In der Landwirtschaft müssen Stapler, Leitern und betriebliche Fahrzeuge regelmäßig von einer befähigten Person geprüft werden, sobald Beschäftigte sie nutzen, und Stapler und Obstleitern kann ein eigener Mitarbeiter selbst prüfen. Besonders in Obst- und Gemüsebaubetrieben mit Kühllager und vielen Leitern rechnet sich das. Für die wenigen Hoffahrzeuge lohnt sich ein eigener Kurs meist nicht. Die Kurse für Stapler und Leitern kosten zusammen 800 €.
Welche Prüfpflichten gelten in der Landwirtschaft?
Viele Landwirte verbinden Prüfpflichten vor allem mit dem Traktor und der Hauptuntersuchung. Doch sobald ein Betrieb Beschäftigte hat, und dazu zählen auch Saisonarbeitskräfte in der Ernte, gilt die Betriebssicherheitsverordnung. Sie verlangt, dass Arbeitsmittel, deren Sicherheit von Verschleiß und Beschädigungen abhängt, wiederkehrend von einer befähigten Person geprüft werden. Das betrifft in Obst- und Gemüsebaubetrieben, Gärtnereien und Betrieben mit Direktvermarktung vor allem Stapler, Hubwagen und Leitern.
Zuständiger Unfallversicherungsträger ist in der Landwirtschaft die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Sie hat eigene Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz. Für Prüfumfang und Frist werden in der Praxis die bekannten Regelwerke als Stand der Technik herangezogen: DGUV Vorschrift 68 und FEM 4.004 für Stapler mit einer jährlichen Prüfung, die DGUV Information 208-016 für Leitern. Welche Fristen in Ihrem Betrieb gelten, legen Sie als Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung fest.
Die Saisonarbeit verändert die Lage: In der Ernte arbeiten viele Menschen gleichzeitig mit Leitern und Kisten, oft ohne lange Einarbeitung. Umso wichtiger ist, dass jede Leiter vor Saisonbeginn in einwandfreiem Zustand ist. Mehr zur Leiterprüfung lesen Sie auf der Seite Leiterprüfung nach DGUV Information 208-016.
Typische Arbeitsmittel in landwirtschaftlichen Betrieben
Die Tabelle zeigt die Arbeitsmittel, die in Obst-, Gemüse- und Gartenbaubetrieben mit Lager und Vermarktung typisch sind, und wie gut sie zu unseren Kursen passen:
| Arbeitsmittel | Regelwerk | Frist | Kurs | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Gabelstapler im Kühllager, Elektro-Hubwagen | BetrSichV, DGUV Vorschrift 68 und FEM 4.004 als Maßstab | mind. jährlich | Stapler | 525 € |
| Obstleitern, Stehleitern, Tritte in Halle und Hofladen | BetrSichV, DGUV Information 208-016 als Maßstab | nach Gefährdungsbeurteilung, vor jeder Saison sinnvoll | Leitern & Tritte | 275 € |
| Transporter und Pick-ups unter 3,5 t | BetrSichV, DGUV Vorschrift 70 als Maßstab | mind. jährlich | Fahrzeuge | 420 € |
Traktoren, Anhänger, Erntemaschinen, Hoflader und Teleskoplader stehen bewusst nicht in der Tabelle. Traktoren und Anhänger liegen meist über 3,5 t oder sind landwirtschaftliche Zugmaschinen, für die der Fahrzeug-Kurs nicht gedacht ist. Hof- und Teleskoplader werden je nach Bauart und Einsatz unterschiedlich eingeordnet. Ob der Stapler-Kurs zu Ihrem Gerät passt, klären Sie vor der Buchung am besten mit uns. Obstleitern mit Stützholm haben eine eigene Bauart, werden aber nach denselben Grundsätzen geprüft wie andere Leitern. Die Kombination aus Stapler und Leitern wählt der Kurs-Finder für landwirtschaftliche Betriebe vor.
Typische Risiken und Unfälle in Obst- und Gemüsebau
Die Unfallschwerpunkte in landwirtschaftlichen Betrieben mit Lager und Ernte unterscheiden sich deutlich von denen in der Industrie.
Stürze von Obstleitern
Obstleitern stehen auf unebenem, oft nassem Boden, am Hang oder zwischen Baumreihen. Verbogene Stützholme, lockere Sprossen und abgenutzte Spitzen an den Füßen erhöhen das Risiko, dass die Leiter wegrutscht oder kippt. Viele Leitern sind zudem aus Holz und über Jahrzehnte im Einsatz. Risse, Fäulnis und lose Verbindungen fallen erst bei einer gründlichen Prüfung auf.
Stapler im Kühllager
Im Kühllager und in CA-Lagern arbeiten Stapler bei niedrigen Temperaturen, auf feuchten und teils glatten Böden. Kondenswasser beim Wechsel zwischen Kühlzelle und Halle belastet Elektrik und Bremsen. Großkisten mit mehreren hundert Kilo Obst werden hoch gestapelt, oft mit Anbaugeräten wie Kistendrehgeräten, die bei der Prüfung mit bewertet werden.
Wenig Routine bei Saisonkräften
Erntehelfer wechseln von Jahr zu Jahr. Mängel an Leitern werden seltener gemeldet, wenn Sprachbarrieren bestehen. Eine klare Kennzeichnung geprüfter Leitern hilft allen Beteiligten.
Batterien und Ladebereiche im Kühllager
Elektrostapler und Hubwagen werden oft in improvisierten Ladeecken der Halle geladen. Beschädigte Ladekabel, Säurespuren an der Batterie und fehlende Belüftung sind typische Befunde. Die Batterie selbst gehört zum Stapler und wird bei der Prüfung mit bewertet. Das Ladegerät ist dagegen ein elektrisches Betriebsmittel, das eine Elektrofachkraft prüft.
Was kostet die externe Prüfung im landwirtschaftlichen Betrieb pro Jahr?
Als Musterbetrieb dient ein Obstbaubetrieb mit 14 festen Beschäftigten und Saisonkräften in der Ernte. Er besitzt drei Gabelstapler und vier Elektro-Hubwagen für Kühllager und Sortierung, 60 Obstleitern und Tritte sowie drei Fahrzeuge unter 3,5 t für Hofladen und Marktstand. Gerechnet wird mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben, und 40 € pro Stunde für die eigene Prüfzeit.
| Arbeitsmittel | Externe Prüfung pro Jahr | Eigene Prüfzeit pro Jahr |
|---|---|---|
| 7 Stapler und Hubwagen | 7 × 100 € = 700 € | 7 × 60 Min. = 7 Std. = 280 € |
| 60 Leitern und Tritte | 60 × 15 € + 40 € Anfahrt = 940 € | 60 × 10 Min. = 10 Std. = 400 € |
| 3 Fahrzeuge | 3 × 50 € = 150 € | 3 × 45 Min. = 2,25 Std. = 90 € |
| Summe | 1.790 € | 770 € |
Für Stapler und Leitern zusammen beträgt die jährliche Differenz 960 €. Die beiden Kurse für 800 € sind nach 10 Monaten bezahlt (800 € ÷ 80 € pro Monat). Bei den drei Fahrzeugen spart die eigene Prüfung nur 60 € im Jahr, der Fahrzeug-Kurs für 420 € würde sich erst nach sieben Jahren rechnen. Hier bleibt die externe Prüfung die bessere Wahl. Eigene Zahlen rechnen Sie im Kostenrechner für Stapler durch.
Externer Prüfdienst
- 7 Stapler und Hubwagen, 60 Leitern
- jedes Jahr erneut
- Termin passt selten zur Saison
Eigene befähigte Person
- 2 Online-Kurse
- plus ca. 680 € eigene Prüfzeit
- nach 10 Monaten bezahlt
Rechenbeispiel mit Richtwerten aus veröffentlichten Preisangaben. Kurspreise: reguläre Preise pro Teilnehmer. Ihr konkretes Angebot kann je nach Region, Menge und Anfahrt abweichen.
Die Lösung: eigene befähigte Person für Stapler und Leitern
In landwirtschaftlichen Betrieben gibt es häufig Mitarbeitende mit technischer Ausbildung, die Maschinen und Fahrzeuge warten: Land- und Baumaschinenmechatroniker, Kfz-Mechatroniker oder Landwirte mit langjähriger Werkstatterfahrung. Wer die Stapler selbst wartet und täglich damit arbeitet, erfüllt für die Staplerprüfung die Anforderungen der TRBS 1203 an Ausbildung, Erfahrung und zeitnahe Tätigkeit in vielen Fällen. Für die Leiterprüfung genügt eine landwirtschaftliche oder gärtnerische Ausbildung mit langjähriger Praxis. Prüfen Sie im Zweifel die Voraussetzungen für befähigte Personen.
- Stapler (525 €): für den Betriebsleiter oder Mitarbeiter, der die Flurförderzeuge wartet. Prüfkriterien für Fahrwerk, Hubwerk, Gabeln, Fahrerschutz und Elektrik, Abschlusstest mit 20 Fragen.
- Leitern und Tritte (275 €): für den Vorarbeiter der Ernte oder den Betriebsleiter. Etwa drei Stunden online, gut in den Wintermonaten zu schaffen.
Die Kurse vermitteln die Fachkunde, beauftragt wird schriftlich durch den Betriebsinhaber. Die Lernzeit lässt sich in die ruhigen Monate legen, die Prüfung vor die Ernte.
In Familienbetrieben ist es sinnvoll, zwei Personen zu schulen, damit die Prüfung vor der Ernte auch bei Krankheit sicher stattfindet.
Praxisbeispiel: Leiterprüfung vor der Apfelernte
Der Musterbetrieb hat die Stapler bisher vom Händler prüfen lassen, die Leitern prüfte niemand systematisch. Ausgediente Leitern wurden nur aussortiert, wenn sie offensichtlich kaputt waren. So stellt der Betrieb um:
- Prüfer bestimmen: Der Sohn des Betriebsleiters ist Land- und Baumaschinenmechatroniker und wartet die Stapler seit Jahren. Er belegt beide Kurse im Winter.
- Leitern erfassen: Alle Obstleitern bekommen eine eingebrannte Nummer und eine farbige Plakette mit dem Prüfjahr. Dabei werden acht Holzleitern mit Rissen im Holm ausgesondert.
- Prüftermin vor der Saison: Die Leitern werden jedes Jahr im Juli geprüft, vor der Frühapfelernte. Die Stapler prüft er im Februar, wenn das Kühllager fast leer ist.
- Unterweisung mit Bildern: Saisonkräfte werden mit Bildern statt langer Texte unterwiesen: Nur Leitern mit aktueller Plakette benutzen, Schäden sofort melden.
Die Fahrzeuge bleiben bei der Werkstatt, die sie ohnehin wartet. Wie Mängel an Leitern bewertet werden, zeigt die Seite Leiter-Mängel erkennen und aussondern. Betriebe mit größerem Lager finden weitere Hinweise unter Lager und Logistik.
Häufige Fragen zur befähigten Person in der Landwirtschaft
Gilt die Prüfpflicht auch für landwirtschaftliche Familienbetriebe?
Die Betriebssicherheitsverordnung gilt für Arbeitgeber, also sobald Beschäftigte die Arbeitsmittel nutzen. Dazu zählen auch Saisonarbeitskräfte und Aushilfen. Ein Betrieb, in dem ausschließlich der Inhaber arbeitet, ist davon in der Regel nicht erfasst. Aus Gründen der eigenen Sicherheit und für den Versicherungsschutz ist eine regelmäßige Prüfung von Staplern und Leitern aber auch dort sinnvoll und vergleichsweise wenig Aufwand.
Welche Rolle spielt die SVLFG bei den Prüfungen?
Die SVLFG ist in der Landwirtschaft, im Gartenbau und in der Forstwirtschaft der zuständige Unfallversicherungsträger. Sie berät Betriebe, gibt eigene Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz heraus und kontrolliert deren Einhaltung. Für konkrete Fragen zu Prüffristen, etwa bei Obstleitern oder Hofladern, ist sie der richtige Ansprechpartner. Die Prüfpflicht selbst ergibt sich aus der Betriebssicherheitsverordnung.
Deckt der Stapler-Kurs auch Teleskoplader ab?
Das hängt vom Gerät ab. Teleskoplader werden je nach Bauart und Einsatz als Teleskopstapler oder als andere Maschine eingeordnet, und nicht jedes Gerät fällt unter die Regeln für Flurförderzeuge. Klären Sie die Einordnung mit dem Hersteller oder der SVLFG und sprechen Sie uns an, bevor Sie den Kurs buchen. Für klassische Gabelstapler und Elektro-Hubwagen im Lager passt der Kurs in jedem Fall.
Müssen alte Holzleitern ausgesondert werden?
Nicht automatisch. Holzleitern dürfen weiter benutzt werden, solange sie bei der Prüfung keine Mängel zeigen. Typische Ablegegründe sind Risse in Holmen oder Sprossen, Fäulnis, lockere Verbindungen, fehlende oder beschädigte Beschläge und nachträgliche Reparaturen mit ungeeignetem Material. Holzleitern dürfen außerdem nicht deckend gestrichen werden, weil sich Risse sonst verbergen. Im Zweifel wird die Leiter ausgesondert.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Leiterprüfung?
Vor der Saison, in der die Leitern am stärksten genutzt werden, also im Obstbau vor der Ernte. So gehen alle Leitern in einwandfreiem Zustand in die arbeitsreichste Zeit. Nach der Ernte lohnt eine kurze Sichtkontrolle, damit beschädigte Leitern nicht bis zum nächsten Jahr unbemerkt im Lager stehen. Wer die Prüfung selbst durchführt, legt den Termin genau passend zur eigenen Saison.