Befähigte Person im Lager: Welche Prüfungen Lager und Logistik selbst übernehmen können

Regalanlagen, Stapler und Leitern hängen im Lager eng zusammen. Hier sehen Sie, welche Prüfpflichten gelten, wo die typischen Risiken liegen und was ein eigener Prüfer im Vergleich zum Prüfdienst kostet.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 10 Min.
Kurz beantwortet

Eine befähigte Person im Lager prüft Regale, Stapler und Leitern selbst, statt jedes Jahr einen Prüfdienst zu bestellen. Regalanlagen müssen mindestens alle 12 Monate inspiziert werden, Stapler mindestens jährlich, Leitern in Abständen nach Gefährdungsbeurteilung. Wer eine eigene Fachkraft mit passender Ausbildung und Lagererfahrung qualifiziert, bewertet Anfahrschäden sofort und spart bei mittleren Lagern schnell vierstellige Beträge im Jahr. Die drei passenden Online-Kurse kosten zusammen 1.200 €.

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Welche Prüfpflichten gelten im Lager?

Im Lager treffen drei prüfpflichtige Arbeitsmittel aufeinander, die sich gegenseitig beeinflussen: Regale tragen die Ware, Stapler bringen sie hinein und heraus, Leitern und Tritte helfen bei der Kommissionierung aus den unteren und mittleren Ebenen. Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt in § 14, dass Arbeitsmittel wiederkehrend von einer zur Prüfung befähigten Person geprüft werden, wenn Schäden zu gefährlichen Situationen führen können. Für jedes der drei Arbeitsmittel gibt es ein eigenes Regelwerk mit eigenen Prüfpunkten.

Was das Lager besonders macht, ist die Geschwindigkeit, mit der Schäden entstehen. Ein Regal wird nicht durch Alterung unsicher, sondern durch einen einzigen Stoß mit der Gabel beim Einlagern im Schichtbetrieb. Ein Prüfdienst, der einmal im Jahr kommt, sieht diesen Schaden womöglich erst Monate später. Deshalb sieht die DIN EN 15635 neben der jährlichen Inspektion durch eine befähigte Person auch regelmäßige Sichtkontrollen durch den Lagerverantwortlichen vor. Beides zusammen funktioniert am besten, wenn jemand im eigenen Haus Schäden fachlich einordnen kann.

Hinzu kommt die Verantwortung des Arbeitgebers: Er legt nach § 3 Abs. 6 BetrSichV Art, Umfang und Fristen der Prüfungen fest und entscheidet, wer prüft. Eine Übersicht über alle Pflichten und Rollen finden Sie auf der Seite Was ist eine befähigte Person?

Typische Arbeitsmittel in Lager und Logistik

Die folgende Tabelle zeigt die Arbeitsmittel, die in fast jedem Lager vorkommen, mit Regelwerk, Prüffrist und dem passenden Kurs. In größeren Logistikzentren kommen oft Regalbediengeräte, Hubtische oder Ladebrücken hinzu, die eigene Anforderungen haben und hier nicht behandelt werden.

ArbeitsmittelRegelwerkFristKursPreis
Palettenregale, Fachbodenregale, KragarmregaleDIN EN 15635, DGUV Information 208-043mind. alle 12 MonateRegale400 €
Frontstapler, Schubmaststapler, Elektro-HubwagenDGUV Vorschrift 68 § 37, FEM 4.004mind. jährlichStapler525 €
Podestleitern, Stufenstehleitern, TritteDGUV Information 208-016nach Gefährdungsbeurteilung, meist jährlichLeitern & Tritte275 €

Beim Regal zählt nicht die Zahl der Regale, sondern der Regalfelder, denn jedes Feld hat eigene Traversen, Sicherungsstifte und Belastungsangaben. Bei Staplern gehört auch der elektrische Mitgänger-Hubwagen dazu, der in vielen Lagern unterschätzt wird. Und Leitern sind im Lager keine Nebensache: Wer aus der zweiten Ebene kommissioniert, steht täglich mehrfach auf Tritt oder Podestleiter. Welche Kombination bei Ihnen passt, zeigt der Kurs-Finder mit Vorauswahl für das Lager.

Typische Risiken und Unfälle im Lager

Die Gefahren im Lager entstehen fast immer an den Schnittstellen zwischen Regal, Stapler und Mensch. Drei Situationen kommen in der Praxis immer wieder vor.

Anfahrschäden an Regalstützen

Eine gestauchte oder verbogene Stütze in der untersten Ebene trägt die ganze Last darüber. Solche Schäden entstehen meist unbemerkt beim Rangieren und werden nicht gemeldet. Die DGUV Information 208-043 arbeitet mit einem Ampelsystem: grün heißt beobachten, gelb heißt Feld entladen lassen und zeitnah reparieren, rot heißt sofort entladen und sperren. Wer diese Einstufung sicher beherrscht, verhindert, dass ein beschädigtes Feld weiter voll beladen wird. Wie man Schäden einordnet, beschreibt die Seite Regalschäden bewerten.

Verschlissene Stapler im Mehrschichtbetrieb

Stapler im Lager laufen oft in zwei oder drei Schichten. Gabeln nutzen sich am Knick ab, Hubketten längen sich, Bremsen und Fahrerschutzdach werden stark beansprucht. Ein abgenutzter Gabelrücken oder eine ausgeschlagene Kettenrolle ist von außen nicht immer zu sehen und fällt erst bei der Prüfung mit Messwerkzeug auf.

Stürze beim Kommissionieren

Wer schnell kommissionieren muss, greift zum nächsten Tritt, auch wenn dessen Gummifüße abgenutzt sind oder die Spreizsicherung fehlt. Hinzu kommen Leitern, die an Regale angelehnt werden, obwohl sie dafür nicht gebaut sind.

Überladene Fachböden und fehlende Belastungsschilder

Nach Umbauten oder Sortimentswechseln passen Belastungsangaben oft nicht mehr zur eingelagerten Ware. Fehlt das Belastungsschild oder wurde die Traversenhöhe verändert, weiß niemand mehr, wie viel ein Feld tragen darf. Schwere Paletten landen dann in Feldern, die für leichtere Lasten ausgelegt sind. Die Inspektion prüft deshalb auch, ob Kennzeichnung und tatsächliche Beladung zusammenpassen.

Was kostet die externe Prüfung im Lager pro Jahr?

Als Musterbetrieb dient ein Kontraktlogistiker mit 35 Beschäftigten, 400 Regalfeldern, 8 Staplern und Elektro-Hubwagen sowie 20 Leitern und Tritten. Gerechnet wird mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben.

ArbeitsmittelExterne Prüfung pro JahrEigene Prüfzeit pro Jahr
400 Regalfelder400 × 4 € + 80 € Anfahrt = 1.680 €400 × 3 Min. = 20 Std. = 800 €
8 Stapler8 × 100 € = 800 €8 × 60 Min. = 8 Std. = 320 €
20 Leitern und Tritte20 × 15 € + 40 € Anfahrt = 340 €20 × 10 Min. = rund 3,3 Std. = 133 €
Summe2.820 €rund 1.253 €
Musterlager: Prüfkosten pro Jahr im Vergleich Externer Prüfdienst pro Jahr Eigene Prüfzeit pro Jahr (40 € je Std.) Regale (400 Felder) 1.680 € 800 € Stapler (8) 800 € 320 € Leitern (20) 340 € 133 € 3 Kurse einmalig 1.200 €, danach rund 1.570 € Ersparnis pro Jahr
Die Regalinspektion ist im Lager der größte Kostenblock, extern wie intern. Die eigene Prüfzeit ist ehrlich mit 40 € pro Stunde eingerechnet.

Die Differenz beträgt rund 1.567 € im Jahr. Die drei Kurse für zusammen 1.200 € haben sich damit nach gut 9 Monaten bezahlt gemacht (1.200 € ÷ 130,56 € Ersparnis pro Monat). Mit Ihren eigenen Zahlen rechnen Sie im Kostenrechner für die Regalprüfung.

Externer Prüfdienst

ca. 2.820 € / Jahr
  • 400 Regalfelder, 8 Stapler, 20 Leitern
  • jedes Jahr erneut
  • Anfahrschäden warten auf den Termin

Eigene befähigte Person

1.200 € einmalig
  • 3 Online-Kurse
  • plus ca. 1.253 € eigene Prüfzeit
  • nach gut 9 Monaten bezahlt

Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.

Die Lösung: eigene befähigte Personen für Regal, Stapler und Leiter

Für ein typisches Lager empfehlen wir drei Kurse, die zusammen alle wiederkehrenden Prüfungen abdecken. Sie können von einer Person belegt werden oder auf zwei Personen verteilt werden, je nachdem, wer welche Berufsausbildung und Erfahrung mitbringt.

  • Regale (400 €): für Lagerleitung oder Schichtleitung mit Erfahrung in Aufbau, Beladung und Schadensbildern von Regalanlagen. Sie lernen Inspektion, Ampelbewertung und Dokumentation nach DGUV Information 208-043.
  • Stapler (525 €): für Personen mit technischer Ausbildung, etwa Kfz-Mechatroniker, Land- und Baumaschinenmechatroniker oder Betriebsschlosser, die Stapler warten oder reparieren.
  • Leitern und Tritte (275 €): sinnvoll für dieselbe Person, die die Regale prüft, denn Leitern stehen in denselben Gängen.

Wichtig ist die ehrliche Einordnung: Die Kurse vermitteln die Fachkunde für die Prüfung. Zur befähigten Person wird jemand erst durch Berufsausbildung, Berufserfahrung, zeitnahe Tätigkeit und die schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber. Ob Ihre Kandidaten diese Punkte erfüllen, prüfen Sie mit dem Selbstcheck unter Voraussetzungen für befähigte Personen. Die Kurse laufen online, dauern jeweils etwa drei Stunden und enden mit einem Abschlusstest und Zertifikat. Die Lernzeit lässt sich gut in ruhige Phasen legen, etwa zwischen zwei Wellen im Wareneingang.

Praxisbeispiel: So stellt ein Kontraktlogistiker um

Der Musterbetrieb aus der Rechnung hat bisher einen Prüfdienst für Regale und einen zweiten für die Stapler beauftragt. Die Termine lagen im Frühjahr und im Herbst, dazwischen blieben gemeldete Anfahrschäden oft wochenlang unbewertet. So läuft die Umstellung ab:

  1. Personen auswählen: Der Lagerleiter ist Fachkraft für Lagerlogistik mit zwölf Jahren Berufserfahrung und übernimmt Regale und Leitern. Der Haustechniker, ein gelernter Kfz-Mechatroniker, wartet die Stapler ohnehin und übernimmt deren Prüfung.
  2. Kurse belegen: Der Lagerleiter bucht Regale und Leitern (675 €), der Haustechniker den Stapler-Kurs (525 €). Beide lernen online innerhalb von zwei Wochen.
  3. Beauftragen: Die Geschäftsführung beauftragt beide schriftlich und legt fest, wer wen im Urlaub vertritt. Eine Vorlage dafür gibt es unter Beauftragung der befähigten Person.
  4. Prüfplan aufstellen: Die 400 Regalfelder werden gangweise über vier Wochen inspiziert, statt an einem Tag im Akkord. Die Stapler werden einzeln geprüft, wenn sie ohnehin zur Wartung stehen.

Der größte Gewinn liegt nicht nur im Geld: Meldet ein Fahrer einen Anfahrschaden, bewertet der Lagerleiter ihn noch in derselben Schicht und entscheidet, ob das Feld entladen werden muss. Ähnlich organisiert sind viele Betriebe im Einzelhandel mit eigenem Lager.

Häufige Fragen zur befähigten Person im Lager

Darf die Lagerleitung die Regale selbst prüfen?

Ja, wenn die Person die Anforderungen der TRBS 1203 erfüllt und schriftlich beauftragt ist. Für Regale passt eine Ausbildung im Lagerbereich oder eine technische Ausbildung, verbunden mit mehrjähriger Erfahrung mit Regalanlagen und einer aktuellen Tätigkeit im Lager. Der Regal-Kurs vermittelt dazu die Prüfkriterien nach DGUV Information 208-043, die Ampelbewertung von Schäden und die Dokumentation der Inspektion.

Wie oft müssen Regale im Lager geprüft werden?

Die Inspektion durch eine befähigte Person ist mindestens alle 12 Monate fällig. Zusätzlich sieht die DIN EN 15635 regelmäßige Sichtkontrollen durch den Lagerverantwortlichen vor, in vielen Lagern wöchentlich. Nach einem Anfahrschaden wird das betroffene Feld sofort bewertet. In Lagern mit hoher Umschlagleistung und Mehrschichtbetrieb kann die Gefährdungsbeurteilung kürzere Abstände für die Inspektion ergeben.

Braucht jeder Hubwagen eine UVV-Prüfung?

Flurförderzeuge sind nach DGUV Vorschrift 68 mindestens jährlich durch eine befähigte Person zu prüfen. Das betrifft Frontstapler, Schubmaststapler und Elektro-Hubwagen und nach verbreiteter Auffassung auch handbetriebene Hubwagen. Deren Prüfung ist deutlich kürzer, weil Antrieb und Elektrik fehlen. Prüfumfang und Frist legt der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung fest und dokumentiert das Ergebnis.

Kann eine Person alle drei Bereiche übernehmen?

Das ist möglich, wenn sie für alle drei Arbeitsmittel Ausbildung, Erfahrung und aktuelle Tätigkeit mitbringt. In der Praxis ist die Aufteilung oft sinnvoller: Regale und Leitern übernimmt jemand aus der Lagerleitung, die Stapler jemand mit technischer Ausbildung, der sie ohnehin wartet. So passt die Qualifikation zum Arbeitsmittel, und beide Personen können sich bei Urlaub oder Krankheit gegenseitig organisatorisch vertreten.

Lohnt sich das auch für ein kleines Lager?

Bei einem kleinen Lager mit 80 Regalfeldern, zwei Staplern und fünf Leitern kostet die externe Prüfung nach unseren Richtwerten rund 715 € im Jahr. Die eigene Prüfzeit liegt bei etwa 273 €. Die drei Kurse für 1.200 € zahlen sich dann erst nach knapp drei Jahren aus. Hier kann es sinnvoller sein, zunächst nur den Regal-Kurs zu belegen und die Stapler weiter extern prüfen zu lassen.

Lager selbst prüfen: Regale, Stapler und Leitern

Ihre Lagerfachkräfte kennen jede Stütze und jeden Stapler. Die Fachkunde für die Prüfung vermitteln unsere Online-Kurse, einzeln buchbar und zusammen 1.200 €.

ab 275 € je Kurs

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Junge Kranausbildung, Gummersbach · Schulungen seit 2016

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
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