Im Metallbau und Stahlbau prüft eine befähigte Person Krane, Anschlagmittel und Kettenzüge mindestens einmal jährlich, und genau diese drei Prüfbereiche lassen sich gut im eigenen Betrieb übernehmen. Instandhalter und Industriemechaniker bringen Ausbildung und Erfahrung meist mit. Die Online-Kurse ergänzen das Prüfwissen nach DGUV Vorschrift 52, DGUV Regel 109-017 und DGUV Vorschrift 54. Zusammen kosten sie 1.295 €. Bei einem Betrieb mit fünf Kranen sind sie nach gut fünf Monaten bezahlt.
Welche Prüfpflichten gelten im Metallbau und Stahlbau?
Kaum eine Branche hebt so viel und so oft wie der Metall- und Stahlbau. Träger werden vom Lager zum Sägeautomaten gebracht, Bleche zur Laserschneidanlage, fertige Baugruppen zum Lackieren und auf den Lkw. Jeder dieser Hübe hängt an drei Gliedern einer Kette: dem Kran oder Kettenzug, der die Last trägt, dem Anschlagmittel, das sie hält, und dem Menschen, der beides richtig einsetzt.
Für alle drei technischen Glieder gibt es eine eigene Prüfpflicht. Krane sind nach § 26 DGUV Vorschrift 52 mindestens jährlich durch eine befähigte Person zu prüfen. Anschlag- und Lastaufnahmemittel, also Ketten, Hebebänder, Rundschlingen, Blechklemmen und Traversen, verlangen nach DGUV Regel 109-017 ebenfalls mindestens eine jährliche Prüfung, Rundstahlketten zusätzlich mindestens alle drei Jahre eine besondere Prüfung auf Risse. Kettenzüge und Seilzüge fallen unter DGUV Vorschrift 54, die in § 23 eine Prüfung mindestens einmal jährlich vorschreibt.
Hinzu kommt die Einsatzintensität: Im Einschichtbetrieb reicht die Jahresfrist oft aus, im Mehrschichtbetrieb, bei Arbeiten nahe der Nennlast oder im Freien kann die Gefährdungsbeurteilung kürzere Abstände verlangen. Wie Krane im Einzelnen geprüft werden, erklärt die Seite zur Kranprüfung nach DGUV Vorschrift 52.
Typische Arbeitsmittel im Metallbau und Stahlbau
Die Tabelle zeigt die Hebezeuge und Lastaufnahmeeinrichtungen, die in Metall- und Stahlbaubetrieben fast immer vorhanden sind, mit dem passenden Kurs:
| Arbeitsmittel | Regelwerk | Frist | Kurs | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Brückenkrane, Portalkrane, Säulen- und Wandschwenkkrane | DGUV Vorschrift 52 § 26, DGUV Grundsatz 309-001 | mind. jährlich | Krane | 620 € |
| Anschlagketten, Hebebänder, Rundschlingen, Blechklemmen, Traversen | DGUV Regel 109-017 | mind. jährlich, Rundstahlketten zusätzlich Rissprüfung mind. alle 3 Jahre | Anschlagmittel | 345 € |
| Elektrokettenzüge, Handkettenzüge, Seilzüge | DGUV Vorschrift 54 § 23, FEM 9.755 | mind. jährlich | Winden & Hubgeräte | 330 € |
Typisch für die Branche sind Blechklemmen und Magnettraversen. Sie gelten als Lastaufnahmemittel und werden zusammen mit den Anschlagmitteln geprüft. Magnete brauchen zusätzlich eine Kontrolle der Haftkraft und der Energieversorgung, bei batteriegepufferten Geräten auch der Warneinrichtung. Nicht in der Tabelle stehen Stapler, Schweißgeräte und Druckbehälter, die andere Regelwerke haben. Die Kombination aus Kran, Anschlagmittel und Kettenzug wählt der Kurs-Finder für Hebezeuge mit einem Klick vor. Wer zusätzlich Stapler einsetzt, ergänzt dort den Stapler-Kurs.
Typische Risiken und Unfälle beim Heben im Stahlbau
Die Schadensbilder im Metallbau unterscheiden sich deutlich von denen im Lager oder in der Werkstatt. Drei Punkte fallen bei Prüfungen besonders häufig auf.
Scharfe Kanten an Trägern und Blechen
Werden Hebebänder oder Rundschlingen ohne Kantenschutz um Stahlprofile gelegt, können sie beim Anheben durchtrennt werden. Auch Ketten verlieren an scharfen Kanten Tragfähigkeit. Schnittschäden an textilen Anschlagmitteln sind deshalb ein klassischer Ablegegrund.
Verschlissene Blechklemmen
Abgenutzte Klemmbacken, ausgeschlagene Gelenke oder eine erlahmte Feder der Verriegelung führen dazu, dass sich ein Blech lösen kann. Querklemmen dürfen zudem nur in der vorgesehenen Richtung belastet werden. Wie man die Ablegereife erkennt, zeigt die Seite zur Ablegereife von Anschlagmitteln.
Schweißstrom über Kran und Kette
Wird beim Schweißen die Masseklemme nicht direkt am Werkstück befestigt, kann der Schweißstrom über Kette, Seil oder Kranlager zurückfließen. Das hinterlässt Schmelzstellen und Gefügeschäden, die die Tragfähigkeit mindern. Wer solche Spuren kennt, erkennt sie bei der Prüfung früh. Dazu kommen Klassiker wie verschlissene Lastketten an Kettenzügen, defekte Endschalter und fehlende Hakensicherungen.
Kettenzüge im Dauerbetrieb am Schweißplatz
Kettenzüge an Schweiß- und Montageplätzen heben oft Dutzende Male pro Schicht, häufig nahe der Nennlast. Lastketten längen sich, Bremsbeläge verschleißen, und Funkenflug beschädigt Steuerleitungen und Hängetaster. Bei der Prüfung wird die Kettenlänge über mehrere Glieder gemessen und mit dem Neuzustand verglichen. Auch die theoretische Nutzungsdauer nach FEM 9.755 sollte bei viel genutzten Geräten im Blick bleiben.
Was kostet die externe Prüfung im Stahlbau pro Jahr?
Als Musterbetrieb dient ein Stahlbauunternehmen mit 60 Beschäftigten. In der Fertigungshalle laufen drei Brückenkrane und zwei Säulenschwenkkrane, dazu kommen zehn Elektro- und Handkettenzüge an den Arbeitsplätzen und 60 Anschlag- und Lastaufnahmemittel. Gerechnet wird mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben, und 40 € pro Stunde für die eigene Prüfzeit.
| Arbeitsmittel | Externe Prüfung pro Jahr | Eigene Prüfzeit pro Jahr |
|---|---|---|
| 5 Krane | 5 × 450 € + 60 € Anfahrt = 2.310 € | 5 × 120 Min. = 10 Std. = 400 € |
| 60 Anschlagmittel | 60 × 10 € + 40 € Anfahrt = 640 € | 60 × 5 Min. = 5 Std. = 200 € |
| 10 Kettenzüge | 10 × 70 € + 40 € Anfahrt = 740 € | 10 × 30 Min. = 5 Std. = 200 € |
| Summe | 3.690 € | 800 € |
Die jährliche Differenz beträgt 2.890 €. Die drei Kurse für 1.295 € haben sich damit nach gut 5 Monaten bezahlt gemacht (1.295 € ÷ 240,83 € pro Monat). Nicht eingerechnet ist die Rissprüfung der Rundstahlketten, die viele Betriebe weiter an Spezialisten vergeben. Eigene Zahlen rechnen Sie im Kostenrechner für Krane durch.
Externer Prüfdienst
- 5 Krane, 60 Anschlagmittel, 10 Kettenzüge
- jedes Jahr erneut
- Anschlagmittel oft nur Stichprobe
Eigene befähigte Person
- 3 Online-Kurse
- plus ca. 800 € eigene Prüfzeit
- nach gut 5 Monaten bezahlt
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Die Lösung: eigene befähigte Personen für Kran, Kette und Kettenzug
Im Metall- und Stahlbau sitzen die geeigneten Personen meist schon in der Instandhaltung. Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker mit Wartungsaufgaben, Mechatroniker oder Elektroniker für Betriebstechnik tauschen Lastketten, stellen Bremsen nach und kennen die Krane seit Jahren. Damit erfüllen sie die Anforderungen der TRBS 1203 an Ausbildung, Erfahrung und zeitnahe Tätigkeit in vielen Fällen bereits. Ob das auf Ihre Kandidaten zutrifft, klärt der Selbstcheck unter Voraussetzungen für befähigte Personen.
Die drei Kurse passen fachlich eng zusammen:
- Krane (620 €): Prüfkriterien nach DGUV Vorschrift 52 und DGUV Grundsatz 309-001, Kranprüfbuch, Abgrenzung zur Sachverständigenprüfung.
- Anschlagmittel (345 €): Ablegereife von Ketten, Seilen und Textilien, Kennzeichnung und rückverfolgbare Dokumentation jedes einzelnen Teils.
- Winden und Hubgeräte (330 €): Prüfung von Ketten- und Seilzügen, Bremsen, Endschaltern und Lastketten nach DGUV Vorschrift 54.
Alle drei Kurse laufen online. Die Kurse für Krane und Anschlagmittel dauern etwa drei Stunden, der Kurs für Winden etwa vier. Sie vermitteln die Fachkunde. Zur befähigten Person wird der Mitarbeiter erst mit der schriftlichen Beauftragung durch den Arbeitgeber.
Praxisbeispiel: Ein Stahlbaubetrieb übernimmt die Prüfungen
Der Musterbetrieb hat bisher einmal im Jahr einen Kranprüfdienst kommen lassen, der Krane und Kettenzüge an einem Tag geprüft hat. Die Anschlagmittel wurden dabei nur stichprobenartig angesehen, ein Anschlagmittelregister gab es nicht. So läuft die Umstellung:
- Bestand erfassen: Der Instandhaltungsleiter lässt alle Anschlagmittel einsammeln, nummerieren und in einer Liste erfassen. Dabei werden elf Teile ohne lesbares Etikett aussortiert.
- Zwei Prüfer qualifizieren: Ein Industriemechaniker mit zehn Jahren Kranerfahrung belegt alle drei Kurse. Ein Elektroniker für Betriebstechnik belegt den Kran-Kurs, um Steuerung und Endschalter mitzuprüfen und den Kollegen zu vertreten.
- Beauftragen und Prüfbücher übernehmen: Die Geschäftsführung beauftragt beide schriftlich. Die bestehenden Kranprüfbücher werden weitergeführt.
- Prüfungen verteilen: Anschlagmittel werden quartalsweise in Gruppen geprüft, Krane und Kettenzüge in den Werksferien.
Seitdem werden beschädigte Hebebänder nach einem Hinweis aus der Fertigung am selben Tag bewertet und ausgesondert. Ähnliche Strukturen finden sich in der Produktion und Industrie, wo zusätzlich Stapler hinzukommen.
Häufige Fragen zur befähigten Person im Metallbau
Muss ein Hallenkran im Stahlbau vom Sachverständigen geprüft werden?
Für die jährliche Prüfung eines Brückenkrans oder Schwenkkrans in der Halle genügt eine befähigte Person. Prüfsachverständige verlangt die Betriebssicherheitsverordnung in Anhang 3 nur für bestimmte Kranarten und Anlässe, etwa vor der ersten Inbetriebnahme oder nach prüfpflichtigen Änderungen. Welche Prüfung für welchen Kran gilt, sollte in der Gefährdungsbeurteilung und im Kranprüfbuch nachvollziehbar festgehalten sein, damit auch ein neuer Prüfer die Historie versteht.
Gehören Blechklemmen zu den Anschlagmitteln?
Blechklemmen sind Lastaufnahmemittel. Sie werden nach DGUV Regel 109-017 genauso mindestens jährlich geprüft wie Ketten, Hebebänder und Rundschlingen. Geprüft werden unter anderem Klemmbacken, Gelenke, Verriegelung und Kennzeichnung. Der Kurs für Anschlag- und Lastaufnahmemittel behandelt diese Bauteile mit. Achten Sie darauf, dass auch Klemmen und Traversen im Anschlagmittelregister eine eigene Nummer und ein eigenes Prüfdatum bekommen.
Wer macht die Rissprüfung an Rundstahlketten?
Rundstahlketten brauchen nach DGUV Regel 109-017 mindestens alle drei Jahre eine besondere Prüfung auf Risse, meist mit einem Magnetpulververfahren. Dafür sind Ausrüstung und Übung nötig, die viele Betriebe nicht selbst vorhalten. Üblich ist deshalb, die jährliche Prüfung intern durchzuführen und die Rissprüfung an einen spezialisierten Dienstleister zu vergeben. Die Termine gehören in das Anschlagmittelregister, damit keine Kette die Dreijahresfrist überschreitet.
Welche Ausbildung passt für Kranprüfungen im Stahlbau?
Gut geeignet sind Metall- und Elektroberufe wie Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker oder Elektroniker für Betriebstechnik, verbunden mit praktischer Erfahrung an Kranen und Hebezeugen. Ein technischer Meister oder Techniker erfüllt die Anforderung ebenfalls. Entscheidend ist, dass die Person die Krane aus ihrer täglichen Arbeit kennt, etwa aus Wartung, Reparatur oder Umbau. Eine kaufmännische Ausbildung reicht dagegen auch mit langer Kranerfahrung in der Regel nicht aus.
Reicht ein Prüfer für den ganzen Betrieb?
Fachlich ist das möglich, organisatorisch riskant. Fällt die einzige befähigte Person aus, bleiben Prüfungen liegen, und nach einem Schaden fehlt die schnelle Bewertung. Bewährt hat sich ein zweiter Prüfer, der mindestens den Kran-Kurs oder den Anschlagmittel-Kurs belegt. So bleiben die wichtigsten Prüfungen abgedeckt, auch in Urlaubszeiten oder bei längerer Krankheit. Legen Sie die Vertretung in der Beauftragung fest.