Die UVV-Prüfung am Stapler läuft nach dieser Anleitung in acht Schritten ab: Vorgeschichte erfassen, Sichtprüfung außen, Hubgerüst und Gabeln messen, Hydraulik und Antrieb, Fahrerplatz, Funktionsprüfung ohne und mit Last, dann Bewertung und Dokumentation. Für einen Gabelstapler sollten Sie rund eine Stunde einplanen. Geprüft wird auf ebener Fläche, mit abgesenkter Gabel und gesichertem Fahrzeug. Die Plakette kommt erst auf das Fahrzeug, wenn alle Mängel beseitigt sind. Durchführen darf die Prüfung nur eine befähigte Person, die der Arbeitgeber beauftragt hat.
Wer darf die UVV-Prüfung am Stapler durchführen?
Die jährliche Prüfung nach § 37 DGUV Vorschrift 68 ist nur dann rechtswirksam, wenn sie eine befähigte Person durchführt, in der Sprache der Vorschrift ein Sachkundiger. Das setzt nach TRBS 1203 eine technische Berufsausbildung, Erfahrung mit Flurförderzeugen und eine aktuelle Tätigkeit in diesem Bereich voraus. Dazu kommt das Prüfwissen: Welche Grenzwerte gelten für Ketten und Gabeln, wie wird ein Befund bewertet, was gehört ins Protokoll? Genau dieses Wissen vermittelt der Online-Kurs zur befähigten Person für Flurförderzeuge. Anschließend beauftragt der Arbeitgeber die Person schriftlich. Diese Anleitung macht niemanden zum Prüfer, sie hilft aber jedem Prüfer, systematisch und jedes Jahr gleich vorzugehen. Ohne diese Voraussetzungen ist auch eine sorgfältige Prüfung kein gültiger Nachweis. Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, klären Sie mit dem Selbstcheck unter Voraussetzungen für befähigte Personen.
Vorbereitung: Unterlagen, Werkzeug, Sicherheit
Eine gute Vorbereitung spart die Hälfte der Zeit am Fahrzeug. Legen Sie vor dem Termin bereit:
- Unterlagen: Betriebsanleitung des Herstellers, letzter Prüfnachweis, Reparaturberichte, Fahrermeldungen zu Mängeln, Tragfähigkeitsdiagramme der Anbaugeräte
- Messmittel: Messschieber oder Gabelverschleißprüfer, Kettenverschleißlehre oder Maßband für die Längungsmessung, Winkelmesser, Taschenlampe, Profiltiefenmesser für Luftreifen
- Prüflast: eine bekannte Last, zum Beispiel eine gewogene Palette, für die Funktionsprüfung
- Formulare: Prüfprotokoll oder Checkliste, Prüfplaketten, Sperrschild für den Fall eines gefährlichen Mangels
Zur Sicherheit: Prüfen Sie auf ebener, fester Fläche abseits des Verkehrs. Senken Sie die Gabel ab, ziehen Sie die Feststellbremse und ziehen Sie den Schlüssel ab oder trennen Sie die Batterie, bevor Sie unter dem Fahrzeug oder am Hubgerüst arbeiten. Arbeiten unter angehobener Last oder angehobener Gabel sind tabu, auch wenn es schneller ginge.
UVV-Prüfung Stapler Schritt für Schritt
Die Reihenfolge folgt einer einfachen Logik: erst sehen, dann messen, dann bewegen. So entdecken Sie gefährliche Schäden, bevor Sie das Fahrzeug in Betrieb nehmen.
Schritt 1: Fahrzeugdaten und Vorgeschichte erfassen
Notieren Sie Hersteller, Typ, Seriennummer, Baujahr, Tragfähigkeit und Betriebsstunden vom Typenschild und vom Zähler. Lesen Sie den letzten Prüfnachweis: Welche Mängel standen dort, sind sie behoben? Fragen Sie die Fahrer nach Auffälligkeiten wie ruckelnder Lenkung oder Geräuschen beim Heben. Diese fünf Minuten zeigen oft, wo Sie genauer hinschauen müssen.
Schritt 2: Sichtprüfung rund um das Fahrzeug
Gehen Sie einmal um den Stapler herum. Achten Sie auf Risse und Verformungen an Rahmen, Fahrerschutzdach und Gegengewicht, auf lose Schrauben, fehlende Abdeckungen und frische Ölflecken unter dem Fahrzeug. Kontrollieren Sie Reifen auf Schnitte, Ausbrüche und Profiltiefe sowie die Radmuttern. Anfahrschäden an Schutzdachstützen sind ein häufiger, gefährlicher Befund.
Schritt 3: Hubgerüst, Ketten und Gabeln messen
Hier entstehen die meisten sicherheitsrelevanten Mängel. Messen Sie die Längung der Hubketten über eine definierte Gliederzahl und vergleichen Sie mit dem Grenzwert des Herstellers. Prüfen Sie Kettenbolzen, Kettenanker und Kontermuttern. Messen Sie an jeder Gabelzinke die Dicke am Gabelrücken und vergleichen Sie mit der ungenutzten Dicke am Gabelschaft oberhalb der Biegung. Kontrollieren Sie Gabelspitzen auf gleiche Höhe, die Arretierung und den Gabelträger. Laufrollen und Endanschläge des Hubgerüsts gehören ebenfalls dazu.
Schritt 4: Hydraulik, Antrieb und Energieversorgung
Kontrollieren Sie Hydraulikschläuche auf Scheuerstellen und Risse, Zylinder auf Undichtheit und den Ölstand. Beim Elektrostapler prüfen Sie Batteriebefestigung, Batteriestecker, Kabel und die Abdeckung. Beim Dieselstapler kommen Kraftstoffanlage und Abgasanlage hinzu, beim Gasstapler Leitungen, Druckregler und Flaschenhalterung der Flüssiggasanlage.
Schritt 5: Fahrerplatz und Sicherheitseinrichtungen
Prüfen Sie Sitz, Sitzschalter, Rückhaltesystem, Aufstiegshilfen und Haltegriffe. Alle Bedienelemente müssen leichtgängig sein, selbsttätig in die Nullstellung zurückkehren und eindeutig beschriftet sein. Hupe, Beleuchtung, Warnleuchte, Spiegel und Not-Aus werden auf Funktion geprüft. Fehlt das Tragfähigkeitsdiagramm oder ist es unleserlich, ist das ein Mangel.
Schritt 6: Funktionsprüfung ohne Last
Fahren Sie vorwärts und rückwärts, bremsen Sie mit Betriebsbremse und prüfen Sie die Feststellbremse an einer Steigung, sofern vorhanden. Lenken Sie bis in beide Anschläge. Heben, senken und neigen Sie über den vollen Hubweg. Achten Sie auf ruckfreie Bewegungen, ungewöhnliche Geräusche und darauf, dass die Endabschaltungen greifen.
Schritt 7: Funktionsprüfung mit Last
Nehmen Sie die Prüflast auf, heben Sie sie auf eine geringe Höhe und beobachten Sie, ob das Hubgerüst über einige Minuten absinkt oder nach vorn neigt. Prüfen Sie die Senkgeschwindigkeit und die Bremswirkung mit Last. Überschreiten Sie nie die zulässige Tragfähigkeit laut Diagramm.
Schritt 8: Bewerten, dokumentieren, kennzeichnen
Ordnen Sie jeden Befund ein: ohne Mangel, Mangel mit Frist oder gefährlicher Mangel mit sofortiger Stilllegung. Tragen Sie alles ins Protokoll ein. Wie Sie Befunde sicher einstufen, erklärt die Seite Stapler-Mängel bewerten.
Typische Mängel und was zu tun ist
Die folgende Tabelle ordnet die häufigsten Befunde den Prüfschritten zu. Sie zeigt, woran Sie den Mangel erkennen und welche Maßnahme angemessen ist. Maßgeblich sind immer die Grenzwerte des Herstellers.
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Bewertung / Maßnahme |
|---|---|---|
| Hubkette gelängt | Längung über dem Herstellergrenzwert, steife Gelenke, Rost | Kette tauschen, bis dahin stilllegen |
| Gabelzinke verschlissen | Materialverlust am Gabelrücken, Spitzen ungleich hoch | Zinke austauschen, immer paarweise prüfen |
| Riss am Schutzdach | Haarriss an Schweißnaht oder Stütze, Verformung nach Anfahren | sofort stilllegen, Hersteller oder Fachbetrieb |
| Hydraulik undicht | Ölfilm am Zylinder, Tropfen unter dem Fahrzeug, Gerüst sinkt ab | Dichtung oder Schlauch tauschen, Frist nach Ausmaß |
| Bremse schwach | langer Bremsweg, Feststellbremse hält nicht | stilllegen bis zur Instandsetzung |
| Rückhaltesystem defekt | Gurt schließt nicht, Bügel rastet nicht ein | vor weiterem Einsatz instand setzen |
| Diagramm fehlt | kein Tragfähigkeitsschild, unleserlich, Anbaugerät fehlt | Schild beim Hersteller nachbestellen |
Gerade bei Gabeln und Ketten hilft ein Blick auf die Vorjahreswerte. Ein schneller Anstieg der Kettenlängung deutet auf mangelnde Schmierung oder Überlast hin. Das ist ein Hinweis, der über den einzelnen Befund hinausgeht und mit dem Betrieb besprochen werden sollte. Umgekehrt gilt: Ein Mangel, der im Vorjahr mit Frist notiert wurde und jetzt wieder auftaucht, ist ein Organisationsproblem. Halten Sie das im Protokoll fest und klären Sie, wer für die Beseitigung zuständig ist, sonst wiederholt sich der Befund Jahr für Jahr.
Checkliste zum Ausdrucken
Für die Prüfung am Fahrzeug brauchen Sie keine lange Anleitung, sondern eine Liste zum Abhaken, die Sie auf dem Klemmbrett mitnehmen. Die Kurzfassung folgt der Reihenfolge dieser Anleitung, damit Sie am Fahrzeug nicht springen müssen:
- Typenschild, Betriebsstunden, letzter Prüfnachweis
- Rahmen, Schutzdach, Gegengewicht, Räder, Leckagen
- Hubketten, Gabelzinken, Gabelträger, Hubgerüst
- Hydraulik, Batterie oder Motor, Gasanlage
- Sitz, Rückhaltesystem, Bedienelemente, Hupe, Licht
- Fahren, Bremsen, Lenken, Heben, Senken, Neigen
- Lasthaltung und Bremsen mit Prüflast
- Bewertung, Protokoll, Plakette
Die ausführliche Liste mit allen Einzelpunkten je Baugruppe finden Sie in der Checkliste zur UVV-Prüfung Stapler. Beide Listen ergänzen sich: die Kurzfassung für den Überblick, die ausführliche Liste als Nachweis im Protokoll.
Dokumentation und Prüfplakette
Ins Protokoll gehören die Fahrzeugdaten aus Schritt 1, das Prüfdatum, der Prüfumfang einschließlich Anbaugeräten, jeder Befund mit Bewertung, die Messwerte für Ketten und Gabeln, das Gesamtergebnis und Name sowie Unterschrift der befähigten Person. Notieren Sie bei Mängeln, bis wann sie zu beheben sind und wer das bestätigt. Die Messwerte sind wichtig, weil sie den Verschleiß über die Jahre sichtbar machen.
Die Prüfplakette mit dem nächsten Termin kleben Sie erst auf, wenn alle Mängel beseitigt sind. Bei gefährlichen Mängeln bringen Sie stattdessen ein Sperrschild an und informieren den Vorgesetzten sofort. Eine fertige Vorlage mit allen Pflichtfeldern bietet das Prüfprotokoll für Stapler.
Externer Prüfdienst
- 5 Stapler à 100 €
- jedes Jahr erneut
- Termin nach Verfügbarkeit
Eigene befähigte Person
- plus 200 € Arbeitszeit pro Jahr
- Ersparnis 300 € pro Jahr
- Kurs nach ca. 21 Monaten bezahlt
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Welche Fehler passieren bei der Prüfung am häufigsten?
- Nur Sichtprüfung: Wer den Stapler nicht fährt und keine Last hebt, übersieht absinkende Hubgerüste und schwache Bremsen.
- Ketten nicht gemessen: Längung ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Ohne Messung ist die Kettenprüfung wertlos.
- Anbaugeräte vergessen: Klammern, Seitenschieber und Gabelverlängerungen sind prüfpflichtig, auch wenn sie im Regal liegen.
- Plakette trotz offener Mängel: Sie signalisiert dem Fahrer ein sicheres Fahrzeug, das es noch nicht ist.
- Keine Messwerte notiert: Ohne Zahlen lässt sich im nächsten Jahr kein Verschleißtrend erkennen, und nach einem Unfall fehlt der Beleg, dass tatsächlich gemessen wurde.
- Unter angehobener Gabel gearbeitet: Der häufigste Sicherheitsfehler des Prüfers selbst. Hubgerüst immer ganz absenken oder mechanisch sichern.
Welche Besonderheiten bei Frontstaplern gelten, lesen Sie unter Gabelstapler prüfen, für kleine Geräte unter Hubwagen prüfen.
Häufige Fragen zum Ablauf der UVV-Prüfung
Wie lange dauert die UVV-Prüfung eines Staplers?
Für einen Gabelstapler mit Standardausstattung sollten Sie rund eine Stunde einplanen, inklusive Protokoll. Bei Anbaugeräten, Gasantrieb oder einem schlecht zugänglichen Hubgerüst kann es länger dauern. Ein Handhubwagen ist in etwa 15 Minuten geprüft. Mit etwas Routine und gut vorbereiteten Unterlagen sinkt die Zeit pro Fahrzeug spürbar, vor allem wenn mehrere gleiche Modelle hintereinander geprüft werden.
Muss der Stapler für die Prüfung gereinigt werden?
Eine grobe Reinigung ist dringend zu empfehlen. Unter Schmutz, Öl und Staub lassen sich Risse an Schweißnähten, Undichtheiten und Verschleiß an Gabeln kaum erkennen. Stark verschmutzte Hubketten lassen sich zudem nicht zuverlässig messen. Planen Sie die Reinigung am Vortag ein, dann ist das Fahrzeug trocken und der Prüfer kann direkt beginnen, ohne selbst Zeit mit Putzen zu verlieren.
Braucht man für die Prüfung eine Prüflast?
Für die Funktionsprüfung mit Last ist eine bekannte Last sinnvoll, etwa eine gewogene Palette. Nur so lassen sich Lasthaltung, Senkgeschwindigkeit und Bremswirkung unter realistischen Bedingungen beurteilen. Die Last muss nicht der vollen Tragfähigkeit entsprechen, darf sie aber keinesfalls überschreiten. Maßgeblich sind die Angaben im Tragfähigkeitsdiagramm des Staplers und die Vorgaben des Herstellers in der Betriebsanleitung.
Darf der Fahrer die UVV-Prüfung selbst machen?
Nur wenn er gleichzeitig die Anforderungen an eine befähigte Person erfüllt, also eine technische Berufsausbildung, Erfahrung mit der Technik von Flurförderzeugen und aktuelle Praxis mitbringt und vom Arbeitgeber beauftragt ist. Der Staplerschein allein reicht nicht. Die tägliche Einsatzprüfung vor Schichtbeginn ist dagegen ausdrücklich Aufgabe jedes Fahrers und ersetzt die jährliche Prüfung nicht.
Was tun, wenn bei der Prüfung ein gefährlicher Mangel auffällt?
Der Stapler wird sofort stillgelegt: Schlüssel abziehen, Sperrschild anbringen, Vorgesetzten informieren. Die befähigte Person unterliegt bei dieser Entscheidung keinen fachlichen Weisungen. Der Befund wird im Protokoll festgehalten. Nach der Instandsetzung folgt eine erneute Prüfung der betroffenen Baugruppe, erst danach gibt es die Plakette und das Fahrzeug darf wieder eingesetzt werden.