Leiterprüfer werden Sie, wenn Sie die Voraussetzungen nach TRBS 1203 mitbringen, also eine passende Berufsausbildung, Erfahrung mit Leitern und eine aktuelle Tätigkeit, dazu die Fachkunde für die Prüfung erwerben und vom Arbeitgeber beauftragt werden. Einen geschützten Titel oder eine staatliche Prüfung gibt es nicht. Die Fachkunde vermittelt ein Kurs wie unser Online-Kurs für 275 € in rund drei Stunden. Die meisten Leiterprüfer übernehmen die Aufgabe zusätzlich zu ihrer Arbeit als Hausmeister, Haustechniker oder Lagerverantwortliche. Einige bieten sie als Selbstständige an.
Was macht ein Leiterprüfer im Alltag?
Ein Leiterprüfer ist eine befähigte Person, die Leitern, Tritte, Podestleitern und Kleingerüste in regelmäßigen Abständen prüft und das Ergebnis dokumentiert. Ein Vollzeitberuf ist das selten. Typisch ist eine Rolle, die zu einer bestehenden Stelle hinzukommt: Der Haustechniker einer Klinik prüft einmal im Jahr alle 80 Leitern und Tritte des Hauses, die Lagerleiterin eines Großhändlers kümmert sich um die Leitern im Lager und gleich auch um die Regale.
Ein Prüftag als Beispiel
Ein Prüftag beginnt mit der Liste aus dem Kontrollbuch: Welche Leitern sind fällig, wo stehen sie? Dann geht es Raum für Raum oder Halle für Halle durch den Betrieb. An jeder Leiter folgt der gleiche Ablauf: Nummer prüfen, Holme peilen, Sprossen und Stufen rütteln, Gelenke und Spreizsicherung betätigen, Füße ansehen, aufstellen, bewerten. Pro Leiter vergehen rund zehn Minuten. Freigegebene Leitern erhalten eine neue Plakette, mangelhafte werden gesperrt und weggebracht. Am Nachmittag werden die Einträge ins Kontrollbuch übertragen, Ersatzteile bestellt und die Vorgesetzten über gesperrte Leitern informiert.
Aufgaben zwischen den Prüfterminen
Zwischen den Terminen ist der Leiterprüfer Ansprechpartner, wenn eine Leiter umgefallen ist oder ein Kollege einen Schaden meldet. Er prüft neu gekaufte Leitern, bevor sie in Betrieb gehen, gibt instand gesetzte Leitern frei und berät bei der Auswahl geeigneter Leitern. Wer das gut macht, wird schnell zur Anlaufstelle für alle Fragen rund um Arbeiten in der Höhe. Wie die Prüfung im Detail abläuft, zeigt die Anleitung zur Leiterprüfung.
Welche Voraussetzungen brauchen Sie?
Ehrlich vorweg: Ein Kurs allein macht niemanden zum Leiterprüfer. Nach § 2 Abs. 6 BetrSichV und der TRBS 1203 müssen drei Dinge zusammenkommen, und der Arbeitgeber muss Sie beauftragen:
- Berufsausbildung: eine abgeschlossene Ausbildung, idealerweise handwerklich oder technisch, etwa als Tischler, Metallbauer, Elektroniker, Anlagenmechaniker, Fachkraft für Lagerlogistik oder Hausmeister mit handwerklichem Beruf.
- Berufserfahrung: praktischer Umgang mit Leitern und Tritten, sodass Sie Schäden an Holz, Aluminium und Kunststoff erkennen.
- Zeitnahe Tätigkeit: Sie arbeiten aktuell in einem Umfeld, in dem Leitern genutzt werden, und halten Ihr Wissen auf dem Stand.
Bei Leitern sind die Anforderungen überschaubarer als bei Kranen oder Hebebühnen. Wer aber nie mit Leitern gearbeitet hat oder keine Berufsausbildung vorweisen kann, sollte zunächst praktische Erfahrung sammeln, etwa indem er einige Monate gemeinsam mit einer erfahrenen befähigten Person prüft. Einen Selbstcheck mit Beispielen bietet die Seite Voraussetzungen für befähigte Personen.
Was verdient ein Leiterprüfer?
Für angestellte Leiterprüfer gibt es in der Regel kein eigenes Gehalt, weil die Prüfung eine Zusatzaufgabe ist. Sie wird mit dem bestehenden Lohn abgegolten, manche Betriebe zahlen eine kleine Zulage oder berücksichtigen die Qualifikation bei der nächsten Gehaltsrunde. Der Marktwert liegt vor allem darin, dass Sie dem Betrieb Kosten ersparen und breiter einsetzbar sind.
Richtwert für Selbstständige
Wer Leiterprüfungen als Dienstleistung anbietet, orientiert sich an den Marktpreisen von etwa 9 bis 30 € pro Leiter plus Anfahrtspauschale. Bei rund sechs Leitern pro Stunde ergibt das als Richtwert einen Umsatz von etwa 55 bis 180 € pro Prüfstunde. Davon gehen Fahrtzeit, Wege im Betrieb, Dokumentation, Versicherung, Werbung und Leerlauf ab, sodass der tatsächliche Stundenverdienst deutlich niedriger liegt. Diese Zahlen sind eigene Überschlagsrechnungen auf Grundlage veröffentlichter Preisangaben, keine Statistik. Allein mit Leitern lässt sich eine Selbstständigkeit selten tragen, in Kombination mit Regalen, Fahrzeugen oder Anschlagmitteln sieht das anders aus. Mehr dazu unter Verdienst als UVV-Prüfer und selbstständig als UVV-Prüfer.
Der Weg zum Leiterprüfer in fünf Schritten
- Voraussetzungen klären: Passt Ihre Ausbildung, und haben Sie Erfahrung mit Leitern? Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten, ob der Betrieb Sie als Prüfer einsetzen möchte.
- Fachkunde erwerben: Der Online-Kurs vermittelt Regelwerke, Prüfkriterien nach DGUV Information 208-016, Mängelbewertung und Dokumentation. Lernzeit rund drei Stunden, Zugang 52 Wochen.
- Abschlusstest ablegen: 20 Fragen in 20 Minuten, online, ohne festen Termin. Danach erhalten Sie Ihr Zertifikat.
- Schriftlich beauftragen lassen: Der Arbeitgeber legt fest, für welche Leitern und Tritte Sie zuständig sind. Eine Vorlage bietet die Seite zur Beauftragung der befähigten Person.
- Erste Prüfrunde organisieren: Bestand erfassen, Nummern vergeben, Kontrollbuch anlegen und die erste Prüfung durchführen.
Vom Entschluss bis zur ersten eigenen Prüfung vergehen so meist nur wenige Wochen, wenn der Arbeitgeber mitzieht. Die meiste Zeit kostet nicht der Kurs, sondern die erstmalige Erfassung des Bestands. Wie Sie dabei vorgehen, beschreibt die Seite zum Leiterkontrollbuch. Alle Einzelheiten zum Kurs, zu Inhalten und Preis finden Sie auf der Kursseite Leitern und Tritte.
Welche Qualifikation passt zu Ihrem Beruf?
Viele Leiterprüfer übernehmen früher oder später weitere Prüfbereiche, weil die Arbeitsmittel im selben Betrieb zusammenkommen. Die Tabelle zeigt typische Kombinationen je Ausgangsberuf. Jeder Kurs wird einzeln gebucht, die Preise gelten pro Teilnehmer.
| Beruf oder Rolle | Empfohlene Kurse | Preis |
|---|---|---|
| Hausmeister, Haustechniker | Leitern | 275 € |
| Fachkraft für Lagerlogistik, Lagerleitung | Leitern, Regale | 275 € + 400 € = 675 € |
| Tischler, Schreiner, Maler | Leitern | 275 € |
| Metallbauer, Industriemechaniker | Leitern, Anschlagmittel | 275 € + 345 € = 620 € |
| Kfz-Mechatroniker, Werkstattmeister | Leitern, Fahrzeuge | 275 € + 420 € = 695 € |
| Selbstständiger Prüfer | Leitern, Regale, Fahrzeuge | 275 € + 400 € + 420 € = 1.095 € |
Für Elektriker gilt ein Hinweis: Die Prüfung elektrischer Betriebsmittel folgt eigenen Regeln und ist nicht Teil unserer Kurse. Die Leiterprüfung können Elektriker aber wie jeder andere Handwerker übernehmen.
Erst Leitern, dann erweitern
Die meisten beginnen mit Leitern, weil der Kurs der günstigste Einstieg ist und Leitern in fast jedem Betrieb vorkommen. Nach der ersten Prüfrunde wissen Sie, wie Prüfung, Bewertung und Dokumentation zusammenspielen. Diese Routine überträgt sich auf jeden weiteren Bereich, denn Kontrollbuch, Plakette und Mängelliste funktionieren bei Regalen oder Fahrzeugen nach demselben Prinzip. Sinnvoll ist eine Erweiterung aber nur für Arbeitsmittel, mit denen Sie auch praktische Erfahrung haben. Welche Kombination zu Ihrem Betrieb passt, zeigt der Kurs-Finder. Für den Lagerbereich lohnt sich ein Blick auf den Kurs zur befähigten Person für Regale.
Beispiel: vom Hausmeister zum Leiterprüfer
Das folgende Beispiel ist erfunden, beschreibt aber einen typischen Weg. Ein gelernter Tischler arbeitet seit sechs Jahren als Hausmeister in einer Schule mit Turnhalle und Verwaltung. Er stellt Leitern für Hausmeisterarbeiten, Deko und Bühnenaufbauten bereit und repariert Mobiliar. Bisher prüfte ein externer Dienst die 35 Leitern und Tritte einmal im Jahr, Termine verschoben sich oft, und nach einem Schaden stand die Leiter wochenlang gesperrt im Keller.
Mit dem Schulträger vereinbart er, die Prüfung selbst zu übernehmen. Ausbildung, Erfahrung und aktuelle Tätigkeit sind gegeben. Er belegt den Online-Kurs an zwei ruhigen Nachmittagen, besteht den Abschlusstest und wird schriftlich beauftragt. In der ersten Ferienwoche erfasst er alle Leitern, vergibt Nummern, legt ein Kontrollbuch als Tabelle an und prüft den gesamten Bestand. Zwei Leitern sondert er aus, bei drei Tritten ersetzt er Gummifüße durch Originalteile. Seitdem prüft er jedes Jahr in den Sommerferien und nach jedem gemeldeten Schaden sofort. Der Schulträger spart die jährliche Rechnung des Prüfdienstes, und defekte Leitern stehen nicht mehr wochenlang ungenutzt herum.
Finanzierung: Wer bezahlt den Kurs?
In den meisten Fällen bezahlt der Arbeitgeber, denn er profitiert direkt: Die Kosten für den Prüfdienst entfallen, und die Prüfung ist jederzeit verfügbar. Bezahlt wird per Rechnung. Für Betriebe ist die Weiterbildung in der Regel eine Betriebsausgabe. Zahlen Sie selbst, etwa als angehender Selbstständiger, kommen Werbungskosten oder Betriebsausgaben in Betracht. Klären Sie den Einzelfall mit Ihrer Steuerberatung. Vereinbaren Sie mit dem Arbeitgeber vorab, ob die Lernzeit als Arbeitszeit gilt und wer die Prüfzeit künftig in der Personalplanung berücksichtigt. Mögliche Förderwege und Argumente für das Gespräch mit dem Arbeitgeber finden Sie unter Weiterbildung finanzieren. Einen Überblick über den Weg zur befähigten Person in allen Bereichen gibt die Seite UVV-Prüfer werden, die Pflichten rund um Leitern erklärt die Übersicht zur Leiterprüfung.
Externer Prüfdienst
- 100 Leitern und Tritte zu 15 €
- plus 40 € Anfahrt
- jedes Jahr erneut
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs, ca. 3 Stunden
- plus ca. 667 € Prüfzeit im Jahr
- Prüfer im eigenen Haus
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Häufige Fragen: Leiterprüfer werden
Ist Leiterprüfer ein geschützter Beruf?
Nein. Leiterprüfer ist keine geschützte Berufsbezeichnung und kein Ausbildungsberuf. Gemeint ist eine befähigte Person im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung, die Leitern und Tritte prüft. Ob jemand diese Rolle ausfüllen darf, hängt von Berufsausbildung, Berufserfahrung, zeitnaher Tätigkeit und der Beauftragung durch den Arbeitgeber ab. Ein Kurs vermittelt die Fachkunde, eine staatliche Prüfung oder Zulassung gibt es dafür nicht.
Wie lange dauert es, Leiterprüfer zu werden?
Wenn Ausbildung und Erfahrung vorhanden sind, geht es schnell. Der Online-Kurs dauert rund drei Stunden, der Abschlusstest 20 Minuten, das Zertifikat folgt nach bestandener Prüfung. Danach braucht es nur noch die schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber. Mehr Zeit kostet meist die erste Prüfrunde, bei der alle Leitern erfasst und nummeriert werden. Planen Sie dafür je nach Bestand einen bis mehrere Tage ein.
Muss ich die Fachkunde regelmäßig auffrischen?
Die TRBS 1203 verlangt eine zeitnahe berufliche Tätigkeit, also regelmäßige Praxis und aktuelles Wissen. Wer jedes Jahr Leitern prüft, erfüllt den praktischen Teil. Ändern sich Normen oder die DGUV Information 208-016, sollten Sie Ihr Wissen auffrischen. Einen festen Turnus schreibt keine Vorschrift vor. Viele Betriebe planen eine Auffrischung alle paar Jahre oder bei wesentlichen Änderungen der Regelwerke ein.
Kann ich als Leiterprüfer auch für andere Firmen prüfen?
Ja, als Selbstständiger oder mit Zustimmung Ihres Arbeitgebers auch nebenberuflich. Dann beauftragt Sie der jeweilige Kunde, und Sie sollten eine Berufshaftpflichtversicherung haben, die Prüftätigkeiten abdeckt. Der Kunde bleibt dafür verantwortlich, einen geeigneten Prüfer auszuwählen, und wird nach Ihren Nachweisen fragen. Halten Sie Zertifikat, Ausbildungsnachweis und eine kurze Beschreibung Ihrer Erfahrung bereit.
Welcher Kurs passt als nächster Schritt?
Das hängt von den Arbeitsmitteln in Ihrem Betrieb ab. Im Lager ist die Regalprüfung die naheliegende Ergänzung, in Werkstätten die Prüfung von Hebebühnen oder Fahrzeugen, im Metallbau die Prüfung von Anschlagmitteln. Jeder Bereich hat einen eigenen Kurs mit eigenem Abschlusstest. Der Kurs-Finder zeigt, welche Kombination zu Ihrem Betrieb passt und was sie insgesamt kostet.