Eine Regalprüfung nach Anleitung läuft in acht Schritten ab: von der Sichtung der Unterlagen über die Prüfung jedes Regalfelds bis zur Kennzeichnung und zum Prüfbericht. Die befähigte Person geht die Anlage Gasse für Gasse ab und kontrolliert Belastungsschild, Stützen, Traversen, Verbände, Verankerung und Schutzeinrichtungen. Jeder Schaden wird gemessen, nach dem Ampelsystem eingestuft und sofort gekennzeichnet. Rote Befunde führen zur Sperrung noch während der Inspektion. Für 100 Felder sollten Sie mit etwa fünf Stunden rechnen, bei der ersten Inspektion mit mehr.
Wer darf die Regalprüfung durchführen?
Die jährliche Inspektion ist rechtswirksam nur, wenn sie eine zur Prüfung befähigte Person durchführt. So verlangt es § 14 BetrSichV, und so sieht es auch die DIN EN 15635 vor. Befähigt ist, wer eine passende Berufsausbildung hat, Erfahrung mit Regalanlagen mitbringt und aktuell im Lagerumfeld arbeitet. Dazu kommt die Fachkunde zu Norm, Schadensbildern und Bewertung, die sich über eine Schulung erwerben lässt. Erst die schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber macht aus der geeigneten Person den zuständigen Prüfer.
Diese Anleitung ersetzt die Qualifikation nicht, sie zeigt den Ablauf. Wer die Inspektion künftig selbst übernehmen will, erwirbt das nötige Wissen im Online-Kurs zur befähigten Person für Regale. Ob die übrigen Voraussetzungen passen, klärt der Selbstcheck unter Voraussetzungen für befähigte Personen.
Vorbereitung: Unterlagen, Werkzeug, Sicherheit
Eine gute Inspektion beginnt am Schreibtisch. Je besser die Vorbereitung, desto weniger Zeit verlieren Sie später im Lager, und desto eindeutiger lassen sich Befunde zuordnen.
- Unterlagen: Herstellerangaben mit Fach- und Feldlasten, Lagerplan mit Nummerierung der Gassen und Felder, letzter Prüfbericht, Protokolle der Sichtkontrollen, Nachweise über Reparaturen und Umbauten seit der letzten Inspektion.
- Messwerkzeug: gerade Messlatte von 1 m Länge, Messkeil oder Messschieber, Wasserwaage oder Lot, Maßband, Taschenlampe für Fußbereiche und dunkle Ebenen.
- Kennzeichnung: Schadensetiketten in Grün, Orange und Rot, Absperrband, Prüfplaketten, Kamera oder Tablet für Fotos.
- Sicherheit: Warnweste, Sicherheitsschuhe, bei Hochregalen Schutzhelm. Staplerverkehr in der Prüfgasse vorher abstimmen oder die Gasse sperren. Obere Ebenen nur von einer geeigneten Hubarbeitsbühne aus prüfen, nie vom Regal oder von der Palette.
Planen Sie den Termin in einer ruhigen Phase, etwa nach der Frühschicht. Sprechen Sie mit dem Schichtführer ab, welche Gassen wann frei sind. So müssen Sie nicht zwischen fahrenden Staplern messen.
Regalprüfung Schritt für Schritt
Die folgenden acht Schritte wiederholen Sie für jede Gasse. Arbeiten Sie immer in derselben Richtung und Reihenfolge, dann entgeht Ihnen kein Feld, und der Bericht lässt sich später leicht lesen.
1. Rundgang und Umgebung
Verschaffen Sie sich zuerst einen Gesamteindruck. Stimmt die Anlage mit dem Lagerplan überein, oder wurde umgebaut, ohne dass es dokumentiert ist? Sind Boden und Gänge in Ordnung, gibt es Risse im Hallenboden unter Fußplatten, Pfützen, schlechte Beleuchtung? Solche Punkte gehören in den Bericht, auch wenn sie nicht zum Stahlbau zählen.
2. Belastungsschild und Beladung prüfen
An jeder Regalzeile muss ein lesbares Belastungsschild hängen. Vergleichen Sie die Angaben mit der tatsächlichen Beladung: Passen Paletten und Gewichte, sind die Ladeeinheiten mittig aufgesetzt, stehen Paletten über? Wurden Traversenhöhen verändert, gilt das alte Schild unter Umständen nicht mehr, denn die zulässige Feldlast hängt vom Abstand der Traversen ab.
3. Stützen und Fußplatten
Stützen sind die empfindlichsten Bauteile, weil Stapler sie in Bodennähe treffen. Prüfen Sie jede Stütze bis in etwa zwei Meter Höhe besonders genau. Legen Sie die Messlatte an, messen Sie Verformungen in beiden Richtungen und achten Sie auf Knicke, Risse und abgeplatzte Beschichtung. Kontrollieren Sie Fußplatten und Bodenanker: Sind alle Dübel vorhanden und fest, ist die Fußplatte verbogen oder unterlegt?
4. Traversen und Traversensicherungen
Schauen Sie jede Ebene entlang. Traversen dürfen keine sichtbare bleibende Durchbiegung, keine Beulen und keine aufgerissenen Schweißnähte zeigen. Jede Traversenverbindung braucht ihre Sicherung gegen unbeabsichtigtes Aushängen. Fehlende Sicherungsstifte sind einer der häufigsten Befunde überhaupt, besonders nach Umbauten.
5. Rahmen, Verbände und Standsicherheit
Prüfen Sie Diagonalen und Horizontalen der Stützrahmen auf Verformung und lose oder fehlende Schrauben. Visieren Sie die Stützen mit Lot oder Wasserwaage an: Eine auffällige Schiefstellung deutet auf einen Anprall, einen Bodenschaden oder Überlastung hin. Kontrollieren Sie auch Wand- und Kopfverbindungen, wo vorhanden.
6. Schutzeinrichtungen
Anfahrschutz an Eckstützen und Durchfahrten, Durchschubsicherungen an Rückseiten und Gitterroste oder Fachböden müssen vollständig und wirksam sein. Ein verbogener Anfahrschutz hat seinen Zweck erfüllt und einen Schaden an der Stütze verhindert, muss aber ersetzt werden, bevor der nächste Anprall kommt.
7. Einstufen und kennzeichnen
Ordnen Sie jeden Befund sofort einer Ampelstufe zu und kleben Sie das passende Etikett an. Rot bedeutet: Das Feld wird noch während der Inspektion entladen und abgesperrt. Orange bedeutet: nach dem Entladen nicht wieder beladen, Reparatur zeitnah veranlassen. Grün wird notiert und beim nächsten Mal erneut betrachtet. Fotografieren Sie jeden orangen und roten Schaden mit der Feldnummer im Bild.
8. Abschlussgespräch und Bericht
Besprechen Sie die Ergebnisse mit der verantwortlichen Person für die Lagersicherheit. Wer bestellt die Ersatzteile, bis wann wird repariert, wer gibt ein gesperrtes Feld wieder frei? Danach schreiben Sie den Bericht, bringen die Prüfplakette an und tragen den nächsten Termin in den Prüfkalender ein.
Typische Mängel bei der Regalinspektion
Die meisten Befunde wiederholen sich von Lager zu Lager. Die Tabelle zeigt die häufigsten, woran Sie sie erkennen und was typischerweise zu tun ist. Die endgültige Einstufung hängt immer vom Messwert und vom Einzelfall ab. Ein Befund, der in einem Reservelager noch orange ist, kann bei starkem Staplerverkehr schneller kritisch werden.
| Mangel | Erkennungsmerkmal | Bewertung / Maßnahme |
|---|---|---|
| Anfahrschaden an Stütze | Delle oder Knick in Bodennähe, Farbe abgeplatzt | messen; je nach Wert orange oder rot, Stütze tauschen |
| Fehlende Traversensicherung | Loch im Traversenhaken ohne Stift oder Clip | sofort nachrüsten, danach grün |
| Durchgebogene Traverse | bleibende Biegung nach dem Entladen | Hinweis auf Überlast, Traverse tauschen, Beladung klären |
| Lose Bodenverankerung | Dübel fehlt, Fußplatte wackelt oder ist verschoben | neu verankern, Rahmen auf Schiefstellung prüfen |
| Verbogene Diagonale | Knick im Rahmenverband, oft durch Palettenanstoß | Verband tauschen, bis dahin Feld nicht beladen |
| Belastungsschild fehlt | keine Lastangabe an der Regalzeile | Schild beim Hersteller anfordern, bis dahin Lasten klären |
| Beschädigte Palette | gebrochene Bretter oder Klötze auf der Traverse | Palette umlagern, Unterweisung wiederholen |
Achten Sie bei jedem Mangel auch auf die Ursache. Häufen sich Anfahrschäden an derselben Ecke, fehlt dort womöglich ein Anfahrschutz, oder die Gasse ist für die eingesetzten Stapler zu eng. Solche Hinweise im Bericht verhindern den nächsten Schaden wirksamer als jeder Stützentausch. Wie die Grenzwerte im Einzelnen lauten und wie Grenzfälle eingestuft werden, erklärt die Seite Regalschäden richtig bewerten.
Checkliste für die Inspektion
Für die Arbeit im Lager hilft eine Liste, die Sie Feld für Feld abhaken. So entsteht der Bericht fast nebenbei, und kein Prüfpunkt fällt unter den Tisch, auch wenn Sie zwischendurch gestört werden. Die wichtigsten Punkte in Kurzform:
- Belastungsschild vorhanden, lesbar, passend zur Traversenhöhe
- Stützen ohne Knicke, Risse oder Verformung über dem Grenzwert
- Fußplatten verankert, Boden unbeschädigt
- alle Traversensicherungen vorhanden und eingerastet
- Verbände vollständig, gerade und verschraubt
- Anfahrschutz und Durchschubsicherung wirksam
- Beladung innerhalb der Lastangaben, Paletten intakt
Drucken Sie die Liste einmal pro Gasse aus und notieren Sie oben die Gassennummer. Die ausführliche Fassung mit allen Prüfpunkten und Feldern zum Abhaken finden Sie in der Checkliste zur Regalprüfung.
Dokumentation und Prüfplakette
Nach § 14 Abs. 7 BetrSichV wird das Ergebnis jeder Prüfung aufgezeichnet. In den Bericht gehören Datum und Umfang der Inspektion, die geprüften Gassen und Felder, jeder Befund mit Ortsangabe, Ampelstufe und Maßnahme sowie Name und Unterschrift der befähigten Person. Fotos mit Feldnummer machen den Bericht eindeutig. Vermerken Sie auch, welche Felder gesperrt wurden und wer sie nach der Reparatur wieder freigeben darf.
Die Prüfplakette bringen Sie gut sichtbar an jeder Regalzeile oder am Beginn der Gasse an. Sie zeigt Monat und Jahr der nächsten Inspektion. Gesperrte Felder bekommen keine Plakette, bis die Reparatur abgenommen ist. Eine Vorlage für den Bericht gibt es unter Prüfprotokoll für Regale, allgemeine Regeln zur Aufbewahrung unter Prüfdokumentation.
Welche Fehler passieren bei der Regalprüfung am häufigsten?
Auch erfahrene Prüfer tappen in dieselben Fallen. Diese fünf Fehler sehen wir immer wieder:
- Nur in Augenhöhe prüfen: Anfahrschäden sitzen meist in den unteren 50 Zentimetern, oft hinter Paletten verborgen. Ohne Taschenlampe und Blick in den Fußbereich werden sie übersehen.
- Schätzen statt messen: Ob eine Delle orange oder rot ist, entscheidet der Messwert, nicht der Eindruck.
- Rote Befunde nicht sofort sperren: Wer ein rotes Feld erst im Bericht erwähnt, lässt es womöglich noch tagelang beladen.
- Umbauten ignorieren: Neue Traversenhöhen ohne neues Belastungsschild verändern die zulässige Last.
- Keine eindeutige Nummerierung: „Gasse 3, hinten links“ findet später niemand wieder.
Wer diese Punkte im Blick hat, liefert einen Bericht, der auch bei einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft überzeugt.
Externer Regalinspekteur
- 320 Regalfelder zu je 4 €
- plus 80 € Anfahrt und Bericht
- jedes Jahr erneut
Eigene befähigte Person
- Online-Kurs, ca. 3 Stunden
- plus ca. 640 € Arbeitszeit pro Jahr
- bezahlt nach ca. 7 Monaten
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Häufige Fragen zur Anleitung der Regalprüfung
Wie lange dauert eine Regalprüfung?
Als Richtwert gelten rund 3 Minuten pro Regalfeld, einschließlich Messen, Kennzeichnen und Notieren. Ein Lager mit 100 Feldern ist damit in etwa fünf Stunden geprüft, der Bericht kommt dazu. Bei der ersten Inspektion dauert es länger, weil Nummerierung und Protokollvorlage erst entstehen. Hochregale mit Hubarbeitsbühne und viele Befunde verlängern die Zeit ebenfalls. Planen Sie deshalb lieber einen Puffer ein, statt unter Zeitdruck zu prüfen.
Muss das Regal für die Prüfung entladen werden?
Nein, die jährliche Inspektion findet in der Regel am beladenen Regal statt. Das ist sogar sinnvoll, weil sich Überladung und falsch aufgesetzte Paletten nur so erkennen lassen. Entladen wird nur, wenn ein Befund das erfordert, etwa bei einem roten Schaden an einer Stütze. Verdeckte Stellen prüfen Sie mit Taschenlampe oder nach Absprache, wenn gerade umgelagert wird. Notieren Sie im Bericht, welche Bereiche nicht einsehbar waren.
Darf ich während der Prüfung Staplerverkehr zulassen?
Nur mit klarer Absprache. Wer an Stützen misst, steht im Fahrbereich und wird vom Staplerfahrer leicht übersehen. Sperren Sie die Gasse, in der Sie arbeiten, mit Absperrband oder Warnschild, und stimmen Sie den Zeitplan mit dem Schichtführer ab. In großen Lagern hat es sich bewährt, gassenweise zu prüfen und die übrigen Gassen normal weiterlaufen zu lassen. So bleibt der Betrieb am Laufen, und Sie arbeiten trotzdem sicher.
Was mache ich, wenn keine Herstellerunterlagen vorhanden sind?
Ohne Belastungsangaben lässt sich nicht beurteilen, ob ein Regal überladen ist. Fragen Sie zuerst beim Hersteller nach, oft genügen Typbezeichnung und Fotos der Bauteile. Ist der Hersteller nicht mehr bekannt, muss die Tragfähigkeit durch einen Fachbetrieb oder Statiker nachgewiesen werden. Bis dahin sollte die Beladung vorsichtig begrenzt und der Befund im Bericht festgehalten werden. Ein fehlendes Belastungsschild ist bei der Inspektion immer ein Mangel.
Gilt die Anleitung auch für Fachboden- und Kragarmregale?
Im Grundsatz ja, der Ablauf ist derselbe, die Schwerpunkte verschieben sich. Bei Fachbodenregalen stehen Fachböden, Steckverbindungen und Standsicherheit im Vordergrund, bei Kragarmregalen die Arme, ihre Sicherungen und die Säulenfüße. Die Besonderheiten erklären unsere Seiten zum Fachbodenregal und zum Kragarmregal. Für Palettenregale, die am häufigsten geprüft werden, gibt es ebenfalls eine eigene Seite. Die Regeln zu Ampelsystem, Kennzeichnung und Bericht gelten für alle Bauarten gleich.