Eine befähigte Person in der Produktion prüft Krane, Anschlagmittel und Stapler mindestens jährlich, und in Betrieben mit eigener Instandhaltung lässt sich das gut intern lösen. Instandhalter mit Metall- oder Elektroausbildung kennen die Anlagen und erfüllen die Anforderungen der TRBS 1203 oft schon. Eigene Prüfer planen Prüfungen in geplante Stillstände statt in den laufenden Schichtbetrieb. Die drei passenden Online-Kurse kosten zusammen 1.490 €, einzeln ab 345 €.
Welche Prüfpflichten gelten in Produktion und Industrie?
In Industriebetrieben ist die Zahl prüfpflichtiger Arbeitsmittel hoch, und viele davon sind eng in den Produktionsablauf eingebunden. Ein Hallenkran, der Werkzeuge zu den Maschinen bringt, oder ein Stapler, der die Linie mit Material versorgt, lässt sich nicht einfach für einen Tag abstellen. Trotzdem gilt für sie dieselbe Pflicht wie überall: Nach § 14 der Betriebssicherheitsverordnung müssen Arbeitsmittel wiederkehrend von einer befähigten Person geprüft werden.
Für die drei wichtigsten Gruppen gibt es feste Mindestfristen. Krane sind nach § 26 DGUV Vorschrift 52 mindestens jährlich zu prüfen, Flurförderzeuge nach § 37 DGUV Vorschrift 68 ebenfalls mindestens jährlich, Anschlag- und Lastaufnahmemittel nach DGUV Regel 109-017 mindestens jährlich, Rundstahlketten zusätzlich mindestens alle drei Jahre auf Risse. Im Mehrschichtbetrieb werden diese Arbeitsmittel doppelt oder dreifach so stark beansprucht wie im Einschichtbetrieb. Die Gefährdungsbeurteilung kann deshalb kürzere Prüfabstände ergeben.
Die meisten Industriebetriebe haben eine eigene Instandhaltung, die Krane und Stapler wartet und repariert. Genau dort sitzen die Fachkräfte, die als befähigte Personen in Frage kommen. Einen Überblick über Stapler-Pflichten gibt die Seite zur UVV-Prüfung von Staplern.
Typische Arbeitsmittel in Produktion und Industrie
Die Tabelle zeigt die Arbeitsmittel, die in Fertigungsbetrieben von der Kunststoffverarbeitung bis zum Maschinenbau am häufigsten vorkommen:
| Arbeitsmittel | Regelwerk | Frist | Kurs | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Brückenkrane, Schwenkkrane, Portalkrane | DGUV Vorschrift 52 § 26, DGUV Grundsatz 309-001 | mind. jährlich | Krane | 620 € |
| Kettengehänge, Hebebänder, Traversen, Anschlagwirbel | DGUV Regel 109-017 | mind. jährlich, Rundstahlketten zusätzlich Rissprüfung mind. alle 3 Jahre | Anschlagmittel | 345 € |
| Elektro-Frontstapler, Schlepper, Elektro-Hubwagen | DGUV Vorschrift 68 § 37, FEM 4.004 | mind. jährlich | Stapler | 525 € |
Viele Produktionsbetriebe haben zusätzlich Kettenzüge an Montageplätzen, Leitern und Tritte in der Instandhaltung und Regale im Materiallager. Dafür gibt es eigene Kurse, die sich im Kurs-Finder für Produktionsbetriebe ergänzen lassen. Nicht Teil unserer Kurse sind Maschinen im engeren Sinn, etwa Pressen, Spritzgießmaschinen oder Roboterzellen, und die Prüfung elektrischer Anlagen. Bei Anschlagmitteln lohnt ein genauer Blick auf lösbare Anschlagpunkte wie Ringschrauben und Anschlagwirbel, die an Werkzeugen und Baugruppen dauerhaft im Einsatz sind und oft keinem Register zugeordnet werden.
Typische Risiken und Unfälle in der Produktion
Die Gefahren in der Produktion unterscheiden sich von denen im Lager oder auf der Baustelle. Sie entstehen vor allem durch Routine und hohe Taktung.
Werkzeugwechsel mit dem Kran
Spritzgieß- oder Umformwerkzeuge wiegen oft mehrere Tonnen und werden mit dem Hallenkran eingesetzt. Nicht vollständig eingeschraubte Ringschrauben, falsch gewählte Anschlagpunkte oder ein zu kurzes Gehänge führen dazu, dass das Werkzeug beim Anheben kippt oder pendelt. Bei der Prüfung fallen verschlissene Ringschrauben und verformte Anschlagwirbel regelmäßig auf.
Stapler im Mischverkehr mit Fußgängern
In Produktionshallen teilen sich Stapler die Wege mit Mitarbeitenden, die zwischen Maschinen wechseln. Defekte Warneinrichtungen, blinde Spiegel, schwache Bremsen oder ein ausgeschlagenes Lenkspiel erhöhen das Unfallrisiko. Im Dreischichtbetrieb sammeln sich Mängel schneller an, als ein Prüfer einmal im Jahr sie sieht.
Anschlagmittel an der Maschine
Kettengehänge und Hebebänder bleiben oft direkt an der Maschine hängen, in der Nähe von Hydrauliköl, Wärme und scharfkantigen Teilen. Schäden werden erst bemerkt, wenn ein Teil ausfällt. Die Kriterien für die Ablegereife beschreibt die Seite Anschlagkette prüfen.
Änderungen an Kranen und Fahrbahnen
In Industriebetrieben werden Krane im Laufe der Jahre umgebaut, etwa mit neuer Steuerung, Funkfernbedienung oder einer verlängerten Kranbahn nach einer Hallenerweiterung. Solche Änderungen müssen vor der erneuten Inbetriebnahme geprüft werden, bei prüfpflichtigen Änderungen nach Anhang 3 BetrSichV durch einen Prüfsachverständigen. Die eigene befähigte Person erkennt, wann eine Änderung diese Schwelle erreicht.
Was kostet die externe Prüfung im Produktionsbetrieb pro Jahr?
Als Musterbetrieb dient ein Kunststoffverarbeiter mit 120 Beschäftigten im Dreischichtbetrieb. Er betreibt zwei Brückenkrane für den Werkzeugwechsel und zwei Säulenschwenkkrane, 50 Anschlagmittel sowie sechs Elektro-Frontstapler und vier Elektro-Hubwagen. Gerechnet wird mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben, und 40 € pro Stunde für die eigene Prüfzeit.
| Arbeitsmittel | Externe Prüfung pro Jahr | Eigene Prüfzeit pro Jahr |
|---|---|---|
| 4 Krane | 4 × 450 € + 60 € Anfahrt = 1.860 € | 4 × 120 Min. = 8 Std. = 320 € |
| 50 Anschlagmittel | 50 × 10 € + 40 € Anfahrt = 540 € | 50 × 5 Min. = rund 4,2 Std. = 167 € |
| 10 Flurförderzeuge | 10 × 100 € = 1.000 € | 10 × 60 Min. = 10 Std. = 400 € |
| Summe | 3.400 € | rund 887 € |
Die jährliche Differenz beträgt rund 2.513 €. Die drei Kurse für 1.490 € sind damit nach gut 7 Monaten bezahlt (1.490 € ÷ 209,44 € pro Monat). In der Praxis wiegt oft ein anderer Punkt schwerer: Eigene Prüfer legen die Kranprüfung in einen geplanten Werkzeugwechsel oder in die Wartungsschicht am Wochenende. Eigene Zahlen rechnen Sie im Kostenrechner für Stapler durch.
Externer Prüfdienst
- 4 Krane, 50 Anschlagmittel, 10 Stapler
- jedes Jahr erneut
- Termine kollidieren mit der Produktion
Eigene befähigte Person
- 3 Online-Kurse
- plus ca. 887 € eigene Prüfzeit
- nach gut 7 Monaten bezahlt
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Die Lösung: befähigte Personen aus der eigenen Instandhaltung
Die Instandhaltung eines Industriebetriebs ist der natürliche Ort für befähigte Personen. Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker für Betriebstechnik und Kfz-Mechatroniker, die den Staplerpark betreuen, haben eine passende Berufsausbildung, praktische Erfahrung mit den Anlagen und sind durch Wartung und Reparatur ständig zeitnah tätig. Damit erfüllen sie die drei Anforderungen der TRBS 1203 in aller Regel. Den Selbstcheck finden Sie unter Voraussetzungen für befähigte Personen.
- Krane (620 €): für den Instandhalter, der Krane und Fahrbahnen betreut. Prüfkriterien nach DGUV Vorschrift 52, Kranprüfbuch und Abgrenzung zur Sachverständigenprüfung.
- Anschlagmittel (345 €): sinnvoll für mehrere Personen, etwa je Schicht einen Einrichter, damit beschädigte Gehänge sofort bewertet werden.
- Stapler (525 €): für den Techniker, der die Flurförderzeuge wartet, mit Prüfkriterien nach DGUV Vorschrift 68 und FEM 4.004.
Die Kurse vermitteln die Fachkunde. Die Beauftragung erfolgt schriftlich durch den Arbeitgeber, in größeren Betrieben meist über die Leitung der Instandhaltung. Weil die Prüfungen in die vorhandene Wartungsplanung passen, entsteht kaum zusätzlicher Organisationsaufwand.
Praxisbeispiel: Prüfungen in die Instandhaltungsplanung integrieren
Der Musterbetrieb hat Krane, Stapler und Anschlagmittel bisher von zwei verschiedenen Prüfdiensten prüfen lassen. Die Termine wurden von außen vorgegeben und kollidierten zweimal mit dringenden Werkzeugwechseln, sodass ein Kran während der Prüfung nicht verfügbar war. So stellt der Betrieb um:
- Prüfer auswählen: Ein Industriemechaniker mit zwölf Jahren Erfahrung übernimmt Krane und Anschlagmittel. Ein Kfz-Mechatroniker aus der Fahrzeugwerkstatt der Instandhaltung übernimmt die Stapler.
- Einrichter schulen: Zwei Einrichter aus der Früh- und Spätschicht belegen zusätzlich den Anschlagmittel-Kurs, damit Gehänge in jeder Schicht bewertet werden können.
- Prüfungen als Wartungsaufträge anlegen: Jede Prüfung wird im Instandhaltungssystem als wiederkehrender Auftrag mit Frist hinterlegt, gekoppelt an geplante Stillstände.
- Register digital führen: Anschlagmittel und Ringschrauben erhalten Nummern, die im System mit dem Werkzeug verknüpft sind, an dem sie eingesetzt werden.
Seitdem fällt keine Prüfung mehr in eine laufende Schicht. Ähnlich organisiert sind Betriebe im Metall- und Stahlbau, wo Kettenzüge statt Stapler hinzukommen, und im Lager und in der Logistik.
Häufige Fragen zur befähigten Person in der Produktion
Darf ein Instandhalter Krane und Stapler prüfen?
Ja, wenn er für das jeweilige Arbeitsmittel eine passende Berufsausbildung, praktische Erfahrung und eine aktuelle Tätigkeit mitbringt und schriftlich beauftragt ist. Ein Industriemechaniker, der seit Jahren Krane wartet, erfüllt das für Krane oft. Für Stapler passt eher eine Kfz- oder Land- und Baumaschinenausbildung. Die Kurse vermitteln das zusätzliche Prüfwissen, etwa nach DGUV Vorschrift 52 oder DGUV Vorschrift 68.
Reicht die jährliche Prüfung im Dreischichtbetrieb?
Die Jahresfrist ist das gesetzliche Minimum. Im Dreischichtbetrieb laufen Krane und Stapler etwa dreimal so viele Stunden wie im Einschichtbetrieb, entsprechend schneller verschleißen Ketten, Bremsen und Gabeln. Die Gefährdungsbeurteilung sollte das berücksichtigen, etwa mit halbjährlichen Prüfungen für stark genutzte Geräte. Mit eigenen Prüfern lässt sich ein kürzerer Rhythmus ohne große Mehrkosten umsetzen.
Sind Ringschrauben Anschlagmittel?
Ringschrauben und Anschlagwirbel sind Anschlagpunkte, die mit dem Werkzeug oder der Baugruppe verbunden werden und zusammen mit dem Anschlagmittel die Last tragen. Sie verschleißen, verformen sich bei Schrägzug und müssen deshalb regelmäßig kontrolliert werden. Viele Betriebe nehmen sie in das Anschlagmittelregister auf und prüfen sie zusammen mit den Ketten. Beschädigte Ringschrauben werden sofort ausgetauscht.
Wie passen Prüfungen zur vorhandenen Wartung?
Prüfung und Wartung sind unterschiedliche Aufgaben, lassen sich aber gut kombinieren. Bei der Wartung werden Verschleißteile getauscht und eingestellt, bei der Prüfung bewertet die befähigte Person den sicheren Zustand und dokumentiert ihn. Wer beides im Instandhaltungssystem als Auftrag anlegt, kann Prüfungen direkt im Anschluss an die Wartung durchführen und spart einen zweiten Stillstand.
Brauchen wir für jede Schicht eine befähigte Person?
Für die wiederkehrende Prüfung nicht, sie wird geplant durchgeführt. Sinnvoll ist aber, in jeder Schicht eine Person zu haben, die Schäden an Anschlagmitteln fachlich einordnen kann, etwa nach einem Anstoß beim Werkzeugwechsel. Viele Betriebe schulen dafür Einrichter oder Schichtführer mit dem Anschlagmittel-Kurs. Die Beauftragung legt fest, wer welche Aufgaben übernimmt und wer wen vertritt.