Einen Elektrokettenzug prüfen Sie wie jeden Kettenzug an Kette, Haken und Aufhängung, zusätzlich aber an Steuerung, Endschaltern, Bremse, Rutschkupplung und Fahrwerk, und Sie ermitteln den verbrauchten Anteil der theoretischen Nutzungsdauer. Diese Berechnung verlangt die DGUV Vorschrift 54 für kraftbetriebene Seil- und Kettenzüge. Sie beruht auf Betriebsstunden, Lastkollektiv und der Triebwerksgruppe nach FEM 9.511. Ist die Nutzungsdauer erreicht, darf das Gerät erst nach einer Generalüberholung weiterlaufen. Elektrische Messungen bleiben Aufgabe einer Elektrofachkraft.
Wer darf einen Elektrokettenzug prüfen?
Die wiederkehrende Prüfung nach § 23 DGUV Vorschrift 54 übernimmt ein Sachkundiger, nach Betriebssicherheitsverordnung eine befähigte Person. Beim Elektrokettenzug kommen zwei Besonderheiten hinzu. Erstens muss die Person die Nutzungsdauer nach FEM 9.755 berechnen können, dafür braucht sie mehr als Erfahrung mit dem Gerät. Zweitens ist die elektrische Sicherheitsprüfung, also Schutzleiter, Isolationswiderstand und die Prüfung der elektrischen Ausrüstung nach DGUV Vorschrift 3, Sache einer Elektrofachkraft. Ist die befähigte Person selbst Elektroniker für Betriebstechnik oder Mechatroniker mit entsprechender Qualifikation, kann sie beides übernehmen, sonst arbeiten zwei Personen zusammen.
Das Prüfwissen für Mechanik, Sicherheitseinrichtungen und Nutzungsdauer vermittelt der Online-Kurs befähigte Person für Winden, Hub- und Zuggeräte. Rechtswirksam prüft die Person erst mit passender Ausbildung, Erfahrung, aktueller Tätigkeit und schriftlicher Beauftragung.
Vorbereitung: Was Sie beim Elektrokettenzug zusätzlich brauchen
Über die üblichen Messmittel für Kette und Haken hinaus gehört zur Prüfung eines Elektrokettenzugs:
- Herstellerunterlagen: Betriebsanleitung mit Grenzwerten für Kette, Bremsluftspalt und Einstellung der Rutschkupplung, dazu die Triebwerksgruppe.
- Betriebsstunden: Stand des Betriebsstundenzählers oder der Steuerung, falls vorhanden, sonst die Daten für eine Schätzung.
- Fühlerlehre: für den Luftspalt der Federdruckbremse, sofern der Hersteller eine Messung vorsieht.
- Prüflast: nach Vorgabe des Herstellers, mit geprüften Anschlagmitteln.
- Zugang: Hubarbeitsbühne oder Podest für hoch hängende Geräte, Absperrung des Bereichs darunter.
- Elektrofachkraft: abgestimmt, falls Abdeckungen geöffnet oder elektrische Messungen durchgeführt werden.
Planen Sie die Prüfung außerhalb der Produktionszeit, denn ein Elektrokettenzug an einer Hängebahn ist während der Prüfung meist eine Stunde nicht verfügbar. Informieren Sie die Schichtleitung rechtzeitig, damit keine Last am Haken hängt, wenn Sie beginnen.
Elektrokettenzug prüfen Schritt für Schritt
Die Schritte ergänzen den allgemeinen Ablauf aus der Anleitung zur Kettenzug-Prüfung um die Besonderheiten des Elektrogeräts.
1. Gerätedaten und Betriebsstunden aufnehmen
Lesen Sie Typenschild, Tragfähigkeit und Triebwerksgruppe ab und vergleichen Sie sie mit dem Prüfbuch. Notieren Sie den Stand des Betriebsstundenzählers. Moderne Geräte speichern zusätzlich Lastzyklen oder Überlastereignisse, die sich über ein Auslesegerät des Herstellers abrufen lassen und die Berechnung genauer machen.
2. Steuerschalter und Not-Halt prüfen
Der Steuerschalter muss unbeschädigt sein, die Taster müssen selbstständig zurückfedern und eindeutige Richtungssymbole tragen. Der Not-Halt muss einrasten und alle Bewegungen stoppen, danach darf das Gerät erst nach bewusster Entriegelung wieder anlaufen. Prüfen Sie die Steuerleitung auf Scheuerstellen und die Zugentlastung, an der die Leitung hängt. Bei Funksteuerungen gehören Not-Halt und eindeutige Zuordnung zum richtigen Gerät dazu.
3. Drehrichtung und Endschalter testen
Drücken Sie „Heben“ und achten Sie darauf, dass der Haken tatsächlich hebt. Ist nach Arbeiten an der Zuleitung die Phasenfolge vertauscht, laufen die Bewegungen falsch herum, und die Endschalter wirken nicht, weil sie die falsche Richtung abschalten. Fahren Sie dann langsam in die oberste und unterste Hakenstellung. Der Endschalter muss abschalten, bevor die Unterflasche das Gehäuse berührt oder die Kette am Endstück anschlägt.
4. Lastkette, Kettennuss und Kettenspeicher prüfen
Messen Sie die Kette wie beim Handgerät. Achten Sie zusätzlich auf den Einlauf in die Kettennuss, auf Kettenspringen unter Last und auf die Kettenführung. Der Kettenspeicher muss zur Hubhöhe passen und fest sitzen, die Kette muss frei hineinlaufen. Ein zu kleiner oder beschädigter Kettenspeicher lässt die Kette herausfallen und im Arbeitsbereich pendeln.
5. Federdruckbremse und Nachlauf bewerten
Heben Sie die Prüflast an und lassen Sie den Taster los. Die Bremse muss die Last sofort halten, der Nachlauf darf den vom Hersteller genannten Wert nicht überschreiten. Wo der Hersteller eine Luftspaltmessung vorsieht, messen Sie mit der Fühlerlehre. Ungewöhnliche Geräusche beim Lüften der Bremse oder ein Anlaufen gegen die geschlossene Bremse deuten auf Verschleiß oder einen Fehler in der Ansteuerung hin.
6. Rutschkupplung und Überlastsicherung prüfen
Die meisten Elektrokettenzüge schützen sich mit einer Rutschkupplung vor Überlast. Sie muss die Nennlast sicher heben und bei deutlicher Überlast durchrutschen. Das Prüfverfahren und die zulässige Prüflast legt der Hersteller fest. Verstellen Sie die Kupplung nicht auf Verdacht: Eine zu fest eingestellte Kupplung schützt nicht mehr, eine zu lose hebt die Nennlast nicht. Die Einstellung gehört in die Hände geschulter Fachkräfte.
7. Fahrwerk, Stromzuführung und Tragkonstruktion prüfen
Bei Geräten mit Rollfahrwerk oder Elektrofahrwerk prüfen Sie Laufrollen, Spurkränze, Antrieb und Fahrendschalter, dazu Puffer und Endanschläge an der Schiene. Die Stromzuführung, ob Schleppkabel oder Schleifleitung, darf nicht scheuern oder durchhängen. Schließlich prüfen Sie Träger und Aufhängung auf Verformung und festen Sitz.
8. Verbrauchte Nutzungsdauer ermitteln
Jedes Serienhubwerk ist über seine Triebwerksgruppe für eine bestimmte Zahl an Volllaststunden ausgelegt. Die im Prüfjahr verbrauchten Volllaststunden ergeben sich aus den Betriebsstunden multipliziert mit dem Faktor des Lastkollektivs. Diese Werte addieren Sie jedes Jahr im Prüfbuch auf. Wie die Werte zusammenhängen, zeigen Tabelle und Beispiel im nächsten Abschnitt.
Typische Mängel und Nutzungsdauer: Woran scheitern Elektrokettenzüge bei der Prüfung?
Neben Kette und Haken fallen beim Elektrokettenzug vor allem Befunde an Steuerung und Sicherheitseinrichtungen auf:
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Maßnahme |
|---|---|---|
| Not-Halt ohne Wirkung | rastet nicht ein oder stoppt nicht alle Bewegungen | sofort stilllegen, Elektrofachkraft |
| Drehrichtung vertauscht | „Heben“ senkt, Endschalter wirkungslos | sofort stilllegen, Phasenfolge korrigieren lassen |
| Endschalter schaltet zu spät | Unterflasche berührt das Gehäuse | stilllegen, Endschalter einstellen lassen |
| Rutschkupplung rutscht bei Nennlast | Motor läuft, Last bleibt stehen | stilllegen, Einstellung nach Herstellervorgabe |
| Bremse mit großem Nachlauf | Last läuft nach dem Loslassen deutlich nach | Luftspalt prüfen, Bremse instand setzen |
| Steuerschalter beschädigt | Gehäuse gerissen, Symbole unleserlich | Frist für Tausch, bei offenem Gehäuse stilllegen |
| Kettenspeicher defekt | Kette hängt heraus, Speicher lose | kurze Frist, Speicher ersetzen |
Theoretische Nutzungsdauer nach FEM 9.511 und FEM 9.755
Die Triebwerksgruppe legt fest, für wie viele Volllaststunden ein Hubwerk ausgelegt ist. Das Lastkollektiv beschreibt, wie stark es im Mittel belastet wird. Die folgende Tabelle dient nur der Orientierung, sie zeigt übliche Größenordnungen. Maßgeblich ist die vom Hersteller angegebene theoretische Nutzungsdauer, die im Prüfbuch des Geräts steht:
| Triebwerksgruppe | Theoretische Nutzungsdauer | Lastkollektiv | Faktor |
|---|---|---|---|
| 1Bm | 400 Volllaststunden | leicht | 0,125 |
| 1Am | 800 Volllaststunden | mittel | 0,25 |
| 2m | 1.600 Volllaststunden | schwer | 0,5 |
| 3m | 3.200 Volllaststunden | sehr schwer | 1 |
| 4m | 6.300 Volllaststunden |
Fehlt ein Betriebsstundenzähler, lassen sich die Betriebsstunden eines Jahres näherungsweise schätzen. Verwenden Sie dafür vorrangig das Verfahren aus der Betriebsanleitung oder dem Prüfbuch des Herstellers. Eine übliche Näherung lautet: zweimal mittlere Hubhöhe in Metern mal Arbeitsspiele pro Stunde mal Arbeitsstunden im Jahr, geteilt durch Hubgeschwindigkeit in Metern pro Minute mal 60. Beispiel: Ein Elektrokettenzug der Gruppe 2m hebt im Einschichtbetrieb mit 1.800 Arbeitsstunden im Jahr zehnmal pro Stunde Werkstücke um drei Meter, die Hubgeschwindigkeit beträgt vier Meter pro Minute. Das ergibt 2 × 3 × 10 × 1.800 ÷ (4 × 60) = 450 Betriebsstunden. Bei mittlerem Lastkollektiv sind das 450 × 0,25 = 112,5 Volllaststunden pro Jahr. Die 1.600 Stunden der Gruppe 2m reichen damit rechnerisch gut 14 Jahre.
Checkliste Elektrokettenzug
Ergänzend zur allgemeinen Prüfliste für Kette, Haken und Aufhängung haken Sie beim Elektrokettenzug diese Punkte ab:
- Betriebsstunden abgelesen, Triebwerksgruppe bekannt
- Steuerschalter, Steuerleitung und Zugentlastung in Ordnung
- Not-Halt stoppt alle Bewegungen, Wiederanlauf nur nach Entriegeln
- Drehrichtung stimmt, Endschalter oben und unten schalten rechtzeitig
- Bremse hält die Prüflast, Nachlauf und Luftspalt im Rahmen
- Rutschkupplung hebt die Nennlast und rutscht bei Überlast nach Herstellerverfahren
- Kettenspeicher, Fahrwerk, Stromzuführung und Endanschläge in Ordnung
- verbrauchte Nutzungsdauer berechnet und im Prüfbuch fortgeschrieben
Tragen Sie bei Bremse und Nutzungsdauer Zahlen ein, keine Häkchen. Die vollständige Liste mit allen Gerätetypen steht in der Checkliste für Winden und Hubgeräte.
Dokumentation und Plakette beim Elektrokettenzug
Für Elektrokettenzüge führen Sie immer ein Prüfbuch. Neben Befunden und Messwerten stehen dort Jahr für Jahr die Betriebsstunden, das angesetzte Lastkollektiv, die verbrauchten Volllaststunden und der kumulierte Stand. Vermerken Sie außerdem, ob die Betriebsstunden abgelesen oder geschätzt wurden, und den Termin der letzten elektrischen Prüfung. Wie das Buch aufgebaut ist, zeigt die Seite Prüfbuch für Winden und Hubgeräte.
Die Plakette gehört gut sichtbar an das Gehäuse oder an den Steuerschalter, damit der Bediener sie beim Arbeiten sieht. Wird ein Gerät stillgelegt, bringen Sie den Sperranhänger am Steuerschalter an und lassen das Gerät bei Bedarf durch die Elektrofachkraft freischalten und sichern. So kann niemand den gesperrten Kettenzug aus Gewohnheit weiter benutzen, bis er instand gesetzt und erneut geprüft ist.
Häufige Fehler bei der Prüfung von Elektrokettenzügen
- Nutzungsdauer vergessen: Die Mechanik ist in Ordnung, aber niemand hat die Stunden gezählt, und das Gerät läuft seit Jahren über seine Auslegung hinaus.
- Lastkollektiv zu günstig angesetzt: Wer ständig nahe der Nennlast hebt, arbeitet nicht mit leichtem Kollektiv.
- Endschalter nur ohne Last getestet: Unter Last ist der Nachlauf größer, der Abstand zum Gehäuse kann dann zu knapp werden.
- Rutschkupplung selbst verstellt: Eine auf Verdacht nachgezogene Kupplung schützt nicht mehr vor Überlast.
- Elektrische Prüfung übersprungen: Die mechanische Jahresprüfung ersetzt nicht die Prüfung der elektrischen Ausrüstung.
Wie Sie Befunde einstufen, zeigt die Seite Kettenzug-Mängel bewerten. Die rechtlichen Grundlagen stehen unter DGUV Vorschrift 54 einfach erklärt. Für die Veranstaltungstechnik gelten zusätzliche Anforderungen, mehr dazu unter befähigte Person in der Veranstaltungstechnik.
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Häufige Fragen zur Prüfung von Elektrokettenzügen
Was passiert, wenn die theoretische Nutzungsdauer erreicht ist?
Dann darf der Elektrokettenzug nur nach einer Generalüberholung weiter betrieben werden. Dabei werden die Bauteile, deren Lebensdauer begrenzt ist, wie Getriebe, Bremse und Kettennuss, geprüft und bei Bedarf ersetzt. Der Hersteller oder ein Fachbetrieb legt danach fest, wie viele Volllaststunden das Gerät weiter laufen darf. Die DGUV Vorschrift 54 nennt für bestimmte Fälle Ausnahmen, etwa bei abgesperrten Gefahrbereichen.
Wo finde ich die Triebwerksgruppe meines Kettenzugs?
Die Triebwerksgruppe steht meist auf dem Typenschild, in der Betriebsanleitung oder in der Konformitätserklärung. Üblich sind Angaben wie 1Am, 2m oder 3m, bei neueren Geräten auch die Einstufung nach ISO-Norm. Fehlt die Angabe, fragen Sie mit Typ und Fabriknummer beim Hersteller nach. Ohne Triebwerksgruppe lässt sich die verbrauchte Nutzungsdauer nicht berechnen, und das Gerät kann nicht sicher bewertet werden.
Muss die Elektrik bei der Jahresprüfung mitgeprüft werden?
Die Funktion der elektrischen Sicherheitseinrichtungen, also Not-Halt, Endschalter und Steuerung, prüft die befähigte Person bei der Jahresprüfung mit. Die elektrische Sicherheitsprüfung mit Messungen von Schutzleiter und Isolation ist eine eigene Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 und Aufgabe einer Elektrofachkraft. Viele Betriebe legen beide Termine zusammen, damit das Gerät nur einmal im Jahr ausfällt und beide Ergebnisse im selben Prüfbuch stehen.
Wie genau muss das Lastkollektiv bestimmt werden?
Das Lastkollektiv beschreibt, wie hoch die Last im Mittel im Verhältnis zur Nennlast ist und wie oft schwere Lasten vorkommen. Eine Schätzung auf Grundlage des typischen Einsatzes ist üblich, sie muss aber ehrlich sein. Im Zweifel wählen Sie das schwerere Kollektiv. Moderne Geräte mit Datenspeicher liefern genauere Werte, die Sie beim Hersteller oder mit dessen Software auslesen können.
Gelten für Kettenzüge in der Veranstaltungstechnik andere Regeln?
Grundsätzlich gilt auch dort die DGUV Vorschrift 54 mit der jährlichen Prüfung. Für Kettenzüge, die Lasten über Personen halten oder bewegen, kommen aber erhöhte Anforderungen an Bauart, Sicherheitseinrichtungen und Prüfung hinzu, etwa aus den Regeln für Veranstaltungs- und Produktionsstätten. In der Branche spricht man dann von Geräten in D8-Plus- oder C1-Ausführung. Klären Sie die Anforderungen vor jeder Produktion.