Befähigte Person in der Veranstaltungstechnik: Kettenzüge, Rigging und Arbeitsbühnen selbst prüfen

In der Veranstaltungstechnik hängen Lasten oft über Publikum und Crew, und Veranstalter wollen die Prüfnachweise vor dem Aufbau sehen. Hier lesen Sie, welche Prüfungen gelten und wie Sie sie mit eigenem Personal abdecken.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 10 Min.
Kurz beantwortet

In der Veranstaltungstechnik müssen Kettenzüge, Anschlagmittel und Arbeitsbühnen mindestens jährlich von einer befähigten Person geprüft werden, und diese Prüfungen kann ein eigener Rigger oder Meister übernehmen. Voraussetzung sind eine passende Berufsausbildung, etwa als Fachkraft für Veranstaltungstechnik, Erfahrung mit dem Material und aktuelle Praxis. Die Online-Kurse vermitteln das Prüfwissen nach DGUV Vorschrift 54, DGUV Regel 109-017 und DGUV Grundsatz 308-002, zusammen für 1.225 €.

Eigene Mitarbeiter zur befähigten Person qualifizieren? Die Online-Kurse gibt es ab 275 €.

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Welche Prüfpflichten gelten in der Veranstaltungstechnik?

Veranstaltungstechnik unterscheidet sich von fast jeder anderen Branche in einem Punkt: Lasten hängen planmäßig über Menschen. Lautsprecher-Arrays, Licht-Traversen und Videowände werden an Motorkettenzügen in die Höhe gezogen und bleiben dort über Stunden, während darunter Publikum, Künstler und Crew stehen. Ein Versagen von Kettenzug, Rundschlinge oder Schäkel hätte unmittelbare Folgen.

Grundlage der Prüfpflichten ist auch hier die Betriebssicherheitsverordnung. Motorkettenzüge und Handkettenzüge sind nach § 23 DGUV Vorschrift 54 mindestens jährlich durch eine befähigte Person zu prüfen. Rundschlingen, Stahlseil-Anschlagmittel, Schäkel und Ketten fallen unter die DGUV Regel 109-017 und sind ebenfalls mindestens jährlich zu prüfen. Arbeitsbühnen für den Aufbau brauchen die jährliche Prüfung nach DGUV Grundsatz 308-002. Für Veranstaltungs- und Produktionsstätten gelten zusätzlich die branchenspezifischen Vorschriften der DGUV, etwa zum Bewegen von Lasten über Personen. Dort werden an Bauart, Einsatz und Prüfung der Hebezeuge erhöhte Anforderungen gestellt.

Für die Praxis heißt das: Material, das auf Tour geht, wird stärker beansprucht als ein Kettenzug in der Werkhalle. Transport, häufiger Auf- und Abbau und wechselnde Einsatzorte sprechen dafür, in der Gefährdungsbeurteilung kürzere Prüfabstände festzulegen. Wie ein Kettenzug geprüft wird, beschreibt die Seite zur Prüfung von Winden und Kettenzügen.

Typische Arbeitsmittel in der Veranstaltungstechnik

Die folgende Tabelle zeigt das prüfpflichtige Material, das in fast jedem Verleih und bei jedem Dienstleister für Veranstaltungstechnik vorhanden ist:

ArbeitsmittelRegelwerkFristKursPreis
Motorkettenzüge, Handkettenzüge, SeilwindenDGUV Vorschrift 54 § 23, FEM 9.755mind. jährlich, bei Toureinsatz oft kürzerWinden & Hubgeräte330 €
Rundschlingen, Stahlseil-Anschlagmittel, Schäkel, KettenDGUV Regel 109-017mind. jährlichAnschlagmittel345 €
Scherenbühnen, Mastbühnen, AnhängerbühnenDGUV Grundsatz 308-002mind. jährlichHebebühnen550 €

Nicht in der Tabelle stehen die Aluminium-Traversen selbst, Bühnenpodeste und Tribünen. Sie sind tragende Konstruktionen mit eigenen Prüfvorgaben der Hersteller und werden in unseren Kursen nicht behandelt. Gleiches gilt für die elektrische Prüfung von Steuerungen und Kabeln, für die eine Elektrofachkraft zuständig ist. Gemietete Arbeitsbühnen prüft der Vermieter, eigene Bühnen prüft der Betrieb. Schäkel und Ketten, die nur als Zubehör im Case mitreisen, werden oft vergessen, gehören aber genauso ins Prüfregister. Die typische Kombination aus Kettenzug und Anschlagmittel wählt der Kurs-Finder für die Veranstaltungstechnik vor, die Bühne lässt sich dort abwählen.

Typische Risiken und Schäden in der Veranstaltungstechnik

Die Schadensbilder in der Veranstaltungstechnik entstehen vor allem durch Transport und Tempo. Drei Punkte fallen bei Prüfungen immer wieder auf.

Transportschäden an Kettenzügen

Kettenzüge reisen in Cases, werden verladen, gestapelt und auf Hallenböden abgesetzt. Dabei leiden Kettenspeicher, Lasthaken und Steuerleitungen. Verdrehte oder verschmutzte Lastketten führen zu Verschleiß an Kettennuss und Führung. Wird eine Kette nach dem Einsatz nass verpackt, kommt Korrosion hinzu.

Textile Anschlagmittel unter Hitze und Kanten

Rundschlingen werden oft um Traversenrohre gelegt, in der Nähe von Scheinwerfern, die viel Wärme abgeben. Hitze, Schnitte an Kanten von Bodenplatten und Quetschungen beim Verladen schwächen das Gewebe. Ein fehlendes oder unleserliches Etikett ist bei Rundschlingen ein eigener Ablegegrund, weil die Tragfähigkeit dann nicht mehr nachweisbar ist.

Stahlseile mit Knicken

Stahlseil-Anschlagmittel werden beim Abbau schnell aufgerollt und im Case gequetscht. Knicke, Drahtbrüche und Klanken sind typische Befunde. Wann ein Seil ablegereif ist, beschreibt die Seite zur Ablegereife von Anschlagmitteln. Bei Arbeitsbühnen fallen dagegen Leckagen an der Hydraulik und beschädigte Geländer am häufigsten auf.

Mischbestände aus Eigentum und Mietmaterial

Viele Dienstleister ergänzen eigenes Material kurzfristig durch Mietgeräte anderer Verleiher. Im Case sehen Kettenzüge und Rundschlingen gleich aus, die Prüfnachweise liegen aber bei verschiedenen Firmen. Ohne eindeutige Inventarnummer ist beim Aufbau nicht mehr klar, welches Teil wann zuletzt geprüft wurde. Eine konsequente Kennzeichnung trennt eigenes und gemietetes Material sicher.

Was kostet die externe Prüfung in der Veranstaltungstechnik pro Jahr?

Als Musterbetrieb dient ein Dienstleister für Messebau und Veranstaltungstechnik mit 25 Beschäftigten. Er besitzt 24 Motorkettenzüge, 120 Anschlagmittel, also Rundschlingen, Stahlseile und Schäkel, sowie eine Scherenbühne und eine Mastbühne. Gerechnet wird mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben, und 40 € pro Stunde für die eigene Prüfzeit.

ArbeitsmittelExterne Prüfung pro JahrEigene Prüfzeit pro Jahr
24 Motorkettenzüge24 × 70 € + 40 € Anfahrt = 1.720 €24 × 30 Min. = 12 Std. = 480 €
120 Anschlagmittel120 × 10 € + 40 € Anfahrt = 1.240 €120 × 5 Min. = 10 Std. = 400 €
2 Arbeitsbühnen2 × 280 € = 560 €2 × 60 Min. = 2 Std. = 80 €
Summe3.520 €960 €
Muster-Veranstaltungstechnik: Prüfkosten pro Jahr Externer Prüfdienst pro Jahr Eigene Prüfzeit pro Jahr (40 € je Std.) Kettenzüge (24) 1.720 € 480 € Anschlagmittel (120) 1.240 € 400 € Arbeitsbühnen (2) 560 € 80 € 3 Kurse einmalig 1.225 €, danach rund 2.560 € Ersparnis pro Jahr
Durch die großen Stückzahlen sind Kettenzüge und Anschlagmittel zusammen der Hauptkostenblock. Die Werte sind Richtwerte.

Die jährliche Differenz beträgt 2.560 €. Die drei Kurse für 1.225 € sind damit nach knapp 6 Monaten bezahlt (1.225 € ÷ 213,33 € pro Monat). Wer auf Tour kürzere Prüfabstände fährt, spart entsprechend mehr. Eigene Zahlen rechnen Sie im Kostenrechner für Kettenzüge durch.

Externer Prüfdienst

ca. 3.520 € / Jahr
  • 24 Kettenzüge, 120 Anschlagmittel, 2 Bühnen
  • jedes Jahr erneut
  • Material fehlt während der Prüfung

Eigene befähigte Person

1.225 € einmalig
  • 3 Online-Kurse
  • plus ca. 960 € eigene Prüfzeit
  • nach knapp 6 Monaten bezahlt

Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.

Die Lösung: eigene befähigte Personen für Rigging und Bühne

In der Veranstaltungstechnik gibt es die geeigneten Personen fast immer im eigenen Team. Fachkräfte für Veranstaltungstechnik, Meister für Veranstaltungstechnik und erfahrene Rigger arbeiten täglich mit Kettenzügen und Anschlagmitteln und bringen damit Ausbildung, Berufserfahrung und zeitnahe Tätigkeit mit, die die TRBS 1203 verlangt. Den Selbstcheck dazu finden Sie unter Voraussetzungen für befähigte Personen.

  • Winden und Hubgeräte (330 €): Kernkurs für jeden Verleih, mit Prüfung von Lastkette, Bremse, Endschaltern und Steuerung. Der Kurs dauert etwa vier Stunden, der Abschlusstest umfasst 15 Fragen.
  • Anschlagmittel (345 €): Ablegereife von Rundschlingen, Stahlseilen und Schäkeln, Kennzeichnung und lückenlose Dokumentation jedes Teils.
  • Hebebühnen (550 €): nur sinnvoll, wenn der Betrieb eigene Arbeitsbühnen besitzt. Wer ausschließlich mietet, lässt diesen Kurs weg.

Die Kurse vermitteln die Fachkunde, die Beauftragung erfolgt durch den Arbeitgeber. Für Prüfungen, die nach den besonderen Vorschriften für Lasten über Personen Sachverständigen vorbehalten sind, bleibt ein externer Prüfer nötig. Klären Sie diese Abgrenzung für Ihr Material mit Ihrer Berufsgenossenschaft.

Praxisbeispiel: Prüfungen in die Wintersaison legen

Der Musterbetrieb hat seine Kettenzüge bisher im Frühjahr gesammelt zu einem externen Prüfer gebracht. Das Material fehlte dann eine Woche, gerade als die Messesaison begann. So hat er umgestellt:

  1. Prüfer bestimmen: Der Lagermeister, Fachkraft für Veranstaltungstechnik mit acht Jahren Riggingerfahrung, übernimmt Kettenzüge und Anschlagmittel. Ein Techniker mit Mechatroniker-Ausbildung belegt zusätzlich den Hebebühnen-Kurs.
  2. Material nummerieren: Jeder Kettenzug und jedes Anschlagmittel bekommt eine Inventarnummer, die in der Lagersoftware mit dem Prüfdatum verknüpft ist.
  3. Prüfungen in die Nebensaison legen: Die Hauptprüfung findet im Januar und Februar statt, wenn wenig Produktionen laufen. Nach jeder Tour folgt eine Sichtkontrolle beim Rücklauf ins Lager.
  4. Nachweise bereitstellen: Prüfprotokolle werden als PDF abgelegt und können Veranstaltern vor dem Aufbau geschickt werden.

Beschädigtes Material wird jetzt beim Rücklauf erkannt und nicht erst beim nächsten Aufbau. Wie Rundschlingen im Detail geprüft werden, zeigt die Seite Rundschlinge und Hebeband prüfen. Ähnliche Hebezeuge finden sich im Metall- und Stahlbau.

Häufige Fragen zur befähigten Person in der Veranstaltungstechnik

Darf eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik Kettenzüge prüfen?

Ja, wenn sie die Anforderungen der TRBS 1203 erfüllt und schriftlich beauftragt ist. Die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik ist eine passende Berufsausbildung, die tägliche Arbeit mit Motorkettenzügen liefert Erfahrung und zeitnahe Tätigkeit. Der Kurs für Winden und Hubgeräte ergänzt das Prüfwissen nach DGUV Vorschrift 54 und FEM 9.755, etwa zu Bremsen, Lastketten und zur theoretischen Nutzungsdauer.

Reicht die jährliche Prüfung bei Material auf Tour?

Die Jahresfrist ist das Minimum. Material, das ständig transportiert und auf- und abgebaut wird, ist deutlich höher belastet als ein fest installierter Kettenzug. Viele Betriebe legen deshalb in der Gefährdungsbeurteilung kürzere Prüfabstände fest und ergänzen eine Sichtkontrolle bei jedem Rücklauf ins Lager. Diese Kontrolle kann der Rigger übernehmen, die wiederkehrende Prüfung übernimmt die befähigte Person.

Müssen gemietete Kettenzüge auch geprüft sein?

Ja. Der Vermieter muss geprüftes Material übergeben und die Prüfnachweise auf Verlangen vorlegen. Der Betrieb, der das Material einsetzt, bleibt aber dafür verantwortlich, dass es vor dem Einsatz auf offensichtliche Schäden kontrolliert wird. Lassen Sie sich die Prüfprotokolle bei der Übergabe zeigen und dokumentieren Sie den Zustand, damit bei Rückgabe keine Missverständnisse entstehen.

Welche Prüfungen bleiben beim Sachverständigen?

Für Hebezeuge, die Lasten über Personen halten, stellen die Vorschriften für Veranstaltungs- und Produktionsstätten erhöhte Anforderungen. Je nach Bauart und Einsatz kann eine Prüfung durch Sachverständige vorgesehen sein. Welche Prüfungen das bei Ihrem Material betrifft, sollten Sie mit Ihrer Berufsgenossenschaft und dem Hersteller klären. Die jährliche Prüfung durch die befähigte Person bleibt davon unberührt.

Wie weisen wir Veranstaltern die Prüfung nach?

Am einfachsten mit einer Liste aller eingesetzten Kettenzüge und Anschlagmittel, jeweils mit Inventarnummer, Tragfähigkeit, Datum der letzten Prüfung und Name der befähigten Person. Dazu gehören die einzelnen Prüfprotokolle und auf Nachfrage die Beauftragung des Prüfers. Wer die Unterlagen digital pflegt, kann sie vor jeder Produktion ohne Aufwand verschicken und spart Diskussionen am Aufbautag.

Rigging-Material selbst prüfen

Ihre Rigger kennen jedes Case. Unsere Online-Kurse vermitteln die Fachkunde für Kettenzüge, Anschlagmittel und Arbeitsbühnen, zusammen für 1.225 €.

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
Autor und fachlicher Prüfer aller Inhalte. Über uns & wie wir arbeiten
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