Kranprüfer werden Sie als befähigte Person für Krane: mit technischer Berufsausbildung, Erfahrung an Kranen, aktueller Tätigkeit im Kranumfeld und dem nötigen Prüfwissen. Das Prüfwissen nach DGUV Vorschrift 52 und DGUV Grundsatz 309-001 lässt sich in einem Online-Kurs in rund drei Stunden erwerben. Danach beauftragt Sie Ihr Arbeitgeber schriftlich mit der Prüfung. Einen geschützten Berufstitel „Kranprüfer“ gibt es nicht. Für Prüfungen, die ein Prüfsachverständiger übernehmen muss, gelten deutlich höhere Anforderungen, etwa ein Ingenieurstudium.
Was macht ein Kranprüfer im Alltag?
Ein Kranprüfer im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung ist eine befähigte Person, die Krane in regelmäßigen Abständen auf ihren sicheren Zustand prüft. In den meisten Betrieben ist das keine Vollzeitstelle, sondern eine Aufgabe neben der eigentlichen Arbeit. Der Instandhalter, der ohnehin Seile wechselt und Bremsen einstellt, übernimmt einmal im Jahr die Prüfung jedes Krans, außerdem Prüfungen nach Kollisionen, Überlastfällen und Reparaturen. Dazu kommen die Organisation des Prüfkalenders, die Pflege der Prüfbücher und die Nachverfolgung von Mängeln, bis sie behoben sind.
Ein typischer Prüftag
Ein Prüftag beginnt am Schreibtisch mit dem Prüfbuch: Welche Mängel waren offen, was wurde seitdem umgebaut? Dann geht es in die Halle. Der Bereich unter dem Kran wird abgesperrt, die Hubarbeitsbühne steht bereit. Zuerst werden Tragwerk, Kranbahn, Seil und Haken im Stillstand geprüft, dann folgen Bremsen, Endschalter und Not-Halt, zum Schluss die Fahrt mit Prüflast. Für einen Hallenkran sind das etwa zwei Stunden, für einen Säulenschwenkkran oft weniger. Am Ende stehen der Eintrag im Prüfbuch, die Plakette und gegebenenfalls eine Mängelmeldung an die Betriebsleitung. Wie eine Prüfung im Detail abläuft, zeigt die Anleitung zur Kranprüfung.
Kranprüfer als Dienstleister
Selbstständige Prüfer und Mitarbeiter von Kranservicefirmen fahren dagegen von Kunde zu Kunde und prüfen an einem Tag mehrere Krane an verschiedenen Standorten. Sie verbinden die Prüfung häufig mit Wartung und Reparatur und prüfen Anschlagmittel und Kettenzüge gleich mit.
Welche Voraussetzungen brauchen Sie als Kranprüfer?
Die Anforderungen stehen in § 2 Abs. 6 BetrSichV und in der TRBS 1203. Drei Dinge müssen zusammenkommen, keins davon ersetzt ein anderes:
- Berufsausbildung: eine abgeschlossene technische Ausbildung, zum Beispiel als Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker für Betriebstechnik, Metallbauer, Konstruktionsmechaniker oder Land- und Baumaschinenmechatroniker, alternativ ein technisches Studium oder ein Meister- oder Technikerabschluss
- Berufserfahrung: praktische Erfahrung mit Kranen oder vergleichbaren Hebezeugen, etwa aus Instandhaltung, Montage oder Service
- Zeitnahe Tätigkeit: aktuelle Arbeit im Umfeld von Kranen und regelmäßige Fortbildung
Ehrlich gesagt: Wer Krane nur bedient, erfüllt diese Anforderungen in der Regel nicht, auch nach vielen Jahren als Kranführer. Die Kranführerausbildung ist eine andere Qualifikation. Umgekehrt muss niemand Ingenieur sein: Für die jährliche Prüfung reicht eine technische Berufsausbildung, wenn die Erfahrung mit Kranen dazukommt. Der Arbeitgeber beurteilt im Einzelfall, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, und sollte seine Einschätzung schriftlich festhalten. Bewährt hat sich eine kleine Akte mit Ausbildungsnachweis, kurzer Beschreibung der Erfahrung und Kurszertifikat. Einen ausführlichen Selbstcheck finden Sie unter Voraussetzungen für befähigte Personen.
Was verdient ein Kranprüfer?
Belastbare Statistiken speziell für Kranprüfer gibt es nicht, weil die Tätigkeit meist Teil einer anderen Stelle ist. Die folgenden Angaben sind deshalb ausdrücklich Richtwerte zur Orientierung, keine Gehaltsdaten aus einer Erhebung.
Angestellt im eigenen Betrieb
Als angestellter Instandhalter mit Prüfaufgabe verdienen Sie in erster Linie das Gehalt Ihres Berufs. Die Qualifikation als befähigte Person ist eine Zusatzaufgabe mit Verantwortung, die in Gehaltsgesprächen ein gutes Argument ist. Ob daraus eine Zulage oder eine höhere Eingruppierung wird, hängt von Betrieb und Tarifvertrag ab. Ihr Marktwert steigt vor allem dadurch, dass Betriebe Prüfkosten sparen: Wer fünf Krane im Haus prüft, spart dem Betrieb nach unseren Richtwerten rund 1.900 € im Jahr.
Selbstständig oder im Prüfdienst
Für Prüfdienstleister ergibt sich der Umsatz aus den Preisen je Prüfung. Nach veröffentlichten Preisangaben liegen sie bei etwa 250 bis 800 € je Kran. Wer an einem Tag vier Hallenkrane zu je 450 € prüft, erzielt rechnerisch 1.800 € Umsatz, von dem allerdings Fahrzeug, Prüfmittel, Versicherung, Verwaltung und Leerzeiten zu bezahlen sind. Mehr zur Selbstständigkeit lesen Sie unter Selbstständig als UVV-Prüfer.
Der Weg zum Kranprüfer in fünf Schritten
Wenn die Grundlagen stimmen, ist der Weg überschaubar. Die meisten Kandidaten schaffen ihn in wenigen Wochen, weil die Lernzeit gering ist und der Rest im Betrieb passiert:
- Voraussetzungen prüfen: Passen Ausbildung, Erfahrung und aktuelle Tätigkeit zur Prüfaufgabe? Klären Sie das mit Ihrem Vorgesetzten oder der Fachkraft für Arbeitssicherheit.
- Fachkunde erwerben: Der Online-Kurs vermittelt Regelwerke, Prüfpunkte, Ablegekriterien und Dokumentation, mit Abschlusstest aus 20 Fragen in 20 Minuten.
- Schriftlich beauftragen lassen: Der Arbeitgeber legt fest, welche Krane Sie prüfen. Eine Vorlage bietet die Seite Beauftragung der befähigten Person.
- Erste Prüfungen begleitet durchführen: Sinnvoll ist, die ersten Prüfungen gemeinsam mit dem bisherigen Prüfdienst oder einem erfahrenen Kollegen zu machen.
- Praxis halten und auffrischen: Regelmäßig prüfen, Änderungen im Regelwerk verfolgen und das Wissen in sinnvollen Abständen erneuern.
Der Kurs ersetzt keinen dieser Schritte, er schließt die Lücke beim Prüfwissen. Mehr zum allgemeinen Weg über alle Arbeitsmittel lesen Sie unter UVV-Prüfer werden.
Welche Qualifikation passt zu Ihnen?
Wo Krane heben, sind fast immer auch Anschlagmittel und Kettenzüge im Einsatz. Viele Kranprüfer übernehmen deshalb gleich mehrere Prüfbereiche. Die folgende Tabelle zeigt typische Kombinationen je Beruf. Die Preise sind die Summe der regulären Einzelpreise pro Teilnehmer.
| Beruf | Empfohlene Kurse | Preis |
|---|---|---|
| Industriemechaniker in der Instandhaltung | Krane, Anschlagmittel, Winden und Hubgeräte | 1.295 € |
| Mechatroniker | Krane, Winden und Hubgeräte | 950 € |
| Metallbauer, Konstruktionsmechaniker | Krane, Anschlagmittel | 965 € |
| Elektroniker für Betriebstechnik | Krane | 620 € |
| Land- und Baumaschinenmechatroniker | Krane (Ladekrane), Fahrzeuge | 1.040 € |
| Industriemeister, Techniker Maschinenbau | Krane, Anschlagmittel, Winden und Hubgeräte | 1.295 € |
Für Elektroniker gilt: Der Kurs deckt die Kranprüfung ab, nicht die Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel nach DGUV Vorschrift 3, für die eigene Anforderungen gelten. Wer in einem kleinen Betrieb arbeitet, beginnt oft mit dem Kurs für Krane und ergänzt weitere Bereiche erst, wenn die ersten Prüfungen Routine geworden sind. So verteilen sich Lernaufwand und Kosten. Details zu den Ergänzungskursen finden Sie beim Kurs für Anschlagmittel und beim Kurs für Winden und Hubgeräte.
Beispiel-Werdegang: vom Instandhalter zum Kranprüfer
Das folgende Beispiel ist erfunden, beschreibt aber einen typischen Weg. Ein 34-jähriger Industriemechaniker arbeitet seit acht Jahren in der Instandhaltung eines Maschinenbaubetriebs mit sechs Brückenkranen und vier Säulenschwenkkranen. Er tauscht Seile, stellt Bremsen ein und begleitet seit Jahren den externen Prüfer bei der Jahresprüfung. Als der Betrieb die Prüfkosten senken will, schlägt er vor, die Prüfung selbst zu übernehmen. Er rechnet vor, dass zehn Krane extern nach Richtwerten rund 4.560 € im Jahr kosten, und legt den Vorschlag mit den Kurspreisen vor.
Der Betrieb bucht den Kurs für Krane und den für Anschlagmittel. Er lernt an drei Abenden, legt den Abschlusstest ab und erhält das Zertifikat. Der Geschäftsführer beauftragt ihn schriftlich. Die ersten beiden Krane prüft er noch gemeinsam mit dem bisherigen Prüfdienst, die übrigen allein. Im zweiten Jahr übernimmt er zusätzlich die Prüfung der Anschlagmittel und führt für alle Krane einen gemeinsamen Prüfkalender. In der nächsten Gehaltsrunde wird die neue Aufgabe berücksichtigt.
Finanzierung: Wer bezahlt den Kurs?
In den meisten Fällen zahlt der Arbeitgeber, denn er profitiert direkt von der eingesparten externen Prüfung. Bezahlt wird per Rechnung, die Rechnungsadresse geben Sie bei der Anmeldung an. Für Unternehmen ist die Weiterbildung in der Regel eine Betriebsausgabe. Zahlen Sie den Kurs selbst, etwa weil Sie sich selbstständig machen oder den Arbeitgeber wechseln wollen, kommen Werbungskosten oder Betriebsausgaben in Betracht. Klären Sie die steuerliche Behandlung im Einzelfall mit Ihrer Steuerberatung. Je nach Situation können auch Förderprogramme der Arbeitsagentur oder der Länder in Frage kommen. Wie Sie das Gespräch mit dem Chef vorbereiten, zeigt die Seite Arbeitgeber überzeugen, Fördermöglichkeiten fasst die Seite Weiterbildung finanzieren zusammen.
Externer Prüfdienst
- 7 Krane zu je ca. 450 €
- plus 60 € Anfahrt
- jedes Jahr erneut
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs Krane
- plus ca. 560 € Prüfzeit pro Jahr
- Ihr Wissen bleibt im Betrieb
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Häufige Fragen: Kranprüfer werden
Ist Kranprüfer ein anerkannter Beruf?
Nein, Kranprüfer ist kein Ausbildungsberuf und kein geschützter Titel. Gemeint ist eine befähigte Person im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung, die Krane prüft. Sie bringt eine technische Berufsausbildung, Erfahrung mit Kranen und eine aktuelle Tätigkeit im Kranumfeld mit und ist vom Arbeitgeber beauftragt. Das Prüfwissen erwirbt sie zum Beispiel in einem Kurs, der mit einem Zertifikat abschließt.
Wie lange dauert es, Kranprüfer zu werden?
Wenn Ausbildung und Erfahrung vorhanden sind, geht es schnell. Die Lernzeit im Online-Kurs liegt bei etwa drei Stunden, der Abschlusstest dauert 20 Minuten. Danach folgen die schriftliche Beauftragung und am besten einige begleitete Prüfungen. In vielen Betrieben ist der Weg so in wenigen Wochen abgeschlossen. Ohne passende Ausbildung und Erfahrung hilft dagegen kein Kurs weiter.
Kann ich als Kranführer Kranprüfer werden?
Die Erfahrung als Kranführer ist wertvoll, reicht aber allein nicht aus. Für die Prüfung verlangt die TRBS 1203 eine passende Berufsausbildung, in der Regel eine technische, und Erfahrung mit Aufbau und Technik von Kranen, nicht nur mit ihrer Bedienung. Haben Sie zusätzlich eine technische Ausbildung und arbeiten Sie auch an der Wartung der Krane mit, kann der Weg passen.
Darf ich nach dem Kurs auch bei anderen Firmen Krane prüfen?
Grundsätzlich ja, denn die Anforderungen der TRBS 1203 knüpfen an Ihre Person an, nicht an einen bestimmten Arbeitgeber. Der jeweilige Auftraggeber muss aber beurteilen, ob Sie für seine Krane geeignet sind, und Sie mit der Prüfung beauftragen. Wer als Dienstleister prüft, braucht zusätzlich eine passende Betriebshaftpflicht, eigene Prüfmittel und eine saubere Dokumentation für jeden Kunden.
Muss ich das Wissen regelmäßig auffrischen?
Ja. Die TRBS 1203 verlangt, dass befähigte Personen ihre Kenntnisse auf dem aktuellen Stand halten. Eine feste Frist nennt sie nicht. Üblich ist eine Auffrischung spätestens nach einigen Jahren oder wenn sich Regelwerke ändern. Genauso wichtig ist die Praxis: Wer regelmäßig prüft, bleibt im Thema. Mit 52 Wochen Zugang können Sie die Kursunterlagen im ersten Jahr jederzeit nachschlagen.