Einen Kettenzug prüfen Sie in acht Schritten: Unterlagen sichten, Gerät sichern, Sichtprüfung, Lastkette messen, Haken und Unterflasche prüfen, Bremse unter Last testen, Sicherheitseinrichtungen und Tragkonstruktion kontrollieren. Am Ende steht die Bewertung mit Eintrag im Prüfbuch und Plakette. Für einen Handkettenzug reichen oft 20 Minuten, ein Elektrokettenzug mit Ermittlung der Nutzungsdauer dauert deutlich länger. Grenzwerte, etwa für die Kettenlängung, entnehmen Sie immer der Betriebsanleitung des Herstellers. Prüfen darf nur eine befähigte Person, die dafür vom Arbeitgeber beauftragt ist.
Wer darf einen Kettenzug prüfen?
Die jährliche Prüfung nach § 23 DGUV Vorschrift 54 führt ein Sachkundiger durch, im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung eine befähigte Person. Rechtswirksam ist die Prüfung nur, wenn diese Person eine passende Berufsausbildung, Erfahrung mit Hebezeugen und eine aktuelle Tätigkeit in diesem Bereich mitbringt und vom Arbeitgeber schriftlich beauftragt ist. Wer nur die Schritte dieser Anleitung abarbeitet, ohne diese Voraussetzungen zu erfüllen, erzeugt ein Protokoll, aber keinen gültigen Prüfnachweis.
In vielen Betrieben ist die richtige Person schon da: der Instandhalter, der Lastketten tauscht, oder der Rigger, der täglich mit Motorkettenzügen arbeitet. Was ihm meist fehlt, ist das strukturierte Prüfwissen, also Prüfkriterien, Ablegereife und Dokumentation. Das vermittelt der Online-Kurs zur befähigten Person für Winden und Hubgeräte. Ob die übrigen Voraussetzungen passen, klärt der Selbstcheck unter Voraussetzungen für befähigte Personen.
Vorbereitung: Was Sie vor der Prüfung bereitlegen
Eine gute Vorbereitung spart die Hälfte der Prüfzeit, weil Sie nicht zwischen Gerät und Werkstatt pendeln müssen. Legen Sie bereit:
- Unterlagen: Betriebsanleitung mit den Nennmaßen und Grenzwerten der Lastkette, Prüfbuch oder Karteikarte, Mängelliste der letzten Prüfung.
- Messmittel: Messschieber, bei Bedarf eine Kettenlehre des Herstellers, Maßband, Fühlerlehre für den Luftspalt der Bremse bei Elektrogeräten.
- Prüflast: eine Last mit bekanntem Gewicht, deren Höhe sich nach der Betriebsanleitung richtet, dazu geprüfte Anschlagmittel.
- Hilfsmittel: Lampe, Reinigungstuch, Kettenöl oder vom Hersteller freigegebenes Schmiermittel, bei hoch hängenden Geräten eine Hubarbeitsbühne.
- Kennzeichnung: Prüfplaketten für das nächste Prüfjahr und ein Sperrschild für Geräte, die nicht bestehen.
Zur Sicherheit gehört außerdem: Bereich unter dem Gerät absperren, Kollegen informieren und bei Elektrogeräten klären, wer bei Bedarf freischaltet. Eingriffe in die elektrische Ausrüstung sind Sache einer Elektrofachkraft.
Kettenzug prüfen Schritt für Schritt
Die Reihenfolge folgt einem einfachen Prinzip: erst ohne Last und von außen nach innen, dann unter Last. So entdecken Sie gefährliche Mängel, bevor Sie das Gerät belasten.
1. Unterlagen und Typenschild abgleichen
Vergleichen Sie Hersteller, Typ, Fabriknummer und Tragfähigkeit auf dem Typenschild mit dem Prüfbuch. Stimmt die Tragfähigkeit am Gerät mit der an der Unterflasche überein? Ist das Typenschild lesbar? Sehen Sie nach, welche Mängel beim letzten Mal notiert wurden und ob sie behoben sind. Ein Gerät ohne erkennbare Tragfähigkeit bestehen Sie nicht, bis die Kennzeichnung ergänzt ist.
2. Gerät entlasten, sichern und reinigen
Nehmen Sie jede Last ab und fahren Sie den Haken in eine gut erreichbare Position. Eine stark verschmutzte oder verharzte Kette reinigen Sie, bevor Sie messen, denn unter Schmutz bleiben Anrisse und Kerben unsichtbar. Beim Elektrokettenzug gilt: Mechanische Prüfpunkte am stillstehenden, gegen Einschalten gesicherten Gerät prüfen.
3. Sichtprüfung von Gehäuse und Aufhängung
Kontrollieren Sie den Aufhängehaken oder die Aufhängeöse, Bolzen und deren Sicherungen, das Gehäuse auf Risse und Verformungen sowie Schrauben auf festen Sitz. Ölspuren am Getriebe deuten auf undichte Dichtungen hin. Beim Handkettenzug prüfen Sie zusätzlich das Handkettenrad und die Handkette, die über den Kettenführungen nicht scheuern darf.
4. Lastkette messen und begutachten
Die Lastkette ist das wichtigste Bauteil. Ziehen Sie sie vollständig durch und betrachten Sie jedes Glied auf Risse, Kerben, Verformung, Korrosion und Schmierung. Messen Sie dann die Längung über die Anzahl von Gliedern, die der Hersteller vorgibt, an der Stelle, die am häufigsten über die Kettennuss läuft. Das ist meist der Bereich, der bei der üblichen Hubhöhe beansprucht wird, nicht das Kettenende. Messen Sie außerdem die Glieddicke. Bei zweisträngigen Geräten darf die Kette nicht verdreht sein, und das Kettenendstück muss vorhanden und gesichert sein.
5. Haken und Unterflasche prüfen
Messen Sie die Hakenmaulweite und vergleichen Sie sie mit dem Ausgangsmaß aus Prüfbuch oder Betriebsanleitung. Eine Aufweitung zeigt, dass der Haken überlastet wurde. Achten Sie auf Verdrehung, Risse und Verschleiß im Hakengrund. Die Sicherungsfalle muss vorhanden sein und selbstständig zurückfedern. Der Haken soll sich leicht drehen lassen, die Kettenrolle in der Unterflasche frei laufen.
6. Funktion und Bremse unter Last testen
Heben und senken Sie zuerst ohne Last über den ganzen Hubweg und achten Sie auf Geräusche, Ruckeln und Kettenspringen. Dann folgt der Test mit Prüflast: Die Last muss in jeder Stellung sicher gehalten werden, ohne nachzurutschen. Beim Handkettenzug prüfen Sie so die Lastdruckbremse, beim Elektrokettenzug die Federdruckbremse mit ihrem Nachlauf nach dem Loslassen des Tasters.
7. Sicherheitseinrichtungen prüfen
Beim Elektrokettenzug gehören dazu die Endschalter für die oberste und unterste Hakenstellung, der Not-Halt, der Steuerschalter mit eindeutigen Richtungssymbolen und die Überlastsicherung, deren Auslöseverhalten Sie nach Herstellerangabe prüfen. Heben muss tatsächlich heben: Stimmen die Fahrrichtungen nicht mit den Symbolen überein, ist die Drehrichtung vertauscht, und die Endschalter wirken nicht. Beim Handkettenzug prüfen Sie, ob eine vorhandene Überlastsicherung funktioniert.
8. Tragkonstruktion, Fahrwerk und Bewertung
Zum Schluss prüfen Sie, woran das Gerät hängt: Träger, Laufschiene, Fahrwerk oder Laufkatze, Puffer und Endanschläge. Bei kraftbetriebenen Kettenzügen ermitteln Sie jetzt den verbrauchten Anteil der theoretischen Nutzungsdauer, wie auf der Seite Elektrokettenzug prüfen beschrieben. Dann bewerten Sie: bestanden, bestanden mit Mängeln und Frist, oder Gerät sofort stilllegen.
Typische Mängel: Woran erkennen Sie einen unsicheren Kettenzug?
Die folgende Tabelle zeigt die Mängel, die bei der jährlichen Prüfung am häufigsten auffallen. Die Maßnahme ist ein Anhaltspunkt, im Einzelfall entscheiden die Herstellerangaben und Ihre fachliche Bewertung. Ausführlich bewertet werden die Befunde auf der Seite Kettenzug-Mängel bewerten.
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Maßnahme |
|---|---|---|
| Kettenlängung | Messwert über der Grenze der Betriebsanleitung, Kette springt auf der Kettennuss | stilllegen, Kette und meist Kettennuss tauschen |
| Anriss oder Kerbe im Glied | feine Linie, Einkerbung nach Kantenkontakt | sofort stilllegen, Kette tauschen |
| Aufgeweiteter Haken | Maulweite größer als Ausgangsmaß, Falle schließt nicht | stilllegen, Haken tauschen |
| Fehlende Sicherungsfalle | Falle abgebrochen oder festgebunden | vor weiterer Nutzung ersetzen |
| Bremse rutscht | Last sinkt unter Prüflast langsam nach | sofort stilllegen, Instandsetzung |
| Trockene oder korrodierte Kette | Flugrost, Knarzen beim Heben | schmieren, bei Narben Kette tauschen |
| Endschalter ohne Funktion | Haken fährt gegen das Gehäuse | stilllegen, Elektrofachkraft |
Besonders ernst nehmen sollten Sie die Kettenlängung. Lastkette und Kettennuss sind beim Kettenzug exakt aufeinander abgestimmt. Längt sich die Kette, liegen die Glieder nicht mehr sauber in den Taschen der Kettennuss, die Kette steigt auf, springt und verschleißt die Nuss zusätzlich. Eine neue Kette auf einer verschlissenen Nuss hält deshalb oft nicht lange. Unterscheiden Sie außerdem zwischen gleichmäßigem Verschleiß, der langsam über Jahre entsteht, und plötzlichen Schäden wie einem aufgeweiteten Haken. Letztere zeigen eine Überlast und sind ein Anlass, auch die übrigen Bauteile besonders genau anzusehen.
Checkliste für die Kettenzug-Prüfung
Für die Prüfung vor Ort hilft eine Liste, auf der Sie jeden Punkt abhaken und Messwerte eintragen. So vergessen Sie auch bei der zwanzigsten Prüfung des Tages keinen Punkt. Die Kurzfassung für einen Kettenzug sieht so aus:
- Typenschild, Tragfähigkeit und Prüfbuch stimmen überein
- Aufhängung, Bolzen, Gehäuse ohne Risse und Verformung
- Lastkette: Längung und Glieddicke gemessen, innerhalb der Grenzwerte
- Haken: Maulweite gemessen, Sicherungsfalle federt zurück
- Bremse hält die Prüflast in jeder Stellung
- Endschalter, Not-Halt, Überlastsicherung funktionieren
- Tragkonstruktion und Fahrwerk in Ordnung
Die vollständige Liste mit allen Gerätetypen finden Sie in der Checkliste für Winden und Hubgeräte.
Was gehört in die Dokumentation, und wohin kommt die Plakette?
Direkt nach der Prüfung tragen Sie das Ergebnis ein, solange die Messwerte frisch sind. In das Prüfbuch gehören Datum, Art der Prüfung, gemessene Werte von Kette und Haken, festgestellte Mängel mit Frist, bei Elektrokettenzügen Betriebsstunden und verbrauchte Nutzungsdauer, das Ergebnis sowie Name und Unterschrift. Wie ein Prüfbuch aufgebaut ist, zeigt die Seite Prüfbuch für Winden und Hubgeräte.
Die Prüfplakette kleben Sie gut sichtbar auf das Gehäuse, nicht auf den Haken, wo sie schnell abreibt. Sie zeigt den Termin der nächsten Prüfung. Besteht ein Gerät nicht, bringen Sie ein deutliches Sperrschild an und nehmen es aus dem Umlauf, damit es nicht versehentlich wieder benutzt wird. Bewahren Sie Prüfbuch und Aufzeichnungen so auf, dass sie bei einer Kontrolle schnell greifbar sind. Allgemeine Hinweise zur Aufbewahrung finden Sie unter Prüfdokumentation.
Häufige Fehler bei der Kettenzug-Prüfung
- Kette am falschen Ende gemessen: Das lose Kettenende ist kaum verschlissen. Wer dort misst, übersieht die Längung im Arbeitsbereich.
- Nur ohne Last geprüft: Eine rutschende Bremse zeigt sich erst unter Last. Ohne Prüflast ist der wichtigste Punkt ungeprüft.
- Handkettenzüge vergessen: Geräte in Servicefahrzeugen und Werkzeugkisten fallen durch das Raster, wenn es keine nummerierte Geräteliste gibt.
- Tragkonstruktion ausgelassen: Der Kettenzug ist in Ordnung, aber der Träger ist verbogen oder der Endanschlag fehlt.
- Mangel ohne Frist notiert: „Kette trocken“ ohne Maßnahme und Termin hilft niemandem. Jeder Mangel braucht eine Konsequenz.
- Nutzungsdauer nicht fortgeschrieben: Beim Elektrokettenzug fehlt der Stand der Betriebsstunden, und niemand merkt, dass die Generalüberholung fällig ist.
Wo Kettenzüge heben, sind Anschlagmittel dabei. Wie Sie diese prüfen, lesen Sie unter Anschlagmittel prüfen. Die rechtlichen Grundlagen fasst die Seite Kettenzug und Winden prüfen zusammen.
Externer Prüfdienst
- 10 Kettenzüge zu je 70 €
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Eigene befähigte Person
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Häufige Fragen zur Kettenzug-Prüfung
Wie lange dauert die Prüfung eines Kettenzugs?
Ein Handkettenzug in gutem Zustand ist in etwa 20 Minuten geprüft, wenn Unterlagen und Messmittel bereitliegen. Ein Elektrokettenzug braucht mehr Zeit, weil Bremse, Endschalter, Steuerung und Überlastsicherung dazukommen und die Nutzungsdauer berechnet wird. Hängt das Gerät hoch an einer Hängebahn, kostet allein der Zugang mit der Hubarbeitsbühne weitere Zeit. Als Mittelwert über alle Geräte sind 30 Minuten realistisch.
Mit welcher Last wird ein Kettenzug geprüft?
Die Höhe der Prüflast richtet sich nach der Betriebsanleitung des Herstellers. Für die wiederkehrende Prüfung genügt in der Regel eine Funktionsprüfung mit einer Last, mit der sich Bremse und Halteverhalten sicher beurteilen lassen. Wer die Überlastsicherung prüft, folgt genau dem Verfahren des Herstellers. Verwenden Sie nur Lasten mit bekanntem Gewicht und geprüfte Anschlagmittel, und halten Sie die Prüflast im Prüfbuch fest.
Wann ist eine Lastkette ablegereif?
Eine Lastkette ist ablegereif, wenn der Messwert der Längung oder die Abnahme der Glieddicke die Grenze aus der Betriebsanleitung erreicht, wenn Risse, Kerben oder bleibende Verformungen sichtbar sind oder wenn starke Korrosion die Oberfläche angegriffen hat. Weil Lastketten in Kettenzügen genau auf die Kettennuss abgestimmt sind, dürfen Sie nur die vom Hersteller freigegebene Kette einbauen, keine Anschlagkette und keine Kette aus dem Baumarkt.
Darf ich einen Kettenzug selbst reparieren?
Einfache Arbeiten wie Schmieren oder das Tauschen einer Sicherungsfalle erledigt die Instandhaltung meist selbst. Der Tausch von Lastkette, Kettennuss oder Bremsteilen erfordert Sachkenntnis und Originalteile nach Herstellerangabe. Nach einer Instandsetzung, die sicherheitsrelevante Teile betrifft, prüft die befähigte Person das Gerät erneut, bevor es wieder genutzt wird. Eingriffe in die Elektrik bleiben immer Sache einer Elektrofachkraft.
Brauche ich für jeden Kettenzug ein eigenes Prüfbuch?
Für Elektrokettenzüge und Elektroseilzüge ist ein eigenes Prüfbuch je Gerät sinnvoll, weil Betriebsstunden und verbrauchte Nutzungsdauer über Jahre fortgeschrieben werden. Für Handkettenzüge und Hebelzüge genügt oft eine Kartei oder eine Geräteliste, in der jede Prüfung mit Datum, Ergebnis und Prüfer steht. Wichtig ist, dass jedes Gerät eine eindeutige Nummer trägt und sich jederzeit eindeutig zuordnen lässt.