Die Checkliste zur Anschlagmittel-Prüfung umfasst für jedes Stück die Kennzeichnung, die Sicht- und Tastprüfung über die ganze Länge, Messungen an Ketten, Seilen und Haken, die Beschlagteile und das Ergebnis mit Plakette. Für jede Art von Anschlagmittel kommen eigene Prüfpunkte hinzu: bei Ketten Glieddicke und Längung, bei Drahtseilen Drahtbrüche und Endverbindungen, bei textilen Anschlagmitteln Etikett, Gewebe und Nähte, bei Traversen Tragstruktur und Sicherungen. Die Prüfung ist mindestens jährlich fällig und wird von einer befähigten Person durchgeführt.
Wer darf mit dieser Checkliste prüfen?
Die Checkliste ist ein Werkzeug, keine Qualifikation. Rechtswirksam ist die Jahresprüfung nur, wenn sie eine zur Prüfung befähigte Person durchführt, die vom Arbeitgeber dafür beauftragt ist. Sie braucht eine technische Berufsausbildung, Erfahrung mit Hebezeugen und Anschlagmitteln und eine aktuelle Tätigkeit in diesem Bereich. Die Liste stellt sicher, dass kein Prüfpunkt vergessen wird. Ob ein Befund harmlos ist oder zur Ablegereife führt, muss die Person aber aus eigener Fachkunde beurteilen können.
Diese Fachkunde vermittelt der Online-Kurs zur befähigten Person für Anschlagmittel für 345 €, inklusive der Ablegekriterien für jede Art. Für Anschläger gibt es eine deutlich kürzere Version: Vor jedem Einsatz prüfen sie nur, ob die Kennzeichnung lesbar ist, ob sichtbare Schäden vorliegen und ob die Hakensicherung funktioniert. Diese Kontrolle ersetzt die Jahresprüfung nicht, sie ergänzt sie.
Vorbereitung: Was muss vor dem Abhaken erledigt sein?
Eine Checkliste funktioniert nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Bevor Sie das erste Kästchen abhaken, sollte Folgendes erledigt sein:
- Alle Anschlagmittel sind eingesammelt und mit dem Verzeichnis abgeglichen, jedes Stück hat eine Nummer.
- Verschmutzte Teile sind gereinigt, textile Anschlagmittel sind trocken.
- Die Teile liegen nach Art sortiert, sodass Sie mit einem Abschnitt der Checkliste durchgehend arbeiten können.
- Messmittel liegen bereit: Messschieber, Kettenlehre, Maßband, Lampe, Lappen, schnittfeste Handschuhe.
- Die Gebrauchsanleitungen der Hersteller sind greifbar, denn manche Grenzwerte stehen nur dort.
- Eine rot markierte Sperrkiste steht bereit für alles, was nicht zurück in den Bestand darf.
Wie Sie die Prüfung als Ganzes organisieren, zeigt unsere Anleitung zur Anschlagmittel-Prüfung. Diese Seite konzentriert sich auf die einzelnen Prüfpunkte. Halten Sie außerdem das Protokoll des Vorjahres bereit, damit Sie Messwerte und beobachtete Befunde direkt vergleichen können.
Die Checkliste: Prüfpunkte je Anschlagmittel
Arbeiten Sie die Abschnitte in dieser Reihenfolge ab. Abschnitt 1 und 8 gelten für jedes Stück, die Abschnitte 2 bis 7 je nach Art. Ein einziger nicht erfüllter Punkt genügt, damit das Teil nicht ohne Weiteres in den Bestand zurückgeht.
1. Für jedes Anschlagmittel: Identität und Kennzeichnung
- Nummer vorhanden und im Verzeichnis eingetragen
- Anhänger oder Etikett vorhanden, Tragfähigkeit lesbar
- Angaben passen zum Verzeichnis: Art, Nennmaß, Länge, Tragfähigkeit
- Gebrauchsanleitung oder Herstellerbescheinigung liegt vor
2. Anschlagketten
- jedes Glied gedreht und angesehen: keine Risse, Kerben, Riefen, Verformungen
- Glieddicke an der Verschleißstelle gemessen, Abnahme innerhalb des Grenzwerts
- Längung einzelner Glieder und des Strangs geprüft
- keine Anlauffarben oder Hitzespuren, keine starke Korrosion
- Aufhängeglied, Verbindungsglieder und Verkürzungselemente vollständig und gesichert
- alle Teile in derselben Güteklasse
Gemessen wird dort, wo Glieder aneinander reiben, also an den Innenseiten der Gliedbögen. Notieren Sie den kleinsten Wert je Strang, nicht den Durchschnitt über die Kette.
3. Drahtseile
- ganze Länge mit Lappen abgefahren, Drahtbrüche gezählt und bewertet
- kein Litzenbruch, keine Knicke, Quetschungen, Korbbildung oder Aufdoldung
- Durchmesser an mehreren Stellen gemessen
- Pressklemme oder Spleiß ohne Risse, Verschiebung oder herausgezogene Drähte
- Kausche fest im Auge, nicht verformt
Den Durchmesser messen Sie über die Litzenkuppen, also über den größten Umkreis des Seils, sonst fällt der Wert zu klein aus. Besonders kritisch sind die Bereiche direkt hinter der Endverbindung.
4. Hebebänder
- Etikett vorhanden und lesbar, Farbe passt zur angegebenen Tragfähigkeit
- keine Quer- oder Längsschnitte, Webkanten unbeschädigt
- Nähte und Schlaufen vollständig, keine gerissenen Fäden
- keine verhärteten, glasigen oder verfärbten Stellen
- Beschlagteile, falls vorhanden, ohne Verformung
Schäden sitzen bei Hebebändern meist an den Kanten und in den Schlaufen, weil dort Last und Reibung zusammenkommen. Prüfen Sie diese Stellen besonders sorgfältig.
5. Rundschlingen
- Etikett vorhanden und lesbar
- Umhüllung ohne Löcher und Scheuerstellen, Kern nirgends sichtbar
- beim Durchtasten gleichmäßige Dicke, keine Knoten oder Verdickungen
- keine Hitze- oder Chemikalienschäden
6. Haken, Schäkel, Ringe und Wirbel
- Hakenmaul nicht aufgeweitet, Hakengrund ohne starken Verschleiß
- Hakensicherung vorhanden, schließt selbsttätig
- Schäkelbolzen vollständig eingeschraubt und gesichert, Gewinde intakt
- Ringe ohne Verformung, Wirbel drehen frei
Viele Hersteller bringen am Haken Messmarken an, deren Abstand sich bei einer Aufweitung vergrößert. Vergleichen Sie mit dem Wert aus der Gebrauchsanleitung oder dem letzten Protokoll.
7. Lastaufnahmemittel
- Typenschild mit Tragfähigkeit und Eigengewicht vorhanden
- Tragstruktur ohne Verformungen, Schweißnähte ohne Risse
- Bolzen, Splinte und Sicherungen vollständig
- Greifflächen, Klemmbacken und Zähne ohne übermäßigen Verschleiß
- bei Vakuum- und Magnethebern Warneinrichtungen nach Herstellerangabe geprüft
Mehr zu Traversen finden Sie unter Traverse prüfen.
8. Abschluss: Ergebnis und Kennzeichnung
- Ergebnis festgelegt: in Ordnung, gesperrt bis zur Instandsetzung oder abgelegt
- Plakette oder Prüfring in der aktuellen Farbe angebracht
- Messwerte und Befunde im Verzeichnis eingetragen
- abgelegte Teile unbrauchbar gemacht und ausgetragen
Typische Mängel und ihre Einstufung
Nicht jeder Befund bedeutet sofort das Aus. Die Tabelle zeigt Mängel, bei denen die Einstufung in der Praxis oft unsicher ist, und die übliche Entscheidung. Maßgeblich sind immer die Kriterien der DGUV Regel 109-017 und die Herstellerangaben.
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Einstufung und Maßnahme |
|---|---|---|
| Leichter Oberflächenabrieb am Hebeband | aufgeraute, leicht pelzige Oberfläche, Gewebe tragend intakt | weiter verwenden, im Verzeichnis vermerken und beobachten |
| Anhänger schwer lesbar | Prägung abgenutzt, aber Tragfähigkeit noch eindeutig | Anhänger durch den Hersteller erneuern lassen, bis dahin weiter verwendbar |
| Flugrost an der Kette | rötlicher Belag, der sich abwischen lässt, keine Narben | reinigen, weiter verwenden |
| Korrosionsnarben | Vertiefungen im Material nach dem Reinigen | Glieddicke messen, bei Unterschreiten ablegen |
| Verkürzungsklaue ohne Sicherung | Sicherungsfeder fehlt oder ist lahm | sperren, mit Originalteil instand setzen |
| Knoten im Hebeband | fest gezogener Knoten, Gewebe gestaucht | ablegen, Knoten mindert die Tragfähigkeit erheblich |
| Riss an der Pressklemme | feine Linie im Aluminium, oft am Rand | ablegen |
| Schäkelbolzen durch fremden Bolzen ersetzt | andere Farbe, fehlende Kennzeichnung am Bolzen | sperren, Originalbolzen einsetzen oder Schäkel ablegen |
Wichtig ist, dass dieselbe Einstufung im nächsten Jahr wieder aufgegriffen wird. Stufen Sie einen Befund im Zweifel strenger ein. Die Kriterien, die sicher zur Ablegereife führen, sind auf der Seite Ablegereife von Anschlagmitteln zusammengefasst.
Checkliste als Vorlage drucken
Für die Arbeit an der Werkbank drucken Sie diese Seite aus oder speichern sie als PDF. Bewährt hat sich folgender Umgang mit dem Blatt: Tragen Sie oben Datum, Prüfer und den Bereich ein, zum Beispiel „Halle 2, Gestell A“. Wenn mehrere Personen prüfen, bekommt jede ein eigenes Blatt mit ihrem Namen. Arbeiten Sie dann Nummer für Nummer ab und notieren Sie Auffälligkeiten sofort in der Bemerkungsspalte, nicht erst am Ende des Tages.
| Nr. | Art | Abschnitte geprüft | Ergebnis | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| AM-017 | Kette 2-strangig | 1, 2, 6, 8 | in Ordnung | Längung gemessen, unauffällig |
| AM-042 | Hebeband 2 t | 1, 4, 8 | abgelegt | Schnitt an der Webkante |
Dokumentation und Plakette nach dem Abhaken
Die ausgefüllte Checkliste ist ein Arbeitsnachweis, aber noch nicht die vollständige Aufzeichnung nach § 14 BetrSichV. Übertragen Sie die Ergebnisse in das Verzeichnis oder Prüfprotokoll: Art und Umfang der Prüfung, Ergebnis je Nummer, Name und Unterschrift der befähigten Person, Datum. Die Aufzeichnung muss mindestens bis zur nächsten Prüfung aufbewahrt werden, in der Praxis empfiehlt sich eine längere Aufbewahrung. Heben Sie die Checklisten zusammen mit dem Protokoll auf, dann ist nachvollziehbar, welche Punkte an welchem Stück geprüft wurden.
Eine Vorlage für das Protokoll finden Sie unter Prüfprotokoll Anschlagmittel. Die Plakette kommt erst ans Teil, wenn das Ergebnis feststeht. Wer Plaketten vorab verteilt und dann Befunde findet, riskiert, dass gesperrte Teile mit gültiger Plakette im Umlauf sind. Entfernen Sie bei gesperrten Teilen zusätzlich die alte Plakette, damit auch die Vorjahresfarbe nicht mehr als gültig missverstanden wird.
Welche Fehler passieren beim Abhaken häufig?
- Abschnitte überspringen: Bei Ketten wird oft nur geschaut, nicht gemessen. Abschnitt 2 ist aber ohne Messwerte nicht erfüllt.
- Beschlagteile nicht bewegen: Eine klemmende Hakensicherung zeigt sich erst beim Betätigen.
- Ganze Gruppen abhaken: „Alle Rundschlingen in Ordnung“ ist kein Nachweis. Jede Nummer braucht ihre Zeile.
- Alte Checklisten weiterverwenden: Wer das Blatt vom Vorjahr ergänzt, übersieht neue Teile im Bestand.
- Checkliste nicht anpassen: Wer Lastaufnahmemittel mit eigener Energieversorgung hat, muss die Liste um die Herstellervorgaben ergänzen.
- Unklare Befunde freigeben: Was nicht eindeutig bewertet werden kann, bleibt gesperrt, bis es geklärt ist, etwa mit dem Hersteller.
Die Grundlagen zu Pflicht, Fristen und Kennzeichnung erklärt die Übersicht Anschlagmittel prüfen. Wer Kran und Kettenzug gleich mitprüft, findet dort ebenfalls passende Listen, etwa unter Checkliste Kranprüfung.
Externer Prüfdienst
- 40 Anschlagmittel zu ca. 10 €
- plus 40 € Anfahrt und Bericht
- jedes Jahr erneut
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs, ca. 3 Stunden
- gut 3 Std. Prüfzeit im Jahr
- Checkliste im eigenen Betrieb
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Häufige Fragen zur Checkliste
Ist eine Checkliste für die Anschlagmittel-Prüfung vorgeschrieben?
Eine bestimmte Checkliste schreibt weder die Betriebssicherheitsverordnung noch die DGUV Regel 109-017 vor. Vorgeschrieben ist, dass Art, Umfang und Ergebnis der Prüfung aufgezeichnet werden. Eine Checkliste ist der einfachste Weg, den Umfang nachvollziehbar zu belegen und bei vielen gleichartigen Teilen nichts zu vergessen. Sie können unsere Liste an Ihren Bestand anpassen und Abschnitte streichen, die bei Ihnen nicht vorkommen.
Kann ich die Checkliste auch für Anschlagmittel in der Veranstaltungstechnik nutzen?
Ja, die Prüfpunkte für Rundschlingen, Drahtseile, Schäkel und Ketten gelten dort genauso. In der Veranstaltungstechnik kommen oft zusätzliche Anforderungen aus den Regelwerken für die Bühne hinzu, etwa erhöhte Sicherheitsfaktoren oder eine eigene Kennzeichnung. Prüfen Sie deshalb, ob Ihr Material für diese Einsätze zusätzliche Angaben braucht, und ergänzen Sie die Liste um eine Zeile dafür.
Brauche ich für jede Kette ein eigenes Blatt?
Nein. Eine Zeile je Anschlagmittel genügt, solange erkennbar ist, welche Abschnitte der Checkliste für dieses Stück geprüft wurden und mit welchem Ergebnis. Messwerte tragen Sie in die Bemerkungsspalte oder direkt ins Verzeichnis ein. Ein eigenes Blatt lohnt sich nur für große Lastaufnahmemittel wie Traversen, bei denen viele Einzelpunkte zusammenkommen und die Prüfung mehr Platz braucht.
Wie oft muss ich die Checkliste abarbeiten?
Mindestens einmal im Jahr, denn das ist die längste zulässige Frist für die regelmäßige Prüfung. Bei starker Beanspruchung, etwa in Gießereien oder bei täglichem Einsatz auf Baustellen, legt die Gefährdungsbeurteilung kürzere Abstände fest. Zusätzlich arbeiten Sie die Liste für ein einzelnes Stück ab, wenn eine außerordentliche Prüfung fällig ist, zum Beispiel nach einer Überlastung oder einem Hitzeschaden.
Deckt die Checkliste auch die Rissprüfung von Ketten ab?
Nein. Die Rissprüfung von Rundstahlketten ist längstens alle drei Jahre fällig und erfordert ein zerstörungsfreies Verfahren wie die Magnetpulverprüfung. Dafür braucht es besondere Ausrüstung, die über eine Sicht- und Maßprüfung hinausgeht. Tragen Sie im Verzeichnis ein, wann die letzte Rissprüfung stattfand und wann die nächste fällig ist, damit der Termin bei der Jahresprüfung nicht übersehen wird.