Die UVV-Prüfung im Pflegedienst ist Pflicht: Jeder Dienstwagen muss nach DGUV Vorschrift 70 mindestens einmal jährlich von einer befähigten Person geprüft werden, und das kann ein eigener Mitarbeiter übernehmen. Voraussetzung ist eine fahrzeugtechnische Berufsausbildung mit Erfahrung, die es in Pflegediensten nicht immer gibt. Wo ein Fuhrparkverantwortlicher mit Kfz-Hintergrund vorhanden ist, vermittelt der Online-Kurs für 420 € das Prüfwissen. Ab etwa 20 Fahrzeugen rechnet sich das meist innerhalb eines Jahres.
Welche Prüfpflichten gelten für Fuhrpark und Pflegedienste?
Für einen ambulanten Pflegedienst ist das Auto das wichtigste Arbeitsmittel. Pflegekräfte fahren täglich viele kurze Strecken, oft im Frühdienst ab sechs Uhr, bei Dunkelheit, Glätte und unter Zeitdruck. Ein defektes Licht, abgefahrene Reifen oder eine lose Ladung im Kofferraum sind unter diesen Bedingungen ein echtes Risiko für die Beschäftigten.
Deshalb gilt für Dienstfahrzeuge dasselbe wie für jedes andere Arbeitsmittel: Sie müssen regelmäßig geprüft werden. Die DGUV Vorschrift 70 verlangt in § 57, dass Fahrzeuge bei Bedarf, mindestens aber einmal jährlich durch einen Sachkundigen, heute befähigte Person genannt, auf ihren betriebssicheren Zustand geprüft werden. Das gilt für eigene, geleaste und langfristig gemietete Fahrzeuge gleichermaßen. Die Pflicht trifft den Unternehmer, der die Fahrzeuge seinen Beschäftigten zur Verfügung stellt, nicht den Leasinggeber.
Die UVV-Prüfung ist dabei unabhängig von der Hauptuntersuchung. Die HU prüft die Verkehrssicherheit nach Straßenverkehrsrecht, die UVV-Prüfung den arbeitssicheren Zustand, etwa Sitze, Rückhaltesysteme, Warnwesten, Verbandkasten, Ladungssicherung und Einstiege. Zusätzlich müssen Fahrer vor Fahrtantritt die wichtigsten Funktionen selbst kontrollieren. Einen Überblick über alle Pflichten gibt die Seite zur UVV-Prüfung von Fahrzeugen.
Typische Arbeitsmittel in Pflegediensten und Fuhrparks
Im Vergleich zu Industrie oder Handwerk ist die Liste kurz. Umso wichtiger ist, dass die wenigen Arbeitsmittel lückenlos erfasst sind, denn der Fuhrpark ist oft groß und verteilt auf mehrere Standorte oder sogar auf die Wohnorte der Mitarbeitenden.
| Arbeitsmittel | Regelwerk | Frist | Kurs | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Kleinwagen, Kombis, Transporter unter 3,5 t | DGUV Vorschrift 70 § 57 | mind. jährlich | Fahrzeuge | 420 € |
| Tritte und Stehleitern in Büro und Materiallager | DGUV Information 208-016 | nach Gefährdungsbeurteilung, meist jährlich | Leitern & Tritte | 275 € |
Drei Besonderheiten sollten Sie kennen. Erstens: Fahrzeuge, die Mitarbeitende mit nach Hause nehmen, müssen trotzdem zum Prüftermin verfügbar sein. Zweitens: Bei Fahrdiensten mit Rollstuhl-Hubladebühne ist die Bühne in der Regel ein eigenes prüfpflichtiges Arbeitsmittel, das nach den Regeln für Hebebühnen geprüft wird. Drittens: Mobile Ladekabel von Elektrofahrzeugen gehören zur Prüfung elektrischer Betriebsmittel durch eine Elektrofachkraft und sind nicht Teil unserer Kurse. Für Fahrzeuge über 3,5 t sind zusätzliche Kenntnisse nötig, die der Fahrzeug-Kurs nicht vermittelt. Die passende Auswahl trifft der Kurs-Finder mit Fahrzeugen und Leitern.
Typische Risiken im Pflegedienst-Fuhrpark
Die Risiken im Fuhrpark eines Pflegedienstes entstehen weniger durch hohe Laufleistungen als durch die Art der Nutzung.
Poolfahrzeuge ohne festen Fahrer
Wechseln die Fahrer täglich, fühlt sich niemand für das einzelne Fahrzeug verantwortlich. Eine flackernde Bremsleuchte oder ein Nagel im Reifen wird bemerkt, aber nicht gemeldet. Die jährliche Prüfung ist dann oft der einzige Termin, an dem jemand das Fahrzeug systematisch ansieht.
Kurzstrecken, Bordsteine und Parkrempler
Viele kurze Fahrten, enge Wohnstraßen und häufiges Einparken führen zu Schäden an Reifenflanken, Felgen, Spiegeln und Stoßfängern. Dazu kommen Batterien, die im Kurzstreckenbetrieb im Winter schnell schwach werden, und Scheibenwischer, die bei vielen Fahrten im Dunkeln stark beansprucht sind.
Ungesicherte Ladung
Pflegetaschen, Rollatoren, Inkontinenzmaterial oder Getränkekisten liegen oft lose im Kofferraum oder auf dem Rücksitz. Bei einer Vollbremsung werden sie zum Geschoss. Die Prüfung umfasst deshalb auch Zurrpunkte, Trennnetze und die Frage, ob die Ausstattung zur Nutzung passt. Die Seite UVV-Prüfung beim Firmenwagen zeigt die einzelnen Prüfpunkte.
Fahrzeuge an mehreren Standorten
Größere Pflegedienste und soziale Träger verteilen ihre Fahrzeuge auf mehrere Stationen oder lassen sie über Nacht bei den Mitarbeitenden. Dann fehlt der zentrale Blick auf den Zustand der Flotte, und Fristen werden leicht überschritten. Eine Fahrzeugliste mit Standort, Kennzeichen und Prüfdatum sowie fest vereinbarte Prüftage je Station sorgen dafür, dass kein Wagen durchrutscht.
Was kostet die externe UVV-Prüfung im Pflegedienst pro Jahr?
Als Musterbetrieb dient ein ambulanter Pflegedienst mit 45 Beschäftigten, 24 geleasten Kleinwagen und sechs Leitern und Tritten im Büro und im Materiallager. Gerechnet wird mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben, und 40 € pro Stunde für die eigene Prüfzeit.
| Arbeitsmittel | Externe Prüfung pro Jahr | Eigene Prüfzeit pro Jahr |
|---|---|---|
| 24 Fahrzeuge | 24 × 50 € = 1.200 € | 24 × 45 Min. = 18 Std. = 720 € |
| 6 Leitern und Tritte | 6 × 15 € + 40 € Anfahrt = 130 € | 6 × 10 Min. = 1 Std. = 40 € |
| Summe | 1.330 € | 760 € |
Die ehrliche Bilanz: Die jährliche Differenz beträgt 570 €. Beide Kurse zusammen für 695 € sind nach knapp 15 Monaten bezahlt (695 € ÷ 47,50 € pro Monat). Nur der Fahrzeug-Kurs für 420 € rechnet sich nach gut 10 Monaten (420 € ÷ 40 € pro Monat). Nicht eingerechnet sind die Fahrten zur externen Prüfstelle: Wenn jeder Wagen dafür eine Stunde ausfällt, fehlt er in der Tourenplanung. Rechnen Sie mit Ihren Zahlen im Kostenrechner für Fahrzeuge.
Externer Prüfdienst
- 24 Fahrzeuge, 6 Leitern
- jedes Jahr erneut
- Fahrzeuge fallen für die Prüfung aus
Eigene befähigte Person
- 2 Online-Kurse
- plus ca. 760 € eigene Prüfzeit
- nach knapp 15 Monaten bezahlt
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Die Lösung: eigene befähigte Person für den Fuhrpark
Die größte Hürde im Pflegedienst ist nicht der Preis, sondern die passende Person. Die TRBS 1203 verlangt für die Fahrzeugprüfung eine Berufsausbildung, die zum Arbeitsmittel passt, also typischerweise einen Kfz-Beruf, dazu Erfahrung und eine aktuelle Tätigkeit mit Fahrzeugen. Eine Pflegefachkraft erfüllt das in aller Regel nicht, auch nicht nach einem Kurs. Wir sagen das deutlich, weil ein Kurs keine fehlende Berufsausbildung ersetzt.
Anders sieht es aus, wenn der Betrieb einen Hausmeister, Fuhrparkverantwortlichen oder Haustechniker mit Kfz-Ausbildung beschäftigt. Das ist bei größeren Trägern, Sozialstationen mit mehreren Standorten und Betrieben mit Außendienstflotten häufiger der Fall, als man denkt. Für diese Person empfehlen wir:
- Fahrzeuge unter 3,5 t (420 €): Rechtsgrundlagen, Prüfpunkte von Bremse bis Laderaum, Abgrenzung zur HU und Dokumentation nach DGUV Vorschrift 70. Abschlusstest mit 35 Fragen.
- Leitern und Tritte (275 €): optional, wenn im Büro, im Lager oder in betreuten Wohnformen Leitern im Einsatz sind.
Ob Ihr Kandidat passt, zeigt der Selbstcheck unter Voraussetzungen für befähigte Personen. Gibt es niemanden mit passender Ausbildung, bleibt der externe Prüfer die richtige Lösung.
Praxisbeispiel: Ein Pflegedienst organisiert seinen Fuhrpark neu
Der Musterbetrieb hat die UVV-Prüfung bisher an die Leasingwerkstatt vergeben. Dafür musste jeder Wagen einzeln hingefahren und wieder abgeholt werden, meist von Pflegekräften zwischen zwei Touren. Mehrere Fahrzeuge waren über die Frist hinaus ungeprüft, weil sie im Tagesgeschäft nicht zu entbehren waren.
- Person finden: Der Hausmeister des Pflegedienstes ist gelernter Kfz-Mechatroniker und hat zehn Jahre in einer Werkstatt gearbeitet. Er pflegt die Fahrzeuge bereits, wechselt Wischerblätter und kümmert sich um Reifenwechsel.
- Kurse belegen: Er absolviert den Fahrzeug-Kurs und den Leitern-Kurs online, an zwei Nachmittagen.
- Prüfplan aufstellen: Jeden Dienstag werden zwei Fahrzeuge in der Mittagspause zwischen Früh- und Spätdienst auf dem Hof geprüft. So sind alle 24 Wagen innerhalb von drei Monaten durch, ohne dass eine Tour ausfällt.
- Mängel sofort beheben: Kleinigkeiten wie Leuchtmittel oder fehlende Warnwesten erledigt er direkt, größere Mängel gehen in die Leasingwerkstatt.
Hinweise zur Organisation größerer Flotten finden Sie auf der Seite Fuhrpark-UVV organisieren. Wer zusätzlich Hebebühnen betreibt, findet mehr unter Kfz-Werkstatt.
Häufige Fragen zur UVV-Prüfung im Pflegedienst
Muss ein geleaster Dienstwagen auch UVV-geprüft werden?
Ja. Die Prüfpflicht nach DGUV Vorschrift 70 trifft den Unternehmer, der das Fahrzeug seinen Beschäftigten zur Verfügung stellt. Ob das Fahrzeug gekauft, geleast oder langfristig gemietet ist, spielt keine Rolle. Viele Leasingverträge enthalten die UVV-Prüfung nicht automatisch. Prüfen Sie deshalb Ihren Vertrag und legen Sie fest, wer die Prüfung organisiert, dokumentiert und die Nachweise im Betrieb aufbewahrt.
Darf eine Pflegedienstleitung die Fahrzeuge prüfen?
In aller Regel nicht. Für die UVV-Prüfung von Fahrzeugen verlangt die TRBS 1203 eine passende Berufsausbildung, typischerweise einen Kfz-Beruf, verbunden mit Erfahrung und aktueller Tätigkeit an Fahrzeugen. Eine Pflegeausbildung erfüllt das nicht, und ein Kurs kann die fehlende Ausbildung nicht ersetzen. Die Pflegedienstleitung kann aber die Organisation übernehmen: Termine, Fristen, Dokumentation und die Zusammenarbeit mit dem Prüfer.
Reicht die Hauptuntersuchung beim TÜV nicht aus?
Nein. Die Hauptuntersuchung prüft die Verkehrssicherheit nach Straßenverkehrsrecht, die UVV-Prüfung den arbeitssicheren Zustand für die Beschäftigten. Dazu gehören etwa Ladungssicherung, Sitze, Warnwesten, Verbandkasten und Einstiege. Beide Prüfungen haben unterschiedliche Ziele, Fristen und Nachweise. Viele Prüforganisationen bieten die UVV-Prüfung zusätzlich an, sie muss aber ausdrücklich beauftragt und dokumentiert werden. Fragen Sie beim nächsten HU-Termin gezielt danach, dann lassen sich beide Prüfungen an einem Tag erledigen.
Was müssen Fahrer selbst kontrollieren?
Vor Fahrtantritt kontrolliert der Fahrer die wichtigsten Funktionen auf erkennbare Mängel: Beleuchtung, Reifen, Scheiben, Spiegel, Bremsen und die Ladung. Das ist keine Prüfung im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung, sondern eine kurze Sichtkontrolle, auf die die Fahrer in der jährlichen Unterweisung hingewiesen werden sollten. Festgestellte Mängel melden sie sofort, damit das Fahrzeug nicht unbemerkt weiter genutzt wird.
Ab wie vielen Fahrzeugen lohnt sich ein eigener Prüfer?
Nach unseren Richtwerten spart ein eigener Prüfer pro Fahrzeug rund 20 € im Jahr, weil die eigene Prüfzeit von etwa 45 Minuten eingerechnet ist. Bei 24 Fahrzeugen ist der Fahrzeug-Kurs für 420 € nach gut 10 Monaten bezahlt, bei zehn Fahrzeugen erst nach etwa zwei Jahren. Wichtiger als die reine Ersparnis ist oft, dass kein Fahrzeug mehr zur Prüfung aus der Tour genommen werden muss.