Wer eine Anlegeleiter prüfen will, konzentriert sich auf die Holme, die Sprossen und ihre Verbindung zum Holm, die rutschhemmenden Füße und die Traverse, denn Anlegeleitern versagen meist durch Wegrutschen oder durch verformte Holme. Bei Schiebe- und Seilzugleitern kommen Führungsbeschläge, Fallhaken, Seil und Umlenkrolle hinzu. Oben prüfen Sie Holmkappen oder Wandrollen, die den Kontakt zur Anlegefläche herstellen. Die regelmäßige Prüfung übernimmt eine befähigte Person, die Frist legt der Arbeitgeber fest, in der Regel mindestens einmal im Jahr.
Wer darf Anlegeleitern prüfen?
Wie jede Leiter wird auch die Anlegeleiter vor der Benutzung vom Benutzer selbst kurz kontrolliert. Die regelmäßige Prüfung mit Eintrag im Kontrollbuch ist Aufgabe einer befähigten Person, die nach TRBS 1203 eine passende Berufsausbildung, Erfahrung mit Leitern und eine aktuelle Tätigkeit mitbringt und vom Arbeitgeber schriftlich beauftragt ist. Erst ihre Prüfung erfüllt die Pflicht aus § 14 der Betriebssicherheitsverordnung.
Anlegeleitern sind oft lang, schwer und in mehreren Teilen ausgeführt. Wer sie prüft, muss wissen, wie eine Sprossenverbindung im Neuzustand aussieht, welche Überdeckung bei Schiebeleitern vorgeschrieben ist und wann eine Durchbiegung noch normal ist. Dieses Wissen vermittelt der Online-Kurs zur befähigten Person für Leitern in rund drei Stunden. Ausbildung und Berufserfahrung bringen Sie selbst mit, die Beauftragung erteilt der Arbeitgeber.
Vorbereitung: Bauart, Platz und zweite Person
Anlegeleitern lassen sich nicht auf dem Schreibtisch prüfen. Planen Sie vorab:
- Bauart klären: einteilige Anlegeleiter, zwei- oder dreiteilige Schiebeleiter, Seilzugleiter oder Mehrzweckleiter in Anlegestellung. Jede hat eigene Beschläge.
- Platz schaffen: Eine lange Leiter braucht eine freie Fläche, um sie liegend zu peilen, und eine feste Wand, um sie anzulegen.
- Zweite Person: Lange oder mehrteilige Leitern werden zu zweit bewegt und aufgestellt. Das schützt vor Rückenverletzungen und vor Schäden an der Leiter.
- Unterlagen: Gebrauchsanleitung mit Angaben zur Mindestüberdeckung bei Schiebeleitern, zum Anlegewinkel und zu Ersatzteilen.
- Werkzeug: Taschenlampe, Zollstock für Überdeckung und Durchbiegung, Checkliste, Plaketten, Sperranhänger und Handschuhe gegen scharfe Kanten an beschädigten Holmen.
Leitern, die auf Fahrzeugen transportiert werden, sollten Sie direkt am Fahrzeug abholen. Dort sehen Sie gleich, ob die Halterung Holme quetscht oder scheuert.
Anlegeleiter prüfen in sieben Schritten
Die Schritte beginnen an der liegenden Leiter und enden an der angelegten. So finden Sie Verformungen, bevor jemand die Leiter belastet.
Schritt 1: Kennzeichnung und Piktogramme
Typenschild mit Hersteller, Typ, Länge und Belastbarkeit prüfen. Anlegeleitern tragen meist Piktogramme zum Anlegewinkel und zur Benutzung. Sind sie abgerieben, ergänzen Sie sie nach Herstellerangabe, denn sie sind Teil der Benutzerinformation.
Schritt 2: Holme im liegenden Zustand peilen
Legen Sie die Leiter auf ebenen Boden und peilen Sie jeden Holm von beiden Enden aus. Suchen Sie nach seitlichen Krümmungen, Knicken und Beulen, besonders an den Stellen, an denen die Leiter beim Transport aufliegt. Eine gleichmäßige leichte Durchbiegung in Längsrichtung kann bauartbedingt sein, ein Knick nie.
Schritt 3: Sprossen und Sprossenverbindungen
Jede Sprosse wird gegriffen und kräftig gedreht. Bei Aluminiumleitern sind die Sprossen meist verpresst oder gebördelt, die Verbindung darf keine Risse, kein Spiel und keine Verformung zeigen. Prüfen Sie die Trittfläche auf abgenutzte Riffelung.
Schritt 4: Traverse und Fußbereich
Die Traverse oder Fußverbreiterung muss fest montiert, gerade und vollständig sein. Nach der überarbeiteten DIN EN 131 werden Anlegeleitern ab drei Metern Länge mit einer solchen Verbreiterung ausgeliefert. Fußkappen und Leiterschuhe müssen vorhanden sein und Profil haben, Gelenkfüße müssen sich frei bewegen.
Schritt 5: Oberes Leiterende
Holmkappen, Wandrollen oder Einhängehaken stellen den Kontakt zur Anlegefläche her. Sie müssen vollständig, fest und unbeschädigt sein. Fehlende Kappen führen dazu, dass die Leiter oben wegrutscht oder die Wand beschädigt.
Schritt 6: Beschläge bei Schiebe- und Seilzugleitern
Ziehen Sie die Leiter vollständig aus und wieder ein. Führungsbeschläge dürfen nicht verbogen sein, Fallhaken oder Sperrklinken müssen selbsttätig auf jeder Sprosse einrasten. Beim Seilzug prüfen Sie das Seil auf Aufdrehungen und Scheuerstellen und die Umlenkrolle auf Leichtgängigkeit. Die vom Hersteller markierte Mindestüberdeckung muss erkennbar sein.
Schritt 7: Funktionsprobe angelegt
Legen Sie die Leiter im richtigen Winkel an eine feste Wand und belasten Sie die unterste Sprosse. Die Leiter darf nicht verwinden, einseitig aufsitzen oder am Fuß wandern. Bei Schiebeleitern prüfen Sie in dieser Stellung, dass die Fallhaken halten.
Achten Sie bei der Funktionsprobe auch auf Geräusche. Knacken an einer Sprossenverbindung oder ein metallisches Klicken im Beschlag unter Last weist auf eine gelöste Verbindung hin, die im unbelasteten Zustand nicht auffällt. Prüfen Sie außerdem, ob beide Holme gleichmäßig an der Wand anliegen. Liegt nur ein Holm an, ist die Leiter verwunden, auch wenn beim Peilen nichts auffiel. Eine verwundene Leiter dreht sich unter Last aus der Anlage und wird seitlich instabil.
Welche Mängel treten an Anlegeleitern auf?
Die Tabelle zeigt die typischen Befunde an Anlegeleitern. Viele entstehen beim Transport und bei der Lagerung, nicht bei der Benutzung.
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Maßnahme |
|---|---|---|
| Holm seitlich ausgeknickt | Knick oder Welle beim Peilen, oft an Auflagepunkten der Dachträger | aussondern |
| Sprossenverbindung gelöst | Sprosse dreht sich, Riss an der Bördelung | aussondern, außer der Hersteller sieht Instandsetzung vor |
| Traverse verbogen oder lose | Traverse steht schief, Schrauben locker | sperren, Schrauben nach Herstellerangabe festziehen oder Originalteil einbauen |
| Fußkappen abgenutzt | Profil weg, Metall schaut durch | sperren, Originalkappen einbauen, erneut prüfen |
| Holmkappen fehlen | offene Holmenden oben | sperren, Originalteile ergänzen |
| Fallhaken rastet nicht | Haken bleibt hängen oder springt zurück | sperren, Beschlag reinigen oder tauschen nach Herstellervorgabe |
| Zugseil beschädigt | Scheuerstellen, Aufdrehungen, Knoten | sperren, Originalseil einbauen |
Ein Hinweis für die Beurteilung: Anlegeleitern, die regelmäßig auf dem Dach eines Transporters mitfahren, zeigen oft Scheuerstellen und Quetschungen an denselben Stellen. Das ist ein Zeichen, dass Halterung oder Befestigung angepasst werden sollten. Weisen Sie die Verantwortlichen darauf hin, sonst finden Sie im nächsten Jahr dieselben Schäden. Bei Holzanlegeleitern kommen Risse entlang der Faser und lockere Sprossenkeile hinzu, bei Kunststoffleitern Risse und Faserausbrüche an den Holmenden. Beides führt in der Regel zur Aussonderung. Notieren Sie bei Transportschäden auch das Fahrzeug, damit sich die Ursache abstellen lässt. Das Vorgehen bei gesperrten Leitern beschreibt die Seite Leiter aussondern.
Checkliste Anlegeleiter zum Ausdrucken
Die Kurzfassung für den Prüftag: Typenschild und Piktogramme lesbar, Holme gerade ohne Knick, jede Sprosse fest, Traverse fest und gerade, Fußkappen mit Profil, Holmkappen oder Wandrollen vollständig, bei Schiebeleitern Führungen, Fallhaken, Seil und Rolle in Ordnung, Mindestüberdeckung markiert, Funktionsprobe angelegt ohne Verwinden. Drucken Sie diese Seite oder speichern Sie sie als PDF. Die vollständige Liste für alle Bauarten finden Sie in der Checkliste zur Leiterprüfung. Für Schiebeleitern ergänzen Sie die Zahl der Leiterteile und die Art des Auszugs, also Schub oder Seilzug.
Externer Prüfdienst
- 45 Leitern und Tritte zu 15 €
- plus 40 € Anfahrt
- jedes Jahr erneut
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs, ca. 3 Stunden
- plus ca. 300 € Prüfzeit im Jahr
- Prüfung auch direkt am Fahrzeug
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Dokumentation und Plakette bei Anlegeleitern
Im Kontrollbuch halten Sie neben Datum, Umfang, Ergebnis, Name und Unterschrift auch die Bauart und die Länge fest, bei Schiebeleitern die Zahl der Leiterteile. Wird ein Leiterteil einer mehrteiligen Leiter ausgesondert, muss das im Eintrag eindeutig stehen, denn die verbleibenden Teile dürfen nur dann weiter genutzt werden, wenn der Hersteller das zulässt.
Die Plakette kommt an einen Holm des unteren Leiterteils in Augenhöhe, außerhalb der Bereiche, an denen Halterungen oder Transportgurte anliegen. Bei Schiebeleitern mit getrennt nutzbaren Teilen erhält jedes Teil eine eigene Nummer und Plakette. Wie Sie das Kontrollbuch aufbauen, beschreibt die Seite zum Leiterkontrollbuch. Vermerken Sie bei Fahrzeugleitern zusätzlich das Kennzeichen des Fahrzeugs als Standort. So finden Sie die Leiter bei der nächsten Prüfrunde schneller wieder.
Häufige Fehler bei der Prüfung von Anlegeleitern
- Mindestüberdeckung nicht kontrolliert: Fehlt die Markierung bei Schiebeleitern, wissen Benutzer nicht, wie weit sie ausziehen dürfen.
- Nur angelehnt prüfen: An der Wand sind seitliche Knicke kaum zu sehen. Peilen Sie immer liegend.
- Obere Enden vergessen: Holmkappen und Wandrollen sind bei langen Leitern schwer erreichbar und werden deshalb gern übersprungen.
- Schiebeleiter nicht ausgezogen: Fallhaken und Führungen lassen sich nur im ausgezogenen Zustand beurteilen.
- Transportschäden als Normalzustand hinnehmen: Quetschungen durch Dachträger sind Mängel, keine Gebrauchsspuren.
- Allein mit langen Leitern hantieren: Beim Aufstellen einer langen Leiter ohne Hilfe entstehen genau die Schäden, die man sucht.
- Veraltete Leitern ohne Traverse nicht hinterfragen: Sie dürfen oft weiter benutzt werden, die Gefährdungsbeurteilung sollte aber klären, ob eine standsicherere Leiter besser wäre.
Den Unterschied zur Prüfung von Stehleitern zeigt die Seite Stehleiter prüfen, Pflicht und Fristen die Übersicht zur Leiterprüfung.
Häufige Fragen zur Prüfung von Anlegeleitern
Wie oft muss eine Anlegeleiter geprüft werden?
Die Frist legt der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung fest, die DGUV Information 208-016 empfiehlt als Orientierung mindestens eine Prüfung im Jahr. Anlegeleitern, die täglich auf Fahrzeugen transportiert oder auf Baustellen genutzt werden, sind stärker beansprucht und sollten öfter geprüft werden. Nach einem Wegrutschen, Umfallen oder einer Überlastung ist eine außerordentliche Prüfung durch die befähigte Person nötig.
Muss ich eine alte Anlegeleiter ohne Traverse austauschen?
Nicht zwingend. Die Pflicht zur Traverse ab drei Metern Länge betrifft Leitern, die nach der überarbeiteten Norm hergestellt werden. Ältere Leitern dürfen in der Regel weiter benutzt werden, wenn sie sicher sind. Die Gefährdungsbeurteilung sollte aber prüfen, ob eine Leiter mit Fußverbreiterung für die Tätigkeit sicherer wäre. Viele Hersteller bieten Traversen zum Nachrüsten für ihre Modelle an.
Welcher Anlegewinkel ist richtig?
Anlegeleitern mit Sprossen werden im Winkel von 65 bis 75 Grad angelegt. Ist der Winkel flacher, rutscht der Fuß leichter weg, ist er steiler, kippt die Leiter eher nach hinten. Viele Leitern tragen ein Piktogramm oder eine Winkelanzeige am Holm. Eine einfache Faustregel ist die Ellenbogenprobe: Die ausgestreckte Hand erreicht die Sprosse in Schulterhöhe, wenn man am Leiterfuß steht.
Dürfen die Teile einer Schiebeleiter einzeln benutzt werden?
Das hängt vom Hersteller ab. Manche Schiebeleitern sind so gebaut, dass die Teile auch einzeln als Anlegeleiter genutzt werden können, dann haben die oberen Teile eigene Füße. Bei anderen ist das nicht vorgesehen. Die Gebrauchsanleitung gibt Auskunft. Werden Teile einzeln genutzt, erhält jedes Teil eine eigene Inventarnummer und wird im Kontrollbuch getrennt geführt.
Darf eine Anlegeleiter als Arbeitsplatz genutzt werden?
Nur eingeschränkt. Nach TRBS 2121 Teil 2 sind Leitern als Arbeitsplatz nur zulässig, wenn die Gefährdungsbeurteilung kein sichereres Arbeitsmittel ergibt, und dann nur für Arbeiten geringen Umfangs mit begrenzter Standhöhe. Für längere Arbeiten sind Gerüste oder Hubarbeitsbühnen die bessere Wahl. Die Prüfung der Leiter ersetzt diese Beurteilung des Einsatzes nicht.