Anleitung zur UVV-Prüfung Fahrzeug: So prüfen Sie in 7 Schritten

Eine gründliche UVV-Prüfung an Pkw oder Transporter dauert rund 45 Minuten. Diese Anleitung zeigt die sinnvolle Reihenfolge, was in jedem Schritt zu tun ist und wo die Prüfung am häufigsten zu oberflächlich bleibt.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 11 Min.
Kurz beantwortet

Eine UVV-Prüfung am Fahrzeug läuft nach dieser Anleitung in 7 Schritten ab: Unterlagen, Rundgang außen, Innenraum, Motorraum, Unterboden, Ausrüstung mit Laderaum und Probefahrt. Rechnen Sie mit rund 45 Minuten pro Pkw oder Transporter, bei Fahrzeugen mit Regaleinbau etwas mehr. Prüfen darf nur ein Sachkundiger, also eine befähigte Person mit fahrzeugtechnischer Ausbildung und Erfahrung. Am Ende stehen eine Bewertung jedes Mangels, ein unterschriebenes Protokoll und die Entscheidung, ob das Fahrzeug weiter fahren darf.

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Wer darf die UVV-Prüfung am Fahrzeug durchführen?

§ 57 DGUV Vorschrift 70 verlangt einen Sachkundigen. Rechtswirksam ist die Prüfung deshalb nur, wenn sie eine befähigte Person durchführt: jemand mit fahrzeugtechnischer Berufsausbildung, praktischer Erfahrung an Bremsen, Fahrwerk und Elektrik, aktueller Tätigkeit an Fahrzeugen und einer schriftlichen Beauftragung durch den Arbeitgeber. Diese Anleitung ersetzt keine dieser Voraussetzungen. Sie zeigt den Ablauf, damit eine qualifizierte Person strukturiert und vollständig prüft.

Wer die Technik beherrscht, aber noch nie nach DGUV Vorschrift 70 geprüft hat, dem fehlt meist das Wissen zu Prüfumfang, Mängelbewertung und Dokumentation. Das vermittelt der Online-Kurs befähigte Person Fahrzeuge für 420 €. Die rechtlichen Grundlagen fasst die Seite DGUV Vorschrift 70 einfach erklärt zusammen. Ein Fuhrparkleiter ohne technische Ausbildung kann die Prüfung organisieren, durchführen sollte er sie nicht. Umgekehrt braucht der Prüfer jemanden, der ihm die Fahrzeuge zum Termin bereitstellt.

Vorbereitung: Unterlagen, Werkzeug, Sicherheit

Eine gute Vorbereitung spart auf dem Hof die Hälfte der Zeit. Legen Sie vor dem ersten Fahrzeug bereit:

  • Unterlagen: Zulassungsbescheinigung Teil I, letzter HU-Bericht, letztes UVV-Protokoll mit offenen Mängeln, Mängelmeldungen der Fahrer, Serviceheft oder digitaler Wartungsnachweis.
  • Werkzeug: Profiltiefenmesser, Reifendruckprüfer, Handlampe oder Stirnlampe, Spiegel für verdeckte Stellen, Kreide zum Markieren, Prüfplaketten.
  • Protokoll: ausgedruckt oder als App, mit den Fahrzeugdaten schon eingetragen.
  • Platz: ebene Fläche, gute Beleuchtung, möglichst Grube oder Hebebühne für den Unterboden.
  • Sicherheit: Fahrzeug gegen Wegrollen sichern, Zündschlüssel abziehen, solange Sie unter dem Fahrzeug arbeiten, heiße Bauteile nach der Fahrt abkühlen lassen.

Bitten Sie die Fahrer, Laderaum und Ablagen vorher zu leeren. Ein vollgepackter Transporter lässt sich nicht prüfen. Planen Sie die Fahrzeuge in festen Zeitfenstern ein, dann fehlt keines länger als nötig in der Tour.

UVV-Prüfung Schritt für Schritt

Die Reihenfolge folgt einem einfachen Prinzip: erst stehend von außen nach innen, dann von unten, zuletzt in Fahrt. So müssen Sie das Fahrzeug nur einmal bewegen. Die Minutenangaben sind Richtwerte für einen Pkw oder Transporter ohne Besonderheiten.

Zeitplan: rund 45 Minuten pro Fahrzeug 1 · 5 2 · 8 3 · 7 4 · 5 5 · 10 6 · 5 7 · 5 1 Unterlagen · 2 Rundgang außen · 3 Innenraum · 4 Motorraum 5 Unterboden und Bremsen · 6 Ausrüstung und Laderaum · 7 Probefahrt Zahl hinter dem Punkt: Minuten. Der Unterboden ist der längste und wichtigste Schritt.
Richtwerte für einen Pkw oder Transporter ohne Besonderheiten. Regaleinbau oder Anhängekupplung verlängern Schritt 6.

1. Unterlagen und Vorgeschichte prüfen

Gleichen Sie Kennzeichen und Fahrzeug-Identifizierungsnummer mit der Zulassung ab. Sehen Sie nach, wann die HU fällig ist und ob im letzten UVV-Protokoll Mängel offen geblieben sind. Fragen Sie beim Fahrer oder in der Mängelliste nach, was ihm im Alltag aufgefallen ist. Viele Befunde kündigen sich dort an: ein Quietschen beim Bremsen, eine Warnleuchte, die gelegentlich aufleuchtet.

2. Rundgang außen: Karosserie, Licht, Räder

Gehen Sie einmal um das Fahrzeug. Achten Sie auf scharfkantige Beschädigungen, Risse in der Frontscheibe im Sichtfeld, beschädigte Spiegel und lose Anbauteile. Prüfen Sie alle Leuchten mit einem Helfer oder über die Spiegelung an einer Wand. An jedem Rad messen Sie die Profiltiefe an mehreren Stellen, sehen nach Beulen, Rissen und Fremdkörpern und prüfen den Luftdruck. Rostspuren an Radmuttern können auf eine lockere Radbefestigung hinweisen.

3. Innenraum und Cockpit

Schalten Sie die Zündung ein: Alle Kontrollleuchten müssen kurz aufleuchten und wieder erlöschen, besonders Airbag, ABS und Bremse. Prüfen Sie Hupe, Wischer und Waschanlage. Ziehen Sie jeden Gurt ruckartig heraus, er muss blockieren und sauber aufrollen. Kontrollieren Sie Sitzverriegelung, Kopfstützen, Handbremse und das Spiel der Lenkung im Stand.

4. Motorraum

Kontrollieren Sie Bremsflüssigkeit, Kühlmittel und Motoröl, außerdem die Befestigung der Batterie und sichtbare Leitungen auf Scheuerstellen. Feuchte Stellen deuten auf Undichtigkeiten hin. Bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen beschränken Sie sich an orangefarbenen Hochvoltleitungen auf die Sichtprüfung. Arbeiten daran erfordern eine eigene Qualifikation.

5. Unterboden, Bremsen und Fahrwerk

Dies ist der wichtigste Schritt, weil hier die schweren Mängel liegen. Über Grube oder Hebebühne prüfen Sie Bremsleitungen auf Korrosion, Bremsschläuche auf Risse und Quellungen, Bremsscheiben und Beläge auf Verschleiß. Sehen Sie nach Ölspuren an den Stoßdämpfern, gerissenen Manschetten an Achsgelenken und Antriebswellen, Spiel in der Radaufhängung und nach Durchrostung an Schwellern und Rahmen. Prüfen Sie auch die Befestigung der Abgasanlage.

6. Ausrüstung und Laderaum

Verbandkasten nach DIN 13164 mit gültigem Haltbarkeitsdatum, Warndreieck und Warnwesten müssen vollständig und erreichbar sein. Im Laderaum prüfen Sie Trennwand oder Trennnetz, Zurrpunkte, Regaleinbauten, Befestigungen und die Ladungssicherungsmittel. Was bei Kastenwagen dazukommt, beschreibt die Seite UVV-Prüfung Transporter.

7. Probefahrt mit Bremsprobe

Fahren Sie eine kurze Strecke auf dem Betriebsgelände oder einer ruhigen Straße. Das Fahrzeug muss geradeaus laufen, beim Bremsen darf es nicht schief ziehen. Achten Sie auf Geräusche aus Fahrwerk und Bremsen, auf die Funktion der Kupplung und darauf, dass keine Warnleuchte aufleuchtet. Erst danach steht das Ergebnis fest.

Welche Mängel findet die UVV-Prüfung am häufigsten?

Die folgende Tabelle zeigt Mängel, die bei Pkw und Transportern regelmäßig auffallen, woran Sie sie erkennen und was daraus folgt. Die Bewertung im Einzelfall trifft immer die prüfende Person. Wie Sie Mängel sauber einstufen, erklärt die Seite Fahrzeugmängel bewerten.

Auffällig ist, wie ungleich die Befunde verteilt sind. Kleinigkeiten wie eine fehlende Warnweste oder ein abgelaufener Verbandkasten tauchen oft auf, sind aber in Minuten erledigt. Die wirklich gefährlichen Mängel an Bremsleitungen, Reifenflanken oder Gurten sind seltener, liegen aber fast immer an Stellen, die man nur bei gründlicher Prüfung sieht. Deshalb lohnt sich die Zeit am Unterboden.

MangelErkennungsmerkmalMaßnahme
Bremsleitung korrodiertBlätterrost, abplatzende Schichten, Leitung am Halter angegriffenFahrzeug nicht weiter nutzen, sofort instand setzen
Reifen verschlissen oder beschädigtProfil unter 1,6 mm, Beule an der Flanke, Karkasse sichtbarnicht weiter nutzen, Reifen ersetzen
Gurt defektblockiert nicht, rollt nicht auf, Gurtband eingerissenSitzplatz sperren, Gurt ersetzen
Airbag- oder ABS-Leuchte bleibt anLeuchte erlischt nach dem Start nichtFehler auslesen lassen, kurze Frist
Leuchte ausgefallenBremslicht, Blinker oder Scheinwerfer ohne Funktionvor der nächsten Fahrt ersetzen
Ölverlustfeuchte Stellen an Motor, Getriebe oder DämpferUrsache klären, Frist setzen
Ausrüstung unvollständigVerbandkasten abgelaufen, Warnweste fehltsofort ergänzen, kurz nachprüfen
Trennwand oder Regal loseSchrauben fehlen, Befestigung wackeltvor der nächsten Beladung befestigen

Checkliste zur Anleitung

Für die Arbeit am Fahrzeug hilft eine Kurzfassung der sieben Schritte, die Sie ausdrucken und aufs Klemmbrett legen können. Sie ersetzt nicht das Protokoll, sorgt aber dafür, dass Sie auch beim zehnten Fahrzeug des Tages keinen Schritt überspringen:

  • Unterlagen, offene Mängel, Fahrermeldungen gesichtet
  • Karosserie, Scheiben, Spiegel, alle Leuchten, alle Räder geprüft
  • Kontrollleuchten, Gurte, Sitze, Hupe, Wischer geprüft
  • Flüssigkeiten, Batterie, Leitungen im Motorraum geprüft
  • Bremsleitungen, Schläuche, Fahrwerk, Unterboden geprüft
  • Pflichtausrüstung und Laderaum geprüft
  • Probefahrt mit Bremsprobe durchgeführt

Die ausführliche Liste mit Prüfkriterien für jeden Punkt finden Sie in der Checkliste zur UVV-Prüfung Fahrzeug.

Was gehört ins Protokoll, und wann kommt die Plakette?

Nach der Probefahrt tragen Sie das Ergebnis ein: Datum, Kennzeichen, Kilometerstand, geprüfter Umfang, jeden Mangel mit Bewertung und Frist sowie die Entscheidung, ob das Fahrzeug weiter genutzt werden darf. Name und Unterschrift der prüfenden Person gehören immer dazu. Eine fertige Prüfprotokoll-Vorlage für Fahrzeuge enthält alle Felder.

Die Prüfplakette kleben Sie erst, wenn keine Mängel offen sind, die die Betriebssicherheit gefährden. Üblich ist der Platz im Türrahmen auf der Fahrerseite oder an der B-Säule. Die Plakette zeigt Monat und Jahr der nächsten Prüfung. Wird ein Mangel behoben, vermerken Sie die Nachprüfung mit Datum im selben Protokoll, damit der Nachweis vollständig bleibt. Ein Fahrzeug, das wegen eines gefährlichen Mangels nicht weiter genutzt werden darf, kennzeichnen Sie zusätzlich sichtbar im Cockpit und informieren den Fuhrparkverantwortlichen.

Häufige Fehler bei der UVV-Prüfung

  • Prüfung ohne Unterboden: Wer nur um das Fahrzeug herumgeht, übersieht genau die Mängel, die am gefährlichsten sind.
  • Keine Probefahrt: Schiefziehende Bremsen oder Geräusche im Fahrwerk zeigen sich nur in Fahrt.
  • HU-Bericht als Ersatz: Eine frische HU sagt nichts über Laderaum, Einbauten und Ausrüstung.
  • Laderaum nicht geleert: Zurrpunkte und Regalbefestigungen unter Material bleiben ungeprüft.
  • Protokoll ohne Befund: Ein Kreuz bei „in Ordnung“ für alle Punkte ist im Ernstfall wenig wert. Notieren Sie Messwerte wie die Profiltiefe.
  • Plakette trotz offener Mängel: Sie signalisiert dem Fahrer Sicherheit, die es nicht gibt.

Wer für mehrere Fahrzeuge zuständig ist, sollte die schriftliche Beauftragung klar fassen. Eine Vorlage gibt es unter Beauftragung der befähigten Person. Den Gesamtüberblick zu Pflicht und Fristen bietet die Seite UVV-Prüfung Fahrzeuge.

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Häufige Fragen zur Anleitung

Wie lange dauert eine UVV-Prüfung am Fahrzeug?

Für einen Pkw oder Transporter ohne Besonderheiten sind rund 45 Minuten realistisch, einschließlich Probefahrt und Protokoll. Mit Routine und guter Vorbereitung geht es etwas schneller, bei Transportern mit Regaleinbau, Dachträger und Anhängekupplung dauert es länger. Planen Sie bei mehreren Fahrzeugen am Stück etwas Puffer ein, denn Befunde am Unterboden brauchen Zeit für eine sorgfältige Bewertung.

Brauche ich für die UVV-Prüfung eine Hebebühne?

Vorgeschrieben ist sie nicht, aber der Unterboden muss tatsächlich geprüft werden. Bremsleitungen, Schläuche, Manschetten und Schweller lassen sich nur von unten zuverlässig beurteilen. Geeignet sind eine Grube, eine Hebebühne oder die Bühne einer Partnerwerkstatt. Nur mit Taschenlampe vom Boden aus bleiben wichtige Stellen verdeckt, was im Protokoll dann ehrlich vermerkt werden müsste.

Darf ich bei der UVV-Prüfung Mängel gleich selbst beheben?

Kleine Mängel wie eine fehlende Warnweste oder ein abgelaufener Verbandkasten lassen sich direkt beheben und im Protokoll als erledigt vermerken. Reparaturen an Bremsen, Lenkung oder Fahrwerk sind dagegen Instandsetzung und keine Prüfung. Sie gehören in eine Werkstatt oder zu einer Fachkraft, die dafür zuständig ist. Anschließend wird der reparierte Punkt nachgeprüft und das Ergebnis im Protokoll ergänzt.

Was prüfe ich bei Elektroautos anders?

Der Ablauf bleibt gleich, Bremsen, Reifen, Fahrwerk und Ausrüstung werden genauso geprüft. An orangefarbenen Hochvoltleitungen und Komponenten bleibt es bei einer Sichtprüfung auf Beschädigungen. Arbeiten am Hochvoltsystem erfordern eine eigene Qualifikation für Hochvoltfahrzeuge. Achten Sie zusätzlich auf den Zustand des Ladekabels und darauf, dass keine Warnmeldungen zum Hochvoltsystem angezeigt werden.

Muss der Fahrer bei der Prüfung dabei sein?

Nicht zwingend, aber es ist hilfreich. Der Fahrer weiß, was ihm im Alltag aufgefallen ist, und kann beim Prüfen der Beleuchtung helfen. Außerdem bekommt er die Befunde direkt mit, etwa dass die Trennwand nachgezogen werden muss. Mindestens sollten Sie seine Mängelmeldungen vorher einsehen, denn nach § 36 DGUV Vorschrift 70 ist er verpflichtet, festgestellte Mängel zu melden.

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Die Anleitung zeigt den Ablauf. Rechtsgrundlagen, Prüfkriterien, Mängelbewertung und Dokumentation vermittelt unser Online-Kurs in rund drei Stunden, mit Abschlusstest und Zertifikat.

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
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