Ein Palettenregal prüfen Sie als befähigte Person mindestens alle 12 Monate, mit Schwerpunkt auf Stützen, Traversen und Anfahrschutz, denn dort hinterlässt der Staplerverkehr die meisten Schäden. Dazu kommen Belastungsschild, Traversensicherungen, Verbände, Bodenverankerung, Durchschubsicherungen und der Zustand der eingelagerten Paletten. Besonders kritisch sind die unteren Stützenbereiche an Gangenden und Durchfahrten. Jeder Befund wird gemessen, nach dem Ampelsystem eingestuft und im Prüfbericht mit Lagerplatz dokumentiert.
Wer darf Palettenregale prüfen?
Die jährliche Inspektion eines Palettenregals ist einer befähigten Person nach § 2 Abs. 6 BetrSichV vorbehalten. Nur ihre Prüfung zählt als Inspektion im Sinne der DIN EN 15635 und ist rechtswirksam dokumentiert. Das kann ein externer Regalinspekteur sein oder ein eigener Mitarbeiter, der eine passende technische Ausbildung, Erfahrung mit Palettenregalen und eine aktuelle Tätigkeit im Lager mitbringt.
Gerade in Lagern mit Palettenregalen ist die eigene Lösung naheliegend: Hier ist Staplerverkehr der Normalfall, Anfahrschäden passieren das ganze Jahr, und die Frage „Darf das Feld noch beladen werden?“ stellt sich nicht nur einmal jährlich. Die Fachkunde für diese Entscheidung vermittelt unser Online-Kurs für die Prüfung von Regalen. Nach dem Kurs beauftragt der Arbeitgeber die Person schriftlich. Pflichten, Fristen und das Ampelsystem für alle Regalarten fasst der Ratgeber zur Regalprüfung zusammen.
Vorbereitung: Was beim Palettenregal anders ist
Palettenregale sind hoch, werden maschinell bedient und selten komplett leer. Das verlangt eine eigene Vorbereitung:
- Lagerplatzsystem nutzen: Die meisten Lager haben bereits Lagerplatznummern aus der Lagerverwaltung, etwa Gasse, Platz und Ebene. Verwenden Sie genau diese Adressen im Protokoll.
- Belastungsangaben bereitlegen: Feldlast, Fachlast pro Traversenpaar und Anzahl der Ebenen je Regalzeile, dazu typische Palettengewichte aus dem Wareneingang.
- Obere Ebenen erreichbar machen: Hubarbeitsbühne oder zugelassener Arbeitskorb am Stapler, niemals Klettern am Regal.
- Verkehr regeln: Prüfgasse für Stapler sperren und die Reihenfolge der Gassen mit dem Schichtführer abstimmen.
- Persönliche Schutzausrüstung: Warnweste, Sicherheitsschuhe und Schutzhelm, weil in Palettenregalen Gegenstände aus der Höhe fallen können.
Werfen Sie vorher einen Blick in die Schadensmeldungen des Jahres. Sie zeigen, welche Gassen besonders oft betroffen waren.
Palettenregal prüfen: acht Prüfschritte
Gehen Sie jede Gasse zuerst auf der einen, dann auf der anderen Seite ab. Beginnen Sie unten und arbeiten Sie sich Ebene für Ebene nach oben.
1. Belastungsschild und Palettengewichte
Jede Regalzeile braucht ein gut sichtbares Schild mit Feldlast und Fachlast. Vergleichen Sie die Werte mit den tatsächlichen Paletten. Schwere Getränke oder Baustoffe überschreiten eine Fachlast schneller als gedacht. Stimmt die Anzahl der Ebenen nicht mehr mit dem Schild überein, wurde umgebaut, und die zulässige Feldlast kann sich verringert haben.
2. Anfahrschutz an Gangenden und Durchfahrten
Eckstützen an Gangenden und Stützen neben Durchfahrten sind am stärksten gefährdet. Dort gehört ein Anfahrschutz hin, üblicherweise mindestens 30 cm hoch und gelb-schwarz gekennzeichnet. Prüfen Sie, ob er vorhanden, fest verankert und unverformt ist. Ein eingedrückter Anfahrschutz ist ein Warnsignal: Schauen Sie sich die Stütze dahinter besonders genau an.
3. Stützen im Anfahrbereich
Die meisten Schäden sitzen in den unteren ein bis zwei Metern, dort, wo Gabelzinken, Palette oder Staplerchassis anstoßen. Messen Sie jede auffällige Stelle mit der Messlatte in beiden Richtungen und achten Sie auf Risse an den Lochungen. Leuchten Sie auch hinter die Paletten der untersten Ebene.
4. Traversen, Einhakungen und Sicherungen
Traversen werden beim Einlagern von unten angestoßen oder beim Absetzen schwerer Paletten schlagartig belastet. Prüfen Sie jede Ebene auf Beulen, Verdrehung und bleibende Durchbiegung. Die Einhakelemente müssen vollständig eingehängt sein, und jede Verbindung braucht ihre Sicherung gegen Aushängen.
5. Palettenauflage und Zustand der Paletten
Die Palette muss mit ihren Kufen sicher auf beiden Traversen aufliegen, mittig und ohne einseitigen Überstand. Querliegende Paletten brauchen Tiefenauflagen oder Gitterroste. Gebrochene Bretter oder fehlende Klötze sind ein Befund, weil die Last dann punktuell auf die Traverse wirkt oder die Palette durchrutschen kann.
6. Rahmen, Verbände und Durchschubsicherung
Kontrollieren Sie Diagonalen und Horizontalen der Rahmen auf Knicke und lose Schrauben. An Rückseiten zu Gängen oder Arbeitsplätzen verhindert eine Durchschubsicherung, dass Paletten beim Einlagern hinten herausgeschoben werden. Sie muss vorhanden und unbeschädigt sein.
7. Verankerung und Boden
Jede Fußplatte ist in der Regel im Boden verankert. Prüfen Sie, ob alle Dübel vorhanden und fest sind und ob der Hallenboden gerissen oder abgesackt ist. Visieren Sie die Stützen mit dem Lot an, denn eine gelöste Verankerung zeigt sich oft erst als Schiefstellung.
8. Durchgänge und Durchfahrten
Wo Personen oder Fahrzeuge unter dem Regal hindurchgehen, braucht es Schutz gegen herabfallende Ladung, etwa Gitter oder Netze über dem Durchgang. Prüfen Sie, ob diese Einrichtungen vollständig sind und ob die Durchfahrtshöhe gekennzeichnet ist.
Typische Mängel am Palettenregal
Palettenregale zeigen ein typisches Schadensbild, das fast immer auf den Staplerbetrieb zurückgeht. Diese Mängel finden Prüfer am häufigsten:
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Bewertung / Maßnahme |
|---|---|---|
| Anfahrschaden an Eckstütze | Delle in Höhe der Gabelzinken oder des Chassis | messen und einstufen, Anfahrschutz prüfen oder nachrüsten |
| Traverse von unten angestoßen | Beule an der Unterseite, Einhakung teilweise ausgehängt | Traverse tauschen, Sicherung prüfen, Staplerfahrer unterweisen |
| Palette steht über | Kufe liegt nur knapp auf der Traverse | sofort korrekt einlagern, Einlagerung schulen |
| Fehlender Anfahrschutz | Eckstütze an Gangende ungeschützt | nachrüsten, bis dahin Stütze bei jeder Sichtkontrolle prüfen |
| Durchschubsicherung fehlt | Paletten ragen hinten in den Nachbargang | nachrüsten, Bereich hinter dem Regal sichern |
| Überladene Ebene | schwere Ware auf oberen Ebenen, Traverse biegt durch | umlagern, Schild und Lastverteilung prüfen |
Fast alle diese Mängel haben eine gemeinsame Ursache: Zeitdruck beim Ein- und Auslagern. Deshalb gehört zu einem guten Prüfbericht auch ein Blick auf die Abläufe. Häufen sich Schäden in einer Gasse, ist sie womöglich zu eng für die eingesetzten Stapler, oder die Beleuchtung reicht nicht. Solche Hinweise helfen dem Betrieb mehr als der zehnte Stützentausch an derselben Stelle. Wie Sie Verformungen an den Stützen messen und einstufen, erklärt die Seite Regalschäden bewerten.
Checkliste Palettenregal
Für das Palettenregal verdichtet sich die Prüfung auf wenige, aber entscheidende Fragen. Beantworten Sie jede Frage für jedes Feld, und notieren Sie bei jedem Nein den Lagerplatz und den Befund:
- Belastungsschild vorhanden und passend zur Ebenenzahl?
- Anfahrschutz an allen Gangenden und Durchfahrten, fest und unverformt?
- Stützen unten ohne Verformung über dem Grenzwert, ohne Risse?
- Traversen unbeschädigt, vollständig eingehängt und gesichert?
- Paletten intakt und korrekt aufgesetzt?
- Verbände, Verankerung und Durchschubsicherungen vollständig?
Die Kurzfassung eignet sich auch als Grundlage für die wöchentliche Sichtkontrolle. Alle Prüfpunkte in ausführlicher Form enthält die allgemeine Checkliste zur Regalprüfung.
Dokumentation und Plakette beim Palettenregal
Tragen Sie jeden Befund mit der Lagerplatzadresse ein, also Gasse, Platz und Ebene, wie sie in der Lagerverwaltung geführt wird. Das hat einen großen Vorteil: Ein gesperrter Platz lässt sich im System blockieren, sodass keine Einlagerung mehr dorthin geplant wird. Viele Lager vergessen diesen Schritt, und die Sperre besteht nur als Absperrband, das der nächste Staplerfahrer übersieht.
Der Prüfbericht nennt Datum, Umfang, alle Befunde mit Messwert und Ampelstufe, die Maßnahmen und die Unterschrift der befähigten Person. Die Prüfplakette mit dem nächsten Termin kommt gut sichtbar an jede Regalzeile, am besten auf Augenhöhe am Rahmen neben dem Belastungsschild. Eine Vorlage für den Bericht gibt es unter Prüfprotokoll für Regale. Die Freigabe nach einer Reparatur vermerken Sie im selben Bericht und heben die Sperre in der Lagerverwaltung erst danach auf.
Welche Fehler passieren beim Prüfen von Palettenregalen?
Bei Palettenregalen sind es oft dieselben Versäumnisse, die zu unentdeckten Schäden führen:
- Nur vom Gang aus prüfen: Schäden an der Rückseite von Doppelregalen sieht man nur aus dem Nachbargang.
- Obere Ebenen auslassen: Wer nicht in die Höhe kommt, übersieht fehlende Sicherungen und angestoßene Traversen weiter oben.
- Den Anfahrschutz für die Lösung halten: Er schützt nur die Ecke. Stützen in der Gassenmitte werden trotzdem angefahren.
- Paletten nicht betrachten: Eine gebrochene Palette auf der obersten Ebene ist eine reale Absturzgefahr.
- Sperre nur am Regal: Ohne Sperre in der Lagerverwaltung wird das Feld womöglich weiter disponiert.
Wer die Gassen konsequent von beiden Seiten und über alle Ebenen prüft, findet auch die Schäden, die im Alltag niemandem auffallen. Wie ein Palettenregal im Lager mit Staplern und weiteren Arbeitsmitteln zusammenspielt, zeigt der Beitrag befähigte Person in Lager und Logistik.
Externer Regalinspekteur
- 500 Palettenregalfelder zu je 4 €
- plus 80 € Anfahrt und Bericht
- jedes Jahr erneut
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs, ca. 3 Stunden
- plus ca. 1.000 € Arbeitszeit pro Jahr
- bezahlt nach ca. 4,5 Monaten
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Häufige Fragen zur Prüfung von Palettenregalen
Wie oft muss ein Palettenregal geprüft werden?
Die Inspektion durch eine befähigte Person findet nach DIN EN 15635 mindestens alle 12 Monate statt. Dazwischen kontrolliert der Betrieb das Regal selbst, bei Staplerverkehr üblicherweise wöchentlich. Nach einem schweren Anprall, einem Umbau oder einer Reparatur ist zusätzlich eine Prüfung fällig, bevor der Bereich wieder beladen wird. Die genauen Abstände legt die Gefährdungsbeurteilung fest, abhängig von Verkehr und Schadenshäufigkeit.
Braucht jedes Palettenregal einen Anfahrschutz?
An Eckstützen von Gangenden und an Durchfahrten, wo Flurförderzeuge fahren, ist ein Anfahrschutz üblich und nach den Regeln für Lagereinrichtungen gefordert. In der Gassenmitte schützt er nicht, dort helfen ausreichende Gangbreiten, gute Beleuchtung und geschulte Staplerfahrer. Ob zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig sind, zeigt die Auswertung der Anfahrschäden aus Prüfberichten und Meldungen. Häufen sie sich an bestimmten Stellen, lohnt ein Stützenschutz auch dort.
Darf ich die Traversenhöhe selbst verändern?
Das Umhängen von Traversen ist bei vielen Systemen vorgesehen, verändert aber die Tragfähigkeit. Die zulässige Feldlast hängt vom Abstand der Traversen ab, vor allem vom Abstand zwischen Boden und erster Ebene. Klären Sie jede Änderung vorher mit den Herstellerangaben, passen Sie das Belastungsschild an und lassen Sie den umgebauten Bereich von einer befähigten Person prüfen, bevor er beladen wird.
Was ist der Unterschied zwischen Fachlast und Feldlast?
Die Fachlast ist die zulässige Last auf einem Traversenpaar, also auf einer Ebene eines Felds. Die Feldlast ist die zulässige Gesamtlast aller Ebenen eines Felds zusammen, die über die Stützen abgetragen wird. Beide Werte stehen auf dem Belastungsschild. Wer jede Ebene bis zur Fachlast füllt, kann die Feldlast überschreiten. Deshalb müssen beide Angaben eingehalten werden, und beide gehören in die Unterweisung.
Muss das Palettenregal für die Prüfung leer sein?
Nein. Die Inspektion findet am beladenen Regal statt, damit auch Beladung, Palettenzustand und Durchbiegung unter Last beurteilt werden können. Verdeckte Stützenbereiche hinter Paletten der untersten Ebene prüfen Sie mit Taschenlampe. Nur wenn ein Befund es verlangt, etwa ein roter Schaden, wird das betroffene Feld entladen. Vermerken Sie nicht einsehbare Stellen im Bericht und holen Sie die Prüfung nach, sobald sie frei sind.