Befähigte Person für Bauhof und Kommune: Fahrzeuge, Arbeitsbühnen und Leitern in allen Liegenschaften prüfen

Kommunale Bauhöfe betreuen Straßen, Grünflächen, Schulen, Kitas und Rathaus zugleich. Hier lesen Sie, welche Prüfpflichten gelten, wo die Risiken liegen und wie ein Bauhof die Prüfungen für die ganze Gemeinde übernimmt.

Von Dominik Junge Lesezeit: ca. 10 Min.
Kurz beantwortet

Im Bauhof und in der Kommune müssen Fahrzeuge, Arbeitsbühnen und Leitern regelmäßig von einer befähigten Person geprüft werden, und der Bauhof kann diese Prüfungen für die ganze Gemeinde übernehmen. Fahrzeuge und Bühnen sind mindestens jährlich zu prüfen, Leitern nach Gefährdungsbeurteilung. Die Arbeitsmittel sind über viele Liegenschaften verteilt, was externe Prüfungen verteuert. Die drei passenden Online-Kurse kosten zusammen 1.245 €, einzeln ab 275 €.

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Welche Prüfpflichten gelten für Kommunen und Bauhöfe?

Eine Gemeinde ist Arbeitgeber wie jedes Unternehmen. Für ihre Beschäftigten im Bauhof, in der Verwaltung, in Schulen, Kitas und Sporthallen gilt die Betriebssicherheitsverordnung. Arbeitsmittel, deren Sicherheit von Verschleiß abhängt, müssen wiederkehrend von einer befähigten Person geprüft werden. Zuständiger Unfallversicherungsträger ist die jeweilige Unfallkasse oder der Gemeindeunfallversicherungsverband. Für die öffentliche Hand gibt es eigene Fassungen der Unfallverhütungsvorschriften, die inhaltlich den Vorschriften der Berufsgenossenschaften entsprechen, teils aber unter eigener Nummer erscheinen.

Im Bauhof selbst sind es vor allem die Fahrzeuge: Pritschenwagen, Transporter und kleine Kommunalfahrzeuge, die nach den Vorschriften für Fahrzeuge mindestens jährlich zu prüfen sind. Hinzu kommen Hubarbeitsbühnen für Baumpflege, Straßenbeleuchtung und Weihnachtsschmuck, die nach DGUV Grundsatz 308-002 jährlich geprüft werden. Und dann die Leitern, die nicht nur im Bauhof, sondern in jeder Liegenschaft stehen: im Heizungsraum der Grundschule, im Abstellraum der Kita, in der Turnhalle und im Archiv des Rathauses.

Gerade diese verteilten Leitern und Tritte werden oft übersehen, weil sich niemand zuständig fühlt. Ein Bauhof mit eigener befähigter Person kann diese Lücke für die ganze Kommune schließen. Einen Überblick über die Fahrzeugprüfung gibt die Seite zur UVV-Prüfung von Fahrzeugen.

Typische Arbeitsmittel in Kommunen und Bauhöfen

Die folgende Tabelle zeigt die prüfpflichtigen Arbeitsmittel, die in fast jedem kommunalen Bauhof vorkommen, mit dem passenden Kurs:

ArbeitsmittelRegelwerkFristKursPreis
Pritschenwagen, Transporter, Kommunalfahrzeuge unter 3,5 tDGUV Vorschrift 70 bzw. Fassung der Unfallkassemind. jährlichFahrzeuge420 €
Lkw-Arbeitsbühnen, Anhängerarbeitsbühnen, ScherenbühnenDGUV Grundsatz 308-002mind. jährlichHebebühnen550 €
Anlegeleitern, Stehleitern, Tritte in allen LiegenschaftenDGUV Information 208-016nach Gefährdungsbeurteilung, meist jährlichLeitern & Tritte275 €
Ketten und Hebebänder für den LadekranDGUV Regel 109-017mind. jährlichAnschlagmittel345 €

Bei der Lkw-Arbeitsbühne ist zu unterscheiden: Die Arbeitsbühne selbst prüft eine befähigte Person nach DGUV Grundsatz 308-002, das Trägerfahrzeug liegt meist über 3,5 t und gehört nicht zum Umfang des Fahrzeug-Kurses. Gleiches gilt für Winterdienstfahrzeuge und große Kehrmaschinen. Spielplatzgeräte, Sportgeräte und elektrische Anlagen haben eigene Prüfvorgaben und sind nicht Teil unserer Kurse. Besitzt der Bauhof einen Lkw mit Ladekran, kommen Anschlagmittel als vierter Bereich hinzu. Die Kombination aus Fahrzeugen, Bühnen und Leitern wählt der Kurs-Finder für Bauhöfe vor.

Typische Risiken im kommunalen Bauhof

Der Bauhof arbeitet an wechselnden Orten, im Straßenverkehr und zu jeder Jahreszeit. Daraus ergeben sich typische Risiken.

Baumpflege von der Arbeitsbühne

Beim Baumschnitt arbeiten Beschäftigte mit Motorsäge im Korb, fallende Äste können den Korb treffen, und die Bühne steht oft am Straßenrand auf unebenem Untergrund. Abstützungen, Neigungsüberwachung, Überlastsicherung und Notablass müssen zuverlässig funktionieren. Schäden an Korb und Geländer durch Äste sind ein häufiger Prüfbefund. Die Seite Gelenkteleskopbühne prüfen zeigt die wichtigsten Prüfpunkte.

Fahrzeuge im Dauereinsatz

Bauhoffahrzeuge fahren viele kurze Strecken mit schwerer Beladung, Anhänger und wechselnden Anbaugeräten. Überladung, verschlissene Bordwandverschlüsse, fehlende Zurrpunkte und defekte Rundumkennleuchten sind typische Mängel.

Tritte und Leitern in Schulen und Kitas

In Schulen und Kitas nutzen nicht nur Hausmeister die Leitern, sondern auch Lehrkräfte und Erzieherinnen, etwa zum Aufhängen von Bastelarbeiten. Diese Leitern sind oft alt, nicht registriert und nie geprüft. Auch Stürze aus geringer Höhe können zu schweren Verletzungen führen, gerade weil dort niemand mit einem Unfall rechnet.

Saisongeräte nach langer Standzeit

Viele Arbeitsmittel des Bauhofs werden nur saisonal genutzt, etwa die Anhängerarbeitsbühne für den Weihnachtsschmuck oder Leitern für Veranstaltungen im Sommer. Nach Monaten im Lager sind Hydraulik, Reifen und Beschläge oft in schlechterem Zustand als erwartet. Eine Prüfung vor dem ersten Einsatz der Saison verhindert, dass Mängel erst am Einsatzort auffallen.

Was kostet die externe Prüfung im Bauhof pro Jahr?

Als Musterbetrieb dient der Bauhof einer Gemeinde mit rund 20.000 Einwohnern und 30 Beschäftigten. Er betreut zwölf Fahrzeuge unter 3,5 t, eine Lkw-Arbeitsbühne, eine Anhängerarbeitsbühne und 40 Leitern und Tritte, verteilt auf acht Liegenschaften vom Bauhof bis zur Kita. Ein externer Prüfer muss jede Liegenschaft einzeln anfahren. Gerechnet wird mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben, und 40 € pro Stunde für die eigene Prüfzeit.

ArbeitsmittelExterne Prüfung pro JahrEigene Prüfzeit pro Jahr
12 Fahrzeuge12 × 50 € = 600 €12 × 45 Min. = 9 Std. = 360 €
2 Arbeitsbühnen2 × 280 € = 560 €2 × 60 Min. = 2 Std. = 80 €
40 Leitern in 8 Liegenschaften40 × 15 € + 8 × 40 € Anfahrt = 920 €40 × 10 Min. = rund 6,7 Std. = 267 €
Summe2.080 €rund 707 €
Muster-Bauhof: Prüfkosten pro Jahr Externer Prüfdienst pro Jahr Eigene Prüfzeit pro Jahr (40 € je Std.) Fahrzeuge (12) 600 € 360 € Arbeitsbühnen (2) 560 € 80 € Leitern (40) 920 € 267 € 3 Kurse einmalig 1.245 €, danach rund 1.370 € Ersparnis pro Jahr
Die verteilten Leitern sind durch acht Anfahrten der größte externe Posten. Die Prüfung der Bühne am Trägerfahrzeug ist nicht mit der Fahrzeugprüfung abgedeckt.

Die jährliche Differenz beträgt rund 1.373 €. Die drei Kurse für 1.245 € sind nach knapp 11 Monaten bezahlt (1.245 € ÷ 114,44 € pro Monat). Nicht eingerechnet ist der Aufwand, externe Prüfleistungen nach den Regeln des Vergaberechts zu beschaffen, der je nach Volumen und Verfahren erheblich sein kann. Rechnen Sie mit Ihren Zahlen im Kostenrechner für Arbeitsbühnen.

Externer Prüfdienst

ca. 2.080 € / Jahr
  • 12 Fahrzeuge, 2 Bühnen, 40 Leitern
  • 8 Anfahrten für die Leitern
  • jährlich neu zu beschaffen

Eigene befähigte Person

1.245 € einmalig
  • 3 Online-Kurse
  • plus ca. 707 € eigene Prüfzeit
  • nach knapp 11 Monaten bezahlt

Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.

Die Lösung: der Bauhof als Prüfstelle der Gemeinde

In kommunalen Bauhöfen arbeiten viele Handwerker und Techniker: Kfz-Mechatroniker in der Bauhofwerkstatt, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Elektroniker und Handwerksmeister. Wer die Fahrzeuge und Bühnen selbst wartet und täglich damit arbeitet, erfüllt die Anforderungen der TRBS 1203 an Ausbildung, Erfahrung und zeitnahe Tätigkeit häufig schon. Für die Fahrzeugprüfung braucht es eine fahrzeugtechnische Ausbildung, für Leitern genügt eine handwerkliche. Die Einzelheiten finden Sie unter Voraussetzungen für befähigte Personen.

  • Fahrzeuge unter 3,5 t (420 €): für den Werkstattleiter des Bauhofs, mit Prüfpunkten, Abgrenzung zur Hauptuntersuchung und Dokumentation.
  • Hebebühnen (550 €): für den Mitarbeiter, der Arbeitsbühnen wartet. Die Bühne auf dem Lkw wird so im eigenen Haus geprüft, das Fahrgestell weiterhin extern.
  • Leitern und Tritte (275 €): für den Bauhof und gern zusätzlich für Hausmeister großer Schulen, die ihre Leitern dann selbst prüfen.

Die Kurse vermitteln die Fachkunde. Die Beauftragung erfolgt schriftlich durch den Dienstherrn, etwa den Bürgermeister oder die Amtsleitung. Weil Zahlung per Rechnung möglich ist, passt der Kauf gut in kommunale Beschaffungsabläufe.

Praxisbeispiel: Ein Bauhof prüft für die ganze Gemeinde

In der Mustergemeinde hat bisher jede Liegenschaft selbst entschieden, ob und wie Leitern geprüft werden. Fahrzeuge und Bühnen prüfte ein externer Dienstleister, dessen Auftrag jährlich neu vergeben wurde. Nach einer Begehung durch die Unfallkasse beschließt die Verwaltung, die Prüfungen zu bündeln:

  1. Prüfer benennen: Der Werkstattmeister des Bauhofs, gelernter Kfz-Mechatroniker, übernimmt Fahrzeuge und Arbeitsbühnen. Ein Tischlermeister aus dem Bauhof übernimmt die Leitern aller Liegenschaften.
  2. Leiterkataster anlegen: In allen acht Liegenschaften werden Leitern und Tritte gezählt, nummeriert und einem Raum zugeordnet. Private und ungeeignete Aufstiege werden entfernt.
  3. Prüfungen in die Ferien legen: Leitern in Schulen und Kitas werden in den Sommerferien geprüft, Fahrzeuge und Bühnen im Frühjahr zwischen Winterdienst und Grünpflege.
  4. Nachweise zentral ablegen: Alle Prüfprotokolle liegen im Bauhof und sind für die Fachkraft für Arbeitssicherheit jederzeit abrufbar.

So entsteht zum ersten Mal ein vollständiger Überblick über alle Leitern der Gemeinde. Wie Fuhrparks organisiert werden, zeigt die Seite Fuhrpark-UVV organisieren. Ähnlich verteilt arbeiten Dienstleister im Facility Management.

Häufige Fragen zur befähigten Person in Kommunen und Bauhöfen

Gelten die DGUV Vorschriften auch für Kommunen?

Für Kommunen ist nicht eine Berufsgenossenschaft, sondern eine Unfallkasse oder ein Gemeindeunfallversicherungsverband zuständig. Diese haben eigene Fassungen der Unfallverhütungsvorschriften erlassen, die inhaltlich weitgehend den Vorschriften der Berufsgenossenschaften entsprechen, teilweise aber eine andere Nummer tragen. Die Prüfpflicht selbst ergibt sich ohnehin aus der Betriebssicherheitsverordnung, die für alle Arbeitgeber gilt, auch für die öffentliche Hand.

Darf der Bauhof Leitern in Schulen und Kitas prüfen?

Ja, wenn der Prüfer die Anforderungen der TRBS 1203 erfüllt und vom Dienstherrn schriftlich für diese Aufgabe beauftragt ist. Der Bauhof prüft dann im Auftrag der Gemeinde als Arbeitgeber aller Beschäftigten. Bei Schulen in anderer Trägerschaft oder bei Kitas freier Träger ist das anders: Dort muss geklärt werden, wer Arbeitgeber ist und wer die Prüfung beauftragt. Das sollte schriftlich festgehalten werden.

Wer prüft die Lkw-Arbeitsbühne?

Die Arbeitsbühne, also Hubwerk, Korb, Abstützungen und Sicherheitseinrichtungen, prüft eine befähigte Person nach DGUV Grundsatz 308-002 mindestens jährlich. Das Trägerfahrzeug ist ein eigenes Arbeitsmittel mit eigener Prüfung. Liegt es über 3,5 t, reicht der Fahrzeug-Kurs dafür nicht aus, und die Fahrzeugprüfung bleibt extern. Beide Prüfungen lassen sich aber auf einen Termin legen, damit das Fahrzeug nur einmal ausfällt.

Muss die Gemeinde externe Prüfleistungen ausschreiben?

Externe Prüfleistungen sind Dienstleistungen, die nach den Regeln des Vergaberechts beschafft werden. Welches Verfahren nötig ist, hängt vom Auftragswert und den landesrechtlichen Vorgaben ab. Bei kleinen Volumen genügen oft vereinfachte Verfahren. Eigene befähigte Personen verringern den Beschaffungsaufwand, weil nur einmalig Kurse eingekauft werden. Prüfungen durch Sachverständige und Elektrofachkräfte bleiben davon unberührt und sind weiter extern zu beschaffen.

Wie viele Leitern hat eine Gemeinde typischerweise?

Das ist sehr unterschiedlich und wird fast immer unterschätzt. Neben den Leitern im Bauhof stehen in jeder Schule, Kita, Turnhalle, Bibliothek und im Rathaus Leitern und Tritte, oft auch in Feuerwehrhäusern. In einer Gemeinde mittlerer Größe kommen schnell mehrere Dutzend zusammen. Ein Leiterkataster mit Nummer, Standort und Prüfdatum ist deshalb der erste und wichtigste Schritt, bevor über Prüfer und Fristen entschieden wird.

Die ganze Gemeinde aus einer Hand prüfen

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Junge Kranausbildung, Gummersbach · Schulungen seit 2016

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Quellen

Dominik Junge · Junge Kranausbildung, Gummersbach
Autor und fachlicher Prüfer aller Inhalte. Über uns & wie wir arbeiten
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