Ein Kragarmregal prüfen Sie als befähigte Person mindestens alle 12 Monate, mit Blick auf Kragarme, Ständer, Standfüße und die Lastverteilung des Langguts. Anders als beim Palettenregal trägt hier jeder Arm einzeln, und die Last wirkt als Hebel auf den Ständer. Deshalb zählen Neigung und Befestigung der Arme, Armsicherungen, Endanschläge und die Verankerung der Füße besonders. Überladene oder einseitig belastete Arme sind der häufigste Befund. Kragarmregale werden oft per Kran oder Seitenstapler beschickt, was eigene Schadensbilder erzeugt.
Wer darf Kragarmregale prüfen?
Für Kragarmregale gelten dieselben Regeln wie für alle Regale: Die wiederkehrende Inspektion führt eine befähigte Person nach Betriebssicherheitsverordnung durch, in Abständen von höchstens 12 Monaten nach DIN EN 15635. Weil Kragarmregale fast immer mit Stapler oder Kran beladen werden und schwere Einzellasten tragen, ist eine Ausnahme von der Prüfpflicht hier praktisch nie begründbar.
Befähigt ist, wer eine passende technische Ausbildung, zum Beispiel als Metallbauer oder Fachkraft für Lagerlogistik, Erfahrung mit Regalanlagen und eine aktuelle Tätigkeit im Lager mitbringt. Rechtswirksam wird die Prüfung erst mit der schriftlichen Beauftragung durch den Arbeitgeber. Die Fachkunde zur Bewertung von Arm, Ständer und Lastverteilung vermittelt unser Online-Kurs für die Prüfung von Regalen. Die allgemeinen Pflichten erklärt der Ratgeber Regalprüfung. Wer die Anlage auch per Kran belädt, sollte zusätzlich Erfahrung mit Kranbetrieb haben, weil viele Schäden dort entstehen, wo Lasten beim Einschwenken gegen Arme stoßen.
Vorbereitung: Lastangaben und Beschickung klären
Beim Kragarmregal hängt die Bewertung stark von den Lastangaben ab. Legen Sie vor der Prüfung bereit:
- Armlast: zulässige Last pro Kragarm, meist abhängig von der Armlänge.
- Ständerlast: zulässige Last pro Ständer und Seite, bei doppelseitigen Regalen auch die zulässige einseitige Belastung.
- Typische Gewichte: Längen und Metergewichte der eingelagerten Rohre, Profile oder Platten, um Überladung abschätzen zu können.
- Beschickungsgerät: Seitenstapler, Vierwegestapler, Frontstapler mit Langgutzinken oder Hallenkran. Jedes erzeugt andere Anstoßstellen.
- Sicherheit: Helm, Handschuhe und Sicherheitsschuhe, kein Aufenthalt unter schwebender Last, Kranbetrieb und Staplerverkehr im Prüfbereich abstimmen.
Bei Außenanlagen kommen Witterung, Korrosion und gegebenenfalls ein Dach mit eigenen Lastangaben hinzu. Planen Sie die Prüfung dort möglichst bei trockenem Wetter, weil nasse Oberflächen Haarrisse verbergen und Arbeiten in der Höhe erschweren.
Kragarmregal prüfen in sieben Schritten
Prüfen Sie jeden Ständer mit allen Armen beider Seiten, bevor Sie zum nächsten gehen. Beginnen Sie am Fuß und arbeiten Sie sich nach oben.
1. Belastungsschild und Beladung
Am Regal müssen die zulässigen Arm- und Ständerlasten angegeben sein. Vergleichen Sie mit der tatsächlichen Beladung. Ein Bündel Stahlrohre ist schnell schwerer als gedacht: Wer die Meterzahl mit dem Metergewicht multipliziert, erlebt oft eine Überraschung. Ein Bündel aus zehn Stahlrohren mit je sechs Metern Länge und zehn Kilogramm Metergewicht wiegt bereits 600 kg und verteilt sich im besten Fall auf zwei oder drei Arme.
2. Standfüße und Verankerung
Der Standfuß trägt das Kippmoment der gesamten Last. Prüfen Sie ihn auf Verformung, Risse an Schweißnähten und vollständige Bodenverankerung. Ein gelöster Anker zeigt sich oft daran, dass der Ständer bei Belastung leicht nachgibt oder nicht mehr senkrecht steht. Bei Außenanlagen gehört das Fundament mit in den Blick, denn Frost und Setzungen lockern Anker über die Jahre.
3. Ständer und Längsverbände
Messen Sie Ständer im Anfahrbereich auf Verformung und visieren Sie mit dem Lot an. Die Längsverbände zwischen den Ständern sichern die Anlage in Längsrichtung und müssen vollständig, gerade und fest verschraubt sein. Gerade beim Einfahren langer Lasten werden sie leicht getroffen.
4. Kragarme: Neigung, Verformung, Befestigung
Viele Kragarme sind leicht nach oben geneigt, damit Rundmaterial nicht nach vorn rollt. Ein Arm, der waagerecht steht oder nach unten zeigt, ist bleibend verformt oder überlastet. Prüfen Sie außerdem Risse am Anschluss zum Ständer und ob der Arm vollständig eingehängt oder verschraubt ist.
5. Armsicherungen und Endanschläge
Eingehängte Arme brauchen eine Sicherung gegen Aushängen, etwa Bolzen oder Keile. Am Armende verhindern Endanschläge oder Abrollsicherungen, dass Rohre oder Rundhölzer herunterrollen. Fehlende Anschläge sind bei Rundmaterial ein ernster Befund. Prüfen Sie auch, ob vorhandene Anschläge fest sitzen und hoch genug für das eingelagerte Material sind, denn ein zu flacher Anschlag hält dicke Rohre nicht zurück.
6. Lastverteilung des Langguts
Langgut muss auf mindestens zwei Armen aufliegen, gleichmäßig verteilt und mit begrenztem Überstand über die äußeren Arme nach Herstellerangabe. Liegt ein langes Profil nur auf einem Arm oder hängt weit über, kippt es beim Entnehmen oder überlastet einen einzelnen Arm. Kurze Reststücke gehören deshalb nicht auf die Kragarme, sondern in einen eigenen Behälter.
7. Beschickung und Umgebung
Schauen Sie sich die Gänge an: Reicht die Breite für die eingesetzten Stapler mit Langgut? Gibt es Spuren von Kranlasten, die gegen Arme geschwungen sind? Solche Beobachtungen gehören in den Bericht, weil sie die Ursache künftiger Schäden benennen. Häufen sich Anstöße an denselben Armen, hilft oft schon eine Markierung am Boden oder eine andere Reihenfolge beim Einlagern.
Typische Mängel am Kragarmregal
Die Schadensbilder am Kragarmregal ergeben sich aus der Hebelwirkung und aus der Art der Beschickung:
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Bewertung / Maßnahme |
|---|---|---|
| Kragarm nach unten geneigt | Armspitze tiefer als Armansatz, auch unbelastet | Arm bleibend verformt, entladen und tauschen |
| Armsicherung fehlt | eingehängter Arm ohne Bolzen oder Keil | sofort nachrüsten, danach ohne Befund |
| Endanschlag fehlt | Rundmaterial liegt ohne Sicherung am Armende | nachrüsten, bis dahin kein Rundmaterial auf diesem Arm |
| Einseitige Überlast | doppelseitiges Regal nur auf einer Seite schwer beladen | Beladung nach Herstellerangabe umverteilen |
| Riss am Standfuß | Haarriss an Schweißnaht zwischen Fuß und Ständer | Rot, sofort entladen, Hersteller einbeziehen |
| Längsverband verbogen | Knick nach Anstoß mit Langgut | Verband tauschen, Einfahrweg prüfen |
Die meisten dieser Mängel entwickeln sich schleichend. Ein Arm, der jahrelang knapp an seiner Grenzlast beladen wird, neigt sich allmählich, und irgendwann liegt die Armspitze tiefer als der Ansatz. Deshalb lohnt es, bei jeder Inspektion die Neigung derselben Arme zu messen und die Werte zu vergleichen. Wie Verformungen gemessen und nach dem Ampelsystem eingestuft werden, erklärt die Seite Regalschäden bewerten. Für Kragarme geben Hersteller oft eigene Kriterien vor, die Vorrang haben.
Checkliste Kragarmregal
Die wichtigsten Prüfpunkte für das Kragarmregal in Kurzform, je Ständer und Seite abzuhaken. Notieren Sie bei jedem Nein die Ständernummer, die Seite und den betroffenen Arm:
- Arm- und Ständerlasten angegeben und eingehalten?
- Standfuß ohne Risse, vollständig verankert?
- Ständer senkrecht, ohne Verformung über dem Grenzwert?
- Längsverbände vollständig und gerade?
- Kragarme mit korrekter Neigung, gesichert und rissfrei?
- Endanschläge bei Rundmaterial vorhanden?
- Langgut auf mindestens zwei Armen, gleichmäßig verteilt, ohne großen Überstand?
- Einfahrwege frei, keine Spuren von Kran- oder Staplerkontakt?
Für gemischte Lager mit Paletten- und Kragarmregalen nutzen Sie ergänzend die ausführliche Fassung, die alle Bauarten abdeckt: die allgemeine Checkliste zur Regalprüfung.
Dokumentation und Kennzeichnung
Nummerieren Sie beim Kragarmregal Ständer und Arme, zum Beispiel Ständer 4, Seite A, Arm 3 von unten. Nur so lassen sich Befunde eindeutig zuordnen, denn Felder im Sinne des Palettenregals gibt es hier nicht. Der Prüfbericht enthält wie bei jeder Regalprüfung Datum, Umfang, Befunde mit Ort, Messwert und Ampelstufe, Maßnahmen sowie Name und Unterschrift der befähigten Person.
Gesperrte Arme kennzeichnen Sie mit rotem Etikett direkt am Arm und lassen dort das Langgut sofort entfernen. Die Prüfplakette mit dem nächsten Termin kommt an jeden Ständer oder an die Stirnseite der Regalzeile. Belastungsschilder mit Arm- und Ständerlast gehören gut lesbar an jede Zeile. Eine Vorlage für den Bericht finden Sie unter Prüfprotokoll für Regale.
Welche Fehler passieren bei der Prüfung von Kragarmregalen?
Kragarmregale werden oft nach dem Muster von Palettenregalen geprüft, und dabei gehen wichtige Punkte verloren:
- Neigung der Arme nicht beachtet: Ein leicht hängender Arm fällt im beladenen Zustand kaum auf, ist aber bleibend verformt.
- Nur die Ständer messen: Der Armansatz ist die höchstbelastete Stelle und wird oft nicht aus der Nähe angesehen.
- Einseitige Belastung übersehen: Bei doppelseitigen Regalen zählt auch die Differenz zwischen beiden Seiten.
- Kranbetrieb ausgeblendet: Pendelnde Lasten treffen Arme von oben oder von der Seite, wo kein Stapler hinkommt.
- Rundmaterial ohne Anschlag toleriert: Ein herabrollendes Rohr ist eine unmittelbare Gefahr für Personen im Gang.
Wird das Regal per Kran beladen, lohnt es sich, auch Kran und Anschlagmittel in den Prüfplan aufzunehmen. Mehr dazu unter Kranprüfung.
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Häufige Fragen zur Prüfung von Kragarmregalen
Wie oft muss ein Kragarmregal geprüft werden?
Wie jedes Regal mit maschineller Beschickung mindestens alle 12 Monate durch eine befähigte Person, dazu regelmäßige Sichtkontrollen im Abstand nach Gefährdungsbeurteilung. Nach einem Anprall, nach dem Versetzen von Armen oder nach einer Reparatur kommt eine außerordentliche Prüfung hinzu. Bei stark genutzten Anlagen mit Kranbeschickung kann ein kürzeres Intervall für die Inspektion sinnvoll sein. Das legt der Betrieb in der Gefährdungsbeurteilung fest.
Darf ich Kragarme in der Höhe versetzen?
Bei vielen Systemen ist das vorgesehen, die Arme werden in Lochungen des Ständers eingehängt. Das Versetzen ändert aber die Lastverteilung am Ständer. Halten Sie sich an die Herstellerangaben zu Mindestabständen und Lasten, setzen Sie die Armsicherung wieder ein und lassen Sie die Änderung von einer befähigten Person abnehmen. Dokumentieren Sie die neue Belegung im Prüfbericht und passen Sie das Belastungsschild an.
Ist bei Kragarmregalen die Ausnahme für Handbeladung möglich?
Theoretisch ja, praktisch kaum. Kragarmregale tragen Langgut, das in aller Regel mit Stapler oder Kran eingelagert wird. Schon die Beschickung ist ein schädigender Einfluss. Selbst ein kleines Kragarmregal für Rohrreste in der Werkstatt wird oft mit Hubwagen oder Kran bedient. Prüfen Sie die Nutzung ehrlich, bevor Sie in der Gefährdungsbeurteilung auf die Inspektion verzichten. Im Zweifel ist die Prüfung die sichere Wahl.
Was ist bei Kragarmregalen im Freien zu beachten?
Außenanlagen sind Witterung ausgesetzt. Achten Sie besonders auf Korrosion an Standfüßen, Ankern und Armansätzen, auf Wasseransammlungen in Profilen und auf Frostschäden am Fundament. Hat die Anlage ein Dach, gelten für dieses eigene Lastangaben, etwa für Schnee. Verzinkte Anlagen sind robuster, doch auch dort können Beschädigungen der Verzinkung zu Rost führen. Kleine Schäden an der Verzinkung sollten deshalb zeitnah ausgebessert werden.
Welche Qualifikation brauche ich speziell für Kragarmregale?
Eine eigene Qualifikation nur für Kragarmregale gibt es nicht. Die befähigte Person für Regale prüft alle ortsfesten Regalarten, sofern sie die jeweilige Bauart aus der Praxis kennt. Unser Online-Kurs behandelt Kragarm-, Paletten- und Fachbodenregale gemeinsam. Wer bisher vor allem Palettenregale betreut hat, sollte die ersten Kragarmprüfungen mit einem erfahrenen Kollegen durchführen, um ein Gefühl für die Hebelwirkung zu bekommen.