Anschlagmittel prüfen Sie in acht Schritten: Bestand einsammeln, reinigen, Kennzeichnung abgleichen, über die ganze Länge sehen und tasten, messen, Beschlagteile prüfen, bewerten und dokumentieren. Die Prüfung ist mindestens einmal im Jahr fällig und wird von einer befähigten Person durchgeführt. Jedes Stück wird einzeln geprüft, Stichproben reichen nicht. Planen Sie für einen geordneten Bestand etwa fünf Minuten je Anschlagmittel ein. Die Rissprüfung von Rundstahlketten ist ein eigener Termin beim Spezialisten.
Wer darf Anschlagmittel prüfen?
Rechtswirksam ist die Jahresprüfung nur, wenn sie eine zur Prüfung befähigte Person durchführt. Das verlangen die Betriebssicherheitsverordnung und die DGUV Regel 109-017. Befähigt ist, wer eine passende technische Berufsausbildung, Erfahrung mit Hebezeugen und Anschlagmitteln und eine aktuelle Tätigkeit in diesem Bereich mitbringt und vom Arbeitgeber beauftragt wurde.
Helfer dürfen trotzdem mitarbeiten: Ein Lagerist kann einsammeln, reinigen und sortieren, ein Auszubildender kann das Verzeichnis führen. Die Bewertung jedes Stücks und die Unterschrift unter dem Ergebnis bleiben aber bei der befähigten Person. Die Fachkunde dafür vermittelt der Online-Kurs Anschlagmittel für 345 €.
Eine Ausnahme gilt für die Rissprüfung von Rundstahlketten, die längstens alle drei Jahre ansteht. Sie erfordert ein zerstörungsfreies Prüfverfahren und die passende Ausrüstung und wird deshalb meist an einen spezialisierten Dienstleister oder den Kettenhersteller vergeben. Die Jahresprüfung aller übrigen Punkte bleibt im Haus.
Vorbereitung: Was brauchen Sie für die Prüfung?
Eine gute Vorbereitung spart bei der Prüfung selbst die meiste Zeit. Legen Sie vorher bereit:
- Unterlagen: Verzeichnis aller Anschlagmittel mit Nummer, letzte Prüfaufzeichnungen, Gebrauchsanleitungen der Hersteller, DGUV Regel 109-017, Termin der letzten Rissprüfung der Ketten.
- Messmittel: Messschieber, Kettenlehre passend zu den Nenngrößen, Maßband, gegebenenfalls Lehren für die Hakenmaulweite.
- Hilfsmittel: starke Lampe, Lupe, Lappen zum Abtasten von Drahtseilen, schnittfeste Handschuhe, Reinigungsmittel.
- Kennzeichnung: Prüfplaketten oder Prüfringe in der neuen Jahresfarbe, Ersatzanhänger mit Nummer.
- Sperrbereich: eine rot markierte Kiste für abgelegte Teile, damit nichts versehentlich zurück ins Gestell wandert.
Als Arbeitsplatz eignet sich eine Werkbank mit guter Beleuchtung und genug Fläche, um eine Kette ganz auszulegen. Im Freien bei schlechtem Licht übersieht man feine Kerben und Schnitte. Planen Sie außerdem, wie der Betrieb während der Prüfung weiterläuft, etwa indem Sie die Anschlagmittel in zwei Gruppen nacheinander prüfen.
Anschlagmittel prüfen: Schritt für Schritt
Die folgenden acht Schritte gelten für alle Arten von Anschlagmitteln. Welche Details bei Ketten, Seilen und textilen Anschlagmitteln dazukommen, erklären die Einzelanleitungen, auf die wir in den Schritten verweisen.
1. Bestand einsammeln und mit dem Verzeichnis abgleichen
Holen Sie alle Anschlagmittel an einen Ort: aus den Hallen, von Baustellen, aus Servicefahrzeugen und Containern. Haken Sie jedes Stück im Verzeichnis ab. Was im Verzeichnis steht, aber nicht auftaucht, wird gesucht oder als verloren ausgetragen. Was auftaucht, aber nicht im Verzeichnis steht, bekommt eine Nummer oder wird gleich aussortiert, wenn Herkunft und Tragfähigkeit unklar sind.
2. Reinigen und sortiert auslegen
Öl, Fett, Beton und Zunder verdecken genau die Schäden, die Sie suchen. Reinigen Sie verschmutzte Teile mit Mitteln, die der Hersteller zulässt, und lassen Sie textile Anschlagmittel trocknen. Legen Sie dann nach Art sortiert aus: Ketten, Drahtseile, Hebebänder, Rundschlingen, Beschlagteile, Lastaufnahmemittel. So bleiben Sie beim Prüfen in einem Kriterienkatalog.
3. Kennzeichnung und Identität prüfen
Ist der Anhänger an der Kette vorhanden, ist das Etikett am Hebeband lesbar, stimmt die Nummer mit dem Verzeichnis überein? Passen Tragfähigkeit und Nennmaß zum Eintrag? Ein Anschlagmittel ohne lesbare Tragfähigkeit darf nicht weiter verwendet werden, egal wie gut es sonst aussieht. Dieser Schritt kommt bewusst vor der Sichtprüfung, weil er oft schon die Entscheidung bringt.
4. Über die ganze Länge sehen und tasten
Führen Sie jedes Anschlagmittel langsam durch die Hände. Bei Ketten drehen Sie jedes Glied, bei Drahtseilen fahren Sie mit einem Lappen entlang, an dem abstehende Drahtbrüche hängen bleiben. Bei Hebebändern und Rundschlingen tasten Sie nach Verhärtungen, Knoten und dünnen Stellen. Details zu den Materialien finden Sie unter Anschlagkette prüfen und Rundschlinge und Hebeband prüfen.
5. Messen, wo das Auge nicht reicht
Verschleiß und Längung an Ketten, die Verringerung des Seildurchmessers und die Aufweitung von Haken lassen sich nicht schätzen. Messen Sie an den am stärksten beanspruchten Stellen und vergleichen Sie mit dem Nennmaß und den Grenzwerten aus Regel und Gebrauchsanleitung. Notieren Sie die Messwerte, dann erkennen Sie im nächsten Jahr, wie schnell der Verschleiß fortschreitet.
6. Beschlagteile und Funktion prüfen
Haken, Schäkel, Ringe, Wirbel und Verkürzungselemente werden einzeln geprüft: Schließt die Hakensicherung selbsttätig? Sitzt der Schäkelbolzen vollständig und ist er gesichert? Dreht der Wirbel frei? Rastet die Verkürzungsklaue sauber ein? Viele Mängel zeigen sich erst, wenn Sie das Teil bewegen.
7. Bewerten: weiter verwenden, instand setzen oder ablegen
Jetzt fällt die Entscheidung. Ohne Befund geht das Teil zurück in den Bestand. Kleinere Mängel an Beschlagteilen, etwa eine fehlende Hakensicherung, lassen sich oft durch den Hersteller oder einen Fachbetrieb beheben. Erreicht ein Anschlagmittel die Ablegereife, wird es sofort unbrauchbar gemacht. Welche Kriterien dafür gelten, zeigt die Seite Ablegereife von Anschlagmitteln.
8. Kennzeichnen und dokumentieren
Geprüfte Teile erhalten die neue Plakette oder den Prüfring. Ergebnis, Messwerte und Maßnahmen werden je Nummer eingetragen. Abgelegte Teile werden im Verzeichnis ausgetragen, Ersatz wird bestellt und vor dem ersten Einsatz neu erfasst.
Typische Mängel bei der Jahresprüfung
Die meisten Befunde wiederholen sich von Betrieb zu Betrieb. Die Tabelle zeigt die häufigsten mit dem jeweiligen Erkennungsmerkmal und der üblichen Maßnahme. Im Zweifel gilt: Was Sie nicht sicher bewerten können, geht nicht zurück in den Einsatz.
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Maßnahme |
|---|---|---|
| Etikett oder Anhänger fehlt | keine Tragfähigkeit ablesbar | ablegen, sofern die Kennzeichnung nicht vom Hersteller nachweisbar erneuert werden kann |
| Schnitt im Hebeband | durchtrennte Fäden quer oder längs, oft an der Webkante | ablegen |
| Rundschlinge mit sichtbarem Kern | Umhüllung aufgescheuert, tragende Fäden liegen frei | ablegen |
| Kettenglied verbogen oder gekerbt | Glied steht schief, scharfkantige Kerben | ablegen oder Strang vom Hersteller instand setzen lassen |
| Hakensicherung defekt | Falle fehlt, klemmt oder schließt nicht selbsttätig | instand setzen, bis dahin sperren |
| Drahtbrüche am Seil | abstehende Drähte, Lappen bleibt hängen | Anzahl bewerten, bei Überschreiten ablegen |
| Hitze- oder Chemikalienschaden | glasige, verhärtete oder verfärbte Stellen, Anlauffarben an Ketten | ablegen |
Auffällig oft finden sich Mängel an Anschlagmitteln, die auf Baustellen oder in Fahrzeugen lagen, und an Teilen ohne festen Aufbewahrungsort. Ein Wandgestell mit nummerierten Plätzen reduziert beides. Notieren Sie bei jedem Befund auch die vermutete Ursache, etwa fehlender Kantenschutz oder falsche Lagerung. Wiederholen sich Ursachen, gehört das Thema in die nächste Unterweisung der Anschläger, denn so sinkt die Zahl der Ablegungen im folgenden Jahr spürbar.
Checkliste für die Anschlagmittel-Prüfung
Für den Einsatz an der Werkbank eignet sich eine Checkliste, die Sie je Anschlagmittel abhaken. Die Kurzfassung für diese Anleitung:
- Nummer und Kennzeichnung lesbar, Übereinstimmung mit dem Verzeichnis
- ganze Länge gesehen und getastet, Messwerte notiert
- Beschlagteile bewegt, Sicherungen funktionieren
- Ergebnis festgelegt und Plakette angebracht
Drucken Sie die Liste für jeden Prüftag neu aus und legen Sie das ausgefüllte Blatt zu den Aufzeichnungen. So belegen Sie später nicht nur das Ergebnis, sondern auch, dass jedes Stück nach denselben Punkten geprüft wurde. Die vollständige Liste mit allen Prüfpunkten je Art finden Sie in der Checkliste zur Anschlagmittel-Prüfung.
Dokumentation und Prüfplakette
Die Aufzeichnung enthält nach § 14 BetrSichV mindestens Art und Umfang der Prüfung, das Ergebnis sowie Name und Unterschrift der befähigten Person. Bei Anschlagmitteln kommt die Nummer jedes Stücks hinzu, sonst ist das Ergebnis keinem Teil zuzuordnen. Bewährt hat sich eine Tabelle mit einer Zeile je Anschlagmittel: Nummer, Art, Tragfähigkeit, Messwerte, Befund, Maßnahme, Datum. Eine fertige Vorlage bietet unser Prüfprotokoll für Anschlagmittel.
Am Teil selbst zeigt eine Prüfplakette oder ein Prüfring, bis wann die Prüfung gilt. Viele Betriebe arbeiten mit Jahresfarben, die jeder Anschläger auf einen Blick erkennt. Wichtig: Plaketten an textilen Anschlagmitteln nie durch das Gewebe tackern oder nieten, sondern mit Kabelbinder an der Schlaufe oder am Beschlagteil befestigen. Bei Ketten eignet sich der Kennzeichnungsanhänger oder ein Prüfring am Aufhängeglied.
Welche Fehler passieren bei der Prüfung am häufigsten?
- Stichproben statt Vollprüfung: Jedes Anschlagmittel muss einzeln geprüft werden, auch das zwanzigste gleiche Hebeband.
- Ungereinigt prüfen: Unter verkrustetem Schmutz bleiben Kerben und Anrisse unsichtbar.
- Etikettlose Teile freigeben: „Sieht doch gut aus“ ersetzt keine nachweisbare Tragfähigkeit.
- Abgelegtes nur zur Seite legen: Was nicht zerschnitten oder aufgetrennt wird, taucht erfahrungsgemäß wieder im Einsatz auf.
- Rissprüfung vergessen: Der Dreijahrestermin für Rundstahlketten gehört ins Verzeichnis, sonst geht er unter.
- Fremdes Material übersehen: Anschlagmittel von Subunternehmern oder aus Mietgeräten gehören ebenfalls geprüft oder gar nicht erst in den Einsatz.
Fast alle diese Fehler haben dieselbe Ursache: Die Prüfung wird als lästige Pflicht nebenbei erledigt. Wer sie fest im Jahreskalender einplant, vermeidet die meisten davon. Grundlagen zu Pflicht und Fristen finden Sie auf der Übersichtsseite Anschlagmittel prüfen.
Externer Prüfdienst
- 60 Anschlagmittel zu ca. 10 €
- plus 40 € Anfahrt und Bericht
- Teile fehlen während der Prüfung
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs, ca. 3 Stunden
- ca. 5 Std. Prüfzeit im Jahr
- sofort prüfen nach Schadensfällen
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Häufige Fragen zur Anleitung
Wie lange dauert die Prüfung eines Anschlagmittels?
Bei einem gereinigten, nummerierten Bestand rechnen wir im Mittel mit etwa fünf Minuten je Stück. Eine Rundschlinge ist in zwei Minuten geprüft, eine vierstrangige Kette mit Verkürzungshaken und Messung an mehreren Stellen braucht eher zehn bis fünfzehn Minuten. Das Einsammeln, Reinigen und Dokumentieren kommt hinzu. Beim ersten Durchgang dauert es länger, weil Verzeichnis und Nummerierung erst entstehen.
Muss ich jedes Anschlagmittel einzeln prüfen?
Ja. Die Prüfpflicht gilt für jedes einzelne Anschlagmittel, weil jedes seine eigene Einsatzgeschichte hat. Zwei baugleiche Hebebänder können völlig unterschiedlich beansprucht worden sein, eines lag im Regal, das andere wurde täglich über Stahlkanten gezogen. Stichproben sind deshalb nicht zulässig. Mit einer Nummer je Stück lässt sich die Einzelprüfung auch später lückenlos nachweisen.
Darf ich ein Anschlagmittel reparieren?
Beschlagteile wie Hakensicherungen oder Verbindungsglieder dürfen mit Originalteilen und nach Herstellerangabe getauscht werden, sofern Sie das fachlich beherrschen. Schweißen, Richten oder Erwärmen von Ketten, Haken und Seilen ist dagegen tabu, weil sich dabei die Festigkeit verändert. Beschädigte textile Anschlagmittel werden nie repariert, sondern abgelegt. Im Zweifel übernimmt der Hersteller die Instandsetzung und bestätigt sie schriftlich.
Was mache ich mit abgelegten Anschlagmitteln?
Machen Sie sie sofort unbrauchbar: Hebebänder und Rundschlingen durchschneiden, Ketten auftrennen oder Glieder durchtrennen, Seile an den Endverbindungen kappen. Tragen Sie das Teil im Verzeichnis als abgelegt aus und notieren Sie den Grund. Bis zur Entsorgung gehören die Reste in die rot markierte Sperrkiste. So verhindern Sie, dass ein abgelegtes Teil über einen Umweg doch wieder am Kranhaken landet.
Wann muss ich außerhalb des Jahrestermins prüfen?
Eine außerordentliche Prüfung ist nach Ereignissen fällig, die die Sicherheit beeinträchtigen können: nach einer Überlastung, nach einem Lastabsturz, wenn ein Anschlagmittel über eine scharfe Kante gezogen wurde, Hitze oder Chemikalien ausgesetzt war oder instand gesetzt wurde. Auch längere Nichtbenutzung unter ungünstigen Bedingungen kann ein Anlass sein. Hier zeigt sich der Vorteil einer eigenen befähigten Person, die sofort entscheiden kann.