Befähigte Person im Einzelhandel: Regale, Stapler und Leitern im Markt und im Lager prüfen

Im Handel stehen Regale nicht nur im Lager, sondern mitten im Verkaufsraum, und dort sind Kunden unterwegs. Hier lesen Sie, welche Prüfpflichten gelten, welche Risiken der Kundenverkehr mit sich bringt und was ein eigener Prüfer kostet.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 10 Min.
Kurz beantwortet

Im Einzelhandel müssen Regale, Stapler und Leitern im Markt und im Lager regelmäßig von einer befähigten Person geprüft werden, und Marktleitung oder Haustechnik können das selbst übernehmen. Regale sind mindestens alle 12 Monate zu inspizieren, Stapler mindestens jährlich, Leitern nach Gefährdungsbeurteilung. Besonders wichtig sind Regale im Verkaufsraum, weil dort Kunden unter der Ware stehen. Die drei passenden Online-Kurse kosten zusammen 1.200 €, einzeln ab 275 €.

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Welche Prüfpflichten gelten im Einzelhandel?

Ob Baumarkt, Möbelhaus, Getränkemarkt oder Supermarkt mit großem Backstore: Im Handel wird Ware gelagert, bewegt und präsentiert. Die Arbeitsmittel dafür sind dieselben wie im Lager, doch der Einsatzort ist ein anderer. Palettenregale reichen im Baumarkt bis unter die Hallendecke, und darunter schieben Kunden ihre Einkaufswagen. Stapler füllen die oberen Ebenen nach, oft kurz vor oder nach der Öffnungszeit. Mitarbeitende stehen auf Tritten und Podestleitern, um Ware in die oberen Fächer zu räumen.

Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt, dass diese Arbeitsmittel wiederkehrend von einer befähigten Person geprüft werden. Für Regale nennen die DIN EN 15635 und die DGUV Information 208-043 eine Inspektion mindestens alle 12 Monate. Stapler und Hubwagen sind nach DGUV Vorschrift 68 mindestens jährlich zu prüfen, Leitern in Fristen, die der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung festlegt.

Hinzu kommt eine besondere Verantwortung: Im Verkaufsraum gefährdet ein beschädigtes Regal nicht nur Beschäftigte, sondern auch Kunden. Wer im Markt einen eigenen Prüfer hat, bewertet Schäden sofort und kann Gänge sperren, bevor jemand zu Schaden kommt. Wie die Regalinspektion abläuft, beschreibt die Seite zur Regalprüfung.

Typische Arbeitsmittel im Einzelhandel

Die folgende Tabelle zeigt die prüfpflichtigen Arbeitsmittel, die in Märkten mit Lager und Warenverräumung am häufigsten vorkommen:

ArbeitsmittelRegelwerkFristKursPreis
Palettenregale im Verkauf, Kragarmregale, Fachbodenregale im LagerDIN EN 15635, DGUV Information 208-043mind. alle 12 MonateRegale400 €
Frontstapler, Schubmaststapler, Elektro-HubwagenDGUV Vorschrift 68 § 37, FEM 4.004mind. jährlichStapler525 €
fahrbare Podestleitern, Tritte, StufenstehleiternDGUV Information 208-016nach Gefährdungsbeurteilung, meist jährlichLeitern & Tritte275 €

Im Lebensmittelhandel ohne Stapler reichen oft die Kurse für Regale und Leitern. Niedrige Verkaufsregale, die Gondeln in der Mitte des Marktes, sind anders gebaut als Palettenregale. Welche Prüfanforderungen für sie gelten, legt der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung fest, meist in Anlehnung an die Herstellerangaben. Kragarmregale in der Holz- oder Baustoffabteilung haben eigene Schadensbilder, die die Seite Kragarmregal prüfen erklärt. Die übliche Handelskombination wählt der Kurs-Finder für den Handel vor, den Stapler-Kurs können Sie dort abwählen.

Filialbetriebe sollten die Tabelle je Markt ausfüllen, denn Ausstattung und Stückzahlen unterscheiden sich zwischen Standorten oft deutlich.

Typische Risiken im Handel mit Kundenverkehr

Die Risiken im Handel ergeben sich aus der Nähe von schwerer Ware, Fahrzeugen und Kunden.

Herabfallende Ware im Verkaufsraum

In Palettenregalen im Verkauf lagert über Kopfhöhe oft Nachschubware. Fehlen Durchschubsicherungen, verrutschen Paletten beim Einlagern oder sind Traversen beschädigt, kann Ware in den Kundenbereich fallen. Bei der Inspektion wird deshalb auch geprüft, ob Sicherungen gegen Herabfallen vorhanden und intakt sind.

Anfahrschäden durch Hubwagen und Stapler

Beim Verräumen zwischen den Regalgängen stoßen Hubwagen an Regalfüße, und Stapler beschädigen beim Nachfüllen Stützen und Traversen. Solche Schäden werden oft nicht gemeldet, weil der Markt pünktlich öffnen muss. Die Ampelbewertung nach DGUV Information 208-043 hilft, sie richtig einzuordnen.

Improvisierte Aufstiege beim Verräumen

Wer unter Zeitdruck Ware verräumt, steigt auf Kartons, Paletten oder die Kante des Regals. Fahrbare Podestleitern mit defekten Bremsrollen oder fehlendem Geländer verleiten zusätzlich dazu. Genügend geprüfte Tritte in passender Höhe sind deshalb Teil der Prävention.

Umbauten beim Sortimentswechsel

Beim Wechsel von Saisonware werden Regale umgebaut, Traversen versetzt und Fachböden ergänzt. Dabei gehen Sicherungsstifte verloren, Belastungsschilder stimmen nicht mehr, und Bauteile verschiedener Hersteller werden gemischt. Nach jedem größeren Umbau sollte die befähigte Person das betroffene Regal kurz prüfen, bevor wieder Ware eingelagert wird.

Was kostet die externe Prüfung im Einzelhandel pro Jahr?

Als Musterbetrieb dient ein Baumarkt mit 60 Beschäftigten. Er hat 300 Regalfelder in Verkaufsraum, Baustoffhalle und Außenlager, zwei Frontstapler, einen Schubmaststapler, zwei Elektro-Hubwagen und 25 Leitern und Tritte. Gerechnet wird mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben, und 40 € pro Stunde für die eigene Prüfzeit.

ArbeitsmittelExterne Prüfung pro JahrEigene Prüfzeit pro Jahr
300 Regalfelder300 × 4 € + 80 € Anfahrt = 1.280 €300 × 3 Min. = 15 Std. = 600 €
5 Flurförderzeuge5 × 100 € = 500 €5 × 60 Min. = 5 Std. = 200 €
25 Leitern und Tritte25 × 15 € + 40 € Anfahrt = 415 €25 × 10 Min. = rund 4,2 Std. = 167 €
Summe2.195 €rund 967 €
Muster-Baumarkt: Prüfkosten pro Jahr Externer Prüfdienst pro Jahr Eigene Prüfzeit pro Jahr (40 € je Std.) Regale (300 Felder) 1.280 € 600 € Stapler (5) 500 € 200 € Leitern (25) 415 € 167 € 3 Kurse einmalig 1.200 €, danach rund 1.230 € Ersparnis pro Jahr
Die Regalinspektion ist im Handel der größte Posten. Die Ersparnis fällt kleiner aus als im reinen Lager, weil weniger Stapler im Einsatz sind.

Die jährliche Differenz beträgt rund 1.228 €. Die drei Kurse für 1.200 € sind damit nach knapp 12 Monaten bezahlt (1.200 € ÷ 102,36 € pro Monat). Märkte ohne eigene Stapler kommen mit den Kursen für Regale und Leitern für 675 € aus. Im Muster sparen sie damit rund 928 € im Jahr und haben die Kurse nach knapp 9 Monaten bezahlt. Mit Ihren eigenen Zahlen rechnen Sie im Kostenrechner für Regale.

Externer Prüfdienst

ca. 2.195 € / Jahr
  • 300 Regalfelder, 5 Stapler, 25 Leitern
  • Gänge während der Öffnung gesperrt
  • jedes Jahr erneut

Eigene befähigte Person

1.200 € einmalig
  • 3 Online-Kurse
  • plus ca. 967 € eigene Prüfzeit
  • nach knapp 12 Monaten bezahlt

Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.

Die Lösung: eigene befähigte Personen im Markt

Im Handel kommen vor allem Personen aus der Marktleitung, der Lagerleitung und der Haustechnik in Frage. Für Regale und Leitern passt eine Ausbildung im Handel oder in der Lagerlogistik, verbunden mit mehrjähriger Erfahrung im Umgang mit Regalanlagen und einer aktuellen Tätigkeit im Markt. Für Stapler braucht es eine technische Ausbildung, etwa als Kfz-Mechatroniker oder Elektroniker, wie sie Haustechniker größerer Märkte oft mitbringen. Die Anforderungen im Einzelnen stehen unter Voraussetzungen für befähigte Personen.

  • Regale (400 €): für die Lagerleitung oder stellvertretende Marktleitung, mit Inspektion, Ampelbewertung und Dokumentation. Abschlusstest mit 20 Fragen in 25 Minuten.
  • Stapler (525 €): für den Haustechniker, wenn im Markt eigene Stapler laufen.
  • Leitern und Tritte (275 €): für dieselbe Person, die die Regale prüft, weil Tritte und Podestleitern in denselben Gängen stehen.

Die Kurse vermitteln die Fachkunde, beauftragt wird schriftlich durch den Arbeitgeber. Bei Filialbetrieben lohnt es sich, je Markt oder je Region eine Person zu qualifizieren, statt einen zentralen Prüfer ständig reisen zu lassen.

Praxisbeispiel: Regalinspektion vor Ladenöffnung

Der Musterbaumarkt hat die Regalinspektion bisher an einem Tag im Frühjahr erledigen lassen. Dafür wurden ganze Gänge während der Öffnungszeiten abgesperrt, was bei Kunden auf Unverständnis stieß. Anfahrschäden zwischen den Terminen wurden nur notiert, aber nicht fachlich bewertet. So stellt der Markt um:

  1. Prüfer bestimmen: Der Lagerleiter, gelernter Kaufmann im Einzelhandel mit 14 Jahren Erfahrung in Lager und Warenverräumung, übernimmt Regale und Leitern. Der Haustechniker, gelernter Elektroniker, übernimmt die Stapler.
  2. Gangweise prüfen: Jeden Morgen vor Ladenöffnung wird ein Gang inspiziert. In zehn Wochen sind alle 300 Regalfelder geprüft, ohne dass ein Gang tagsüber gesperrt wird.
  3. Schäden sofort bewerten: Meldet ein Mitarbeiter einen Anfahrschaden, bewertet der Lagerleiter ihn noch am selben Tag nach dem Ampelsystem.
  4. Leitern nummerieren: Alle Tritte und Podestleitern bekommen eine Nummer und einen festen Standort je Abteilung.

Die Kunden merken von der Prüfung nichts mehr. Wie Schäden eingestuft werden, zeigt die Seite Regalschäden bewerten. Betriebe mit großem Zentrallager finden Hinweise unter Lager und Logistik.

Häufige Fragen zur befähigten Person im Einzelhandel

Müssen Regale im Verkaufsraum genauso geprüft werden wie im Lager?

Ja. Palettenregale und andere Lagerregale sind prüfpflichtig, egal ob sie im Lager oder im Verkaufsraum stehen. Im Verkaufsraum ist die Prüfung sogar besonders wichtig, weil Kunden unter der Ware stehen und Schäden durch Hubwagen und Stapler häufig sind. Die Inspektion ist mindestens alle 12 Monate fällig, dazu kommen regelmäßige Sichtkontrollen durch die Mitarbeitenden im Markt.

Darf die Marktleitung Regale prüfen?

Wenn die Person eine passende Ausbildung hat, mehrjährige Erfahrung mit Regalanlagen mitbringt und aktuell damit arbeitet, erfüllt sie die Anforderungen der TRBS 1203 in aller Regel. Eine kaufmännische Ausbildung im Handel mit langjähriger Praxis in Lager und Warenverräumung kann für Regale passen. Der Regal-Kurs ergänzt das Prüfwissen nach DGUV Information 208-043. Die schriftliche Beauftragung schließt den Weg ab.

Wie prüfen wir, ohne Gänge während der Öffnungszeit zu sperren?

Am einfachsten gangweise vor Ladenöffnung oder nach Ladenschluss. Eine Inspektion von drei Minuten pro Regalfeld bedeutet bei 30 Feldern je Gang etwa anderthalb Stunden. Wer jeden Morgen einen Gang prüft, verteilt die Arbeit über mehrere Wochen, ohne den Verkauf zu stören. Ein eigener Prüfer im Markt ist dafür deutlich flexibler als ein externer Dienstleister mit festem Termin.

Brauchen Handhubwagen im Markt eine UVV-Prüfung?

Hubwagen sind Flurförderzeuge. Elektrisch angetriebene Hubwagen sind nach DGUV Vorschrift 68 mindestens jährlich zu prüfen. Für handbetriebene Hubwagen wird die jährliche Prüfung ebenfalls empfohlen und ist in vielen Betrieben üblich, auch wenn der Prüfumfang deutlich kleiner ist. Der Arbeitgeber legt Frist und Umfang in der Gefährdungsbeurteilung fest, und die Prüfung wird kurz dokumentiert.

Lohnt sich ein eigener Prüfer für eine kleine Filiale?

Für eine einzelne kleine Filiale mit wenigen Regalfeldern und ohne Stapler ist die externe Prüfung oft günstiger. Anders sieht es bei Filialnetzen aus: Wenn ein Regionalleiter oder Haustechniker mehrere Märkte betreut, verteilen sich die Kurskosten auf alle Filialen, und die Anfahrtspauschalen der Prüfdienste fallen weg. Mit dem Kostenrechner können Sie beide Varianten durchrechnen.

Regale im Markt selbst prüfen

Ihre Lagerleitung kennt jeden Gang. Unsere Online-Kurse vermitteln die Fachkunde für Regale, Stapler und Leitern, einzeln ab 275 €, zusammen 1.200 €.

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Junge Kranausbildung, Gummersbach · Schulungen seit 2016

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
Autor und fachlicher Prüfer aller Inhalte. Über uns & wie wir arbeiten
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