Einen Säulenschwenkkran prüfen Sie jährlich mit besonderem Blick auf das, was ihn hält: Fundament und Verankerung, die Säule selbst und das Drehlager. Dazu kommen Ausleger, Katze, das Hubwerk, meist ein Elektrokettenzug, die Energiezuführung und eine Lastprobe mit der Last am äußersten Punkt des Auslegers. Beim Wandschwenkkran tritt die Befestigung an Wand oder Stütze an die Stelle des Fundaments. Wiederkehrend prüft eine befähigte Person, vor der ersten Inbetriebnahme ein Prüfsachverständiger.
Wer darf einen Säulenschwenkkran prüfen?
Schwenkarmkrane, also Säulen- und Wandschwenkkrane, stehen in Anhang 3 der BetrSichV in derselben Gruppe wie Brückenkrane. Das heißt: Vor der ersten Inbetriebnahme prüft ein Prüfsachverständiger, danach übernimmt eine befähigte Person die mindestens jährliche Prüfung. Die geringe Größe ändert daran nichts, denn auch am Schwenkkran hängen Lasten über Menschen, oft direkt am Arbeitsplatz. Rechtswirksam prüft nur, wer die Anforderungen der TRBS 1203 erfüllt und vom Arbeitgeber beauftragt ist. Weil Schwenkkrane häufig in Betrieben ohne eigene Kranabteilung stehen, fehlt es dort oft an jemandem mit Prüfwissen. Ein Industriemechaniker oder Metallbauer aus dem eigenen Haus kann diese Lücke mit dem Online-Kurs zur befähigten Person für Krane schließen. Wird der Kran an einen anderen Platz versetzt, klären Sie vor der Wiederinbetriebnahme, welche Prüfung nötig ist, denn die Standsicherheit hängt vom neuen Untergrund ab.
Wie bereiten Sie die Prüfung eines Schwenkkrans vor?
Ein Schwenkkran ist schnell geprüft, wenn die Unterlagen zur Befestigung vorliegen. Ohne sie lässt sich das Wichtigste, nämlich die Verankerung, kaum beurteilen. Stellen Sie bereit:
- Montageunterlagen: Fundamentplan oder Angaben des Herstellers zur Bodenplatte, Dübeltyp und Anzugsmoment der Ankerschrauben
- Bei Wandschwenkkranen: Nachweis, dass Stütze oder Wand die Kräfte aufnehmen kann, meist als statische Bestätigung bei der Montage
- Betriebsanleitung für Kran und Kettenzug mit Verschleißgrenzen für Kette, Haken und Bremse
- Werkzeug: Drehmomentschlüssel, Wasserwaage oder Lot, Messschieber, Kettenlehre, Taschenlampe, Leiter oder kleine Arbeitsbühne
- Prüflast in Höhe der Nennlast mit passendem Anschlagmittel
Räumen Sie den Schwenkbereich frei und sprechen Sie mit dem Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Er merkt als Erster, wenn der Ausleger von allein wegdreht oder der Kettenzug anders klingt.
Säulenschwenkkran prüfen Schritt für Schritt
1. Fundament und Verankerung
Beginnen Sie unten. Die Fußplatte muss vollflächig aufliegen, die Mörtelfuge darunter darf nicht zerbröseln. Prüfen Sie jede Ankerschraube auf festen Sitz, bei Dübelbefestigung mit dem vom Hersteller angegebenen Anzugsmoment. Risse im Hallenboden rund um die Fußplatte, Rostfahnen an den Muttern oder eine Platte, die unter Last sichtbar arbeitet, sind ernste Warnzeichen.
2. Säule oder Wandkonsole
Kontrollieren Sie die Säule auf Anprallschäden durch Stapler oder Hubwagen, auf Korrosion im Bodenbereich, wo sich Kühlschmierstoff und Reinigungswasser sammeln, und auf Risse an der Schweißnaht zwischen Säule und Fußplatte. Mit Wasserwaage oder Lot prüfen Sie, ob die Säule lotrecht steht. Beim Wandschwenkkran treten Konsolen, Klemmen oder Durchsteckanker an die Stelle der Säule. Prüfen Sie, ob sie fest sitzen und ob an der Stütze Verformungen erkennbar sind.
3. Drehlager und Schwenkbereich
Bewegen Sie den leeren Ausleger über den ganzen Schwenkbereich. Er soll sich gleichmäßig und ohne Rucken drehen lassen. Dreht er von allein in eine Richtung, steht die Säule schief oder das Fundament hat nachgegeben. Prüfen Sie das Lagerspiel, indem Sie am Auslegerende auf und ab bewegen, und kontrollieren Sie Schwenkbereichsbegrenzung und Anschläge, falls der Kran nicht frei drehen darf. Bei motorischem Schwenkantrieb gehören Bremse und Rutschkupplung dazu.
4. Ausleger und Katzfahrbahn
Am Ausleger interessieren die Verbindung zum Drehkopf, Verformungen und die Laufbahn der Katze. Bei Unterflanschkatzen verschleißt der Flansch mit den Jahren. Am Ende des Auslegers müssen Endanschläge verhindern, dass die Katze herausfährt. Prüfen Sie die Laufrollen der Katze auf Verschleiß und leichten Lauf.
5. Hubwerk, Kette und Haken
Das Hubwerk ist meist ein Elektrokettenzug. Messen Sie die Kette über mehrere Glieder mit der Kettenlehre, prüfen Sie Kettenrad, Kettenspeicher, Hakengeschirr, Hakensicherung und Bremse. Einzelheiten zum Kettenzug beschreibt die Seite Elektrokettenzug prüfen. Am Schwenkkran ist der Kettenzug Teil des Krans und wird mit ihm zusammen geprüft und dokumentiert.
6. Energiezuführung und Steuerung
Das Kabel zum Kettenzug läuft meist über Kabelwagen am Ausleger. Achten Sie auf Scheuerstellen am Drehpunkt, wo sich das Kabel beim Schwenken verdreht, und bei endlos drehenden Kranen auf den Schleifring. Hängetaster, Not-Halt, Richtungskennzeichnung und Hubendschalter prüfen Sie wie bei jedem Kran.
7. Lastprobe bei voller Ausladung
Hängen Sie die Nennlast an, fahren Sie die Katze ganz nach außen und schwenken Sie über den gesamten Bereich. Das ist der Lastfall mit dem größten Moment auf Säule und Fundament. Beobachten Sie dabei die Fußplatte: Hebt sie sich, knirscht die Fuge oder neigt sich die Säule sichtbar, wird sofort abgebrochen. Zum Schluss prüfen Sie Hubwerksbremse und Überlastsicherung des Kettenzugs.
Typische Mängel an Säulen- und Wandschwenkkranen
Bei Schwenkkranen konzentrieren sich die kritischen Mängel auf Befestigung und Standsicherheit. Die folgende Übersicht zeigt, was Prüfer häufig finden:
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Maßnahme |
|---|---|---|
| Ankerschrauben lose | Mutter lässt sich unter Anzugsmoment weiterdrehen, Rostfahne | stillsetzen, Verankerung durch Fachbetrieb prüfen und nachziehen lassen |
| Risse im Boden an der Fußplatte | strahlenförmige Risse im Estrich oder Beton | stillsetzen, Fundament beurteilen lassen |
| Säule nicht lotrecht | Ausleger dreht selbstständig in eine Richtung | Ursache klären, Fundament und Verankerung prüfen lassen |
| Anprallschaden an der Säule | Beule oder Knick im unteren Bereich | stillsetzen, Tragfähigkeit beurteilen lassen |
| Endanschlag am Ausleger fehlt | Katze lässt sich bis zum Auslegerende und darüber hinaus schieben | vor Weiterbetrieb ergänzen |
| Kette gelängt | Messung über mehrere Glieder über dem Grenzwert des Herstellers | Kette ersetzen, Kettenrad mitprüfen |
| Steuerkabel am Drehpunkt verschlissen | Scheuerstellen, Mantel aufgerissen | Kabel ersetzen, Führung verbessern |
| Schwenkbegrenzung wirkungslos | Ausleger schwenkt gegen Hallenstütze oder Maschine | Begrenzung instand setzen, bis dahin Schwenkbereich absichern |
Viele dieser Mängel sind die Folge einer nachträglichen Veränderung: Ein neuer Estrich, eine versetzte Maschine oder ein anderer Kettenzug mit höherer Tragfähigkeit verändern die Bedingungen, für die der Kran ausgelegt wurde. Fragen Sie deshalb bei jeder Prüfung nach, was sich am Arbeitsplatz seit dem letzten Mal geändert hat. Wie die Befunde einzustufen sind, erklärt die Seite Kranmängel bewerten.
Checkliste für Schwenkkrane
Für Säulen- und Wandschwenkkrane passt eine verkürzte Checkliste ohne Kranbahn, dafür mit einem eigenen Block für die Befestigung:
- Fußplatte, Mörtelfuge, Ankerschrauben mit Anzugsmoment
- Säule lotrecht, ohne Anprall und Korrosion, oder Wandkonsolen fest
- Drehlager, Lagerspiel, Schwenkbegrenzung
- Ausleger, Katzfahrbahn, Endanschläge, Katze
- Kettenzug mit Kette, Haken, Bremse, Endschalter
- Kabelführung, Hängetaster, Not-Halt
- Lastprobe bei voller Ausladung über den ganzen Schwenkbereich
Notieren Sie neben jedem Punkt den Messwert, beim Fundament also das Anzugsmoment, bei der Säule die Abweichung vom Lot und beim Kettenzug das gemessene Kettenmaß. So sehen Sie beim nächsten Mal sofort, ob sich etwas bewegt hat.
Die allgemeine Checkliste zur Kranprüfung enthält alle Blöcke für größere Krane.
Dokumentation und Plakette am Schwenkkran
Auch der kleinste Schwenkkran braucht ein eigenes Kranprüfbuch. Tragen Sie neben dem Prüfergebnis die gemessenen Werte an der Verankerung ein, also Anzugsmoment und Befund der Fuge, sowie die Kettenmessung und die Prüflast bei voller Ausladung. Ist der Kettenzug im Lauf der Jahre getauscht worden, gehört ein Vermerk mit Typ und Tragfähigkeit ins Prüfbuch, denn die Tragfähigkeit des Krans darf durch einen stärkeren Kettenzug nicht einfach steigen. Die Plakette kommt gut sichtbar an die Säule in Augenhöhe, beim Wandschwenkkran an den Hängetaster. Die Tragfähigkeit des Krans muss am Ausleger vom Boden aus lesbar sein. Stehen mehrere gleiche Schwenkkrane in einer Halle, nummerieren Sie sie deutlich, damit Prüfbuch und Kran eindeutig zusammengehören.
Externer Prüfdienst
- 6 Schwenkkrane zu je ca. 250 €
- plus 60 € Anfahrt
- jedes Jahr erneut
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs Krane
- plus ca. 480 € Prüfzeit pro Jahr
- Prüfung am eigenen Arbeitsplatz
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Welche Fehler passieren bei der Prüfung von Schwenkkranen?
- Verankerung nicht geprüft: Die Fußplatte wird angesehen, die Ankerschrauben aber nicht nachgezogen. Gerade dort beginnen die gefährlichsten Schäden.
- Lastprobe nur nahe der Säule: Eine Last dicht an der Säule belastet das Fundament kaum. Aussagekräftig ist nur die volle Ausladung.
- Kettenzug getrennt behandelt: Der Kettenzug wird als eigenes Gerät geprüft, der Kran aber nicht. Am Schwenkkran gehören beide zusammen.
- Stärkeren Kettenzug akzeptiert: Ein Kettenzug mit höherer Tragfähigkeit als der Kran ist ein Anreiz zur Überlastung.
- Umfeld übersehen: Neue Maschinen, Regale oder Gitterboxen im Schwenkbereich schaffen Quetschstellen zwischen Ausleger, Last und Umgebung, an denen sich Mitarbeiter verletzen können.
- Bodenbelag ignoriert: Wurde der Hallenboden erneuert oder beschichtet, kann die Verankerung betroffen sein, auch wenn der Kran selbst unverändert ist.
Mehr zur Prüfpflicht aller Kranarten finden Sie auf der Übersichtsseite Kranprüfung.
Häufige Fragen zur Prüfung von Säulenschwenkkranen
Muss ein Säulenschwenkkran jährlich geprüft werden?
Ja. Säulen- und Wandschwenkkrane sind Krane im Sinne der DGUV Vorschrift 52 und gehören nach Anhang 3 der BetrSichV zu den Schwenkarmkranen. Sie werden mindestens einmal im Jahr von einer befähigten Person geprüft, bei intensivem Einsatz auch öfter. Vor der ersten Inbetriebnahme ist eine Prüfung durch einen Prüfsachverständigen vorgesehen. Das gilt unabhängig von Größe und Tragfähigkeit des Krans.
Reicht es, den Kettenzug am Schwenkkran zu prüfen?
Nein. Der Kettenzug ist das Hubwerk des Krans, die Prüfung umfasst aber auch Fundament, Säule, Drehlager, Ausleger und Katze. Gerade die Verankerung ist beim Schwenkkran ein häufiger Schwachpunkt. Wer nur den Kettenzug nach DGUV Vorschrift 54 prüft, übersieht genau diese tragenden Punkte. Prüfen und dokumentieren Sie Kran und Kettenzug deshalb immer gemeinsam in einem Kranprüfbuch.
Darf ich einen Schwenkkran selbst an einen anderen Platz versetzen?
Das Versetzen ist eine neue Montage mit neuem Untergrund. Ob der Boden am neuen Platz die Kräfte aufnimmt, hängt von Dicke und Güte des Betons ab, die der Hersteller für sein Fundament vorgibt. Lassen Sie den neuen Standort deshalb vorher prüfen und die Montage nach Herstellerangaben ausführen. Vor der Wiederinbetriebnahme ist eine Prüfung erforderlich, deren Umfang Sie mit einem Prüfsachverständigen klären.
Wie prüfe ich, ob die Säule schief steht?
Am einfachsten mit einer langen Wasserwaage an zwei um 90 Grad versetzten Seiten der Säule oder mit einem Lot. Ein guter praktischer Hinweis ist auch der leere Ausleger: Bleibt er in jeder Stellung stehen, steht die Säule lotrecht. Dreht er von allein in eine Richtung, ist sie geneigt. Die Ursache liegt dann meist im Fundament oder in der Verankerung.
Gilt die Prüfpflicht auch für Schwenkkrane mit Handkettenzug?
Ja. Auch ein Schwenkkran, der von Hand geschwenkt wird und einen Handkettenzug als Hubwerk hat, ist ein Kran und prüfpflichtig. Für handbetriebene Krane enthält Anhang 3 der BetrSichV eigene Vorgaben. In der Praxis wird er von der befähigten Person genauso sorgfältig geprüft wie ein kraftbetriebener Kran, denn Fundament, Säule und Ausleger sind bei gleicher Last denselben Kräften ausgesetzt.