Befähigte Person im Handwerk: Leitern, Transporter und Arbeitsbühnen im eigenen Betrieb prüfen

Im Handwerk sind Leiter und Transporter die wichtigsten Arbeitsmittel, und beide sind ständig unterwegs. Hier lesen Sie, welche Prüfungen gelten, wer im Betrieb prüfen darf und wann sich ein eigener Prüfer rechnet.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 10 Min.
Kurz beantwortet

Eine befähigte Person im Handwerk prüft vor allem Leitern und Tritte, oft auch die Transporter des Betriebs, und beides kann ein eigener Meister oder Mitarbeiter übernehmen. Leitern werden in Fristen nach Gefährdungsbeurteilung geprüft, meist jährlich, Fahrzeuge mindestens jährlich nach DGUV Vorschrift 70. Für die Leitern passt fast jede handwerkliche Ausbildung, für die Fahrzeuge braucht es eine fahrzeugtechnische. Der Leitern-Kurs kostet 275 €, zusammen mit dem Fahrzeug-Kurs 695 €.

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Welche Prüfpflichten gelten im Handwerk?

Ob Maler, Elektriker, Sanitärinstallateur, Dachdecker oder Tischler: Im Handwerk gehört die Leiter zum Grundwerkzeug. Sie wird täglich auf- und abgeladen, auf Kundenbaustellen unter wechselnden Bedingungen eingesetzt und oft von mehreren Kolleginnen und Kollegen genutzt. Gleichzeitig sind Stürze von Leitern eine der häufigsten Ursachen für schwere Arbeitsunfälle im Handwerk. Entsprechend genau schauen die Berufsgenossenschaften bei Betriebsbesichtigungen hin.

Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt, dass Leitern wiederkehrend von einer befähigten Person geprüft werden. Wie oft, legt der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung fest. Die DGUV Information 208-016 beschreibt, was dabei geprüft wird. Bei starker Beanspruchung, wie sie im Handwerk die Regel ist, sind kürzere Abstände als ein Jahr sinnvoll. Hinzu kommen die Transporter und Servicewagen: Sie sind nach DGUV Vorschrift 70 mindestens jährlich zu prüfen, unabhängig von der Hauptuntersuchung.

In vielen Handwerksbetrieben gibt es außerdem einzelne Spezialgeräte wie eine Anhängerarbeitsbühne, ein Rollgerüst oder einen Materialaufzug. Für diese gelten eigene Prüfvorgaben. Einen Überblick über die Leiterprüfung bietet die Seite Leiterprüfung nach DGUV Information 208-016.

Typische Arbeitsmittel im Handwerksbetrieb

Die folgende Tabelle zeigt die prüfpflichtigen Arbeitsmittel, die in den meisten Handwerksbetrieben vorkommen, und die dazu passenden Kurse:

ArbeitsmittelRegelwerkFristKursPreis
Mehrzweckleitern, Stehleitern, Anlegeleitern, TritteDGUV Information 208-016nach Gefährdungsbeurteilung, meist jährlichLeitern & Tritte275 €
Transporter, Kastenwagen, Servicewagen unter 3,5 tDGUV Vorschrift 70 § 57mind. jährlichFahrzeuge420 €
Anhängerarbeitsbühnen, ScherenbühnenDGUV Grundsatz 308-002mind. jährlichHebebühnen550 €

Je nach Gewerk gibt es Besonderheiten. Elektrohandwerker arbeiten mit Leitern aus isolierendem Material, deren Holme bei der Prüfung besonders auf Risse und Beschädigungen der Oberfläche untersucht werden. Maler und Stuckateure nutzen häufig Rollgerüste, die nach jedem Aufbau kontrolliert werden müssen. Dachdecker setzen Schrägaufzüge ein, die unter andere Regelwerke fallen und in unseren Kursen nicht behandelt werden. Auch elektrische Handmaschinen und Verlängerungsleitungen gehören zur Prüfung durch eine Elektrofachkraft, nicht zur Leiterprüfung. Die gängige Kombination für Handwerksbetriebe wählt der Kurs-Finder für das Handwerk vor.

Für Betriebe, die Leitern an Kunden verleihen oder bei Kunden stehen lassen, gilt: Auch diese Leitern bleiben Arbeitsmittel des Betriebs und gehören in den Prüfplan.

Typische Risiken und Unfälle im Handwerk

Die Schadensbilder im Handwerk haben eine gemeinsame Ursache: Leitern und Fahrzeuge sind ständig in Bewegung und werden von vielen Händen genutzt.

Transportschäden an Leitern

Leitern auf dem Dachträger sind Fahrtwind, Regen und Vibrationen ausgesetzt. Spanngurte drücken auf die Holme, beim Abladen schlagen Leitern auf Bordsteine. Verbogene Holme, lockere Sprossen und abgenutzte Fußkappen sind die Folge. Wie man solche Mängel erkennt, beschreibt die Seite Leiter-Mängel erkennen und aussondern.

Ungesicherte Ladung im Transporter

Rohre, Werkzeugkoffer, Farbeimer und Maschinen werden im Laderaum oft nur abgestellt. Bei einer Vollbremsung verlagert sich die Ladung nach vorn. Die Fahrzeugeinrichtung mit Regalen und Schubladen muss deshalb fest verbaut sein, und Zurrpunkte müssen vorhanden und intakt sein.

Improvisierte Aufstiege auf der Kundenbaustelle

Fehlt beim Kunden eine passende Leiter, wird zur zu kurzen Leiter oder zum Tritt auf einem Tisch gegriffen. Das ist keine Frage der Prüfung, wohl aber der Ausstattung: Wer seine Leitern regelmäßig prüft, weiß auch, ob für jede Kolonne die passenden Längen vorhanden sind.

Fahrzeugeinrichtungen nach eigenem Umbau

Viele Handwerksbetriebe bauen Regale und Schubladen im Transporter selbst ein oder übernehmen Einrichtungen aus dem Vorgängerfahrzeug. Sind sie nicht fachgerecht an den vorgesehenen Punkten befestigt, können sie sich bei einem Unfall lösen. Bei der UVV-Prüfung wird deshalb auch die Befestigung der Einbauten kontrolliert, ebenso die zulässige Zuladung, die bei voll beladenen Servicewagen schnell überschritten ist.

Was kostet die externe Prüfung im Handwerksbetrieb pro Jahr?

Als Musterbetrieb dient ein Betrieb für Sanitär, Heizung und Klima mit 30 Beschäftigten. Er besitzt 60 Leitern und Tritte, verteilt auf Lager und Fahrzeuge, und 14 Transporter und Servicewagen unter 3,5 t. Eine Arbeitsbühne wird bei Bedarf gemietet. Gerechnet wird mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben, und 40 € pro Stunde für die eigene Prüfzeit.

ArbeitsmittelExterne Prüfung pro JahrEigene Prüfzeit pro Jahr
60 Leitern und Tritte60 × 15 € + 40 € Anfahrt = 940 €60 × 10 Min. = 10 Std. = 400 €
14 Fahrzeuge14 × 50 € = 700 €14 × 45 Min. = 10,5 Std. = 420 €
Summe1.640 €820 €
Muster-Handwerksbetrieb: Prüfkosten pro Jahr Externer Prüfdienst pro Jahr Eigene Prüfzeit pro Jahr (40 € je Std.) Leitern (60) 940 € 400 € Fahrzeuge (14) 700 € 420 € 2 Kurse einmalig 695 €, danach rund 820 € Ersparnis pro Jahr
Im Handwerk sind Leitern der größere Posten. Bei den Fahrzeugen ist die Ersparnis kleiner, weil eine Prüfung intern etwa 45 Minuten dauert.

Die jährliche Differenz beträgt 820 €. Beide Kurse für zusammen 695 € sind damit nach gut 10 Monaten bezahlt (695 € ÷ 68,33 € pro Monat). Wer nur die Leitern selbst prüft, spart 540 € im Jahr, der Leitern-Kurs für 275 € ist dann nach gut 6 Monaten bezahlt. Mit Ihrem eigenen Bestand rechnen Sie im Kostenrechner für Leitern.

Externer Prüfdienst

ca. 1.640 € / Jahr
  • 60 Leitern, 14 Fahrzeuge
  • jedes Jahr erneut
  • Leitern auf Baustellen bleiben oft ungeprüft

Eigene befähigte Person

695 € einmalig
  • 2 Online-Kurse
  • plus ca. 820 € eigene Prüfzeit
  • nach gut 10 Monaten bezahlt

Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.

Die Lösung: eigene befähigte Person für Leitern und Fahrzeuge

Für die Leiterprüfung bringen Handwerksmeister, Vorarbeiter und erfahrene Gesellen fast immer passende Voraussetzungen mit: eine abgeschlossene handwerkliche Ausbildung, jahrelange Praxis mit Leitern und eine aktuelle Tätigkeit auf Baustellen. Bei den Fahrzeugen ist das anders. Die TRBS 1203 verlangt eine zum Arbeitsmittel passende Ausbildung, bei Fahrzeugen typischerweise einen Kfz-Beruf. Ein Installateurmeister erfüllt das in der Regel nicht, auch nicht nach einem Kurs. Diese Grenze sollten Sie ernst nehmen, im Zweifel hilft der Selbstcheck unter Voraussetzungen für befähigte Personen.

  • Leitern und Tritte (275 €): der Einstieg für jeden Handwerksbetrieb. Etwa drei Stunden online, Abschlusstest mit 20 Fragen in 20 Minuten.
  • Fahrzeuge unter 3,5 t (420 €): wenn im Betrieb jemand mit Kfz-Ausbildung arbeitet, etwa als Fuhrpark- oder Lagerverantwortlicher.
  • Hebebühnen (550 €): nur für Betriebe mit eigener Arbeitsbühne, etwa im Elektro- oder Fensterbau.

Die Kurse vermitteln die Fachkunde. Zur befähigten Person wird der Mitarbeiter mit der schriftlichen Beauftragung durch den Inhaber, in der auch festgelegt ist, welche Arbeitsmittel er prüft.

Praxisbeispiel: Ein SHK-Betrieb prüft Leitern und Transporter selbst

Der Musterbetrieb hat seine Leitern bisher nur geprüft, wenn der externe Prüfer für die Elektrogeräte ohnehin im Haus war. Leitern, die gerade auf einer Baustelle waren, blieben dabei außen vor. Die Transporter liefen zur UVV-Prüfung in eine Vertragswerkstatt. So stellt der Betrieb um:

  1. Prüfer auswählen: Der Installateur- und Heizungsbauermeister übernimmt die Leitern. Der Lagerverantwortliche, früher Kfz-Mechatroniker in einem Autohaus, übernimmt die Fahrzeuge.
  2. Leitern zuordnen: Jede Leiter bekommt eine Nummer und wird einem Fahrzeug oder dem Lager zugeordnet. So ist klar, wo sie zu finden ist.
  3. Prüftag am Freitag: Am letzten Freitag jedes Monats kommen zwei bis drei Fahrzeuge mit ihren Leitern früher zurück. Fahrzeug und Leitern werden gemeinsam geprüft.
  4. Aussondern ohne Diskussion: Beschädigte Leitern werden sofort unbrauchbar gemacht und ersetzt. Die Kosten dafür sind klein im Vergleich zu einem Unfall.

So ist der gesamte Bestand über das Jahr verteilt geprüft, ohne dass ein Kundentermin ausfällt. Wie ähnliche Aufgaben in größeren Objekten organisiert werden, zeigt die Seite Facility Management.

Häufige Fragen zur befähigten Person im Handwerk

Darf ein Handwerksmeister Leitern prüfen?

Ja, in aller Regel. Ein Handwerksmeister hat eine abgeschlossene Berufsausbildung, langjährige Erfahrung mit Leitern und arbeitet aktuell damit. Das erfüllt die Anforderungen der TRBS 1203 für die Leiterprüfung. Was häufig fehlt, ist das strukturierte Prüfwissen nach DGUV Information 208-016: welche Prüfpunkte es gibt, wann eine Leiter ausgesondert werden muss und wie die Prüfung dokumentiert wird. Das vermittelt der Leitern-Kurs.

Wie oft müssen Leitern im Handwerk geprüft werden?

Eine feste Frist nennt das Regelwerk nicht. Der Arbeitgeber legt sie in der Gefährdungsbeurteilung fest, üblich ist mindestens einmal jährlich. Im Handwerk, wo Leitern täglich transportiert und auf wechselnden Baustellen eingesetzt werden, sind kürzere Abstände sinnvoll, etwa halbjährlich. Zusätzlich kontrolliert jeder Nutzer die Leiter vor der Benutzung auf sichtbare Schäden und meldet diese sofort.

Kann der Meister auch die Transporter prüfen?

Nur wenn er eine zum Fahrzeug passende Berufsausbildung hat. Die TRBS 1203 verlangt, dass Ausbildung und Erfahrung zum Arbeitsmittel passen, bei Fahrzeugen ist das typischerweise ein Kfz-Beruf. Ein Maler- oder Installateurmeister erfüllt das in der Regel nicht. Gibt es im Betrieb niemanden mit Kfz-Hintergrund, bleibt die Fahrzeugprüfung beim externen Prüfer, und nur die Leitern werden intern geprüft.

Muss eine private Leiter des Mitarbeiters auch geprüft werden?

Private Leitern haben im Betrieb nichts zu suchen. Wird eine Leiter für die Arbeit genutzt, ist sie ein Arbeitsmittel und muss geprüft, gekennzeichnet und in den Bestand aufgenommen werden. Einfacher ist es, genügend betriebseigene Leitern in passenden Längen vorzuhalten und die Nutzung privater Leitern klar zu untersagen. Die Regel sollte Teil der jährlichen Unterweisung sein.

Was kostet eine Leiterprüfung durch einen externen Prüfer?

Nach veröffentlichten Preisangaben liegen die Kosten bei etwa 9 bis 30 € pro Leiter, dazu kommt meist eine Anfahrtspauschale. Für unsere Musterrechnung haben wir 15 € pro Leiter und 40 € Anfahrt angesetzt. Bei 60 Leitern sind das 940 € im Jahr. Der Leitern-Kurs kostet einmalig 275 €, dazu kommt die eigene Prüfzeit von etwa zehn Minuten pro Leiter.

Leitern und Transporter im eigenen Betrieb prüfen

Ihr Meister kennt jede Leiter. Unser Online-Kurs vermittelt die Fachkunde für die Leiterprüfung für 275 €, mit dem Fahrzeug-Kurs zusammen 695 €.

ab 275 € je Kurs

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Junge Kranausbildung, Gummersbach · Schulungen seit 2016

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
Autor und fachlicher Prüfer aller Inhalte. Über uns & wie wir arbeiten
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