Kettenzugprüfer werden: So qualifizieren Sie sich als befähigte Person für Hubgeräte

Wer Kettenzüge, Seilzüge und Winden prüfen darf, ist in Instandhaltung, Montage und Veranstaltungstechnik gefragt. Hier lesen Sie ehrlich, was die Aufgabe im Alltag bedeutet, wer sie übernehmen kann, was sie wert ist und wie der Weg dorthin aussieht.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 11 Min.
Kurz beantwortet

Kettenzugprüfer werden Sie auf einem klaren Weg: technische Berufsausbildung, Erfahrung mit Hebezeugen und aktuelle Tätigkeit als Voraussetzungen, dazu das Prüfwissen aus einem Kurs und die Beauftragung als befähigte Person. Einen geschützten Beruf „Kettenzugprüfer“ gibt es nicht, gemeint ist die befähigte Person für Winden, Hub- und Zuggeräte nach DGUV Vorschrift 54 und TRBS 1203. Der Online-Kurs kostet 330 € und dauert rund vier Stunden. Meist ist die Prüftätigkeit eine Zusatzaufgabe im bestehenden Job, die den Wert einer Fachkraft für den Betrieb deutlich erhöht.

Selbst prüfen statt Prüfdienst? Der Online-Kurs Winden & Hubgeräte kostet 330 €.

Zum Kurs & Preis →

Was macht ein Kettenzugprüfer im Alltag?

Die meisten Kettenzugprüfer sind keine Vollzeitprüfer. Sie arbeiten als Instandhalter, Industriemechaniker, Rigger oder Servicetechniker und übernehmen die Prüfung der Hubgeräte zusätzlich. Ein typisches Jahr sieht so aus: Einmal im Jahr, oft in einer ruhigen Zeit, steht ein Prüftag oder eine Prüfwoche an, an dem alle Kettenzüge, Hebelzüge und Winden durchgesehen werden. Dazwischen kommen Anlässe, die nicht warten können: ein Kettenzug, der eine Überlast abbekommen hat, ein neu montiertes Gerät vor der ersten Inbetriebnahme, eine getauschte Lastkette.

Ein typischer Prüftag

Morgens sammelt der Prüfer die Handgeräte aus Fahrzeugen und Lagern an einem Prüfplatz. Er arbeitet sie nacheinander ab: Typenschild und Unterlagen, Kette messen, Haken messen, Bremse unter Last testen, Befund eintragen, Plakette kleben. Nachmittags folgen die fest installierten Elektrokettenzüge, oft mit Hubarbeitsbühne, und die Berechnung der verbrauchten Nutzungsdauer. Am Ende steht eine Mängelliste für die Instandhaltung und ein Bericht an den Vorgesetzten. Wie die Prüfung im Einzelnen abläuft, zeigt die Anleitung zur Kettenzug-Prüfung.

Zur Rolle gehört auch Verantwortung. Nach TRBS 1203 entscheidet die befähigte Person frei von fachlichen Weisungen. Sie muss ein Gerät auch dann sperren, wenn die Produktion es dringend braucht, und diese Entscheidung gegenüber Vorgesetzten und Kollegen sachlich vertreten. Dafür braucht es Fachwissen und ein gewisses Standvermögen.

Zusammenarbeit mit anderen Stellen

Der Prüfer arbeitet eng mit der Elektrofachkraft zusammen, die die elektrische Prüfung übernimmt, mit dem Einkauf bei Ersatzteilen und mit dem Hersteller, wenn eine Generalüberholung ansteht. Er ist damit auch Ansprechpartner für die Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Voraussetzungen: Wer kann Kettenzugprüfer werden?

Die Anforderungen ergeben sich aus § 2 Abs. 6 BetrSichV und der TRBS 1203. Drei Punkte müssen zusammenkommen:

  • Berufsausbildung: eine abgeschlossene technische Ausbildung, etwa als Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker für Betriebstechnik, Metallbauer oder Fachkraft für Veranstaltungstechnik, oder ein vergleichbarer Abschluss wie Techniker oder Meister.
  • Berufserfahrung: praktische Erfahrung mit Hebezeugen, ihrer Mechanik, Bremsen und Steuerung, zum Beispiel aus Wartung, Montage oder Rigging.
  • Zeitnahe Tätigkeit: Sie arbeiten aktuell mit oder an Hubgeräten und bilden sich fort.

Was der Arbeitgeber vor der Beauftragung prüft

Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, entscheidet der Arbeitgeber, der Sie beauftragt. Er sieht sich Ausbildungsnachweis, Ihre bisherigen Aufgaben mit Hebezeugen und das Kurszertifikat an und hält seine Einschätzung am besten schriftlich fest. Diese Unterlagen gehören zusammen mit der Beauftragung in Ihre Personalakte.

Ehrlich gesagt: Wer Kettenzüge bisher nur bedient hat und keine technische Ausbildung mitbringt, wird durch einen Kurs allein nicht zum Prüfer. Der Kurs vermittelt die Fachkunde, er ersetzt nicht Ausbildung und Erfahrung. Umgekehrt gilt: Wer seit Jahren Kettenzüge wartet, Lastketten tauscht und Bremsen einstellt, bringt oft schon mehr mit, als er selbst denkt. Ihm fehlen meist nur Prüfkriterien, Ablegereife, Nutzungsdauer und Dokumentation, also genau das, was ein Kurs systematisch vermittelt. Ob die Erfahrung ausreicht, beurteilt am Ende der Arbeitgeber, der Sie beauftragt. Einen Selbstcheck finden Sie auf der Seite Voraussetzungen für befähigte Personen.

Verdienst und Marktwert: Was ist die Qualifikation wert?

Einen eigenen Tarif für Kettenzugprüfer gibt es nicht, und belastbare Gehaltsstatistiken für diese Zusatzqualifikation liegen uns nicht vor. Wir nennen deshalb keine Gehaltszahlen, sondern beschreiben den Wert so konkret wie möglich.

Als Angestellter

Für den Arbeitgeber ist der Wert leicht zu beziffern. Prüfdienste berechnen als Richtwert ab etwa 45 € pro Gerät, im Mittel rund 70 €, dazu Anfahrt. Ein Betrieb mit 20 Hubgeräten spart mit einem eigenen Prüfer rund 1.000 € im Jahr. Ob sich das für Sie in einer Zulage, einer Höhergruppierung oder einer besseren Position bei der nächsten Gehaltsrunde niederschlägt, hängt vom Betrieb ab. Sicher ist: Wer mehrere Prüfbereiche abdeckt, wird schwer ersetzbar.

Als Selbstständiger

Wer Prüfungen als Dienstleistung anbietet, rechnet in der Regel pro Gerät ab. Bei einem Richtwert von 70 € und zwei Geräten pro Stunde einschließlich Dokumentation ergibt sich rechnerisch ein Umsatz von etwa 140 € pro Stunde vor Fahrzeiten, Versicherung, Messmitteln und Akquise. Das ist eine Rechengröße, keine Zusage. Mehr dazu lesen Sie unter selbstständig als UVV-Prüfer und UVV-Prüfer Gehalt.

Der Weg zum Kettenzugprüfer in fünf Schritten

  1. Voraussetzungen klären: Passen Ausbildung, Erfahrung und aktuelle Tätigkeit zu Winden, Hub- und Zuggeräten?
  2. Mit dem Arbeitgeber sprechen: Wer beauftragt Sie, für welche Geräte, und wer übernimmt die Kurskosten? Argumente liefert die Seite Arbeitgeber überzeugen.
  3. Fachkunde erwerben: Der Online-Kurs vermittelt Prüfpflichten nach DGUV Vorschrift 54, Prüfmethoden, Berechnungen zu Tragfähigkeit und Nutzungsdauer nach FEM 9.755 sowie die Dokumentation. Lernzeit rund vier Stunden, Abschlusstest mit 15 Fragen in 15 Minuten, Zertifikat.
  4. Schriftlich beauftragt werden: Erst mit der Beauftragung durch den Arbeitgeber prüfen Sie rechtswirksam. Eine Vorlage bietet die Seite Beauftragung der befähigten Person.
  5. Praxis aufbauen: Geräteliste anlegen, Prüfbücher einrichten, erste Prüfungen sorgfältig durchführen und die Fachkunde regelmäßig auffrischen.
In fünf Schritten zum Prüfer für Hubgeräte 1 · PrüfenVoraussetzungen 2 · Sprechenmit dem Chef 3 · Kursca. 4 Std., 330 € 4 · Beauftragungschriftlich 5 · Praxisprüfen, auffrischen Ausbildung und Erfahrung bringen Sie mit, der Kurs liefert die Fachkunde
Rechtswirksam prüfen Sie erst nach Schritt 4, der schriftlichen Beauftragung durch den Arbeitgeber.

Vom Entschluss bis zur ersten eigenen Prüfung vergehen so oft nur wenige Wochen. Nehmen Sie sich für die ersten Prüfungen etwas mehr Zeit als später, bis die Abläufe sitzen. Den Kurs mit Preis und Inhalten finden Sie auf der Seite Kurs befähigte Person Winden.

Welche Qualifikation passt zu Ihrem Beruf?

Wer Kettenzüge prüft, hat es fast immer auch mit Anschlagmitteln zu tun, oft auch mit Kranen oder Fahrzeugen. Die Tabelle zeigt, welche Kombination je nach Beruf sinnvoll ist. Die Preise sind die regulären Kurspreise pro Teilnehmer, als Summe der Einzelkurse, Paketpreise gibt es nicht:

BerufEmpfohlene KursePreis
Fachkraft für Veranstaltungstechnik, RiggerWinden + Anschlagmittel675 €
Industriemechaniker in der InstandhaltungWinden + Anschlagmittel675 €
Mechatroniker, Elektroniker für BetriebstechnikWinden + Krane950 €
Metallbauer, KonstruktionsmechanikerWinden + Anschlagmittel + Krane1.295 €
Kfz-Mechatroniker mit FahrzeugwindenWinden + Fahrzeuge750 €
Monteur im AnlagenbauWinden330 €

Ein Hinweis zur Einordnung: Für den Kurs selbst gibt es keine Zugangsprüfung. Ob Sie später rechtswirksam prüfen, hängt davon ab, ob Ihre Ausbildung und Erfahrung zum jeweiligen Arbeitsmittel passen. Ein Kfz-Mechatroniker ist für Fahrzeugwinden gut aufgestellt, für Hallenkrane eher nicht. Welche Kombination für Ihre Aufgaben passt, ermittelt der Kurs-Finder. Einen Überblick über die Prüferrolle in allen acht Bereichen gibt die Seite UVV-Prüfer werden.

Praxisbeispiel: Vom Instandhalter zum Prüfer für Hubgeräte

Das folgende Beispiel ist erfunden und steht stellvertretend für typische Werdegänge. Ein Industriemechaniker, Mitte dreißig, arbeitet seit acht Jahren in der Instandhaltung eines Maschinenbaubetriebs mit 120 Beschäftigten. Der Betrieb hat 14 Elektrokettenzüge an Hängebahnen und Schwenkkranen, dazu acht Handkettenzüge und vier Hebelzüge. Die jährliche Prüfung erledigte bisher ein Prüfdienst, Termine gab es nur mit mehreren Wochen Vorlauf.

Nach einer Überlast an einem Elektrokettenzug stand die Montage zwei Tage still, weil kein Prüfer verfügbar war. Der Instandhalter schlug daraufhin vor, die Prüfung selbst zu übernehmen. Er belegte den Online-Kurs für Winden, Hub- und Zuggeräte an zwei Nachmittagen, bestand den Abschlusstest und wurde vom Betriebsleiter schriftlich beauftragt. Im ersten Jahr legte er für jeden Elektrokettenzug ein Prüfbuch an und rekonstruierte die Betriebsstunden. Dabei fiel auf, dass zwei Geräte ihre theoretische Nutzungsdauer fast erreicht hatten. Ein Jahr später kam der Kurs für Anschlagmittel dazu. Heute ist er im Betrieb der Ansprechpartner für alles, was hebt.

Finanzierung: Wer bezahlt den Kurs?

In den meisten Fällen zahlt der Arbeitgeber, denn er profitiert direkt von der eingesparten Prüfgebühr. Die Rechnung kann auf den Betrieb laufen, für ihn ist die Weiterbildung in der Regel eine Betriebsausgabe. Zahlen Sie den Kurs selbst, etwa um Ihre Chancen bei einem Arbeitgeberwechsel zu verbessern, sind die Kosten als Fortbildung im ausgeübten Beruf in der Regel als Werbungskosten absetzbar. Im Einzelfall klärt das Ihr Steuerberater.

Förderprogramme der Agentur für Arbeit setzen meist deutlich längere, zertifizierte Maßnahmen voraus und kommen für einen Kurs dieser Länge in der Regel nicht in Betracht. Einige Länder haben eigene Programme für die Weiterbildung Beschäftigter, deren Bedingungen sich ändern. Mehr dazu unter Weiterbildung finanzieren.

Externer Prüfdienst

ca. 1.160 € / Jahr
  • 16 Hubgeräte zu je 70 €
  • plus 40 € Anfahrt
  • Termin nach Verfügbarkeit

Eigene befähigte Person

330 € einmalig
  • Online-Kurs, ca. 4 Stunden
  • plus ca. 320 € eigene Prüfzeit im Jahr
  • Prüfer im eigenen Haus

Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.

Häufige Fragen: Kettenzugprüfer werden

Ist Kettenzugprüfer ein anerkannter Beruf?

Nein. „Kettenzugprüfer“ ist eine gebräuchliche Bezeichnung, aber kein geschützter Titel und kein Ausbildungsberuf. Rechtlich gemeint ist die befähigte Person für die Prüfung von Winden, Hub- und Zuggeräten nach Betriebssicherheitsverordnung, die DGUV Vorschrift 54 nennt sie Sachkundiger. Entscheidend sind Ausbildung, Erfahrung, aktuelle Tätigkeit, die Fachkunde für die Prüfung und die schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber, nicht eine Berufsbezeichnung.

Wie lange dauert es, Kettenzugprüfer zu werden?

Wenn Ausbildung und Erfahrung bereits vorhanden sind, geht es schnell. Der Online-Kurs hat eine Lernzeit von rund vier Stunden und endet mit einem Abschlusstest mit 15 Fragen. Danach folgt die schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber. Realistisch vergehen vom Entschluss bis zur ersten eigenen Prüfung wenige Wochen, abhängig davon, wie schnell die Beauftragung und die Prüfbücher eingerichtet sind.

Kann ich mich als Kettenzugprüfer selbstständig machen?

Grundsätzlich ja, wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen und Ihre Auftraggeber Sie als befähigte Person einsetzen. Rechnen Sie aber ehrlich: Neben der Prüfung kosten Fahrzeiten, Akquise, Versicherung, Messmittel und Dokumentation Zeit und Geld. Viele Selbstständige kombinieren mehrere Prüfbereiche, etwa Hubgeräte, Anschlagmittel und Krane, damit sich ein Termin beim Kunden lohnt. Prüfen Sie außerdem, ob Ihre Berufshaftpflicht Prüftätigkeiten abdeckt.

Muss ich die Qualifikation regelmäßig auffrischen?

Eine feste Frist schreibt kein Regelwerk vor. Die TRBS 1203 verlangt aber eine zeitnahe berufliche Tätigkeit und Fortbildung zum Stand der Technik. Wer regelmäßig prüft und Änderungen in Regelwerken und Herstellerangaben verfolgt, erfüllt das weitgehend. Viele Betriebe planen alle paar Jahre eine Auffrischung ein, um die Aktualität auch bei einer Kontrolle sauber belegen zu können.

Darf ich nach dem Kurs auch Krane prüfen?

Nein. Der Kurs für Winden, Hub- und Zuggeräte deckt Kettenzüge, Seilzüge, Hebelzüge und Winden ab. Ist ein Kettenzug fest als Hubwerk in einen Kran eingebaut, gelten zusätzlich die Regeln für Krane mit eigenen Prüfpunkten wie Kranbahn und Fahrantrieben. Dafür gibt es einen eigenen Kurs zur befähigten Person für Krane. Viele Prüfer im Metallbau kombinieren beide Qualifikationen.

Der erste Schritt zum Kettenzugprüfer

Rund vier Stunden Lernzeit, Abschlusstest, Zertifikat: Der Online-Kurs vermittelt die Fachkunde für Winden, Hub- und Zuggeräte. Bezahlt wird per Rechnung.

330 € pro Teilnehmer

Kurs & Preis ansehen

Ersparnis berechnen

Junge Kranausbildung, Gummersbach · Schulungen seit 2016

Weiterlesen

Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
Autor und fachlicher Prüfer aller Inhalte. Über uns & wie wir arbeiten
Kurs Winden & Hubgeräte
330 €
Ansehen