Brückenkran prüfen: So prüfen Sie Hallenkran, Kranbahn und Fahrwerke

Was die Prüfung eines Ein- oder Zweiträger-Brückenkrans von anderen Kranen unterscheidet: die Kranbahn über die ganze Halle, zwei Fahrwerke, die Stromzuführung und oft mehrere Krane auf einer Bahn.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 10 Min.
Kurz beantwortet

Einen Brückenkran prüfen Sie jährlich wie jeden Kran, allerdings mit einem Schwerpunkt, den andere Bauarten nicht haben: Kranbahn und Fahrwerke über die ganze Länge der Halle. Dazu kommen Puffer und Endanschläge, die Verbindung von Haupt- und Kopfträgern, die Stromzuführung über Schleifleitung und, wenn mehrere Krane auf einer Bahn fahren, der Kollisionsschutz. Die jährliche Prüfung übernimmt eine befähigte Person, vor der ersten Inbetriebnahme prüft ein Prüfsachverständiger. Für einen Hallenkran mittlerer Größe sind zwei bis vier Stunden realistisch.

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Wer darf einen Brückenkran prüfen?

Brücken- und Wandlaufkrane gehören zu den Kranen, bei denen die wiederkehrende Prüfung vollständig bei der befähigten Person liegt. Nach Anhang 3 der BetrSichV prüft sie mindestens jährlich. Einen Prüfsachverständigen braucht der Brückenkran vor der ersten Inbetriebnahme und nach prüfpflichtigen Änderungen, etwa wenn die Tragfähigkeit erhöht, die Kranbahn verlängert oder ein Hubwerk mit anderen Leistungsdaten eingebaut wird. Rechtswirksam prüft nur, wer Berufsausbildung, Erfahrung mit Kranen und aktuelle Praxis mitbringt und vom Arbeitgeber beauftragt ist. Gerade in Betrieben mit mehreren Hallenkranen sitzt diese Person oft in der eigenen Instandhaltung. Das strukturierte Prüfwissen für Brückenkrane, von der Kranbahn bis zur Überlastsicherung, vermittelt der Online-Kurs zur befähigten Person für Krane. Wer die Prüfung vor der Inbetriebnahme im Detail verstehen will, liest die Seite zur Sachverständigenprüfung.

Wie bereiten Sie die Prüfung eines Brückenkrans vor?

Beim Brückenkran liegt fast alles in großer Höhe, und die Kranbahn ist oft Dutzende Meter lang. Ohne Planung wird die Prüfung zur Kletterpartie. Klären Sie vorab:

  • Zugang: Hubarbeitsbühne mit ausreichender Arbeitshöhe, die sich entlang der Kranbahn verfahren lässt, oder vorhandene Laufstege an Kranbahn und Kranbrücke
  • Stromzuführung: Wer in der Nähe einer offenen Schleifleitung arbeitet, lässt sie vorher von einer Elektrofachkraft freischalten und gegen Wiedereinschalten sichern
  • Weitere Krane auf derselben Bahn: Absprache mit deren Kranführern, gegebenenfalls Sperrung des Nachbarkrans, solange Personen auf der Kranbahn arbeiten
  • Hallenbetrieb: Bereich unter der Kranbrücke absperren, Staplerverkehr umleiten
  • Unterlagen: Prüfbuch, Betriebsanleitung, Angaben zu Spurweite und Kranbahnlänge, falls vorhanden letzte Kranbahnvermessung
  • Prüflast: Nennlast je Hubwerk, bei Zweiträgerkranen mit Haupt- und Hilfshubwerk für beide

Planen Sie die Prüfung für eine Zeit, in der der Kran nicht gebraucht wird, zum Beispiel am Freitagnachmittag oder in der Betriebsruhe.

Brückenkran prüfen Schritt für Schritt

Brückenkran: die Prüfbereiche Katze 1 Kranbahn, Schienen 2 Puffer, Endanschläge 3 Haupt- und Kopfträger 4 Fahrwerke, Laufräder 5 Katze, Hubwerk 6 Schleifleitung (unten) 7 Fahrt über die ganze Bahn
Draufsicht, vereinfacht: Die Kranbrücke mit zwei Hauptträgern fährt auf der Kranbahn, die Katze auf der Brücke.

1. Kranbahn und Schienen prüfen

Die Kranbahn trägt den Kran und alles, was er hebt. Prüfen Sie die Schienen auf Verschleiß am Schienenkopf, auf Risse und auf seitliche Abnutzung, die auf Schräglauf hindeutet. Kontrollieren Sie Klemmplatten und Schrauben der Schienenbefestigung, Schienenstöße auf Höhen- und Seitenversatz und die Kranbahnträger samt Konsolen auf Verformungen. Stützen in Verkehrswegen zeigen oft Anprallspuren von Staplern, die bis in die Kranbahn wirken können.

2. Puffer, Endanschläge und Kollisionsschutz

An beiden Enden der Kranbahn müssen Endanschläge fest sitzen und die Puffer am Kran oder an den Anschlägen vollständig und unbeschädigt sein. Gummipuffer werden mit den Jahren hart und rissig. Fahren mehrere Krane auf derselben Bahn, prüfen Sie zusätzlich die Puffer zwischen den Kranen und, wenn vorhanden, die Abstandssensoren des Kollisionsschutzes durch vorsichtiges Annähern.

3. Hauptträger, Kopfträger und ihre Verbindung

Die Verbindung zwischen Hauptträger und Kopfträger ist beim Brückenkran die höchstbelastete Stelle der Kranbrücke. Kontrollieren Sie dort Schrauben auf festen Sitz, Schweißnähte auf Anrisse und die Träger auf Verformungen, etwa durch Anprall an Hallenteile. Bei Zweiträgerkranen gehört die Katzfahrbahn auf den Hauptträgern dazu, bei Einträgerkranen der Unterflansch, auf dem die Katze läuft. Laufstege auf der Brücke müssen Geländer und Fußleisten haben.

4. Fahrwerke, Laufräder und Antriebe

Ein Brückenkran hat zwei Kranfahrwerke, je eines pro Kopfträger. Prüfen Sie die Laufräder auf Verschleiß an Lauffläche und Spurkranz, die Schienenräumer vor den Rädern, Führungsrollen, falls vorhanden, und die Fahrantriebe auf Dichtheit und Geräusche. Unterschiedlich abgenutzte Spurkränze auf beiden Seiten sind ein deutlicher Hinweis auf Schräglauf.

5. Katze und Hubwerk

Auf der Katze prüfen Sie das Hubwerk mit Seil oder Kette, Seiltrommel, Rollen, Unterflasche und Lasthaken sowie das Katzfahrwerk mit seinen Puffern. Bei Zweiträgerkranen mit Haupt- und Hilfshubwerk wird jedes Hubwerk einzeln geprüft. Wie Seil und Haken im Detail zu beurteilen sind, beschreibt die Anleitung zur Kranprüfung.

6. Stromzuführung und Steuerung

Die Energie kommt beim Brückenkran meist über eine Schleifleitung entlang der Kranbahn, zur Katze über einen Leitungswagen an einem Seil oder einer Schiene. Prüfen Sie Schleifleitung, Stromabnehmer und Halterungen auf Beschädigungen und Brandspuren, die Leitungen am Leitungswagen auf Scheuerstellen. Hängetaster oder Funksteuerung prüfen Sie wie bei jedem Kran, einschließlich Not-Halt.

7. Fahrt über die ganze Kranbahn mit und ohne Last

Fahren Sie den Kran ohne Last einmal über die gesamte Kranbahnlänge und die Katze über die ganze Brücke. Achten Sie auf Ruckeln an Schienenstößen, Schlaggeräusche und seitliches Verlaufen. Testen Sie Fahrendschalter und Vorendschalter an beiden Enden. Danach folgen die Bewegungen mit Nennlast und die Prüfung der Überlastsicherung, bei mehreren Hubwerken für jedes einzeln.

Typische Mängel an Brückenkranen

Die folgenden Befunde sind typisch für Brückenkrane, weil sie mit Kranbahn, Fahrwerk und Stromzuführung zusammenhängen. Sie treten bei Säulenschwenkkranen oder Ladekranen so nicht auf.

MangelErkennungsmerkmalMaßnahme
Schräglauf der Kranbrückeeinseitig blanke Spurkränze, Abrieb an Schienenflanken, QuietschenUrsache klären, gegebenenfalls Kranbahn vermessen lassen, Frist setzen
Lose SchienenbefestigungKlemmplatten locker, Schiene wandert, Rostspuren an SchraubenBefestigung instand setzen lassen, bis dahin Fahrbereich einschränken
Versatz am SchienenstoßSchlag beim Überfahren, Kante am StoßStoß richten lassen, Frist setzen
Puffer verhärtet oder fehltRisse im Gummi, Puffer abgerissenvor Weiterbetrieb ersetzen
Schleifleitung beschädigtverbogene Stromschiene, Brandspuren, abgebrochene HalterElektrofachkraft, bis dahin Kran sperren
Kollisionsschutz ohne WirkungKran fährt beim Annähern an den Nachbarkran ungebremst weiterstillsetzen oder Nachbarkran sperren, instand setzen
Anprallschaden an KranbahnstützeBeule, verbogene Konsole, abgeplatzter AnstrichTragfähigkeit durch Fachleute beurteilen lassen
Laufsteg ohne Geländerfehlende oder lose Geländerteile auf der BrückeLaufsteg nicht betreten, Geländer ergänzen

Viele dieser Mängel entstehen schleichend. Ein Schräglauf, der heute nur Geräusche macht, frisst in wenigen Jahren Laufräder und Schienenköpfe auf, und eine lockere Klemmplatte zieht die nächste nach sich. Notieren Sie deshalb auch kleine Auffälligkeiten mit Ort und Kranbahnabschnitt, damit bei der nächsten Prüfung erkennbar ist, ob sich etwas verändert hat. Wie Sie jeden dieser Befunde einer Mängelstufe zuordnen, zeigt die Seite Kranmängel bewerten.

Checkliste für Brückenkrane

Ergänzend zur allgemeinen Checkliste sollten Sie bei Brückenkranen diese Punkte immer auf der Liste haben:

  • Kranbahn auf ganzer Länge begangen oder befahren
  • Endanschläge und Puffer an beiden Enden, Puffer zwischen Kranen
  • Verbindung Haupt- und Kopfträger, Laufstege, Geländer
  • beide Kranfahrwerke, Spurkränze, Schienenräumer
  • Schleifleitung, Stromabnehmer, Leitungswagen
  • Fahrendschalter, Vorendschalter, Kollisionsschutz
  • jedes Hubwerk einzeln mit Last und Überlastsicherung

Tragen Sie für die Kranbahn am besten Abschnitte ein, zum Beispiel nach Hallenstützen nummeriert. So lässt sich ein Befund später genau wiederfinden. Die vollständige Liste mit allen acht Prüfblöcken steht in der Checkliste zur Kranprüfung.

Dokumentation und Plakette beim Brückenkran

Im Kranprüfbuch halten Sie bei Brückenkranen einige Angaben mehr fest als bei einfachen Kranen. Dazu gehören die Prüfung jedes Hubwerks mit der jeweiligen Prüflast, der Zustand der Kranbahn mit eventuellen Messwerten und, falls der Kran eine Funksteuerung hat, die Prüfung des Senders mit seiner Kennung. Fahren mehrere Krane auf einer Bahn, bekommt jeder sein eigenes Prüfbuch, die Kranbahn wird in jedem Buch mit dem gleichen Befund vermerkt. Die Prüfplakette bringen Sie so an, dass sie vom Kranführer gesehen wird, am Hängetaster oder bei Funkbetrieb an einem Schild neben dem Kranschalter. Eine zweite Plakette an der Kranbrücke, vom Hallenboden aus lesbar, erleichtert Kontrollen durch Berufsgenossenschaft und Sicherheitsfachkraft.

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Welche Fehler passieren bei der Prüfung von Brückenkranen?

  • Kranbahn nur vom Boden aus geprüft: Schienenbefestigung, Stöße und Konsolen lassen sich aus acht Metern Entfernung nicht beurteilen.
  • Nur ein Ende der Kranbahn angesehen: Puffer und Endanschläge gibt es an beiden Enden, und dort, wo selten gefahren wird, sammeln sich Schäden unbemerkt.
  • Schleifleitung nicht freigeschaltet: Arbeiten neben spannungsführenden Stromschienen sind lebensgefährlich. Freischalten gehört zur Vorbereitung.
  • Hilfshubwerk vergessen: Bei Zweiträgerkranen wird oft nur das Haupthubwerk mit Last geprüft.
  • Schräglauf als Normalzustand hingenommen: Quietschen beim Kranfahren gilt vielen als normal. Es verschleißt aber Laufräder und Schienen und kann auf eine verschobene Kranbahn hinweisen. Notieren Sie es und verfolgen Sie die Entwicklung von Prüfung zu Prüfung.

Hängt am Brückenkran ein Kettenzug oder arbeiten Sie mit Traversen und Ketten, gelten für diese Geräte eigene Prüfungen, siehe Prüfung von Anschlagmitteln.

Häufige Fragen zur Prüfung von Brückenkranen

Wie oft muss ein Brückenkran geprüft werden?

Mindestens einmal im Jahr durch eine befähigte Person, so verlangen es DGUV Vorschrift 52 und Anhang 3 der BetrSichV. Bei hoher Auslastung, etwa im Mehrschichtbetrieb oder bei häufigem Heben nahe der Nennlast, sollten die Abstände kürzer sein. Das legt der Betreiber in der Gefährdungsbeurteilung fest. Einen Prüfsachverständigen braucht der Brückenkran nur vor der ersten Inbetriebnahme und nach prüfpflichtigen Änderungen.

Gehört die Kranbahn zur Kranprüfung?

Ja, die Kranbahn wird bei der wiederkehrenden Prüfung mit betrachtet, soweit es um Sichtprüfung und Funktion geht: Schienen, Befestigung, Stöße, Puffer, Endanschläge und erkennbare Schäden an Trägern und Stützen. Eine geometrische Vermessung der Kranbahn gehört nicht zur jährlichen Prüfung. Sie wird bei Auffälligkeiten wie Schräglauf oder nach baulichen Veränderungen der Halle von darauf spezialisierten Fachfirmen durchgeführt.

Muss bei einem Brückenkran jedes Hubwerk mit Last geprüft werden?

Ja. Hat ein Kran ein Haupt- und ein Hilfshubwerk oder zwei Katzen, wird jedes Hubwerk mit seiner eigenen Nennlast geprüft, einschließlich Bremse und Überlastsicherung. Die Tragfähigkeiten stehen auf dem Typenschild und müssen am Kran für jedes Hubwerk erkennbar sein. Werden zwei Hubwerke im Tandembetrieb für eine Last genutzt, gehört auch dieser gemeinsame Betrieb zur Funktionsprüfung.

Ist ein Einträger-Laufkran einfacher zu prüfen als ein Zweiträgerkran?

Er ist meist schneller geprüft, weil nur ein Hauptträger, eine Katze und oft ein Kettenzug als Hubwerk vorhanden sind. Die Prüfpunkte sind aber dieselben: Kranbahn, Puffer, Kopfträger, Fahrwerke, Hubwerk, Stromzuführung und Sicherheitseinrichtungen. Besonderheit beim Einträgerkran ist der Unterflansch, auf dem die Katze läuft. Er verschleißt mit der Zeit und wird auf Abnutzung und Verformung geprüft.

Was ist nach einem Anprall der Kranbrücke zu tun?

Nach einer Kollision mit dem Nachbarkran, einem Endanschlag oder einem Hallenbauteil wird der Kran nicht weiter benutzt, bis eine befähigte Person ihn geprüft hat. Im Fokus stehen die Verbindung von Haupt- und Kopfträgern, Puffer, Fahrwerke und die Kranbahn an der Anprallstelle. Werden Verformungen an tragenden Teilen festgestellt, entscheiden Fachleute über die Instandsetzung. Die Prüfung wird mit Anlass und Befund im Prüfbuch eingetragen.

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
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