Abständen von längstens einem Jahr nach § 37. Das mag bei einem einfachen Gerät übertrieben wirken, doch verbogene Gabeln, versagende Absenkungen und abrutschende Lasten verursachen im Lageralltag immer wieder Verletzungen an Füßen und Händen.
Lohnt sich ein eigener Prüfer nur für Hubwagen?
Meist nicht. Bei rund 15 € pro Gerät und etwa 15 Minuten interner Prüfzeit ist die Ersparnis pro Hubwagen klein. Erst mit Staplern, Regalen oder Leitern im selben Betrieb rechnet sich die eigene befähigte Person deutlich. Das ist in Lagerbetrieben allerdings fast immer der Fall. Rechnen Sie Ihren gesamten Bestand mit dem Kostenrechner durch, bevor Sie entscheiden.
Wie wird ein Waagen-Hubwagen geprüft?
Die UVV-Prüfung umfasst beim Waagen-Hubwagen dieselben Punkte wie bei jedem Handhubwagen: Rahmen, Deichsel, Pumpe, Absenkung, Rollen und Gabeln. Die Waage selbst ist eine eigene Sache. Wird sie im geschäftlichen Verkehr genutzt, etwa zur Abrechnung nach Gewicht, unterliegt sie dem Eichrecht mit eigenen Fristen. Das ist keine Aufgabe der befähigten Person für Flurförderzeuge und sollte getrennt organisiert werden, etwa über den Hersteller der Waage.
Darf ich das Hydrauliköl im Hubwagen selbst nachfüllen?
Das Nachfüllen gehört zur Wartung und ist mit dem vom Hersteller vorgeschriebenen Öl in der Regel unproblematisch. Wichtig ist, danach die Pumpe zu entlüften, wie es die Betriebsanleitung beschreibt. Verliert ein Hubwagen jedoch regelmäßig Öl, ist Nachfüllen keine Lösung. Dann sind Dichtungen verschlissen und müssen ersetzt werden, sonst sinkt die Gabel irgendwann unter Last ab.
Was ist der Unterschied zur Prüfung eines Elektro-Hubwagens?
Der Elektro-Hubwagen, oft Ameise genannt, hat zusätzlich Fahrantrieb, Batterie, Bremse und Sicherheitseinrichtungen wie Not-Aus, Kollisionsschutz am Deichselkopf und Totmannfunktion. Diese Punkte kommen zur Prüfung hinzu, der Aufwand steigt entsprechend. Externe Prüfdienste berechnen für eine Ameise deutlich mehr als für einen Handhubwagen. Die Besonderheiten beschreibt unsere Seite zu Mitgänger-Flurförderzeugen ausführlich, einschließlich der typischen Mängel an Deichsel und Fahrschalter.